Weiter zum Inhalt
27Dec

Die bösen Vegs

Weil mir in letzter Zeit sehr viele Anti-Vegan-Artikel über den Weg gelaufen sind und daraus Diskussionen entstanden sind, möchte ich hier mal ganz viele Anti-Veganer-Argumente zusammenfassen, und beantworten, so dass ich das nicht immer und überall neu schreiben muss.

  1. “Einige Veganer, die nicht so missionarisch drauf sind, sind ja OK, aber bei voll vielen ist das halt schon eine Religion geworden.”
    1. Ich kenne diverse Veganer und deren Gründe für den Veganismus sind unterschiedlich, aber relativ häufig ist die ethisch-moralische Grundthese dabei, dass man so wenig Tierleid wie praktisch möglich verursachen soll. Dies kann man natürlich als Religion bezeichnen. Aber so eine Religion mit solchen Grundsätzen, das Leid vermieden werden soll, wäre für mich keine schlechte Religion. Es wäre eine Religion, die auf höchsten Werten aufbaut.
      Allerdings ist der Unterton dabei meistens eher negativ. Daher empfinde ich solche “Religionsbezeichnungen” eher als rhetorischen Trick und schlechten Diskussions-Stil und nicht als konstruktiven Beitrag. Daher würde ich es begrüßen, wenn das Thema “Religion” einfach aus den Diskussionen rausgelassen wird.
    2. Den missionierenden Veganer gibt es. Den radikalen Veganer gibt es. Ich habe sie gesehen. Ich informiere mich aber auch intensiv über das Thema und habe viel Kontakt mit Veganern. Aber die allermeisten Veganer die ich kenne sind nicht missionierend. Ganz im Gegenteil. Ich werde in den sozialen Netzwerken eher mit Artikeln wie dem (Sarah Wiener Cola und Sojamilch) oder den Aussagen von Christian Schmidt, die in der Taz diskutiert werden, konfrontiert. Um mich über vegane Themen zu informieren, musste ich aktiv suchen. Ich nehme somit das missionieren eher anders herum war. Es gibt zig Beiträge die in sozialen Medien geteilt werden, manchmal in Form eines “Memes” oder “lustigen Bildes”, manchmal in Form von Artikeln, die vegetarisch und vegan schlecht machen sollen. Und wenn darauf dann jemand (ein Veganer) sachlich antwortet, dann muss er sich anhören, dass er missioniert.
      Also auch die “Missionierungsbehauptung” scheint mir eher ein Totschlagargument ohne Substanz zu sein.
      Der andere Aspekt ist, dass der Grad zwischen missionieren und informieren verdammt schmal ist. Wenn ich diesen Artikel jetzt schreibe, sehe ich das erst mal als informieren. Ich würde mich aber freuen, wenn der eine oder andere dadurch zum nachdenken kommt und den Fleischkonsum reduziert.
      Gerade im politischen Umfeld nennen wir unseren Informationsauftrag “politische Bildung”. Da wird das als ganz normal wahrgenommen.
  2. “Vegan ist total ungesund, weil einem da ja ganz viele Vitamine fehlen und man davon Hirnschäden bekommt und dumm wird.”
    1. Dieses Statement hört sich jetzt so an, als ob ich übertreibe? Finde ich auch. Sowas wird aber leider kommuniziert. Das oben bereits erwähnte Interview mit unserem Minister wird bei RP so aufgearbeitet:

      Auch Professor Berthold Koletzko von der Universität München weißt in “Bild” auf die Gefahr eines Vitamin-B12-Mangels hin. Dieser könne zu Schäden im Gehirn führen, sagt Koletzko. “Eine vegane Ernährung kann bei Kindern zu schweren neurologischen Schäden führen, bis hin zu einer dauerhaften Behinderung.”

      Natürlich hat Professor Koletzko grunsätzlich Recht, natürlich ist ein B12-Mangel nicht gut. Natürlich sollte man sich nicht einfach uninformiert vegan ernähren. Insbesondere eine B12-Substitution ist notwendig. Das erfährt man auch sofort, wenn man sich bei Veganern über die Lebensweise informiert. Aber solche Horrorszenarien kann man für jede Ernährungsweise ausmalen. Wenn man sich falsch mit Fleisch ernährt, dann kann man verfetten und an Herzinfarkt sterben. (Und das ist inzwischen sogar eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland). Und wenn man B12 supplementiert, dann sind diese Gefahren plötzlich nicht mehr da. Aber die Artikel werden oft so aufgezogen und geschrieben, als ob vegane Ernährung generell tödlich oder zumindest schädlich wäre. Was aber falsch ist.
      Also sind wir wieder beim Punkt 1.2 “missionarisch”. Vernünftig geschrieben müsste in dem Artikel stehen, dass man sich ausgewogen ernähren soll, nicht zu viel Fett und zu viele Kalorien, nicht zu wenig Vitamine und nicht zu wenig Spurenelemente …. und ruhig auch mal Fleisch weglassen darf.

    2. Dann kommt jetzt häufig noch die Frage, ob B12-Substitution unnatürlich ist. Im oben bereits erwähnten Taz-Artikel steht:

      Sie rät dringend zu kinderärztlicher Beratung und hält eine „Supplementierung von Nährstoffen“ für zumeist erforderlich. Letzteres ist zweifellos möglich, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn der regelmäßige Konsum angereicherter Nahrung oder von Ergänzungsmitteln vermittelt Kindern, dass ausgewogene Ernährung mit weitgehend naturbelassenen und regionalen Lebensmitteln nicht reicht.

      Ja, auch da kann ich grundsätzlich zustimmen, aber wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein. Wer hat sich die letzten Tage ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker, ohne Aromen, ohne Farbstoffe ernährt? Wer hat sein Essen ohne Jodsalz gegessen? In fast allen Ernährungsformen sind heute leider so viele Zusatzstoffe drin. Fast jeder stopft die sich rein ohne Ende. Aber wenn ein Veganer B12 nimmt, dann ist das der Untergang unserer Kultur?Mal ganz abgesehen davon, dass ich gehört habe, B12-Mangel kann auch Leute betreffen, die tierische Produkte essen. Von daher finde ich auch diese Kritik am Veganismus scheinheilig.

