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28Mar

Das Ziel und der Weg dorthin

In einer Zeit, in der es bei den Grünen rumort, ist scheinbar der Flügelstreit wieder voll ausgebrochen. Es gibt zwei grundsätzliche Einstellungen, die schon mehrfach charakterisiert wurden, ich probiere es nun noch mal auf einem anderen Weg und probiere aber dann auch gleich, diese wieder zusammenzuführen:

  1. die Fundis oder die Linken halten sehr stark an Werten fest. Sie haben eine Vision von einer perfekten Welt. Sie kämpfen für diese perfekte Welt.
  2. die Realos oder Reformer haben kurzfristig machbare Ziele im Fokus. Sie schauen, was sich jetzt gerade akut machen lässt, um die Welt etwas zu verbessern.

Viele sehen darin einen Widerspruch. Ich nicht. Wir brauchen beide Flügel. Wir brauchen Menschen, die mit ihren Visionen und ihren Werten ein Bild von einem Ziel zeichnen, wie eine perfekte Welt aussehen könnte. Und wir brauchen die Leute, die bereit sind, diesem Bild Schritt für Schritt entgegen zu gehen und die Welt in diese Richtung zu bewegen.

Denn eines muss uns auch klar sein. Es gibt nicht das eine Bild der perfekten Welt. Das Bild einer perfekten Welt ändert sich, wenn wir in andere Lebenssituationen kommen. Und viele der Wünsche an eine perfekte Welt sind widersprüchlich. Aber die perfekte grüne Welt sollte in aller unserer Köpfe zumindest ähnlich aussehen. Ich habe da noch die “4 Säulen der Grünen” im Kopf, die vor gut 20 Jahren, als ich angefangen habe mich zu engagieren, mich überzeugt haben: ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei (bpb). Über die Ausprägungen kann man nun im Detail diskutieren, aber wichtig ist es doch, dass wir da nach und nach ein immer klareres Bild zeichnen. Das wir mit einer klaren Aussage in die Welt (und den Wahlkampf) ziehen: “So sieht unser Bild der perfekten Welt aus”. Und diese Aufgabe sehe ich hauptsächlich bei den Linken und den Fundies. Und dieses Bild hat Überzeugungskraft. Dieses Bild stahlt eine Vision aus, die auch die Wähler begeistern kann. Aber wir müssen dieses Bild zeichnen und präsentieren.

Aber gleichzeitig ist eben klar, dass die anderen Parteien ein anderes Bild einer perfekten Welt haben. Und unser Bild zwar viel viel Potential hat, aber einerseits mit dem der anderen Parteien im Parlament und andererseits mit bestehenden und nicht so leicht aufzubrechenden Strukturen verglichen werden muss. Nur weil wir im Parlament sind, können wir nicht unser Bild in die Realität umsetzen. Erst mal haben wir noch nirgendwo eine 50%+ Mehrheit, aber selbst wenn, dann könnten wir nicht per Dekret die Realität von heute auf morgen ändern. Dafür brauchen wir die Reformer. Die Leute, die bereit sind, sich auch mit dem Bild der anderen zu beschäftigen und ein gemeinsammes Bild zu zeichnen, das nach kurzer Zeit Realität wird. Dieses gemeinsamme Bild heisst “Kompromiss”. Und diese Bild ist nur ein bisschen schöner als der Status Quo. Aber wenn dann bald die Realität so aussieht, dann war es ein Erfolg.

Daher plädiere ich dafür, dass beide Flügel sich nicht mehr bekriegen, sondern gegenseitig unterstützen. Auf der einen Seite müssen wir das Bild weiterzeichnen, wie die perfekte Welt aussieht, auf der anderen Seite müssen wir weiter Schritt für Schritt die Welt diesem Bild anpassen.

Lasst uns die Flügelstreitereien beenden. Lasst uns erkennen, dass der Realo uns nicht verraten will indem er kleine Schritte geht und der Fundi nicht weltfremd ist, weil er schon Jahre vorausdenkt, sondern lasst uns das positive sehen, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt, dass die Welt und unsere Umgebung ein bischen grüner wird. Wir brauchen beide Gruppen. In der Basis. In den LAKs und den BAGs und in den Parlamenten. Wir brauchen die ganze Spannbreite. Wir brauchen Leute, die ein klares Bild einer perfekten Welt haben und daran stndig erinnern und die, die dieses Bild mit den anderen Parteien im Parlament verhandeln. Und ganz wichtig sind auch die, die beides können. Die sowohl die perfekte Welt als Ziel haben, aber auch bereit sind, den Weg dorthin in vielen kleinen Schritten zu beschreiten.

