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22Jul

Müncher Anschläge

Noch ist nicht klar, was in München passiert ist. Es gibt aber angeblich mehrere Tote und Verletzte. Von daher wünsche ich allen Verletzten, Angehörigen und Freunden nur das Beste.

Ob man es als Terror bezeichnet, oder als Amoklauf oder als Greultat ist ja eigentlich egal, es ist schrecklich für die Betroffenen.

Egal wer es war, alle Meldungen die ich aus München vernommen habe, vermelden einen “Zusammenhalt”. Das ist gut. Und der Zusammenhalt muss zwischen allen vernünftigen Menschen aller Länder, Religionen und Geschlechter gestärkt werden. Egal ob es Rechts-Terror oder Islamisten-Terror oder Autonomen-Terror war, diese Spinner wollen wir nicht. Wir wollen die Menschen, die den Zusammenhalt wollen und leben. Die Spinner sind jeweils eine Minderheit. Daher sollten wir jetzt nicht ganze Bevölkerungsgruppen angreifen. Weder “Die Deutschen”, falls es Rechtsterror war, noch “die Flüchtlinge”, falls es Islamisten-Terror war. Sondern die Terroristen.

Hoffen wir, dass die Täter jetzt schnell ermittelt werden und wir hier weiter einen großen Zusammenhalt genießen können. Damit ärgern wir die Terroristen am meisten. So gewinnen wir gegen die Terroristen. Egal aus welchem Lager sie sind.

16Jul

Heute gegen CETA unterschreiben

Heute werden in ganz Bayern Unterschriften gegen CETA gesammelt.

Auch in Erlangen.

Argumente gegen TTIP und CETA gibt es viele (z.B. bei Greenpeace), für mich sind folgende 3 die wichtigsten:

  1. Ich finde Welthandel toll, aber nicht als Freihandel, weil Handel nicht über allem anderen stehen darf, sondern immer noch demokratischer Kontrolle unterliegen muss.
  2. Investorenschutz führt dazu, dass die Politik (und damit die Bürger) nichts mehr entscheiden dürfen, solange es irgendwem angebliche Gewinne verringern könnte.
  3. Schiedsgerichte ermöglichen es, dass Strafzahlungen vor privaten Schiedsgerichten eingeklagt werden können. Es gibt genug Beispiele, bei denen so Ländern entscheidungen mehrere Millionen Euro gekostet haben. (z.B. bei attac gibt es eine Liste mit 23 Beispielen, gut erläutert)

Von daher hoffe ich, dass heute ganz viele Leute unterschreiben.

08Jul

Patriotismus

Hallo,

ein kleiner Nachtrag zu den vorigen beiden Beiträgen zu Patriotismus und Flaggen.

Julia schreibt einen Bericht auf Facebook: (Vollzitat)

Ich bin grad immernoch fassungslos und mir fehlen die Worte. Und das nicht, weil ein deutsches Fussballteam verloren hat….
Aber von vorne: Einige Freunde und ich wollten heute Abend gemütlich Fussball zusammen gucken und gingen dafür in die Kölner Innenstadt. Wohlgemerkt: Unter diesen Freunden waren zwei Fransösinnen, die natürlich gerne ihr Team anfeuern wollten. Wir saßen also in einem Restaurant und bis zum 0:0 war alles gut. Als dann das 1:0 geschossen wurde und sich diese Freundinnen darüber freuten, kamen die ersten Beleidigungen. Man solle sich doch besser “verpissen” und “die Fresse halten”. Im Verlauf des Spiels wurde dann beim 2:0 für Frankreich klar, dass Deutschland wohl nicht ins EM-Finale kommen würde. Allerdings scheinen einige Menschen dies als Anlass zu nehmen, ihrem “unverkrampften” Patriotismus freien Lauf zu lassen und meine Freundinnen (die sich mittlerweile mit kurzen und spontanen “Juhu”-Rufen begnügten) zu beleidigen mit Rufen wie “Was habt ihr hier verloren?”, “Ihr habt hier nichts zu suchen!” und “Verpisst euch aus ‘unserem’ Deutschland!”. Darauf “wagte” ich es zu erwähnen, dass diese Leute ebenfalls die Klappe halten sollten und ihren “unverkrampften” Patriotismus mal abschalten sollten. Da das Spiel noch zugange war, wurden wir also nun erstmal in Ruhe gelassen. Nach Ende des Spiels schienen diese Menschen ihre Aggressionen aber an irgendjemandem auslassen zu wollen: Meine Freundinnen wurden massiv beleidigt. So einen wunderbar “unverkrampften” Patriotismus wollte ich so nicht stehen lassen. Es hat mich in dem Moment zutiefst geschockt, dass völlig Unbekannte in einer Bar auf uns losgehen. Es brach eine lautstarke Auseinandersetzung aus, während dessen eine junge Frau sich berufen fühlte, auf mich loszugehen und u.a. ein Glas Wasser nach mir zu werfen. (An dieser Stelle möchte ich sagen: es gab einige andere Menschen, die eingeschritten sind und die Freundinnen von mir verteidigt haben, auch wenn es leider zu viele gab, die nichts gesagt haben.) Die Gruppe verließ dann nach verschiedenen Aufforderungen das Restaurant. Die eine meiner Freundinnen war mittlerweile in Tränen ausgebrochen, wir alle waren völlig fassungslos, wieviel Hass uns wegen einem Fussballspiel entgegen geschlagen war. Einige Menschen kamen noch zu uns und sagten uns, dass nicht alle Deutschen so sind und wir die Sache vergessen sollen. Andere wiederum fingen an, uns (mittlerweile fühlte ich mich schon fast “französisch”) zu beleidigen, wieso wir überhaupt hier in Deutschland wären, wenn wir Franzosen sind, dass wir uns (mal wieder) verpissen sollten und dass wir hier in Deutschland gefälligst traurig zu sein hätten, wenn “Deutschland” (ja, mir ist bewusst, dass es ein Fussballteam ist, einigen anderen Menschen aber eher weniger) verliert. Wir gingen also, auch weil wir uns nicht weiter in Gefahr bringen wollten….

Ich bin geschockt, fassungslos und traurig, dass dies den Freundinnen von mir und uns passieren musste – dass sowas überhaupt jemandem passiert. Das Traurige ist, dass die Freundinnen von mir sich am Ende die ganze Zeit bei mir entschuldigt haben, dass sie mir durch ihr Anfeuern vom französischen Team den Abend verdorben hätten… Ihr Lieben, das habt ihr nicht! Das haben Menschen gemacht, die keine Ahnung haben was Toleranz und gegenseitiger Respekt bedeuten.

In den letzten Wochen gab es immer wieder Diskussionen über das Thema Patriotismus, und es wurde immer wieder gesagt, dass wir in Deutschland doch so einen unverkrampften Patriotismus leben. Nun, unverkrampft ist wohl das Wort, was ich am wenigsten für den heutigen Abend nutzen würde.

Leider zeigen solche Berichte, dass sich meine Befürchtungen bewahrheiten. Schaut mal an, wie die Isländer oder Iren ihre Niederlagen feiern und danach singend mit anderen Fans durch die Stadt laufen. Die haben verstanden, dass Fußball eine Plattform ist, um Party zu machen. Solche Fans mag ich (und viele Deutschen Fans haben es auch verstanden).

In Deutschland ist aber der Deppen-Anteil leider so hoch, dass man eben aufpassen muss, ob man durch das Feiern mit der eigenen Manschaft die Deppen glauben lässt, dass alle glauben, dass Deutschland etwas besseres sei.

Diese Deppen kapieren nicht, dass es nicht primär gegen die anderen sondern um den Spaß geht. Fußball ist ein tolles Hobby, solange man sich daran erfreut und mit anderen Menschen positiven Kontakt hat. Die Deppen-Fans machen alles kaputt.