    3. Wer zum Thema B12 und vor allem zum tollen Statement vom Landwirtschaftsminister noch einen passenden Kommentar lesen will, der kann mal beim Graslutscher weiterlesen.
    4. Und was fehlt Veganern sonst noch?
      Auf Vitamin D sollte man achten, das kann aber meistens ohne künstliche Zusätze (in die Sonne gehen, Avocados essen) erreicht werden.
  3. Sojamilch ist so unnatürlich wie Cola
    1. So etwa hat es Sarah Wiener geschrieben und malt wieder mal das Bild, dass der Veganer nur Soja-Industrieprodukte isst, während das gute Stück Fleisch vom Bauern nebenan kommt. Auf den Artikel von Sara Wiener hat Julia Akra-Laurien eine gute Antwort geschrieben. Jeweils ein Zitat eines Absatzes das m.E. die Kernaussage enthält.
      S.W.:

      Aber durch seinen Verzicht verbessert er auch nichts an den üblen Verhältnissen in der Nahrungsmittelproduktion. Denn: Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch die nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region. Im Gegenteil: Auch vegane Industrieprodukte lassen Böden erodieren, versauen das Klima und vergiften das Wasser. Das System, in dem sie entstehen, ist ebenso grundlegend falsch wie das System der Fleischproduktion.

      und das Kernzitat in der Antwort von J.A.L.:

      Doch habe ich nach dem Lesen Ihres Beitrags das Gefühl, dass vegan zu essen für Sie bedeutet, weitestgehend auf industrielle Fertigprodukte zurückzugreifen. Das gilt vielleicht für sogenannte Puddingveganer, die sich zwar rein pflanzlich, aber sehr einseitig und überwiegend von Convenience-Produkten ernähren. Das ist aber nicht das, was wir regulär unter veganer Ernährung verstehen. Gerade Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen dafür entschieden haben, verarbeiten meist frische, regionale und saisonale Produkte.

      Ich habe diese beiden Zitate gewählt, weil Sarah Wiener mit dieser Kernaussage recht hat, dass “einfach nur vegan” nicht die Welt rettet, aber sie eben einen Sonderfall hervorhebt, nämlich den “Pudding-Veganer”.  Und das stellt Julia Akra-Laurien klar, dass dieser nicht unbedingt repräsentativ ist.
      Und bei “Omnivoren” gibt es ebenso die ganze Bandbreite. Auch da sind genug dabei, die sich mit Fertigpizza, Süßigkeiten und Energydrinks ernähren.

  4. “Veganer töten auch Tiere, beim Ackerbau sterben viel mehr Tiere. Und dann kommt da ja noch die Verdrängung durch den Ackerbau dazu. Das ist besonders schlimm, da die Veganer ja dauernd Tofu essen. Und dieser kommt aus Soja-Monokulturen.”
    1. stimmt erst mal. Aber ist es dann sinnvoller Fleisch zu essen? Nein! Denn die Tiere, die gegessen werden, fallen nicht vom Himmel. Die werden aufgezogen und bekommen dabei Futter. Meistens Kraftfutter. Meistens eben genau das Monokultur-Soja. Und zwar braucht man pro Kalorie Fleisch je nach Quelle etwa 7 Kalorien pflanzlichen Input. Und bei Tieren ist der Soja-Anteil ziemlich hoch.
      Während ein Veganer zwar auch ab und zu mal Soja konsumiert, aber der Teller mit viel mehr gefüllt ist (Getreide, Gemüse, Reis, Kartoffeln, Obst, …).
      Also von den Tieren, die dem Ackerbau zum Opfer fallen, sind ganz viele ein Opfer der “Fleischindustrie”.
  5. “25% der Landwirtschaftlichen Flächen sind Weideland und für den Ackerbau gar nicht zu gebrauchen. Und die Bewirtschaftung mit Tieren ist wichtig, da sonst Almen und Heiden nicht mehr so existieren könnten. Almen und Heiden sind auch wichtig für die Biodiversität”
    1. Die “Bewirtschaftung” ist nicht wichtig. Um diese “Landschaften” zu erhalten könnte man die Kühe, Ziegen, Schafe … auch einfach so da leben lassen.
    2. Aber gehen wir nun mal davon aus, dass Weidetierhaltung gut ist. Dann ist das noch lange keine Rechtfertigung dafür, dass man zu Weihnachten die billigste Gans kauft, die in Massentierhaltung hochgezogen und vollgestopft wurde. Das hat mit “natürlicher Weidehaltung” nichts mehr zu tun. Und Massentierhaltung ist eben die große Masse des Fleischverzehrs. Es ist ja immer erstaunlich, dass alle nur Biofleisch kaufen und essen und natürlich nur ganz selten und natürlich immer beim Metzger nebenan, der die Kühe vom Bauern 3 Häuser weiter hat. Die spannende Frage ist, wie viele Kühe hat der Bauer 3 Häuser weiter, dass es jeden Tag zu einer frischen Sammlung von Fleisch kommt? Und wenn alle nur da kaufen, warum gibt es dann überhaupt noch Massentierhaltung?
      Ich und wahrscheinlich ganz viele Veganer wären schon ein ganzes Stück glücklicher, wenn es wirklich so wäre, dass nur “glückliche” Tiere geschlachtet werden, die auf der Weide waren und nicht mit Sojaschrot gefüttert wurden, sondern nur mit dem Gras von vor der Haustüre. Aber das würde bedeuten, dass der Konsum von Tierprodukten massiv eingeschränkt werden müsste oder zumindest erheblich teurer würde.
  6. “Fleisch braucht weniger Energie als vegane Ernährung”
    1. Zum Beispiel stand bei Independent:

      Lettuce is ‘three times worse than bacon’ for emissions and vegetarian diets could be bad for environment

      Was zwar so stimmen mag, aber mit einer Ernährungsmischung wenig zu tun hat. Das ignorieren viele. z.B. auch Heilpraxis.net. In diesem Artikel wird behauptet, dass vegetarische Ernährung untersucht wird. Dann wird sogar richtig zum Paper verlinkt. Das spannende ist dann, dass die den Fall “vegetarisch” gar nicht untersucht haben. Eigentlich hat das Paper aber verschiedene Ernährungsformen untersucht, von denen KEINE vegetarisch oder vegan war. Dort hat zwar der eine Salat mehr Energiebedarf pro Kalorie als der Schinken, aber das Getreide für das Brot ist dafür 5 mal weniger Energieintensiv.  (Rohdaten kann man sich da kostenfrei herunterladen (docx).)