24Mar

Mülldiskussion und Kaffee

Wenn es in letzter Zeit um Müll geht, dann geht es fast immer um Kaffee. Entweder es sind die To-Go-Becher oder die Kapseln für die Kaffee-Maschinen. Natürlich ist das beides Müll. Natürlich sollte man den jeweils vermeiden. Aber wenn man durch irgendeinen Supermarkt geht, dann ist quasi alles in Plastik. Teilweise doppelt.

Die Schokoriegel sind in einer Tüte und noch mal einzeln verpackt. Das Obst packt man meist in Plastikbeutel. Der Käse ist vorverpackt in Plastik (jeweils 5 Scheiben in einer Packung). Die Biogurken sind in einer Plastikfolie. Der Biozucker ist in Packungen mit Plastiksichtfenster (während der einfache Aldi-Zucker nur in Papier eingepackt ist).

Es gibt kaum etwas, das nicht in Plastik verpackt ist.

Warum konzentriert sich die Müll-Diskussion dann zur Zeit so stark auf die Kaffee-Produkte?

Ich schaue immer bewusster darauf, ob es eine Alternative ohne Plastik gibt. Aber häufig ist die ganz schwer zu finden, manchmal gibt es sie, in dem entsprechenden Laden gar nicht. Daher finde ich es zwar gut, dass wir die Müll-Diskussion mal mit dem Beispiel “Kaffee” gestartet haben. Aber wir müssen sie ganz schnell auf die alltäglichen Einkäufe ausdehnen.

21Mar

Kultur und Kriegsausgaben

Traurigerweise hat B5-aktuell heute einen Beitrag gebracht, der zwei Themen, die zwei meiner letzten Posts betreffen, nämlich zu Kultur und Verteidigung, in Zusammenhang bringt. (Wobei meine Posts mit dem BR5-Beitrag nichts zu tun hatten)
In den USA wird gerade geplant, die Militärausgaben hoch zu fahren und gleichzeitig eine radikale Streichung bei der Kultur vorzunehmen

Leider finde ich diesen Beitrag nicht online (hat jemand eine Ahnung, wie man diese online finden kann?), aber es war sehr spannend, wie diese beiden Blöcke, auch im Größenverhältnis, zueinandergestellt wurden. Bei der Kultur wird argumentiert, man kann nicht einen einfachen Arbeiter dafür zahlen lassen, dass die NEA und NEH Geld bekommen, dabei bekommen diese aber weniger Geld, als ein neues Kampfflugzeug kosten würde.

Ob man mit so einer Politik, bei der man die Leute im eigenen Land und weltweit in immer kargeren und unkreativen Verhältnissen leben lässt, wirklich gute Verteidigungspolitik macht möchte ich einfach mal bezweifeln.

15Mar

Kulturförderung

Aus aktuellem Anlass veröffentliche ich hier mal anonymisiert eine alte Mail mit Gedanken von mir zum Thema “Kulturförderung”. Dies war als Input für eine gemeinsame Diskussion gedacht, hat also paar Ideen, aber noch keine fertigen Lösungen.

 

Hallo ****,

ich bin wie gesagt leider am 6.6. nicht bei der BezVS, trotzdem hier
schon mal ein paar Gedanken zum Thema Kultur, die vielleicht auch als
Input für eine Strukturierung dienen können. Bei den Beispielen habe ich
ganz bewusst paar Klischees bemüht, um es zu verdeutlichen, aber ich
denke, in den meisten Fällen dürfte mir die Statistik da einigermaßen
recht geben. Trotzdem müsste man für ein sauberes Papier da noch einiges
mehr recherchieren.