 

 

26Jun

Ein Jahr autofrei

Ich lebe seit über einem Jahr autofrei. Dabei ist mir einiges aufgefallen:

  1. Das geht sehr gut, wenn man einen funktionierenden ÖPNV um sich rum hat. 2 Buslinien in 400 Meter entfernung zur Innenstadt, seit neuestem sogar eine zusätzliche direkt vor der Haustüre zur Innenstadt und nach Nürnberg. Der Bahnhof Bruck (S-Bahn) ist etwa 1 km entfernt. Und einen ICE-Bahnhof gibt es zumindest in Nürnberg (die Fernverkehrszüge, die in Erlangen halten, sind leider viel zu wenige)
  2. Einen Zugriff auf ein Auto zu haben ist hilfreich. Ich bin Mitglied bei Carsharing Erlangen. Aber erstaunlicherweise ist es ganz selten tatsächlich nötig. Der Aufwand zum Car-Sharing-Auto zu kommen von ca. wenigen Kilometern beträgt mit dem Fahrrad zwar nur unter 10 Minuten, aber meistens sind es schon diese 10 Minuten, die alle anderen Alternativen interessanter machen. Innerhalb der Stadt mit Bus und Fahrrad, nach Nürnberg mit der S-Bahn. Daher nutze ich es im Schnitt ca. einmal pro Monat eher seltener und zwar bei einem größeren Transport oder einem besonderen Ereignis oder wenn ganz schlechtes Wetter ist oder irgendwohin die Züge ganz schlecht fahren.
  3. In Erlangen ist man mit dem Fahrrad auf vielen Strecken am schnellsten. Beispiel:
    1. meine Wohnung bis zu meinem Arbeitsplatz in der Innenstadt:
      1. Auto: (laut google maps) 15 Minuten + Parkplatz suchen (min. 5 Minuten) + hin laufen (min. 5 Minuten) = 25 Minuten
      2. Fahrrad: (laut google maps und realistisch) 16 Minuten + anschließen (1 Minute) + reingehen (1 Minute) = 18 Minuten
    2. mein anderer Arbeitsplatz nach Hause: Ich gehe gleichzeitig mit meinem Kollegen aus dem Büro, er fährt mit dem Auto, ich mit dem Fahrrad, er muss bei mir vorbeifahren … und wir sind immer fast gleichzeitig bei mir zu Hause.
    3. Alles innerhalb der Innenstadt. Da bräuchte ich auf dem Weg zum Auto länger als zum Ziel.
  4. Ein Auto ist sehr teuer. Car-Sharing verlangt einen fairen Betrag mit ca. 30 Cent pro km (je nach Auto und Strecke etwas mehr oder weniger, bei Langstrecken sogar viel weniger + eine stündliche Pauschale von 1,10€). Das ist auch das, was man für ein eigenes Auto etwa ansetzt (inklusive Reperatur, Steuer, Versicherung, Verschleiß etc.) (laut Stichprobenrecherche beim ADAC würde ich sogar sagen, die meisten Autos sind noch teurer). Wenn ich damit nach Nürnberg und zurück fahre, 2x25km, kostet mich das über 15€. Dagegen ist eine Tageskarte für 11,70 für den ÖPNV (gilt auch für die ganze Familie) schon 20% günstiger. Wenn ich Pendler wäre und die Monatskarte für 110€ hätte, dann würde ich bei 20 Tagen Fahrt über 50% sparen. Na gut, ich arbeite nicht in Nürnberg, aber mit dem Fahrrad spare ich jeden Tag noch mehr.
    Wenn ich quer durch Deutschland fahre, dann kostet mich eine Autofahrt bei 400 km (eine Strecke) 120€, bei der Bahn mit Sparpreisen 36€ (wieder für die ganze Familie, Sparpreis und Bahncard 25% für alle Mitfahrer) …. also selbst wenn ich nur Benzin rechne und dann auf etwa 40€ komme, ist die Bahn günstiger.
    Selbst eine Normalpreis-Fahrkarte ist (für die ganze Familie, Bahncard25%) für 150€ erhältlich, also nicht viel teurer als die Autofahrt.
    Und die Hauptalternative im Stadtverkehr ist das Fahrrad. Damit spare ich am meisten.
    Ich habe die Zahlen nie genau erfasst, aber mein Gefühl sagt, dass ich einiges spare
  5. Mit dem Fahrradfahren steigt die Fitness und das Gewicht nimmt ab.

Daher kann ich das “Experiment” autofrei allen empfehlen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich es zur Zeit bin.

P.S.: Falls ich mal regelmäßig nach Nürnberg oder ähnliche Distanzen fahren müssten (Berufswechsel) würden ich (faul wie ich bin) mir wohl ein E-Bike zulegen.

25Jun

Vermögens- und Erbschaftssteuer – eine Lösung, die alle Arbeitsplätze erhält

Ganz oft hört man, dass die Vermögenssteuer und die Erbschafssteuer nicht zu hoch sein dürfen, weil ja dann Unternehmen pleite gehen können oder zumindest viele Leute ihren Arbeitsplatz verlieren würden.

Vielleicht habe ich eine Lösung:

Die Steuer kann in Anteilen am Vermögen bezahlt werden. Diese Anteile können von den Vermögenden/Erbenden innerhalb von 20 Jahren zurückgekauft werden (zum gleichen Preis wie damals).

Freibeträge etc. kann es dann natürlich trotzdem weiterhin geben, die kann man aber auf z.B. 100.000 Euro begrenzen.

Beispiele

Die Erbschaftssteuer beträgt bereits heute (für Beträge über der Freigrenze) 30%. Also wenn jemand 4 Häuser erbt, muss er im Normalfall eines verkaufen, um die Erbschaftssteuer zu zahlen.

Jemand erbt ein Unternehmen, das 10 Milliarden Euro wert ist.Er müsste also 3 Milliarden Euro zahlen. Hat die aber evtl. nicht. Kein Problem, das Unternehmen kann so bestehen bleiben, wie es ist, nur gehören dann 30% (also 3 Milliarden), dem Staat. Wenn es dann zu Gewinnausschüttungen kommt, bekommt der Staat halt auch 30%

Weitere Möglichkeiten,

Zusätzlich hätte man noch die Möglichkeit mitzubestimmen. Diese Rolle würde ich bei der Gewerkschaft/ dem Betriebsrat sehen.

Und damit der Chef nicht zu viel Geld über den Weg des Gehalts rauszieht, sollte der maximale Stundenlohn in solchen Unternehmen maximal das 20-fache vom Minimalen Stundenlohn des Unternehmes sein. (8.50*20 sind 170 Euro, wären bei 160 Stunden grob 25.000 im Monat bzw. 300.000 im Jahr. Von mir aus auch einen anderen Faktor oder eine andere fixe Obergrenze….)

24Jun

Erlanger Nachrichten interviewen mich zum Thema “Flaggen runter”

Nachdem ich vor kurzem schon meine Meinung zu dem Thema Flaggen während der EM hier im Blog losgeworden bin, wurde ich letzten Freitag von den Erlanger Nachrichten interviewed. Es gab eine Einleitung, 3 Fragen, und insgesamt durfte der Artikel 2270 Zeichen haben. Da blieb nicht viel Platz für differenzierte Antworten. Ich hätte 3x so viel schreiben wollen. Daher hier ein paar Erläuterungen extra (die sich teilweise mit dem anderen Artikel überschneiden). (Fett = Text der Presse, Kursiv = Antwort von mir, die so für den Artikel freigegeben wurde, Normal = Ergänzungen nur hier zur Erläuterung)

Einen regelrechten Proteststurm hat die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz mit ihrer Aktion „Fußballfans Fahnen runter!“ ausgelöst. Über den Appell, während der Fußball-EM keine Deutschland-Flaggen in der Öffentlichkeit zu zeigen, schüttelten sogar die Parteifreunde in Berlin die Köpfe. Doch wie denken die Grünen hier in Erlangen darüber? Wir sprachen mit Christian Sauter, Erlanger Mitglied im erweiterten Bezirksvorstand der Grünen Mittelfranken.