      Sogar die Forscher des Originalpapers haben eine Antwort verfasst, von der bei der Huffington Post berichtet wird.
      Bei einer entsprechende Mischung (viel Getreide etc.) kann also davon ausgegangen werden, dass die vegane Ernährung oft weniger Energie braucht.

  7. Jeder soll sich doch so ernähren wie er will, das ist doch Privatsache.
    1. Klimaerwärmung, Hungersnöte … sind dann keine Privatsache mehr, sondern betreffen alle … dazu hab ich ja schon mal einiges geschrieben als es um den Veggie-Day ging, daher bitte dazu diesen Artikel lesen.
  8. Viel wichtiger ist bio, regional, sessional, frisch
    1. Dass diese 4 Punkte gut und wichtig sind, kann ich zustimmen. Aber auch das lässt sich locker über eine vegane Ernährung erreichen. Daher sehe ich in diesem “Argument” keinerlei Grund, warum Veganismus schlecht sein sollte.
  9. “Vegan alleine rettet auch nicht die Welt”
    1. Stimmt, aber es ist ein kleiner Beitrag dazu. Daher ist es natürlich falsch es als die “Masterlösung” darzustellen, aber das machen wenige Veganer.
      Zusätzlich kann und sollte man sich auch Gedanken über Reduktion und Nachhaltigkeit von Flugreisen, Autofahrten, neuer Elektrogeräte, Stromverbrauch, Güterkonsum … machen. Der Nahrungskonsum ist eben nur ein Aspekt von vielen. Aber eben auch ein relevanter.
    2. Diesen kleinen Beitrag im Bereich Nahrung kann auch jeder leisten, indem der Fleischkonsum reduziert wird. Ob man absolut gar nichts mehr will ist ja eine persönliche Entscheidung. Aber je größer die Reduktion ist, desto besser. Und je mehr man dann noch zusätzlich die in 8. angesprochenen Aspekte beachtet, desto besser.
    3. Viele Veganer haben als Motivation “Ethik”, also insbesondere der Einstellung, dass man einem Tier, sofern möglich, kein Leid zufügen sollte. Und vielleicht retten sie dann nicht die Welt, aber sie fügen keinem Tier ein Leid zu. Also das “die Welt retten” ist oft eben nicht die (Haupt-)Motivation.
    4. Und wer den Masterplan hat, wie man die Welt retten kann, der soll ihn bitte kommunizieren. Bis dieser bekannt ist, sollten wir für jeden kleinen Beitrag einfach dankbar sein.
  10. “Alle Veganer …” (+irgend ein Vorurteil)
    1. Leider höre ich sowas auch ab und zu. Das ist natürlich quatsch. Es gibt unter den Veganern die ganze Bandbreite. Sehr wenige wollen ihren Lebensstul in die Welt hinaustragen, einige verstecken ihn, einige wollen der Umwelt damit was gutes tun, andere wollen einfach keinem Tier was zuleide tun, dann gibt es auch noch gesundheitliche Gründe (z.B. Laktoseunverträglichkeit), …. von daher zeugen solche “Argumente” einfach von Vorurteilen bzw. Uninformiertheit.
  11. Wenn alle Veganer wären, dann würden die Anbauflächen gar nicht reichen, um so viel Gemüse anzubauen.
    1. Hört man immer wieder…. und wenn man mal vorsichtig nachfragt, von was die Tiere, die ja gerne gegessen werden, sich so ernähren, wird man dann auf “Weidehaltung” (siehe Punkt 5) verwiesen. Es ist aber so, dass die meisten Tiere aus Massentierhaltung kommen (laut arte etwa 98% – wobei ich hier davon ausgehe, dass da auch ein großer Gradient von “Käfighaltung” bis hin zu “Freilandhaltung” dabei ist). Und die Tierebrauchen je nach Quelle mindestens 5-7 Kalorien pflanzliche Nahrung (Soja, Getreide), um 1 Kalorie tierische Nahrung zu produzieren (z.B. hier Kapitel 2.2 wird sogar der Faktor 10 erwähnt). Da diese in Massentierhaltung zugefüttert wird, d.h. erst irgendwo angebaut und dann verfüttert, fallen dafür auch Anbauflächen an. D.h. für jedes durch eine “Getreidespeise” (Nudeln, Reis, …) ersetzte Steak, kann man mindestens 4 weitere Personen mit der gleichen Anbaufläche versorgen, wie für das Steak verbraucht wurde.
    2. Insgesamt ist es daher sogar genau umgekehrt: Mit einer Reduktion von Fleischkonsum und dem Konsum von Tierprodukten, kann die Weltbevölkerung besser ernährt werden mit weniger Flächen-, Energie-, Wasserverbrauch.
    3. Natürlich gibt es auch einige Luxus-Vegan-Produkte, die einen relativ hohen Flächen-, Energie- oder sonstigen Verbrauch mit sich bringen. Aber das ist nicht die Hauptmenge dessen, was Veganer konsumieren.
  12. Wenn alle plötzlich Veganer werden, was dann? Dann müsste man die Tiere alle notschlachten?
    1. Plötzlich ganz viele Veganer? Schöner Traum, aber absolut unrealistisch. Es werden niemals alle gleichzeitig Veganer. Wenn in Deutschland jährlich zusätzlich 2% sich für eine vegetarische Ernährung entscheiden würden und zusätzlich 1% für eine vegane Ernährung, dann wäre das eine gigantisch große Bewegung, aber so langsam, dass nicht plötzlich alle Hühner, Kühe und Schweine notgeschlachtet werden müssten, sondern einfach ein paar weniger nachgezüchtet werden müssen.
    2. Und wenn dann irgendwann (nach ca. 25 Jahren) die meisten Menschen (90%) fleischlos ernähren und 30% Vegan leben, dann kommt immer noch das meiste Fleisch aus Massentierhaltung, weil oben haben wir ja gelernt: 98% kommt in Deutschland aus Massentierhaltung.
  13. Diese Tiere sind doch nur dazu da, um gegessen zu werden.
    1. Steht in der Bibel, oder wo?
    2. Natürlich wurden viele Tiere als Nutztiere gezüchtet, aber diese Tiere leiden trotzdem. Und belasten die Umwelt. Von daher spricht der Fakt, dass sie dafür gezüchtet wurden nicht dafür, diese Praxis weiter zu betreiben.
18Nov