Also hier mein Denk-Input

1. Was ist Kultur? Welche Kultur wollen wir fördern?
Erst mal ist Kultur ein sehr weiter Begriff und bezeichnet alles, was
vom Menschen geschaffen wurde. Die Demokratie ist Teil unserer Kultur,
unser Kleidungsstil, Fußball, Häuser, Sprache, u.v.m.
Wenn wir von Kultur sprechen, dann ist da meist ein kleiner Teilbereich
gemeint, der  vielleicht auch mit dem Begriff "Kunst" beschrieben werden
kann.
 Daher ist die erste spannende Frage, welche Kultur wir überhaupt
meinen, wenn wir von Kulturförderung reden. Und dann wird ganz oft klar,
dass es sich meist auf einen noch kleineren Kulturbereich bezieht.
Nämlich die allermeiste Kulturförderung fließt in Theather/Orchester/Oper

Welche Kultur bringt welchen Nutzen?
Also zugespitzt die Frage: Ist die Aufführung von "Bethovens 9.
Symphonie" mehr Wert, als wenn ACDC spielt? Wie wird der Nutzen gemessen?
mögliche Kategorien
- Gesellschaftliche Bildung (Allgemeinwissen)
- Förderung von Nachdenkprozessen (Paralellen von Theatherstücken zu
aktuellen Themen, Lieder über aktuelle Themen)
- Freude/Spaß
- Gesellschaftlicher Austausch, gemeinsammes Erleben (VIPs einer Stadt
(Oper), Interkulturell (Musikfestival), ....)
- ...
und daran schließt sich die Frage an:
Wer konsumiert diese Kultur, wer kann sie sich leisten?
Also ist es gerecht, dass der "Sparkassendirektor" und "Oberstudienrat"
ein Opernticket für 50€ bekommen, während der Lehrling für das
ACDC-Ticket 100€ zahlen muss?
Ist es gerecht, dass ein Kind für den Zoobesuch nur einen Bruchteil der
Förderung bekommt, die ein Erwachsener für eine Theatheraufführung bekommt.
"Laut der Statistik des Deutschen Bühnenvereins haben wir in München
einen Betriebszuschuss von 98 Euro pro Zuschauer. In Berlin sind es 266
Euro, in Stuttgart 177 Euro."
(http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pro-kontra-kulturfoerderung-kann-sponsoring-der-kultur-schaden-page1.81a3eb95-0d2e-4533-8d22-421ed3ed747f.html)
vs.
Zoos Frankfurt: 7,33 € pro Besucher (und das ist damit einer der am
höchsten subventionierten Zoos laut
http://www.zoodirektoren.de/index.php?option=com_k2&view=itemlist&task=category&id=36:zoo-fakten)
Beim erweiterten Bezirksvorstand hatten wir ja die Zentrumsfunktion ganz
grob mit dem Argument:
Es ist gerecht, dass die Nürnberger Philharmoniker mehr bekommen, weil
dann Leute aus ganz Mittelfranken profitieren.
Dem würde ich Zustimmen, wenn die Förderung pro Besucher passen würde,
d.h. bei mehr Besuchern auch eine entsprechend höhere Förderung. Aber es
ist nicht gerecht, dass ein kleines Theather viel weniger pro Besucher
bekommt.
Umgekehrt habe ich neulich eine Webseite gefunden, wo jemand behauptet
hat, jeden Euro den man in Kultur steckt, bringt der Stadt mehr als
einen Euro zurück. (Leider finde ich spontan die Quelle nicht mehr...)

Kulturkonsum vs. Kulturpartizipation
Das ist der Teil, der mich persönlich am meisten an Kultur interessiert.
Hier stelle ich einfach mal paar Thesen/Forderungen von mir persönlich
vorweg:
Mehr Geld für offene Bühnen statt für ein Theather, mehr Geld für
Instrumentenverleih statt für eine Oper, mehr Geld für Sportplätze statt
für olympische Spiele, mehr Geld für Mitmachgärten statt für
Landesgartenschauen.

Also die spannende Frage ist die, ob professionelle Kultur überhaupt
primär gefördert werden muss, oder ob es nicht viel eher die Aufgabe des
Staates ist, allen Leuten zu ermöglichen, so direkt wie möglich an der
Kultur zu partizipieren. Also aktiv teilzunehmen.
D.h. bevor ich als Staat Geld ausgebe dafür, dass jemand ACDC anhören
kann, fände ich es besser, wenn man Jugendbands die Infrastruktur gibt,
dass sie selber eine Band gründen und ihre Ergebnisse angemessen
vorführen können.
In Erlangen will ich da als positives Beispiel das E-Werk nennen. Hier
gibt es eine Bühne, wenn da jemand ein schönes Konzept hat, kann er
diese kostenfrei nutzen. Meistens bekommen die Künstler dann sogar noch
ein gratis Abendessen. Sowohl Musik, Schauspiel, aber auch
Vortragsveranstaltungen (Scienceslam, Poetryslam, Nerdnite, PechaKucha)
finden hier eine Bühne und Publikum.