Herr Sauter, was halten die Erlanger Grünen von der Initiative ihrer Parteifreunde aus Rheinland-Pfalz?

Christian Sauter: Es war falsch zu suggerieren, dass jeder Fußballfan mit Flagge nationalistisch sei.
Richtig war aber die diversen Debatten anzustoßen: Für was steht die Flagge: Fußball, humanitäre Werte oder Abgrenzung? Wer deutet was in die Flaggenmeere hinein bzw. wie sehr profitieren Rechte davon? Was versteht der Einzelne unter Patriotismus? Ist Nationalstolz angebracht und wenn ja, auf was genau sind wir stolz?

Wichtig ist dies nun gesellschaftlich zu diskutieren und sich dabei klar von rechten und menschenverachtenden Gruppen und Meinungen zu distanzieren.

Wie schon im anderen Artikel erwähnt, halte ich persönlich das Konstrukt des Patriotismus für sehr schwierig: Obwohl der Begriff häufig benutzt wird und inzwischen von vielen schon als Normalität angesehen wird, dass man, gerade während einer EM, patriotisch ist und dies auch zeigt, glaube ich nicht, dass die meisten damit irgendetwas konkretes und inhaltliches verbinden – außer Fußball.

Zusätzlich kommt aber noch eine ganz andere Frage hinzu: Welche Nebenwirkungen gibt es? Ich unterstelle (im positiven Sinne) immer erst mal jedem, dass er eigentlich nationalistische Ideen ablehnt und auch mit der Deutschlandflagge keine rechten Intentionen verfolgt. Bei einem Bruchteil habe ich da ganz sicher unrecht, aber ich glaube und hoffe, dass diese “Unterstellung” bei vielen tatsächlich zutrifft. Aber als Nebenwirkung erhält man eben auch eine Unterstützung der rechten Strömungen (siehe auch den Artikel in der Süddeutschen: ‘Per se harmlos ist das jedoch nicht. “Die nehmen einen Trend mit, der auch von außen durch verharmlosende politische Äußerungen weiter gefördert wird”, sagt Wagner. ‘) . Die blasen ihre Propaganda und Unterstellungen dann noch ungenierter raus. Und sind noch radikaler und gewalttätiger. Aktuelle Studien deuten zumindest darauf hin.

Und gerade weil Fußball damit verbunden wird, kommt dann noch eine ganz andere Frage auf: Wenn wir das Zitat nehmen, dass “Patriotismus ist Liebe zu den Seinen – Nationalismus ist Haß auf die anderen”, warum schwenken wir genau dann die Fahnen, wenn es um das Besiegen von anderen geht. Und warum fahren wir nicht mit wehenden Fahnen zum Finanzamt, wenn es um die Steuererklärung geht, immerhin leistet man damit ja seinem geliebten Land durch die Steuerzahlungen etwas Gutes? Oder geht es doch um Abgrenzung? Um eine “Vormachtstellung” der eigenen Nation? Die Süddeutsche dazu: ‘neigt man dazu, auch die Gruppe, der man angehört, positiv von anderen Gruppen abzusetzen.’ und ‘”Eine zu starke Identifikation mit dem eigenen Land birgt die Gefahr, dass sie in Nationalismus umschlägt”, so Wagner. “Und das kann zur Ausgrenzung jener führen, die man selbst als nicht dazugehörig wahrnimmt.” Je schärfer die Grenzen gezogen werden, und umso weniger kritische Positionen innerhalb der Gruppe existieren, desto größer ist die Gefahr.’

Diese Gefahr wird gerade auch mit den folgenden Generationen größer. Bekommen wirklich alle Kinder mit, dass die Polen, Franzosen und Russen unsere Freunde sind (trotz z.T. vorhandener politischer Differenzen). Oder bekommen viele Leute und Kinder mit, dass es toll ist, die anderen zu besiegen?

Also muss man auch an dieser Stelle ganz klar sagen: Nicht jeder Fußballfan mit Fahne ist ein Nationalist, aber damit das nicht immer stärker umschwenkt, braucht man einen krititschen Umgang damit. Und selbst wenn man beim Fußball mal 90 Minuten gegeneinander spielt, muss danach die Freundschaft wieder betont werden. Daher finde ich die Eröffnung der Debatte durch die Grüne Jugend Berlin und RLP insgesamt richtig und gut.

Können Sie die Heftigkeit, mit der die Initiatoren der Aktion „Fußballfans Fahnen runter!“ angegangen wurden, nachvollziehen? Immerhin gab es ja sogar Morddrohungen.

Christian Sauter: Ganz klares Nein! Eine sachliche Debatte ist sinnvoll, aggressives Verhalten ist unakzeptabel. Allerdings zeigen die Morddrohungen genau das Problem: Es gibt Leute, die nicht akzeptieren, wenn andere nicht deutsch genug sind.

Bei der EM dahoam 1974, hat nicht ein einziger Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Hymne mitgesungen. Heute hagelt es Kritik, wenn einer der Spieler nicht mitsingt. Wie erklären Sie sich diese unterschiedliche Betrachtungsweise?

Christian Sauter: Die aktuelle Mitte-Studie der Uni Leipzig zeigt, dass gerade rechts-denkende Personen sich immer radikaler und gewalttätiger äußern. Von daher nehmen wir solche Äußerungen  immer stärker wahr. Ich hoffe, dass sich die allermeisten Fans, genau wie bei der „Nachbar-Debatte“ um Boateng, von solcher rechten Propaganda deutlich distanzieren und einfach alle Spieler vom Torwart Neuer bis zum Torschützen Mustafi gleichermaßen feiern – egal ob sie singen oder nicht.

Mit dieser Frage habe ich mich am schwersten getan.

Einerseits wäre da natürlich der ganz andere zeitliche Abstand zum Naziregime naheliegend gewesen. Aber wenn eine Zurückhaltung damals angebracht war, warum dann heute nicht mehr? Was hat sich geändert? Eigentlich ist es doch heute fast schlimmer als 1974. Heute haben wir in diversen Landesparlamenten wieder rechte Parteien sitzen. Das wir komplett aus nationalistischen Strömungen rausgewachsen sind trifft also nicht zu.

Das nächste Problem ist, dass diese Vorwürfe tatsächlich häufiger zu hören sind und daher mein Aufruf in der Zeitung, dass möglichst viele sich von so einem Mist distanzieren. Auch hier gilt wieder der Ansatz von oben: Wenn niemand kritisch warnt, dann gibt es viele Mitläufer, die es als normal emfpinden, die Nichts-Sänger zu kritisieren. Da etwas Bewusstsein zu verbreiten ist daher absolut sinnvoll.

Daher komme ich zu dem Schluss, dass es in doppelter Hinsicht abstrus ist, jemandem vorzuwerfen, nicht mitzusingen:

  1. Wie sehr man sich mit seinem Land, der Flagge und der Nationalhymne identifiziert ist jedem selber überlassen. Da einen Zwang aufzubauen ist einfach nur nationalistisch.
  2. Gerade die deutsche Fußball-Mannschaft hat insgesamt den Fußballfans sehr viel “Freude” bereitet. Sie haben also sehr viel für Deutschland getan. Viel mehr als so mancher Fan der sich danebenbenimmt (nicht alle, das soll keine Verallgemeinerung sein!).

 

Und mein Fazit: Jeder sollte mal über folgende 2 Aspekte nachdenken:

  1. Grenze ich selber durch mein Verhalten jemand aus oder mache andere “nieder” (inklusive Gesänge, Sprechchöre, Sprüche)
  2. Gibt es in meinem Umfeld welche, die solches Verhalten an den Tag legen und sich durch meine Symbole bestärkt fühlen könnten.