Terrorfragen

Ähnlich wie Jan Böhnermann stelle ich jetzt einfach mal Fragen:

  1. Wem nützt der Terror?
  2. Was will man damit bezwecken?
  3. Von was lenken die aktuellen Attentate, Attentatsversuche und angebliche Attentate ab?
  4. Was wird jetzt in Hinterzimmern ganz schnell entschieden? TTIP?
  5. Wenn der Geheimdienst so konkrete Informationen hatte, dass etwas passiert, warum gibt es dann keine Festnahmen?
  6. Wenn die Terroristen so böse sind, warum findet man dann eine Bombenattrappe?
  7. Was verursacht mehr Panik in der Bevölkerung, als ein Innenminister, der sagt, er kann nichts sagen, weil das sonst Panik verursacht?
  8. Ist es vielleicht eine korrupte Regierung, die mehr Panik verursachen würde?
  9. Oder ganz andere Täter, als wir vermuten?
  10. BND, CIA, …? Homeland Security?
  11. Was sollen Bomben jetzt bringen? Ist gesichert, dass da wirklich nur die “bösen” getroffen werden?
  12. Wie viele Zivilisten in der arabischen Welt haben wir (NATO) auf dem Gewissen? Wie viele Tote in NATO-Ländern die Muslime? Wer sind die tatsächlichen bösen?
  13. Bekommen die Geheimdienste jetzt noch mehr Rechte und Gelder?
  14. Schützt und das oder gefährdet uns das?
  15. Bin ich ein Verschwörungstheorethiker?
  16. Wäre es nicht naiv, diese Varianten komplett außer acht zu lassen?
  17. Oder steckt da eine Allianz dahinter, die was gegen die Flüchtlinge machen will?
  18. Haben die da erst mal einen Stimmungsumschwung richtung “Anti-Islam” gebraucht?
  19. Sind “Asylkritiker” für die Anschläge dankbar
  20. Wenn es doch der IS war, hat der sich vielleicht sogar gewünscht, dass die “Asylkritiker” jetzt steigen?
  21. Findet der IS es nicht toll, wenn Europa die Flüchtlinge an den Grenzen verhungern lässt?

Nur 21 Fragen, keine 100 … aber vielleicht zeigt sich ja in wenigen Jahren, dass die eine oder andere Frage davon genau die richtige Frage war, die wir hätten beantworten sollen….

15Nov

Trauer, Terror und andere Tragödien

Ganz Deutschland trauert. Ganz Deutschland? Auch mir tun die Familienangehörige und Freunde der Opfer leid. Aber auch nur so leid wie all die anderen Familienangehörigen und Freunde von schrecklichen Tragödien. Und wenn ich ehrlich bin, bedrückt mich das zwar, wenn ich drüber nachdenke, aber eigentlich, im normalen Tagesablauf, denke ich nicht drüber nach. Obwohl es viele solche Tragödien gibt:

  • Hugersnöte
  • Kriege

Daher Frage ich mich, warum jetzt alle so “trauern”. Warum jetzt und nicht sonst immer? Wann haben wir bei Facebook zuletzt die syrische Flagge gesehen? Wegen all den Kriegsopfern? Wann haben wir zuletzt für die vielen verhungernden Kinder Flagge gezeigt?

Natürlich muss man gegen die Ursachen all dieser Tragödien vorgehen. Natürlich muss man auch Terrorismus bekämpfen. Aber das entscheidende ist, dass es im Grunde ein Maßnahmenbündel für all diese oben genannten Tragödien gibt. Die Entwicklung in den Ländern voranbringen und alle menschenrechtsverachtenden Diktatoren ins “Abseits” schieben.

Wenn es all den Krisenländern gut gehen würde. Wenn all diese Länder zumindest grundlegende Sozialsysteme hätten. Und wenn wir mit Diktatoren keinerlei Geschäfte mehr machen würden… ja, dann hätten die Fundamentalisten weniger Zulauf, die Nahrung wäre global gerechter verteilt und wahrwscheinlich gäbe es auch weniger Kriege.

Aber solange es bei Staatsbesuchen eine Randnotitz bleibt, was in den Ländern passiert und die “Oberen” sich die Hände schütteln und Pläne schmieden, wie sie noch paar Millionen Euro an der Steuer vorbei und unter Einsatz von quasi Sklaven anhäufen können, solange muss sich auch nichts ändern. Dass diese Unterschicht nun gerne zum IS läuft habe ich schon vor zig Jahren prognostiziert. Daher wundert es mich gar nicht, dass das jetzt so passiert. Und es scheint ja auch total egal, solange das nur “dort im Osten” passiert. Solange die da mordend rumziehen schickt man vielleicht Alibimäßig mal eine Waffenlieferung. Die USA schickt immerhin Bomber, aber eigentlich ist es denen auch egal, aber wenn sie sich dort strategisch geschickt platzieren können passt das gerade ins Konzept….

Oder man macht mit Erdogan Deals. Diesem Staatschef, der im Zweifel mal Angriffe gegen den IS fliegt und ausversehen die türkischen Oppositionshochburgen kurz vor der Wahl trifft.

Aber jetzt, jetzt kommt dieser Terror im Kerneuropa an. Jetzt bekommen wir alle Panik?

Terrorismus bekämpft man nicht, indem man Überwachungsmaßnahmen einführt. Terrorismus bekämpft man nicht, indem man irgendwo Bomben abwirft. Damit trifft man mehr die Leute, die nichts dafür können. Terrorismus bekämpft man, indem man sich um eine faire und friedliche Welt kümmert. Und das kostet. Das könnte zum Beispiel zu Einschränkungen bei unserem Luxus führen. Wenn keine Sklaven mehr unsere Rechner zusammenschrauben und Kleidung nähen, dann wird plötzlich alles teurer. Aber wenn die Leute jetzt wirklich trauern würden, dann wären sie sicherlich dazu bereit. Wenn sie bereit wären alles dafür zu tun, dass so etwas nie wieder passiert. Aber ich fürchte, dass wird nicht so sein. Selbst wenn wir hier vor Ort 1 Millionen Flüchtlinge aufnehmen müssen, schieben viele schon Panik. Wenn jeder 2% abgeben müsste, dann gibt es jetzt schon viele, die uns vorrechnen, dass wir das nicht schaffen. Daher fürchte ich, dass es nicht dazu kommt, dass wir uns einschränken werden. Wir werden weiterhin dem Kapitalismus frönen, jeder holt für sich so viel wie möglich raus. Und wenn der Rest der Welt dann Amok läuft, dann können wir während wir philosophieren, wie böse die anderen doch alle sind ….