Ähnliches gilt für Sportvereine, eine Platzrenovierung ist oft nicht
finanzierbar, aber für die Bewerbung der olympischen Spiele wären zig
Millionen da gewesen.

Ich sage ja auch gar nicht, dass man die professionelle Kultur
abschaffen soll, oder die Förderung auf 0 runter drehen. Aber die aktive
& ehrenamtliche Kultur zu unterstützen finde ich wichtiger, als dass man
Kulturangebote schafft, die primär von "den oberen 10.000" genossen
werden, obwohl diese, wenn sie wirklich Interesse hätten, sich diese
auch selber leisten könnten.
z.B.:
Warum geht die Schule ins Theather, und nicht zur Theatheraufführung des
nächsten Gymnasiums?


Und dann zum Abschluss noch eine letzte Forderung:
Ehrenamtliche nicht-komerzielle Kulturangebote sollten von GEMA und
sonstigen Urheber-Abgaben freigestellt werden. Es kann nicht sein, dass
der Kinderchor, das Schultheather o.ä. teure Lizenzgebühren zahlen muss,
dass er ein Stück aufführt. Wobei ich das sogar so weit fassen würde,
dass ehrenamtlich noch ist, wenn die Künstler Geld für eine Sache
sammeln, z.B. Abschlussfahrt der Schule, Tourneekosten einer Band etc. -
es dürfen nur keine Gehälter ausgezahlt werden.

Disclaimer: Damit will ich erst mal nicht sagen, dass ich bei der klassischen Kulturförderung kürzen will. Aber ich gebe doch zu, dass ich bei einem fixen Budget die Prioritäten eventuell anders setzen würde. Das mag jetzt der eine oder andere als “gegeneinander ausspielen” interpretieren. Das ist nicht mein Ziel. Aber bei einem seriösen Haushalt muss man eben an gewissen Stellen Prioritäten setzen. Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass man aus ganz anderen Bereichen Einnahmen generiert oder Ausgaben eingespart werden.

14Mar

Fake-News versus Ehrlichkeit

Im Internet begegnen mir immer öfter Fake-News. Viele davon halte ich für offensichtlich, andere sind echt schwer zu durchschauen. Aber was mir immer wieder auffällt sind Aussagen, die eigentlich gar nicht mal “gelogen” sind, aber in denen so geschickt Meinung und Fakten vermischt werden, dass sie ein falsches Bild suggerieren.

Und leider kommt dies nicht nur von Seiten der AfD. Es komm von allen Seiten.

Selbst auf Grünen Facebook-Profilen sind Aussagen zu finden, dass für Bildung, faire Renten, und sozialer Wohnungsbau nie genügend Geld da sei während für Bomben, Panzer und Kriegsschiffe auf einmal Geld im Überfluss da sei. Wenn man allerdings weiß, dass der Bundeshaushalt 90 Mrd der Rentenkasse zuschießt, für Bildung etwa 150 Mrd. ausgegeben werden und für Rüstung derzeit 35 Milliarden und jetzt 60 Milliarden gefordert werden, dann sieht man, dass da doch Geld da ist. Vielleicht subjektiv nicht genügend. Auch ich fände zusätzliches Geld in Bildung erheblich effizienter als in Rüstung. Aber ich halte so eine Kommunikation für manipulierend und unehrlich.

Von den Linken durfte ich vor kurzem lesen, dass die Grünen eines Bundeslandes Veräter der Anti-CETA/TTIP-Bewegung wären, weil sie in einem Bundesland eine Enthaltung im Bundesrat anstreben. Alles außer einem Nein sei inakzeptabel. Wenn man jetzt aber weiß, dass eine Enthaltung im Bundesrat wie eine Nein-Stimme zählt und nicht die Grünen, sondern die Landes-Regierung im Bundesrat abstimmt, es also ein Kompromiss ist, der eigentlich von der Anti-CETA-Bewegung gefeiert werden müsste, dann spricht so ein Post entweder von grobem Unwissen der Person (das glaube ich bei der Person nicht), oder bösartigem taktischen Vorgehen (das befürchte ich).

Über die Anti-Grünen-Posts mit “krativen Fakten” von CSU (allen voran Herr Scheuer) und offensichtlichen Lügen-Posts der AfD müssen wir glaube ich gar nicht groß diskutieren. Einerseits eigentlich total inakzeptabel, andererseits empfinde ich es als eine große Ehre, wenn wir von diesen Parteien als so wichtiger “Gegner” gesehen werden, dass man uns so viel Aufmerksamkeit und Unehrlichkeit widmen muss.