Wenn beide Fragen ehrlich und überzeugend mit NEIN beantwortet werden, dann wünsche ich frohes Fußballfeiern. Wenn die erste Frage mit JA beantwortet wurde, dann sollte man mal über eine Verhaltensänderung nachdenken und falls die zweite Frage mit JA beantwortet wurde wünsche ich mir viel Zivilcourage, dass da jeder auch mal ein Contra gibt. Ein “Hey, wir wollen hier friedlich Fußball feiern und nicht so nationalistischen Kram hören” lässt oft schon einen Großteil verstummen bzw. regt zum Nachdenken an.

14Jun

EM und Patriotismus

Die Debatte kommt wieder auf. Brauchen wir einen Patriotismus? Oder ist ein Patriotismus vielleicht sogar schädlich?

Ich sehe es nicht ganz so krass wie einige Gliederungen der GJ, z.B. Berlin oder RLP, bei denen ja eine Gleichsetzung von Patriotismus und Nationalismus direkt oder indirekt vorgenommen wird. Trotzdem kann ich diesen zustimmen, dass wir mit dem Party-Patriotismus sehr vorsichtig umgehen müssen. Denn ich sehe zwei Gruppen (ganz grob) unter den Fußballfans.

  1. Auf der einen Seite die Leute, die garantiert nicht nationalistisch oder rassistisch sind, aber “die Mannschaft” unterstützen/bejubeln wollen.
  2. Auf der anderen Seite rechte Idioten, die alles national wollen.

Und dazwischen ein breites Spektrum…

Ziel muss es sein, denen, die friedlich und weltoffen sind eine vernünftige Basis zu bieten Fußball zu schauen und gleichzeitig den Idioten jegliche Basis zu entziehen.

Was ist überhaupt Patriotismus?

Als Zitat habe ich jetzt auch schon gesehen: “Patriotismus ist Liebe zu den Seinen – Nationalismus ist Haß auf die anderen” (Richard von Weizsäcker); andere sehen dieses Zitat bei Johannes Rau.

Da stellt sich mir dann aber immer die Frage:

Was macht einen Deutschen zu den “Meinen”? Was liebt man an Deutschland?  Selbst wenige Häuser weiter kann jemand wohnen, den ich garantiert nicht liebe, weil er mir total unsympathisch ist. Keinem aus der Nationalmannschaft habe ich jemals die Hand geschüttelt. Also von LIEBE kann da bei mir nicht die Rede sein. Und trotzdem schaue ich gerne Fußball. Es ist spannend, gerade wenn man für eine der Mannschaften ist. Und ich bin meistens für die Mannschaft, über die ich am meisten erfahre und Hintergrundinfos habe. Also bei mir tatsächlich das DFB-Team. Aber andere Mannschaften mag ich auch.

Aber wenn sich jetzt viele als Patrioten bezeichnen, was lieben sie dann an Deutschland? Wie weit geht die Liebe? Geht die Liebe überhaupt über den Fußball hinaus? Und was genau liebt man? Die Menschen? Die Kultur? Die Landschaft?
Wie viele wären bereit, sich ehrenamtlich für ihr Dorf zu engagieren? Wer zahlt gerne Steuern für unser tolles Deutschland? …

Auf was ist man stolz, wenn man auf Deutschland stolz ist? Persönlichkeiten? Demokratie? Oder doch nur Fußball? Oder auf die eigene Leistung? Aber was hat die mit Deutschland zu tun?

Und gibt es diese Sachen, die man liebt und auf die man stolz ist, nur in Deutschland? Sind das tatsächlich deutsche Attribute? Oder gibt es die Sachen 50 km weiter im Ausland (je nachdem wo man wohnt in Frankreich, Dänemark, Polen, Tschechien, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Schweiz) auch? Dort vielleicht sogar noch mehr als im 500 km entfernten deutschen Ort. Oder mal plakativ formuliert: Hat ein Alpenort nicht mehr mit Österreich gemeinsam als mit Hamburg? Und hat ein Ostseeort nicht mehr mit Dänemark gemeinsam als mit München? Oder der Ort in Chemnitz mit Polen mehr gemeinsam als mit dem Ruhrgebiet?

Und wenn ich so nachdenke, komme ich meistens zu dem Ergebnis, dass ich als politisch engagierter Mensch, der auch das eine oder andere in diversen Vereinen mal ehrenamtlich macht, mich wahrscheinlich viel patriotistischer verhalte als der durchschnittliche Fahnenschwenker, der dann, nach dem 3 Bier die Flasche irgendwo zertrümmert, sie nicht selber wegräumt und damit seine schöne Heimat verdreckt.
Und dann am Monatsende schimpfen wieder viele, dass wieder so viel Steuern vom Gehalt abgezogen werden, und dieser sch… Staat einen in Ruhe lassen soll.
Ist das nicht widersprüchlich, wenn man das Land liebt?

Aber ich sehe mich nicht als “deutscher Patriot”, ich bin einfach jemand, dem sein Umfeld wichtig ist, und das ich mit gestalten möchte. Wenn ich jetzt aus irgendeinem Grund ins Ausland gehen würde, würde ich mich dort genau so verhalten. Ich würde wieder meine direkte Umgebung (im großen wie im kleinen) an vielen Ecken und Enden verbessern und mitgestalten wollen.

Verhalten von (zu) Vielen beim Fußball

Aber zurück zu den Fahnenschwenkern und dem Weizäcker-Zitat.

Wenn alle nur die Nationalmannschaft unterstützen wollen würden und den “Spiel-Gegner” mit absolutem Respekt behandeln würden, hätte ich damit auch kein Problem. Dann wäre die Fahne tatsächlich primär ein Symbol des Fußballfans. Es wird in der Realität leider sehr schnell politisch und der Respekt lässt sehr häufig zu wünschen übrig. Beispiele die ich persönlich miterlebt habe:

  • 2006 haben wir vom AsTA der Uni Ulm zum Spiel Deutschland gegen Argentinien das Spiel im Hörsaal gezeigt und beide Flaggen auf Papier (ca. DIN A0) gezeichnet und vorne hingehängt. Während dem Spiel wurde die Argentinien-Flagge von einem zerrissen unter dem zustimmenden Gejohle von vielen. “Gegenstimmen” waren keine zu vernehmen und mein Versuch das zu stoppen wurde von niemandem unterstützt.
  • Pfiffe bei der anderen Nationalhymne
  • Sprüche der Art: “Ihr seid nur ein Pizza-Lieferant”
  • “Deutschland-Deutschland über alles” –  Rufe – vor 2 Jahren passiert, da gab es aber zum Glück ein breites Gegenecho, dass sowas nicht gewünscht sei.
  • Blöde Sprüche gegen unseren Lieblings-Ciabatta-Italiener nach dem Sieg der Italiener im 2012er-Halbfinale

Diese ganze Stimmung, die diverse “Gefühle beinhaltet”, wie z.B.: Deutschland, anderes Land, besiegen, Glücksgefühle, Wir-Gefühle, …. Diese Stimmung führt dann eben leider nicht selten dazu, dass es ein “wir lieben die Unseren” in ein “wir machen die anderen schlecht” umschlägt. Und das passiert leider bei breiten Massen. Oft gar nicht gewollt oder bewusst, aber obige Beispiele zeigen, dass Viele in sochen Stimmungen auch mal bereit ist, bei Sachen mitzumachen, die mit Respekt garantiert nichts mehr zu tun haben.

Ich bin mir sicher, dass es nicht alle sind, aber leider hat meine Erfahrung gezeigt, dass es zu viele sind und man diesen daher auch öfter mal ein Kontra geben muss. Von der Schätzung würde ich sagen, machen ca. 50% mit und halten das für harmlose Sprüche. Aber leider fallen diese auch auf und prägen das Bild. Und ich halte das für sehr respektlos und will sowas nicht erleben müssen.