12Nov

Zinsen bei verspäteter Steuererklärung

Wo bekommt man die besten Zinsen zur Zeit? Beim Finanzamt.

Nachdem ich die Steuererklärung 2011 sehr verspätet eingereicht habe, kam jetzt der Steuerbescheid.

Das witzige: Für die so spät eingereichte Steuererklärung habe ich keine Verzugsgebühr o.ä. bezahlen müssen, sondern habe pro Monat ein halbes Prozent Zinsen bekommen. Also 6% pro Jahr. (zwar ohne Zinseszinsen)

So viel bekommt man sonst nirgends.

Daher eine Antragsidee an unsere Bundestagsfraktion: So sehr mich dieser zusätzliche Geldsegen doch gefreut hat, so sehr finde ich es fragwürdig, dass der Steuerzahler mir einen so guten Zinssatz zahlt. Daher sollte der Zinssatz etwas angepasst werden. 0,1% pro Monat wären auch schon schön und überdurchschnittlich (1,2% pro Jahr). Gar keine Zinsen wären auch kein Fehler, wenn man will, dass die Steuererklärung rechtzeitig abgegeben wird.

21Oct

Der berüchtigte I2

Auf der LDK am Wochenende gab es viele Themen. Strukturreform, Wahlen, TTIP, … selbst “mein” Freifunkantrag wurde behandelt und angenommen. Aber irgendwie hat mich und scheinbar auch die restlichen Grünen vor allem ein Thema bewegt: Der Initiativantrag I2 von Claudia Stann et al.

Mein persönlicher Eindruck von dem Antrag war, dass er, wenn es nicht wenige Tage davor einen Beschluss im Bundestag und im Bundesrat gegeben hätte, an dem die Grünen mit Bauchschmerzen beteiligt gewesen sind (Enthaltungen im Bundestag, Zustimmung im Bundesrat), die dort thematisierten Inhalte mit einer ganz großen Mehrheit beschlossen worden wären.

Natürlich hat der Antrag als Initiativantrag auf diese Situation reagiert und diese auch erwähnt und diskutiert. Und natürlich soll man diese Diskussion und Thematisierung in dem Antrag als Kritik an dem Gesetz sehen. Eine Kritik an unseren Abgeordneten kann man reininterpretieren. Muss man aber nicht.

Selbst Toni Hofreiter hat in seiner Gegenrede Claudia Stamm inhaltlich weitestgehend zugestimmt. Den großen Fehler haben Anton Hofreiter, Dieter Janecek, und Margarete Bause meines Erachtens gemacht, indem sie den Antrag nicht unterstützt haben und damit diese “Nachtrete-Diskussion” erst gestartet haben. Aber statt Souverän zu reagieren, wie ich es eigentlich von erfahrenen Berufspolitikern erwartet hätte, haben sie gekränkt und beleidigt reagiert und alle Register gezogen, die Diskussion in diese “hässliche” Richtung zu lenken.

Hätten die 3 Gegenredner nicht (stark komprimiert und interpretiert) gesagt “ich lehne ihn ab, weil es jetzt halt so einen blöden Kompromiss gab und wir nicht nachgetreten werden wollen”, sondern “wir unterstützen ihn! Wir mussten uns auf einen blöden Kompromiss einlassen, weil trotz der Negativseiten die Positivseite unseres Erachtens überwogen hat. Aber eigentlich sehen wir es genau wie die Antragssteller und sehen es als Bestätigung unserer Verhandlungs-Arbeit, denn gneau in diese Richtung haben wir versucht zu verhandeln und werden auch beim nächsten Mal hart in diese Richtung verhandeln”, dann wären alle 4 und der Antrag mit Applaus verabschiedet worden und wir hätten einen super Antrag verabschiedet und wir hätten eine viel größere Geschlossenheit.

So bleibt für alle ein fader Beigeschmack. So richtig schmeckt der Kompromiss keinem, der Antrag war eigentlich inhaltlich gut, ist aber abgelehnt worden und irgendwie ist die Nachtrete-Debatte noch im Raum. Daher bitte ich einfach in Zukunft alle Abgeordnete und Antragssteller

  1. sich im Zweifel zusammenzusetzen und eine gemeinsamme starke Linie zu finden
  2. sich klar von “Nachtreten” zu distanzieren
  3. auch bei Kritik souverän zu reagieren und nicht so beleidigt
18Oct

Livebericht der LDK Bad Windsheim – Tag 2

An diesem Wochenende ist die LDK in Bad Windsheim. Das Programm und die Anträge gibt es auf der Seite des Landesverbandes. Einen Livestream gibt es  hier. Bei Twitter gibt es gerade 3 Hashtags: Neben dem offiziellen Haupthashtag #ldk15 gibt es noch #ldkby15 & #ldkby

Dies ist die Fortsetzung von gestern.

Die wichtigsten Ergebnisse werde ich hier live tickern. Beschlüsse werden in FETT dargestellt.

Disclaimer: Es gilt das offizielle Protokoll, dies ist nur ein Mitschrift, oft bei einer nicht optimalen Akkustik in der Halle.

Sonntag

 

17Oct

Freifunk bei der LDK Bayern

Meine geplante Rede um den Antrag vorzustellen (im Endeffekt hatte ich 3 Minuten Zeit und musste spontan kürzen):

Liebe Delegierte,

die letzten Tage waren von einem Thema geprägt: Flüchtlinge. Ganz nebenbei, fast unbemerkt, wurde mit 404 Ja-Stimmen die Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Trotz NSA-Skandal, trotz Datenschutzbedenken, trotz Verfassungsbedenken und obwohl es quasi kein Beispiel gibt, wie durch Totalüberwachung ein Anschlag verhindert wurde, wurde dieses Gesetz beschlossen.