Die Frage ist, wie gehen wir damit um. Mein Plädoyer: Ganz ehrliche Kommunikation. Ehrlichkeit ohne Ende. Natürlich braucht man für ein Plakat auch einen markanten Spruch. Natürlich kann man dort nicht differenzieren. Aber es sollte dazu im Wahlprogramm oder in Hintergrundpapieren öffentlich zugänglich (und am Besten auf einer Plakatübersicht auf den Internetseiten des Bundesverbandes verlinkt) eine saubere, ehrliche Analyse geben. Keine komischen Zahlenspielereien. Kein Schönrechnen. Kein vermischen von Meinungen und Fakten.

Ich weiß, in der Werbepsychologie geht man davon aus, dass eine gute Werbung “das Herz” berühren muss. Ich weiß, dass “langwierige” Fakten nicht immer die spannenste Lektüre sind. Aber ich glaube, dass durch eine konsequente Ehrlichkeit eben ein “Markenwert” entsteht, der viel langfristiger das Herz berührt als ein kurzer Aufreger, der durch eine 5-Minuten-Recherce als balb so wild entlarvt werden kann.

Ich weiß, es gibt genug Leute, die sich durch solche Aufreger und Fake-News beeinflussen lassen. Aber sind die unsere Zielgruppe? Ich glaube, unsere Wähler sind kritisch denkende Menschen. Die fühlen sich durch halbdurchdachte Suggestivaussagen auf dünner Faktenbasis doch eher abgeschreckt. Oder nicht?

Daher meine Meinung: Im Kampf gegen Fake-News, lasst uns das Gegenbeispiel sein. Lasst uns umso ehrlicher und transparenter sein.

22Feb

2% vom BIP für Verteidigung -> das wären 20% vom Bundeshaushalt

Mal abgesehen davon, dass ich eine Reduzierung der Armeen und mehr Geld für Prävention für angemessener fände, regt mich an dieser Sache gerade noch etwas ganz anderes auf:

2% sind ja ganz wenig? Und die Steigerung von 1,2% auf 2% sind ja sogar nur 0,8%. Das ist doch fast gar nichts. Oder?

Das ist mal wieder so eine Zahlenspielerei. 2% vom BIP bedeutet 2% vom Brutto-Inlands-Produkt. Also 2% von allen Werten, die wir erschaffen. In Deutschland sind das etwa 3 Billionen Euro. Davon zahlen wir Steuern. Davon landen etwa 300 Milliarden im Bundeshaushalt.

Das heißt, aus 2% BIP werden mal ganz schnell 20% Bundeshaushalt. Oder in anderen Worten: 1/5 unseres Geldes, das die Bundesregierung verwaltet, will Ursula von der Leyen ins Militär stecken. Das sind dann etwa 60 Milliarden Euro. (2015 bereits etwa 33 Milliarden, und damit heute bereits das zweitteuerste Ministerium). Teurer ist nur das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (125 Milliarden, das meiste davon ist die Rente).

Zum Vergleich:

Wie wäre es mal mit dem umgekehrten Ansatz:
Wir halbieren die Rüstungsausgaben und nutzen das frei gewordene Geld, um etwas mehr Frieden in die Welt zu bringen?

Oder überlegen uns generell, wie wir unsere Prioritäten setzen.

 

Aber um fair zu sein: das BIP wird häufig als Vergleichsmaßstab herangezogen. Auch die Ausgaben für Entwicklungshilfe, Bildung, … werden häufig mit dem BIP verglichen. Und der Bundeshaushalt ist auch nicht der einzige, es gibt ja noch Länder und Kommunen ….

Es muss einem aber halt bewusst sein, dass 2% BIP dennoch ein immens großer Betrag ist, selbst für den Bundeshaushalt, in dem ja auch schon immense Summen Geld hin- und herbewegt werden.

 

 

 

13Feb

Bundesversammlung

Liebe Mit-Grüne,

ich frage mich zur Zeit, was mit unserer Partei los ist. Gestern wurde ein neuer Bundespräsident gewählt. Wir Grünen hatten knapp über 10% in der Versammlung. Damit hatten wir natürlich keine ernsthafte Chance, etwas gegen den Kandidaten der großen Koalition auszurichten. Aber wir haben es nicht einmal probiert. Wir haben nicht einmal probiert, dieses Ereignis zu nutzen, gewisse Themen von uns in der Öffentlichkeit zu “spielen”.