Selbst große Medien sehen gewisse “Risiken” beim Partyotismus. z.B. ARD/Sportschau -Partyotismus – Zwischen Willkommenskultur und Gewalt oder die Süddeutsche Nachtrag: BZ
Nachtrag: Noch klarer der Beitrag vom Volksverpetzer

Verhalten von Wenigen nach dem Fußball

Dann gibt es eine kleine Minderheit von Idioten, bei der das in noch krassere Taten umschlägt. Wie weit diese von solchen Stimmungen beeinflusst werden, vermag ich nicht zu sagen, aber ich fürchte, dass dies als ein Aspekt der Ermunterung von diesen Idioten aufgenommen wird. Aber was passiert ist schon krass. Hier mal 2 Beispiele:

Lösungsansatz für das Problem

Ein Ansatz könnte es sein, dass wir viel stärker zwischen “unserer Mannschaft” und Deutschland differenzieren. Wenn Özil ein Tor schießt oder Neuer ein Gegentor verhindert, hat dies wenig mit Deutschland an sich zu tun, außer dass diese eben einen deutschen Pass haben. Genau so wenig übrigens, wie wenn einzelne Idioten mit deutschem Pass bei Schlägereien dabei sind. Das eine sind erst mal gute Fußballer, das andere sind erst mal Idioten, und beide sind nur zufällig deutsch (oder aus einem anderen Land).

Solch eine Differenzierung passiert in anderen Ländern auch. Dort werden die “three lions”(England), “Équipe Tricolore“(Frankreich) … angefeuert. Natürlich wird das jeweils als die Mannschaft des jeweiligen Landes wahrgenommen.

Mit der Namensgebung hat der DFB etwas in die Richtung probiert, allerdings eigent sich der Name nicht so richtig zum anfeuern. “Mannschaft, Mannschaft …. tralalalalaaaa” passt irgendwie nicht. Da müssen wir uns noch was Gutes überlegen.

Aber wenn man nicht nur von den Begriffen, auch von den Symbolen eine Stufe mehr Richtung Fußball geht, wäre das sicherlich ein Ansatz. Trikot ist schon mal ein Symbol, dass wenig mit Deutschland zu tun hat und viel mit der Mannschaft. Die Grüne Jugend hat ja bereits die DFB-Flagge vorgeschlagen.

Auf der anderen Seite muss man aber ganz klare Kante zeigen gegen die, die über Anfeuerungsrufe hinaus sich daneben benehmen. Insbesonders wenn es strafrechtlich relevant wird (z.B. Hitlergruß, Nazisymbole …). Bei Public Viewings würde ich mir wünschen, dass die rausgeschmissen und auch gleich angezeigt werden. Auch wenn ich selber kein Fan des “unverkrampften Patriotismus” bin, wenn man den will, dann geht es nur, wenn man sich gleichzeitig ganz massiv von den Leuten mit rechtem Gedankengut distanziert.

Fazit

Von daher komme ich zu dem Schluss: Ein rein fußballerisches anfeuern ist erst mal kein Fehler. Allerdings sollte man sich, bevor man sich als Patriot bezeichnet, ganz genau überlegen, was Patriotismus für einen bedeutet. In wiefern mag man Deutschland? Was ist an Deutschland so besonderes? Was bedeuten meine Symbole für mich? Wie viel Respekt zeige ich dem Gegner tatsächlich? Was bedeuten meine Symbole für andere? Zu was ermutige ich andere?

Und wenn ich die Fragen so durchgehe, dann komme ich für mich zu dem Schluss, dass ich mir zwar die Spiele gerne mit Freunden anschaue, aber ich weder stolz auf das Ergebnis sein muss, weil ICH nichts dazu beigetragen habe, noch dass dies jetzt eine gesamtdeutsche Leistung ist. Weil es eben aber einige gibt, die aus diesen Siegen ableiten, dass Deutschland insgesamt irgendwie besser sei oder die anderen Länder insgesamt schlechter, bin ich mit dem ganzen Patriotismus-Modell sehr vorsichtig.

Ich mag meine Umgebung und mein Umfeld. Ich lebe auch gerne in einem Staat mit m.E. guter Demokratie, Bildung, Rechtsstaatlichkeit, … deswegen lebe ich gerne hier, aber würde das auch in  vielen anderen Ländern so sehen.

Insgesamt habe ich somit kein Problem mit dem Anfeuern von der deutschen Nationalmannschaft, von Flaggen bin ich zwar kein Fan, solange es jemand macht, der dies rein auf Fußball bezogen sieht, finde ich nicht, dass man dem dann irgendeinen Nationalismus vorwerfen kann. Und auch nicht, wenn er damit symbolisieren will, dass er gerne hier in diesem Land lebt.
Aber wenn jemand daraus abstruse Schlüsse zieht oder sich feindlich oder respektlos gegenüber anderen Ländern oder den Menschen von dort verhält, dann ist für mich eine Grenze überschritten, bei der man es nicht mehr einfach tolerieren kann. Und leider ist dies viel zu häufig der Fall. Deswegen ist es gut, dass eine Debatte über diese Fahnenmeere angestoßen wurde und wo wir die Grenze sehen und wie weit es gehen darf.

27Dec

Die bösen Vegs

Weil ich mich in letzter Zeit viel mit Vegetarismus und Veganismus beschäftigt habe (obwohl ich selber keines von beidem wirklich lebe) und mir dabei sehr viele Anti-Vegan-Artikel, Sprüche, Fragen und Witze über den Weg gelaufen sind und daraus Diskussionen entstanden sind, möchte ich hier mal ganz viele Anti-Veganer-Argumente zusammenfassen, und beantworten, so dass ich das nicht immer und überall neu schreiben muss.

  1. “Einige Veganer, die nicht so missionarisch drauf sind, sind ja OK, aber bei voll vielen ist das halt schon eine Religion geworden.”
    1. Ich kenne diverse Veganer und deren Gründe für den Veganismus sind unterschiedlich, aber relativ häufig ist die ethisch-moralische Grundthese dabei, dass man so wenig Tierleid wie praktisch möglich verursachen soll. Dies kann man natürlich als Religion bezeichnen. Aber so eine Religion mit solchen Grundsätzen, das Leid vermieden werden soll, wäre für mich keine schlechte Religion. Es wäre eine Religion, die auf höchsten Werten aufbaut.
      Allerdings ist der Unterton dabei meistens eher negativ. Daher empfinde ich solche “Religionsbezeichnungen” eher als rhetorischen Trick und schlechten Diskussions-Stil und nicht als konstruktiven Beitrag. Daher würde ich es begrüßen, wenn das Thema “Religion” einfach aus den Diskussionen rausgelassen wird.
    2. Den missionierenden Veganer gibt es. Den radikalen Veganer gibt es. Ich habe sie gesehen. Ich informiere mich aber auch intensiv über das Thema und habe viel Kontakt mit Veganern. Aber die allermeisten Veganer die ich kenne sind nicht missionierend. Ganz im Gegenteil. Ich werde in den sozialen Netzwerken eher mit Artikeln wie dem (Sarah Wiener Cola und Sojamilch) oder den Aussagen von Christian Schmidt, die in der Taz diskutiert werden, konfrontiert. Um mich über vegane Themen zu informieren, musste ich aktiv suchen. Ich nehme somit das missionieren eher anders herum war. Es gibt zig Beiträge die in sozialen Medien geteilt werden, manchmal in Form eines “Memes” oder “lustigen Bildes”, manchmal in Form von Artikeln, die vegetarisch und vegan schlecht machen sollen. Und wenn darauf dann jemand (ein Veganer) sachlich antwortet, dann muss er sich anhören, dass er missioniert.
      Also auch die “Missionierungsbehauptung” scheint mir eher ein Totschlagargument ohne Substanz zu sein.
      Der andere Aspekt ist, dass der Grad zwischen missionieren und informieren verdammt schmal ist. Wenn ich diesen Artikel jetzt schreibe, sehe ich das erst mal als informieren. Ich würde mich aber freuen, wenn der eine oder andere dadurch zum nachdenken kommt und den Fleischkonsum reduziert. Ist das hier jetzt missionieren?
      Gerade im politischen Umfeld nennen wir unseren Informationsauftrag “politische Bildung”. Da wird das als ganz normal wahrgenommen.
  2. “Vegan ist total ungesund, weil einem da ja ganz viele Vitamine fehlen und man davon Hirnschäden bekommt und dumm wird.”
    1. Dieses Statement hört sich jetzt so an, als ob ich übertreibe und sowas in echt keiner sagen würde? Sowas wird aber leider kommuniziert. Das oben bereits erwähnte Interview mit unserem Minister wird bei RP so aufgearbeitet:

      Auch Professor Berthold Koletzko von der Universität München weißt in “Bild” auf die Gefahr eines Vitamin-B12-Mangels hin. Dieser könne zu Schäden im Gehirn führen, sagt Koletzko. “Eine vegane Ernährung kann bei Kindern zu schweren neurologischen Schäden führen, bis hin zu einer dauerhaften Behinderung.”