Vor diesem Hintergrund freut es mich besonders, dass ich den “Bayern digitalisieren” vorstellen darf, in dem

  • Freifunk ist eine Initiative, die ein Netz in Bürgerhand aufbauen will. Keine Konzerne haben die Kontrolle, sondern die Bürger.
  • Ein Netz, in dem man sich anonym bewegen kann. Ohne Anmeldung. Ohne Nachvollziehbarkeit.
  • Ein dezentrales Netz, in dem keine zentrale Stelle der NSA Schnüffelzugang geben kann.
  • Und ein Netz, in dem man seinen DSL-Anschluss einfach und legal mit den Nachbarn teilen kann. Und damit ist es sozial, weil dann die Leute, die keinen eigenen Internetanschluss haben, diesen freie Netz einfach mitbenutzen dürfen. Und zu diesen Leuten, die ein ganz hohes Bedürfnis an kostenlosem Internet haben, zählen zur Zeit die Flüchtlinge. Und daher bin ich stolz, was in der Freifunk-Community zur Zeit passiert: Ganze Flüchtlingsheime werden mit WLAN ausgestattet, so dass diese Leute ihren Familien Nachrichten schreiben können, sich informieren können. Dafür danke ich der Freifunkcommunity. Danke!

Ein großer weiterer Grund warum es Freifunk braucht und man nicht einfach sein privates WLAN freigibt, ist der deutsche Sonderweg der Störerhaftung. Was bedeutet das? Wenn jemand über meinen privaten DSL-Anschluss einen Musiktitel hochlädt, dann habe ich eine Infrastruktur bereitgestellt und kann verklagt werden. Das ist so, wie wenn der Postbote für einen Erpresserbrief oder die Telekom für einen Drohanruf haften müsste.

Deswegen hat Freifunk eine Infrastruktur geschaffen, die dieses unsinnige Gesetz legal umgeht, indem sie über dezentrale Hintergrundserver das Providerprivileg nutzen. Das ist zur Zeit eine benötigte Krücke. Das ist nicht die Ideallösung. Daher an dieser Stelle ein herzlicher Dank an Verena Osgyan und die gesamte Landtagsfraktion, die sich bereits in den letzten Monaten für eine Abschaffung dieser Störerhaftung eingesetzt haben. Danke!

Die Freifunkinitiative lebt somit viele Grüne Werte. Und deswegen beantragen wir hier, dass wir als LDK auch Freifunk unterstützen. Das kann auf zwei Ebenen passieren.

  1. Freifunk Hardware

    Freifunk Hardware

    Einerseits kann jeder von uns, im Büro der Grünen oder auch zu Hause teilnehmen. Technisch ist das sehr einfach. Entweder man kauft sich solch einen kompatiblen, handelsübliche Router und installiert darauf die entsprechende Firmware, die es auf den Webseiten der Freifunkinitiativen kostenlos gibt. Oder man kann häufig einen vorinstallierten Router bei der lokalen Freifunkinitiative zum Selbstkostenpreis bekommen. Das unterstützt nicht nur Freifunk, sondern lockt die Menschen auch in die Nähe der grünen Büros.

  2. Aber viel wichtiger ist die politische Unterstützung. Das fängt damit an, dass der Aufbau des Netzes nicht von der Politik blockiert wird sondern unterstützt wird.
    Ein schönes Beispiel habe ich Euch aus Möhrendorf mitgebracht. Eine Firma will mit vielen ihrer Mitarbeiter, die sich in der Thematik engagieren wollen, zwei Flüchtlingsheime mit Internet und WLAN versorgen. Da es in dem einen Heim aber keinen Anschluss gibt, wird das Signal per Freifunk weitergeleitet. Und da das Rathaus, als einer der höchsten Punkte ist, von dem aus man eine gute Funkverbindung realisieren kann, will der Bürgermeister es ermöglichen, dass das Rathaus ein Teil dieses Netzes wird.
    Doch die politische Unterstützung muss weitergehen. Es sollte nicht nur eine Tolerierung sein. Wie die Grüne Jugend zu Recht in ihrem Änderungsantrag vermerkt hat, kann der Staat noch viel weitergehen. Daher übernehmen wir gerne den Änderungsantrag  und fordern, dass der Staat den aufbau freier WLAN-Netze aktiv unterstützen soll.

Ich möchte Euch nun bitten, diesen Antrag nun zu unterstützen, damit wir gemeinsam die digitalisierung in Bayern voranbringen können. Vielen Dank.

 

Der Antrag wurde angenommen.

17Oct

Livebericht der LDK Bad Windsheim – Tag 1

An diesem Wochenende ist die LDK in Bad Windsheim. Das Programm und die Anträge gibt es auf der Seite des Landesverbandes. Einen Livestream gibt es  hier. Bei Twitter gibt es gerade 3 Hashtags: Neben dem offiziellen Haupthashtag #ldk15 gibt es noch #ldkby15 & #ldkby

Die wichtigsten Ergebnisse werde ich hier live tickern. Beschlüsse werden in FETT dargestellt.

Samstag:

  • 11:33: Beschlussfähigkeit festgestellt und die Sitzungsleitung ist gewählt.
  • 11:43: Die Tagesordnung wird diskutiert … insbesondere gibt es zwei zusätzliche Initiativanträge
    • Transitzonen
    • Asylbeschlüsse
  • 11:48 – Eike Hallitzky hält die Landespolitische Rede:
    • Los geht es mit dem Thema Flüchtlinge: Kernthese: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Bayern macht das Großartig, wie Flüchtlinge aufgenommen, OBWOHL Söder und Co diese europäischen Werte nicht vertreten. Waffenlieferungen in Krisengebiete lehnen wir Grünen ab. Die Zusammenarbeit von Seehofer mit Orban und “wirre” (rechte) Vorschläge werden kritisiert.
    • Klimaschutz und Dieselgate wurde natürlich auch angesprochen.
    • Strukturreform der Grünen, die dieses Wochenende beschlossen werden soll, wird schon mal angesprochen.
  • 12:10 – Cem Özdemir hält die bundespolitische Rede:
    • Henriette Rieker (OB-Kandidatin aus Köln) wurde verletzt durch einen Messerangriff
    • Flüchtlinge: die Entwicklung mit Pegida etc. wird angesprochen, diese sollten auch mal ans Grundgesetz erinnert werden. Und Seehofer sollte nicht mit dem rechten Rand spielen … er würde damit wahrscheinlich eh mehr verlieren als gewinnen, aber den rechten Rand zu stärken geht gar nicht. Viele Flüchtlinge kommen oft wegen dem “Grundgesetz”, während CSU und Co viele der Werte (Gleichberechtigung, Homosexualität) noch bekämpfen, ist es merkwürdig, dass sie dies nun als Argument gegen “Migranten” nutzen wollen. Und unglaubwürdig. Er wünscht sich, dass die Flüchtlinge sich so integrieren, dass sie keine Gäste sonder Bürger sind. Trotzdem verlangt auch Cem eine europäische Solidarität. Er spricht auch Kriegsursachen und Fluchtursachen an. z.B. Welternährungsprogramm (und fehlende Gelder dort). Und auch das nächste Thema ist eine Fluchtursache:
    • Klimaschutz: Deutschland ist nicht mehr führend beim Klimaschutz. Die Automobilindustrie profitiert NICHT von den laschen Grenzwerten. Nur wer als erstes umsteigt, wird später auf dem Weltmarkt echte Chancen haben.
    • Und dann noch ein kleiner politischer Rundumschlag zu ganz vielen Themen… oft mit Teilaspekt “Flucht”
  • 12:34 Aussprache
    • Freier Redebeitrag: Thema Flüchtlinge: Lob der ehrenamtlichen!
    • Noch einmal das Thema Flüchtlinge … und nochmal
    • Barbara Lochbiler (MdEP) stellt diverse Themen (natürlich auch Flüchtlinge und TTIP) aus EU-Sicht dar.
    • Ludwig Hartmann (MdL): Statements zum Thema Klimaschutz, Ausstieg aus Kohlekraft. Landwirtschaft: Es gibt ein Recht auf gesunde Lebensmittel und “gesunde” Böden (auch noch in der nächsten Generation)
    • Grüne Jugend: G7 und TTIP, so eine Aufteilung der Weltpolitik verbunden mit Absenkung der Standards muss bekämpft und verhindert werden.
    • und noch mehr Redebeiträge, ganz oft zu den Themen Flucht … aus ganz vielen Perspektiven …
    • Ein Statement gegen Papierverschwendung … dafür von mir auf diesem Weg ein Danke, es ist echt nicht nötig, alles 1000-fach auszudrucken und zu verteilen.
    • Toni Hofreiter fragt zu Recht: Wie will Seehofer es schaffen, eine Obergrenze umzusetzen? Will er den X+1. Flüchtling einfach zurückschicken.
    • und noch viel mehr zum Thema Flüchtlinge ….
    • 14:02 Auch Claudia Roth (Bundestagsvizepräsidentin) spricht zu DEM Thema….
    • 14:25: Sorry Ekin, aber dein Zitat: “Wir wollen etwas bewegen, deswegen haben wir uns enthalten.” … ist das Satire?
  • 14:33 Es wird angekündigt, dass wir irgendwann nacher über den Gender-Star (z.B. Redner*Innen) abstimmen, aber noch nicht jetzt. Na toll, warum nicht gleich erledigen?
  • Die thematischen Anträge sollen ge-ranked werden, daher werden gerade dazu die Stimmzettel eingesammelt.
  • Jetzt geht es mit den “richtigen” Inhalten los…
  • Thema Flüchtlinge A2neu:”Für eine menschliche Flüchtlingspolitik: Verantwortung übernehmen, Herausforderungen gemeinsam schultern, Integration unterstützen”
    • Margarethe Bause stellt ihn vor, inklusive diverser Anekdoten, u.a. wie kompliziert die Zusammenarbeit mit einer panikmachenden CSU ist.
    • Die “Diskussion” ist eine breite Zustimmung.
    • Der oben erwähnte Gesamtantrag A2neu erhält eine breite Zustimmung.
    • A12 Frauen auf der Flucht erhält eine breite Zustimmung.
    • A17: Kulturarbeit von und mit Flüchtlingen fördern erhält eine breite Zustimmung
    • A22: Europäische Herausforderung Flucht, Asyl und Einwanderung erhält eine breite Zustimmung
      • Änderungsanträge werden diskutiert und der erste wird übernommen
      • Der einzig strittige ist, ob wir generell Waffenexporte verbieten wollen. Dieser wird aber knapp angenommen.
    • Der A24: Resolution: Öffnet die Grenzen – Für die Idee Europas wird abgelehnt, insbesondere da sich viele der dort beschriebenen Sachverhalte inzwischen geändert haben.
    • Der I-1 “Fluchtursachen bekämpfen, Geflüchtete menschenwürdig behandeln – Gegen die Errichtung von Grenzzäunen und Haftanstalten im Niemandsland” wurde spontan eingereicht und steht noch nicht online. Er erhält eine breite Zustimmung
    • I-2 ist ebenso noch nicht online. Er trägt den Titel “Verantwortung übernehmen – gegen die massive Verschärfung des Asylrechts”. Dabei geht es auch um die Entscheidung der vergangenen Woche im Bundestag. Trotz der darin enthaltenen (guten) Ansätze gibt es massive Verschlechterungen.  Dublin wird damit de facto genehmigt. Bürokratie wird nicht wirklich abgebaut. Selbst Toni sagt, dass diese kritisierten Punkte von “niemandem” für richtig gehalten werden. In den Detailabstimmungen hat die Bundestagsfraktion auch zu den kritischen Punkten “Nein” gesagt. Gabriel selbst hat da von Grünen reingehandelten Sachen wieder rausgestrichen. Aber da die Grünen Verhandler sich so gut wie möglich bemüht haben, bittet Toni um eine Ablehnung, weil er nicht will, dass trotz der guten Bemühungen diese jetzt dafür kritisiert werden. … Es wird eine Debatte eröffnet!
      In dieser Debatte gehen die o.g. Sachen noch mehr ins Detail, die Pro-Redner betonen vor allem, dass es auch für die Zukunft gehen soll, während die Contra-Redner die Vorteile des Asyl-Gesetzes herauszustellen versuchen und die Nachteile zu relativieren.
      Interessant (aber Zufall?) in der Debatte die Pro-Redner waren nicht so bekannte Leute. Die Contra-Redner waren Promis.
      GO-Anträge bezüglich “Erweiterung der Debatte” und “geheimer schriftlicher Abstimmung” werden abgelehnt. Die Entscheidung ist super knapp, aber der Antrag wird  abgelehnt. (124 – 135)
  • Die Anträge wurden geranked, los geht es etwa um 19:00 Uhr mit diesen Themen in dieser Reihenfolge
    1. A16: Ein Nationalpark für den Steigerwald
    2. A19: Grüne für schrittweise Verlagerung des innerdeutschen Flugverkehrs auf Bahn und Bus
    3. A9: Digitalisierung in Bayern voranbringen: Freifunkinitiativen stärken! (FREIFUNK)
    4. A15: Dem Umweltschadensgesetz zum Recht verhelfen
    5. A25: Digitalisierung der Gesellschaft – Chancen nutzen, Grundrechte wahren
    6. A11: Wirksame Barrierefreiheit in Bayern
    7. A8: Grüne und Basis-Demokratie
    8. A14: Grüne Kulturpolitik für ein modernes Bayern
    9. A10: Politische Teilhabe bei den bayerischen Grünen
    10. A21: Für die Vereinigten Staaten von Europa!
    11. A23: Zivile Krisenprävention stärken – Mehr Bayerische PolizeibeamtInnen für internationale Missionen
    12. A6: Chronik Landesverband und einzelner Kreisverbände
    13. A13: Zulassung eines LAK Gender für alle Betroffenen
  • Jetzt aber geht es weiter mit dem Thema Landwirtschaft, bzw. dem Antrag A1: Grüne Wege in eine bayerische Landwirtschaft mit Zukunft mit dem grünen Landwirtschaftsminister aus Niedersachsen Christian Meyer, dieser hat uns Einblicke in die “Landwirtschaftswende” in seinem Bundesland gegeben. Sigi Hagel stellt den aktuellen Antrag vor. Bei der Aussprache ist der einzige richtige Widerspruch: “Es geht nicht weit genug”.
    • Der Ä4 will die Anbindehaltung über das bisher geforderte Maß abschaffen/einschränken abschaffen. Dieser wird aber abgelehnt, da es scheinbar vielen kleinen Betrieben schaden würde.
    • Der Ä5 will die Biogasanlagen beschränken, da die Fläche anderweitig sinnvoller eingesetzt werden sollen, als für Mais der ver”brannt” wird. Martin Stümpfig redet dagegen, weil es eben auch sinnvolle Biogasanlagen gibt, insbesondere die, die Gülle verwerten. Langfristig ist ein konkreter Einschränkungsvorschlag sinnvoll, aber nicht in dieser Form. Dieser Antrag wird daraufhin auch abgelehnt.
    • Diverse Anträge werden modifiziert übernommen
      • Ä12
      • Ä13
    • Der Ä22 will keine Doppelförderung von Biogasanlagen: Dieser wird jedoch (aus meiner Sicht überraschenderweise abgelehnt.
    • Der Gesamtantrag wird angenommen.
  • 18:25 Die Strukturdebatte und die Ergebnisse der Strukturkomission werden vorgestellt und diskutiert. [Persönlicher Kommentar: Wieder mal etwas Selbstbeweihräucherung… von mir aus könnte man die Vorstellung erheblich strukturierter und zügiger machen anstatt viele Floskeln des Selbstlobs loszulassen]
  • Der Tag ist zu Ende … morgen geht es weiter (mit einem neuen Blogeintrag)
15Sep