Es gab 2 ernsthafte Kandidaten. Einmal unseren großkoalitionären Ex-Außenminister Steinmeier und einmal den Armutsforscher Butterwegge, der von der Linkspartei ins Rennen geschickt wurde. “Richter” Alexander Hold (freie Wähler) und der AfDler haben auch kandidiert.

Und vielleicht schaue ich in die falschen Medien, aber was ich so von Grünen gehört habe, war erschreckend wenig: Es wurde gefeiert, das Olivia Jones, Jogi Löw und Carolin Kebekus für die Grünen in der Bundesversammlung sind und dort “Farbtupfer” waren “gut aussehen” …. diese wurden in den Kommentaren, die ich gelesen habe, nie mit der Frage konfrontiert, warum sie für die Grünen welchen Kandidaten wählen.

Viele bei uns Grünen bringen gerne das Thema “Sozial” in Wahlkampfreden nach vorne. Warum nicht gestern? Was waren die Gründe dafür, dass die Grünen Steinmeier scheinbar mit großer Mehrheit gewählt haben?

Ich wünsche mir wieder diskussionsfreudige, wertebasierte Grüne auf Bundesebene. Liebe Bundespolitiker: Schaut auf die Kommunalebene und nehmt Euch dort ein Beispiel, wie es laufen kann. … Wie es laufen sollte.

05Feb

Freihandel

Zur Zeit geistern immer wieder Meinungen durch die Gesellschaft, die diversen Medien und auch durch meine Partei, dass freier Handel oder Freihandel doch etwas gutes sei, was man anstreben sollte.

Daher einfach mal die Frage, ob wir die gleiche Definition haben? Ich glaube nämlich, dass gerade ganz viele auf einen rhetorischen Trick reinfallen.

Ich sehe (ganz grob skizziert) 3 Ebenen:

  1. Protektionismus: Ein Land probiert den Handel durch Regelungen (Verbote, hohe Zölle, …) so abzuschotten, dass kein Unternehmen aus einem anderen Land eine (reale) Chance hat, dort etwas zu verkaufen.
  2. staatlich regulierter Welt-Handel: Das Land stellt Regeln auf, an die sich alle Händler halten müssen. Das können “tarifäre” Regelungen sein (Zölle, Steuern), aber vor allem auch “nicht-tarifäre” Regelungen (Sicherheitsbestimmungen, Umweltschutzbestimmungen, soziale Regelungen, …)
  3. freier Handel / Freihandel: “Als Freihandel bezeichnet man einen internationalen Handel, der nicht durch Handelshemmnisse wie Zölle oder Import-Kontingente eingeschränkt ist. Die Idee des Freihandels basiert auf dem klassischen Wirtschaftsliberalismus.” (wikipedia) Hört sich erst mal gut an. Aber Zölle und Import-Kontingente sind nur Beispiele für Handelshemmnisse … verfolgt man den Link dahinter erfährt man, dass auch technische Vorschriften, Umwelt- und Sozialstandards, Qualitätsstandards und einige mehr mit wegfallen.

Der Trick ist, dass es meistens auf 2 Ebenen geschrumpft wird: “Wir brauchen doch den Handel mit XY, also müssen wir ein Freihandelsabkommen abschließen”. So ein Quatsch. Man kann auch ein Handelsabkommen abschließen, dass man sich die Hürden gegenseitig so niedrig wie angemessen macht. Dann landet man in der goldenen Mitte. (Ebene 2) Klar wollen wir keinen Protektionismus, aber ein Freihandel ist genau so Mist. Also wird probiert einem zu suggerieren, dass freier Handel und all diese Freihandelsabkommen notwenig seien, dass wir Güter importieren können. Mal eine Frage an die Runde: Wer hatte in den letzten Jahren ein Problem ein us-amerikanisches oder kanadisches Produkt hier zu kaufen, weil es CETA oder TTIP noch nicht gab? Wer glaubt, dank CETA oder TTIP endlich ein IPhone oder hp-Laptop kaufen zu können?

Bei der Aufzählung oben spreche ich bewusst von “Regelungen” während die Freihändler von “Handelshemmnissen” sprechen.