      Natürlich hat Professor Koletzko grunsätzlich Recht, natürlich ist ein B12-Mangel nicht gut. Natürlich sollte man sich nicht einfach uninformiert vegan ernähren. Insbesondere eine B12-Substitution ist notwendig. Das erfährt man auch sofort, wenn man sich bei Veganern über die Lebensweise informiert. Aber solche Horrorszenarien kann man für jede Ernährungsweise ausmalen. Wenn man sich falsch mit Fleisch ernährt, dann kann man verfetten und an Herzinfarkt sterben. (Und das ist inzwischen sogar eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland). Und wenn man B12 supplementiert, dann sind diese Gefahren plötzlich nicht mehr da. Aber die Artikel werden oft so aufgezogen und geschrieben, als ob vegane Ernährung generell tödlich oder zumindest schädlich wäre. Was aber falsch ist.
      Also sind wir wieder beim Punkt 1.2 “missionarisch”. Vernünftig geschrieben müsste in dem Artikel stehen, dass man sich ausgewogen ernähren soll, nicht zu viel Fett und zu viele Kalorien, nicht zu wenig Vitamine und nicht zu wenig Spurenelemente …. und ruhig auch mal Fleisch weglassen darf.

    2. Dann kommt jetzt häufig noch die Frage, ob B12-Substitution unnatürlich ist. Im oben bereits erwähnten Taz-Artikel steht:

      Sie rät dringend zu kinderärztlicher Beratung und hält eine „Supplementierung von Nährstoffen“ für zumeist erforderlich. Letzteres ist zweifellos möglich, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn der regelmäßige Konsum angereicherter Nahrung oder von Ergänzungsmitteln vermittelt Kindern, dass ausgewogene Ernährung mit weitgehend naturbelassenen und regionalen Lebensmitteln nicht reicht.

      Ja, auch da kann ich grundsätzlich zustimmen, aber wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein. Wer hat sich die letzten Tage ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker, ohne Aromen, ohne Farbstoffe ernährt? Wer hat sein Essen ohne Jodsalz gegessen? In fast allen Ernährungsformen sind heute leider viele Zusatzstoffe drin. Fast jeder stopft die sich rein ohne Ende. Aber wenn ein Veganer B12 nimmt, dann ist das der Untergang unserer Kultur? Mal ganz abgesehen davon, dass ich gehört habe, B12-Mangel kann auch Leute betreffen, die tierische Produkte essen. Von daher finde ich auch diese Kritik am Veganismus scheinheilig.

    3. Wer zum Thema B12 und vor allem zum tollen Statement vom Landwirtschaftsminister noch einen passenden Kommentar lesen will, der kann mal beim Graslutscher weiterlesen. Oder eine tolle FAQ zu B12
    4. Und was fehlt Veganern sonst noch?
      Auf Vitamin D sollte man achten, das kann aber meistens ohne künstliche Zusätze (in die Sonne gehen, Avocados essen) erreicht werden.
  3. Sojamilch ist so unnatürlich wie Cola
    1. So etwa hat es Sarah Wiener geschrieben und malt wieder mal das Bild, dass der Veganer nur Soja-Industrieprodukte isst, während das gute Stück Fleisch vom Bauern nebenan kommt. Auf den Artikel von Sara Wiener hat Julia Akra-Laurien eine gute Antwort geschrieben. Jeweils ein Zitat eines Absatzes das m.E. die Kernaussage enthält.
      S.W.:

      Aber durch seinen Verzicht verbessert er auch nichts an den üblen Verhältnissen in der Nahrungsmittelproduktion. Denn: Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch die nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region. Im Gegenteil: Auch vegane Industrieprodukte lassen Böden erodieren, versauen das Klima und vergiften das Wasser. Das System, in dem sie entstehen, ist ebenso grundlegend falsch wie das System der Fleischproduktion.

      und das Kernzitat in der Antwort von J.A.L.:

      Doch habe ich nach dem Lesen Ihres Beitrags das Gefühl, dass vegan zu essen für Sie bedeutet, weitestgehend auf industrielle Fertigprodukte zurückzugreifen. Das gilt vielleicht für sogenannte Puddingveganer, die sich zwar rein pflanzlich, aber sehr einseitig und überwiegend von Convenience-Produkten ernähren. Das ist aber nicht das, was wir regulär unter veganer Ernährung verstehen. Gerade Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen dafür entschieden haben, verarbeiten meist frische, regionale und saisonale Produkte.

      Ich habe diese beiden Zitate gewählt, weil Sarah Wiener mit dieser Kernaussage recht hat, dass “einfach nur vegan” nicht die Welt rettet, aber sie eben einen Sonderfall hervorhebt, nämlich den “Pudding-Veganer”.  Und das stellt Julia Akra-Laurien klar, dass dieser nicht unbedingt repräsentativ ist.
      Und bei “Omnivoren” gibt es ebenso die ganze Bandbreite. Auch da sind genug dabei, die sich mit Fertigpizza, Süßigkeiten und Energydrinks ernähren.

  4. “Veganer töten auch Tiere, beim Ackerbau sterben viel mehr Tiere. Und dann kommt da ja noch die Verdrängung durch den Ackerbau dazu. Das ist besonders schlimm, da die Veganer ja dauernd Tofu essen. Und dieser kommt aus Soja-Monokulturen.”
    1. Das auch beim Ackerbau Tiere umkommen stimmt erst mal. Das Monokulturen schlecht sind auch. Aber ist es dann sinnvoller Fleisch zu essen und sind die Veganer an diesen Monokulturen schuld? Nein! Denn die Tiere, die gegessen werden, fallen nicht ausgewachsen vom Himmel. Die werden aufgezogen und bekommen dabei Futter. Meistens Kraftfutter. Das enthält oft Sojaschrot. Meistens eben genau das Monokultur-Soja. Und zwar braucht man pro Kalorie Fleisch je nach Quelle etwa 7 Kalorien pflanzlichen Input. Und bei Tieren ist der Soja-Anteil ziemlich hoch.
      Während ein Veganer zwar auch ab und zu mal Soja konsumiert, aber der Teller mit viel mehr und oft lokal angebauten Sachen gefüllt ist (Getreide, Gemüse, Reis, Kartoffeln, Obst, …), ist der Sojaanteil bei vielen Nutztieren sehr hoch.
      Also von den Tieren, die dem Ackerbau zum Opfer fallen, sind ganz viele ein Opfer der “Fleischindustrie” und an verhältnismäßig wenigen sind die Veganer schuld.
  5. “25% der Landwirtschaftlichen Flächen sind Weideland und für den Ackerbau gar nicht zu gebrauchen. Und die Bewirtschaftung mit Tieren ist wichtig, da sonst Almen und Heiden nicht mehr so existieren könnten. Almen und Heiden sind auch wichtig für die Biodiversität”
    1. Die “Bewirtschaftung” ist nicht wichtig. Um diese “Landschaften” zu erhalten könnte man die Kühe, Ziegen, Schafe … auch einfach so da leben lassen. Es fordert ja kein Veganer, die Tiere ab jetzt zu verstecken.
    2. Aber gehen wir nun mal davon aus, dass Weidetierhaltung gut ist. Dann ist das noch lange keine Rechtfertigung dafür, dass man zu Weihnachten die billigste Gans kauft, die in Massentierhaltung hochgezogen und vollgestopft wurde. Das hat mit “natürlicher Weidehaltung” nichts mehr zu tun. Und Massentierhaltung ist eben die große Masse des Fleischverzehrs. Es ist ja immer erstaunlich, dass scheinbar alle nur Biofleisch kaufen und essen und natürlich nur ganz selten und natürlich immer beim Metzger nebenan, der die Kühe vom Bauern 3 Häuser weiter hat. Die spannende Frage ist, wie viele Kühe hat der Bauer 3 Häuser weiter, so dass es jeden Tag zu einer frischen Auswahl von Fleisch kommt? Und wenn alle nur da kaufen, warum gibt es dann überhaupt noch Massentierhaltung?
      Ich und wahrscheinlich ganz viele Veganer wären schon ein ganzes Stück glücklicher, wenn es wirklich so wäre, dass nur “glückliche” Tiere geschlachtet werden, die auf der Weide waren und nicht mit Sojaschrot gefüttert wurden, sondern nur mit dem Gras von vor der Haustüre. Aber das würde bedeuten, dass der Konsum von Tierprodukten massiv eingeschränkt werden müsste oder zumindest erheblich teurer würde.
  6. “Fleisch braucht weniger Energie als vegane Ernährung”
    1. Zum Beispiel stand bei Independent:

      Lettuce is ‘three times worse than bacon’ for emissions and vegetarian diets could be bad for environment

      Was zwar so stimmen mag, aber mit einer Ernährungsmischung wenig zu tun hat. Das ignorieren viele. z.B. auch Heilpraxis.net. In diesem Artikel wird behauptet, dass vegetarische Ernährung untersucht wird. Dann wird sogar richtig zum Paper verlinkt. Das spannende ist dann, dass die den Fall “vegetarisch” gar nicht untersucht haben. Eigentlich hat das Paper aber verschiedene Ernährungsformen untersucht, von denen KEINE vegetarisch oder vegan war. Dort hat zwar der eine Salat mehr Energiebedarf pro Kalorie als der Schinken, aber das Getreide für das Brot ist dafür 5 mal weniger Energieintensiv.  (Rohdaten kann man sich da kostenfrei herunterladen (docx).)

      Sogar die Forscher des Originalpapers haben eine Antwort verfasst, von der bei der Huffington Post berichtet wird.
      Bei einer entsprechende Mischung (viel Getreide etc.) kann also davon ausgegangen werden, dass die vegane Ernährung oft weniger Energie braucht.

  7. Jeder soll sich doch so ernähren wie er will, das ist doch Privatsache.
    1. Klimaerwärmung, Hungersnöte … sind dann keine Privatsache mehr, sondern betreffen alle … dazu hab ich ja schon mal einiges geschrieben als es um den Veggie-Day ging, daher bitte dazu diesen Artikel lesen.
  8. Viel wichtiger ist bio, regional, sessional, frisch
    1. Dass diese 4 Punkte gut und wichtig sind, dem kann ich zustimmen. Aber auch das lässt sich locker über eine vegane Ernährung erreichen. Daher sehe ich in diesem “Argument” keinerlei Grund, warum Veganismus schlecht sein sollte.
  9. “Vegan alleine rettet auch nicht die Welt”
    1. Stimmt, aber es ist ein kleiner Beitrag dazu. Daher ist es natürlich falsch es als die “Masterlösung” darzustellen, aber das machen wenige Veganer.
      Zusätzlich kann und sollte man sich auch Gedanken über Reduktion und Nachhaltigkeit von Flugreisen, Autofahrten, neuer Elektrogeräte, Stromverbrauch, Güterkonsum … machen. Der Nahrungskonsum ist eben nur ein Aspekt von vielen. Aber eben auch ein relevanter.
    2. Diesen kleinen Beitrag im Bereich Nahrung kann auch jeder leisten, indem der Fleischkonsum reduziert wird. Ob man absolut gar nichts mehr will ist kann ja jeder persönliche entscheiden. Aber je größer die Reduktion ist, desto besser. Und je mehr man dann noch zusätzlich die in 8. angesprochenen Aspekte beachtet, desto besser.
    3. Viele Veganer haben als Motivation “Ethik”, also insbesondere der Einstellung, dass man einem Tier, sofern möglich, kein Leid zufügen sollte. Und vielleicht retten sie dann nicht die Welt, aber sie fügen keinem Tier ein Leid zu. Also das “die Welt retten” ist oft eben nicht die (Haupt-)Motivation.
    4. Und wer den Masterplan hat, wie man die Welt retten kann, der soll ihn bitte kommunizieren. Bis dieser bekannt ist, sollten wir für jeden kleinen Beitrag einfach dankbar sein.
  10. “Alle Veganer …” (+irgend ein Vorurteil)
    1. Leider höre ich sowas auch ab und zu. Das ist natürlich quatsch. Es gibt unter den Veganern die ganze Bandbreite. Sehr wenige wollen ihren Lebensstul in die Welt hinaustragen, einige verstecken ihn, einige wollen der Umwelt damit was gutes tun, andere wollen einfach keinem Tier was zuleide tun, dann gibt es auch noch gesundheitliche Gründe (z.B. Laktoseunverträglichkeit), …. von daher zeugen solche “Argumente” einfach von Vorurteilen bzw. Uninformiertheit.
  11. Wenn alle Veganer wären, dann würden die Anbauflächen gar nicht reichen, um so viel Gemüse anzubauen.
    1. Hört man immer wieder…. und wenn man mal vorsichtig nachfragt, von was die Tiere, die ja gerne gegessen werden, sich so ernähren, wird man dann auf “Weidehaltung” (siehe Punkt 5) verwiesen. Es ist aber so, dass die meisten Tiere aus Massentierhaltung kommen (laut arte etwa 98% – wobei ich hier davon ausgehe, dass da auch ein großer Gradient von “Käfighaltung” bis hin zu “Freilandhaltung” dabei ist). Und die Tierebrauchen je nach Quelle mindestens 5-7 Kalorien pflanzliche Nahrung (Soja, Getreide), um 1 Kalorie tierische Nahrung zu produzieren (z.B. hier Kapitel 2.2 wird sogar der Faktor 10 erwähnt). Da diese in Massentierhaltung zugefüttert wird, d.h. erst irgendwo angebaut und dann verfüttert, fallen dafür auch Anbauflächen an. D.h. für jedes durch eine “Getreidespeise” (Nudeln, Reis, …) ersetzte Steak, kann man mindestens 4 weitere Personen mit der gleichen Anbaufläche versorgen, wie für das Steak verbraucht wurde.
    2. Daher ist es insgesamt sogar genau umgekehrt: Mit einer Reduktion von Fleischkonsum und dem Konsum von Tierprodukten, kann die Weltbevölkerung besser ernährt werden mit weniger Flächen-, Energie-, Wasserverbrauch. Siehe dazu auch topagrar, vegotel, vegane Gesellschaft, spon,
    3. Natürlich gibt es auch einige Luxus-Vegan-Produkte, die einen relativ hohen Flächen-, Energie- oder sonstigen Verbrauch mit sich bringen. Aber das ist nicht die Hauptmenge dessen, was Veganer konsumieren.
  12. Wenn alle plötzlich Veganer werden, was dann? Dann müsste man die Tiere alle notschlachten?
    1. Plötzlich werden alle Veganer? Schöner Traum, aber absolut unrealistisch. Es werden niemals alle gleichzeitig Veganer. Wenn in Deutschland jährlich zusätzlich 2% sich für eine vegetarische Ernährung entscheiden würden und zusätzlich 1% für eine vegane Ernährung, dann wäre das eine gigantisch große Bewegung, aber so langsam, dass nicht plötzlich alle Hühner, Kühe und Schweine notgeschlachtet werden müssten, sondern einfach ein paar weniger nachgezüchtet werden müssen.
    2. Und wenn dann irgendwann (nach ca. 25 Jahren) die meisten Menschen (90%) fleischlos ernähren und davon 30% vegan leben, dann kommt immer noch das meiste Fleisch aus Massentierhaltung, weil oben haben wir ja gelernt: 98% kommt in Deutschland aus Massentierhaltung.
  13. Diese Tiere sind doch nur dazu da, um gegessen zu werden.
    1. Steht in der Bibel, oder wo?
    2. Natürlich wurden viele Tiere als Nutztiere gezüchtet, aber diese Tiere leiden trotzdem. Und belasten die Umwelt. Von daher spricht der Fakt, dass sie dafür gezüchtet wurden nicht dafür, diese Praxis weiter zu betreiben.