Chance Zuwanderung

Deutschland steht vor dem “demographischen Problem”.

Wenn wir nun die Flüchtlinge (meist relativ am Anfang des Arbeitslebens) schnell und gut ausbilden und integrieren, könnte das doch eine riesen Chance sein, dass demographische Problem um zig Jahre zu mildern?

Das ganze kann zu einem Wirtschaftswunder führen?

Natürlich sind Millionen Menschen, selbst wenn man von den 40 Millionen Erwerbstätigen ausgeht, nur 2,5% Steigerung, aber die helfen doch schon enorm?

Was meint ihr?

14Sep

An die Leitkultur anpassen

Ich durfte die letzten Tage so tolle Schlagzeilen lesen wie “Sie müssen die deutsche Leitkultur anerkennen” (Edmund Stoiber)

Recht hat der Mann. Wir haben eine deutsche Leitkultur, die basierend auf Werten von allen anerkannt werden muss. Zu diesen Werten zählen “die Würde des Menschen ist unantastbar”, Menschlichkeit, …  das Grundgesetz, etc.

Diese Leitkultur muss natürlich auch von den Flüchtlingen anerkannt werden. Aber da sehe ich das kleinere Problem. Die spannende Frage ist eher, wann erkennt die CSU diese deutsche Leitkultur an?


 

Mal im Ernst, natürlich fordern wir alle von den Flüchtlingen, dass sie sich an “Leitlinien” unserer Kultur anpassen und diese anerkennen. Aber dazu gehört eben auch, dass man anziehen darf was man will, Religionsfreiheit, Toleranz gegenüber jeglicher sexuellen Ausrichtung, …

Das heisst, ich würde mich dagegen wehren, wenn mir von einem Flüchtling vorgeschrieben werden würde, dass ich etwas spezielles anziehen muss oder eine Religion annehmen müsste…. aber ich habe nicht die Befürchtung, dass diese Leute, die u.a. vor den religiösen Extremisten geflohen sind, dies wollen.

Bei einigen Punkten sind wir sicherlich etwas “fortschrittlicher” als einige der Kulturen in den Ländern (z.B. Gleichberechtigung), aber bei vielem ist unser Grundgesetz und das Verfassungsgericht auch erheblich fortschrittlicher als die CSU (z.B. Homosexualität).  Daher ist die Kernaussage von Stoiber bei richtiger Interpretation des Begriffs Leitkultur nicht falsch, aber ich glaube, er interpretiert Leitkultur etwas anders als ich. Ich fürchte, dass er unter Leitkultur eher versteht, dass man beim CSU-Stammtisch gegen irgendwelche Minderheiten hetzt und Schweinebraten isst. Das ist aber keine Leitkultur, das ist Subkultur (oder aus meiner persönlichen Sicht auch Unkultur), auch wenn die in Bayern in einigen Regionen recht weit verbreitet ist. Zur Leitkultur gehört natürlich auch Sprachkompetenz, aber da brauchen die Flüchtlinge einfach etwas Hilfe, aber ich glaube, da lernen die gerne dazu. Zur Leitkultur (wenn auch nicht für Deutschland speziell) gehört auch, dass man arbeitet und sich am Sozialsystem beteiligt. Ich bin mir sicher, wenn man die Flüchtlinge lässt, dann machen sie da gerne mit.

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
43 Datenbankanfragen in 0.461 Sekunden · Anmelden