Aber eines muss man CETA und TTIP lassen. Sie nennen sich ganz ehrlich Freihandelsabkommen. Denn mit den Schiedsgerichten und den Investitionsschutzklauseln kommen sie einem Freihandel schon sehr, sehr nah. Der Staat ist noch da, aber er darf im Zweifelsfall nicht eingreifen oder kann sonst verklagt werden.

05Jan

#Nafri und #Grüfri – wo ist der Skandal?

Schon spannend, wie viele Leute einem erklären können, dass das Statement von Simone Peter absolut daneben war und wie wenige einem erklären können, was daran total daneben war.

Ich glaube es sind sich inzwischen alle einig, dass die Polizei eine gute Arbeit geleistet hat, wenn auch noch eine kleine Stufe zum sehr gut fehlt. Es sind sich alle einig, dass wir Vorfälle wie 2015 mit der sexuellen Belästigung nicht wollen. Simone Peter sieht das, wenn ich sie richtig verstanden habe, genau so. Sie freut sich, dass es kaum Vorfälle gab. Sie freut sich, dass die Polizei es so gut geschafft hat.

Was sie gemacht hat ist den letzten Unterschied von gut zu sehr gut anzusprechen. Denn auch wenn der Einsatz im Vergleich zu 2015 gut war, war er nicht optimal. Da müssen sich aber verschiedene Akteure an die Nase fassen. Die Polizei selber, aber auch die “Stadtregierung” und die Landesregierung. Und in der Landesregierung sind wir Grüne auch vertreten.

Oder sieht es jemand so, dass der Begriff “Nafri” optimal war? Das sieht nicht einmal mehr die Polizei so. Sonst jemand? (Mal abgesehen von denen, die auch keine Probleme mit Begriffen wie Neger etc. haben). – Besonders problematisch an dem Begriff ist übrigens aus meiner Sicht, dass sich die diversen Gruppen nicht mal einig sind, für was er steht. Ich habe sowohl “Nordafrikaner” als auch “nordafrikanische Intensivtäter” gelesen …

Oder sieht jemand kein Problem in “Racial Profiling”? Um es überspitzt zu formulieren, finden wir es OK, wenn jeder, der irgendeiner “falschen” Gruppe angehört, vorverurteilt wird? Z.B. Nationalität, Religion, … demnächst kommt dann vielleicht auch falscher Stadtteil oder sonst was – ohne gerade Zahlen zu haben, würde ich mal behaupten, dass man bei zig Grupen Auffälligkeiten in der Kriminalitätsstatistik entdecken könnte.
Ach ja, im kleinen gibt es das schon, nämlich bei Scoring-Werten…. wenn irgendwer mal keinen Kredit bekommt, weil in der Nachbarschaft mehrere Leute Privatinsolvenz eingereicht haben, ist das im Grunde das gleiche… finden wir sowas gut? Und demnächst darf man nicht mehr zu Fußballspielen, Konzerten, …. weil 2 Häuser weiter links hat einer Bengalos geworfen und 3 Häuser weiter rechts wohnt ein bekannter Hooligan. Also wird sicherheitshalber mal die gesamte Nachbarschaft nicht mehr zugelassen?

Diese Probleme hat Simone Peter angesprochen. Sie hat nicht erwähnt, dass ihre Kritik auf ganz hohem Niveau (nämlich einer gut geschützten Silvester-Feier mit insgesamt sehr tollem Einsatz der Polizei) ansetzt. Sie hat nicht erwähnt, wie froh sie ist, dass es diesmal nicht solche Übergriffe gab. Ihr vorzuwerfen, dass sie solche Übergriffe gerne wieder hätte ist aber hochgradig albern. Ja, es war ungeschickt es so zu formulieren. Ja, sie hätte die Reaktionen ahnen können, vor allem nachdem wir vor paar Monaten die Reaktionen auf Renate Künasts “Fragen-Tweet” mitbekommen haben. Aber muss man sich darüber aufregen?

Daher sollten alle, die jetzt auf Simone oder der ganzen Partei rumhacken überlegen:

  1. Gibt es tatsächlich irgendwelche Anhaltspunkte, dass Simone Vergewaltigungen etc. gutheißen würde?
  2. Findet ihr es gut, wenn Begriffe mit “Abwertungstendenz” (diesmal Nafri) verwendet werden?
  3. Findet ihr es gut, wenn Leute vorverurteilt werden, weil andere, die in irgendeinem Merkmal übereinstimmen, sich daneben benommen haben?
  4. Ist es dann wirklich so ein Skandal, was sie gesagt hat?