Fazit: Veganer oder Vegetarier haben mir ihren Argumenten in den allermeisten Fällen recht. Das ist auch der Grund, warum ich meinen Fleisch- und Tierprodukte-Konsum reduzieren will. Wenn jemand meint, trotzdem Fleisch essen zu wollen und die Konsequenzen akzeptabel findet, dann darf er dies ja auch weiter tun. Aber den Veganern dauernd so schwachsinnige Argumente an den Kopf zu werfen wirft vor allem ein schlechtes Bild auf die “Omnis”, die in diesen Fällen einfach nur durch Inkompetenz glänzen.

18Nov

Terrorfragen

Ähnlich wie Jan Böhnermann stelle ich jetzt einfach mal Fragen:

  1. Wem nützt der Terror?
  2. Was will man damit bezwecken?
  3. Von was lenken die aktuellen Attentate, Attentatsversuche und angebliche Attentate ab?
  4. Was wird jetzt in Hinterzimmern ganz schnell entschieden? TTIP?
  5. Wenn der Geheimdienst so konkrete Informationen hatte, dass etwas passiert, warum gibt es dann keine Festnahmen?
  6. Wenn die Terroristen so böse sind, warum findet man dann eine Bombenattrappe?
  7. Was verursacht mehr Panik in der Bevölkerung, als ein Innenminister, der sagt, er kann nichts sagen, weil das sonst Panik verursacht?
  8. Ist es vielleicht eine korrupte Regierung, die mehr Panik verursachen würde?
  9. Oder ganz andere Täter, als wir vermuten?
  10. BND, CIA, …? Homeland Security?
  11. Was sollen Bomben jetzt bringen? Ist gesichert, dass da wirklich nur die “bösen” getroffen werden?
  12. Wie viele Zivilisten in der arabischen Welt haben wir (NATO) auf dem Gewissen? Wie viele Tote in NATO-Ländern die Muslime? Wer sind die tatsächlichen bösen?
  13. Bekommen die Geheimdienste jetzt noch mehr Rechte und Gelder?
  14. Schützt und das oder gefährdet uns das?
  15. Bin ich ein Verschwörungstheorethiker?
  16. Wäre es nicht naiv, diese Varianten komplett außer acht zu lassen?
  17. Oder steckt da eine Allianz dahinter, die was gegen die Flüchtlinge machen will?
  18. Haben die da erst mal einen Stimmungsumschwung richtung “Anti-Islam” gebraucht?
  19. Sind “Asylkritiker” für die Anschläge dankbar
  20. Wenn es doch der IS war, hat der sich vielleicht sogar gewünscht, dass die “Asylkritiker” jetzt steigen?
  21. Findet der IS es nicht toll, wenn Europa die Flüchtlinge an den Grenzen verhungern lässt?

Nur 21 Fragen, keine 100 … aber vielleicht zeigt sich ja in wenigen Jahren, dass die eine oder andere Frage davon genau die richtige Frage war, die wir hätten beantworten sollen….

15Nov

Trauer, Terror und andere Tragödien

Ganz Deutschland trauert. Ganz Deutschland? Auch mir tun die Familienangehörige und Freunde der Opfer leid. Aber auch nur so leid wie all die anderen Familienangehörigen und Freunde von schrecklichen Tragödien. Und wenn ich ehrlich bin, bedrückt mich das zwar, wenn ich drüber nachdenke, aber eigentlich, im normalen Tagesablauf, denke ich nicht drüber nach. Obwohl es viele solche Tragödien gibt:

  • Hugersnöte
  • Kriege

Daher Frage ich mich, warum jetzt alle so “trauern”. Warum jetzt und nicht sonst immer? Wann haben wir bei Facebook zuletzt die syrische Flagge gesehen? Wegen all den Kriegsopfern? Wann haben wir zuletzt für die vielen verhungernden Kinder Flagge gezeigt?

Natürlich muss man gegen die Ursachen all dieser Tragödien vorgehen. Natürlich muss man auch Terrorismus bekämpfen. Aber das entscheidende ist, dass es im Grunde ein Maßnahmenbündel für all diese oben genannten Tragödien gibt. Die Entwicklung in den Ländern voranbringen und alle menschenrechtsverachtenden Diktatoren ins “Abseits” schieben.

Wenn es all den Krisenländern gut gehen würde. Wenn all diese Länder zumindest grundlegende Sozialsysteme hätten. Und wenn wir mit Diktatoren keinerlei Geschäfte mehr machen würden… ja, dann hätten die Fundamentalisten weniger Zulauf, die Nahrung wäre global gerechter verteilt und wahrwscheinlich gäbe es auch weniger Kriege.

Aber solange es bei Staatsbesuchen eine Randnotitz bleibt, was in den Ländern passiert und die “Oberen” sich die Hände schütteln und Pläne schmieden, wie sie noch paar Millionen Euro an der Steuer vorbei und unter Einsatz von quasi Sklaven anhäufen können, solange muss sich auch nichts ändern. Dass diese Unterschicht nun gerne zum IS läuft habe ich schon vor zig Jahren prognostiziert. Daher wundert es mich gar nicht, dass das jetzt so passiert. Und es scheint ja auch total egal, solange das nur “dort im Osten” passiert. Solange die da mordend rumziehen schickt man vielleicht Alibimäßig mal eine Waffenlieferung. Die USA schickt immerhin Bomber, aber eigentlich ist es denen auch egal, aber wenn sie sich dort strategisch geschickt platzieren können passt das gerade ins Konzept….

Oder man macht mit Erdogan Deals. Diesem Staatschef, der im Zweifel mal Angriffe gegen den IS fliegt und ausversehen die türkischen Oppositionshochburgen kurz vor der Wahl trifft.

Aber jetzt, jetzt kommt dieser Terror im Kerneuropa an. Jetzt bekommen wir alle Panik?

Terrorismus bekämpft man nicht, indem man Überwachungsmaßnahmen einführt. Terrorismus bekämpft man nicht, indem man irgendwo Bomben abwirft. Damit trifft man mehr die Leute, die nichts dafür können. Terrorismus bekämpft man, indem man sich um eine faire und friedliche Welt kümmert. Und das kostet. Das könnte zum Beispiel zu Einschränkungen bei unserem Luxus führen. Wenn keine Sklaven mehr unsere Rechner zusammenschrauben und Kleidung nähen, dann wird plötzlich alles teurer. Aber wenn die Leute jetzt wirklich trauern würden, dann wären sie sicherlich dazu bereit. Wenn sie bereit wären alles dafür zu tun, dass so etwas nie wieder passiert. Aber ich fürchte, dass wird nicht so sein. Selbst wenn wir hier vor Ort 1 Millionen Flüchtlinge aufnehmen müssen, schieben viele schon Panik. Wenn jeder 2% abgeben müsste, dann gibt es jetzt schon viele, die uns vorrechnen, dass wir das nicht schaffen. Daher fürchte ich, dass es nicht dazu kommt, dass wir uns einschränken werden. Wir werden weiterhin dem Kapitalismus frönen, jeder holt für sich so viel wie möglich raus. Und wenn der Rest der Welt dann Amok läuft, dann können wir während wir philosophieren, wie böse die anderen doch alle sind ….

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