Ich selber beantworte mir alle 4 Fragen mit “NEIN”.

Wenn jemand zu einem anderen Ergebnis kommt, dann bitte ich um Erläuterung.

Und die Bonus-Frage für alle, die sich jetzt immer noch empören: Was genau hat sie eigentlich gesagt? Ich habe nämlich das Gefühl, viele steigen zwar in die Empörung mit ein, haben aber keine Ahnung, um was es genau geht.

26Dec

Definitionen für Chemie, Gen, Atom

“Ich will nicht so viel Chemie im Essen.” “Ich will kein Gen-Mais” oder “diese Forschung mit Atomen ist mir suspekt” sind Sätze, auf die oft mit Oberlehrerhaften Sätzen geantwortet wird a la:

“Alles essen besteht aus Chemie”, “Mais ist eine Pflanze, hat damit eine DNA, die wiederum diverse Gene enthält” oder “Alle Masse auf der Erde besteht aus Atomen”.

Wer hat nun Recht? Grundsätzlich beide. Denn das Problem ist, dass mit Chemie, Gen-Food oder Atom-Forschung Sachen gemeint sind, die nur einen Teilaspekt der eigentlichen Wörter einschließen. Rein Formal hat der “Oberlehrer” natürlich recht, aber vom aktuellen Sprachgebrauch sind die oberen Sätze durchaus legitim, insbesondere da es keine passenden Wörter für diese Redewendungen gibt, die es besser ausdrücken.

Aber für die Oberlehrer ein kleiner Versuch, die Bedeutung dahinter etwas genauer zu erklären

Chemie im Essen: Ja, es ist uns allen bewusst, dass unser Essen aus Molekülen besteht, unter anderem ganz vielen C-H-Verbindungen (organische Materialien), die chemisch sind. Uns ist auch bewusst, dass das Kochen der Kartoffel einen chemischen Prozess auslöst, der sogar notwendig ist um die Kartoffel essbar zu machen. Trotzdem gibt es neben diesen chemischen Grundbestandteilen des Essens auch noch weitere Zusatzstoffe, die kaum jemand, wenn man die Speise selber kocht, hinzufügen würde. Diese haben zum Teil zwar nützliche Funktionen, aber zum Teil eben auch Nebenwirkungen oder zumindest den Verdacht auf Nebenwirkungen oder Langzeitschäden, die man vermeiden will. Und diese chemischen Zusatzstoffe, die mit dem eigentlichen Essen, so wie man es selber zubereiten würde, nichts zu tun haben, und die (evtl.) Nebenwirkungen haben, die bezeichnet der Volksmund als “Chemie im Essen”. … Mir ist bewusst, dass selbst diese Definition sehr schwammig ist, aber vielleicht hilft sie dem einen oder anderen zu verstehen, was damit gemeint sein soll. Mir ist auch bewusst, dass die Grenze, wo “normale Zutaten” aufhören und “Chemie” anfängt persönlich ist. Aber für die meisten Leute fängt Chemie irgendwo bei Konservierungsstoffen und Farbstoffen an.

Analoges gilt übrigens für “Chemie in der Kleidung” oder “Chemie in der Wohnung” oder ähnlichen Aussagen.

Gen-Mais: Damit ist Mais gemeint, dessen genetische Struktur in einem Genlabor verändert wurden. Auch hier ist uns bewusst, dass bei jedem Nachfahre die genetische Struktur anders aussieht als bei den Eltern. Aber die Veränderungen im Genlabor beinhalten eben oft auch, dass Gensequenzen ganz anderer Organismen eingepflanzt werden oder das per Shotgun-Methode irgendwo Gensequenzen eingepflanzt werden. Dies beinhaltet gewisse Risiken, die zumeist nicht in Langzeitstudien untersucht werden. Ich persönlich sehe das Risiko beim Verzehr eher als verschwindend gering, das größere Risiko sehe ich in der Natur. Auskreuzungen etc. …

Analoges gilt übrigens für Gen-Soja etc.

Und Atom … bezieht sich auf alles, bei denen Atomkerne gespalten oder fusioniert werden.

Ja, auch diese Definitionen sind noch nicht perfekt, aber bis mir jemand einen besseren Begriff oder eine bessere Definition nennen kann, müssen wir wohl damit leben.

Und auch wenn die Grenzen (gerade bei der Chemie) sehr schwammig sind, so weiß im normalfall doch jeder, was eigentlich gemeint war.

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
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