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24Jun

Erlanger Nachrichten interviewen mich zum Thema “Flaggen runter”

Nachdem ich vor kurzem schon meine Meinung zu dem Thema Flaggen während der EM hier im Blog losgeworden bin, wurde ich letzten Freitag von den Erlanger Nachrichten interviewed. Es gab eine Einleitung, 3 Fragen, und insgesamt durfte der Artikel 2270 Zeichen haben. Da blieb nicht viel Platz für differenzierte Antworten. Ich hätte 3x so viel schreiben wollen. Daher hier ein paar Erläuterungen extra (die sich teilweise mit dem anderen Artikel überschneiden). (Fett = Text der Presse, Kursiv = Antwort von mir, die so für den Artikel freigegeben wurde, Normal = Ergänzungen nur hier zur Erläuterung)

Einen regelrechten Proteststurm hat die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz mit ihrer Aktion „Fußballfans Fahnen runter!“ ausgelöst. Über den Appell, während der Fußball-EM keine Deutschland-Flaggen in der Öffentlichkeit zu zeigen, schüttelten sogar die Parteifreunde in Berlin die Köpfe. Doch wie denken die Grünen hier in Erlangen darüber? Wir sprachen mit Christian Sauter, Erlanger Mitglied im erweiterten Bezirksvorstand der Grünen Mittelfranken.

Herr Sauter, was halten die Erlanger Grünen von der Initiative ihrer Parteifreunde aus Rheinland-Pfalz?

Christian Sauter: Es war falsch zu suggerieren, dass jeder Fußballfan mit Flagge nationalistisch sei.
Richtig war aber die diversen Debatten anzustoßen: Für was steht die Flagge: Fußball, humanitäre Werte oder Abgrenzung? Wer deutet was in die Flaggenmeere hinein bzw. wie sehr profitieren Rechte davon? Was versteht der Einzelne unter Patriotismus? Ist Nationalstolz angebracht und wenn ja, auf was genau sind wir stolz?

Wichtig ist dies nun gesellschaftlich zu diskutieren und sich dabei klar von rechten und menschenverachtenden Gruppen und Meinungen zu distanzieren.

Wie schon im anderen Artikel erwähnt, halte ich persönlich das Konstrukt des Patriotismus für sehr schwierig: Obwohl der Begriff häufig benutzt wird und inzwischen von vielen schon als Normalität angesehen wird, dass man, gerade während einer EM, patriotisch ist und dies auch zeigt, glaube ich nicht, dass die meisten damit irgendetwas konkretes und inhaltliches verbinden – außer Fußball.

Zusätzlich kommt aber noch eine ganz andere Frage hinzu: Welche Nebenwirkungen gibt es? Ich unterstelle (im positiven Sinne) immer erst mal jedem, dass er eigentlich nationalistische Ideen ablehnt und auch mit der Deutschlandflagge keine rechten Intentionen verfolgt. Bei einem Bruchteil habe ich da ganz sicher unrecht, aber ich glaube und hoffe, dass diese “Unterstellung” bei vielen tatsächlich zutrifft. Aber als Nebenwirkung erhält man eben auch eine Unterstützung der rechten Strömungen (siehe auch den Artikel in der Süddeutschen: ‘Per se harmlos ist das jedoch nicht. “Die nehmen einen Trend mit, der auch von außen durch verharmlosende politische Äußerungen weiter gefördert wird”, sagt Wagner. ‘) . Die blasen ihre Propaganda und Unterstellungen dann noch ungenierter raus. Und sind noch radikaler und gewalttätiger. Aktuelle Studien deuten zumindest darauf hin.

Und gerade weil Fußball damit verbunden wird, kommt dann noch eine ganz andere Frage auf: Wenn wir das Zitat nehmen, dass “Patriotismus ist Liebe zu den Seinen – Nationalismus ist Haß auf die anderen”, warum schwenken wir genau dann die Fahnen, wenn es um das Besiegen von anderen geht. Und warum fahren wir nicht mit wehenden Fahnen zum Finanzamt, wenn es um die Steuererklärung geht, immerhin leistet man damit ja seinem geliebten Land durch die Steuerzahlungen etwas Gutes? Oder geht es doch um Abgrenzung? Um eine “Vormachtstellung” der eigenen Nation? Die Süddeutsche dazu: ‘neigt man dazu, auch die Gruppe, der man angehört, positiv von anderen Gruppen abzusetzen.’ und ‘”Eine zu starke Identifikation mit dem eigenen Land birgt die Gefahr, dass sie in Nationalismus umschlägt”, so Wagner. “Und das kann zur Ausgrenzung jener führen, die man selbst als nicht dazugehörig wahrnimmt.” Je schärfer die Grenzen gezogen werden, und umso weniger kritische Positionen innerhalb der Gruppe existieren, desto größer ist die Gefahr.’

Diese Gefahr wird gerade auch mit den folgenden Generationen größer. Bekommen wirklich alle Kinder mit, dass die Polen, Franzosen und Russen unsere Freunde sind (trotz z.T. vorhandener politischer Differenzen). Oder bekommen viele Leute und Kinder mit, dass es toll ist, die anderen zu besiegen?

Also muss man auch an dieser Stelle ganz klar sagen: Nicht jeder Fußballfan mit Fahne ist ein Nationalist, aber damit das nicht immer stärker umschwenkt, braucht man einen krititschen Umgang damit. Und selbst wenn man beim Fußball mal 90 Minuten gegeneinander spielt, muss danach die Freundschaft wieder betont werden. Daher finde ich die Eröffnung der Debatte durch die Grüne Jugend Berlin und RLP insgesamt richtig und gut.

Können Sie die Heftigkeit, mit der die Initiatoren der Aktion „Fußballfans Fahnen runter!“ angegangen wurden, nachvollziehen? Immerhin gab es ja sogar Morddrohungen.

Christian Sauter: Ganz klares Nein! Eine sachliche Debatte ist sinnvoll, aggressives Verhalten ist unakzeptabel. Allerdings zeigen die Morddrohungen genau das Problem: Es gibt Leute, die nicht akzeptieren, wenn andere nicht deutsch genug sind.

Bei der EM dahoam 1974, hat nicht ein einziger Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Hymne mitgesungen. Heute hagelt es Kritik, wenn einer der Spieler nicht mitsingt. Wie erklären Sie sich diese unterschiedliche Betrachtungsweise?

Christian Sauter: Die aktuelle Mitte-Studie der Uni Leipzig zeigt, dass gerade rechts-denkende Personen sich immer radikaler und gewalttätiger äußern. Von daher nehmen wir solche Äußerungen  immer stärker wahr. Ich hoffe, dass sich die allermeisten Fans, genau wie bei der „Nachbar-Debatte“ um Boateng, von solcher rechten Propaganda deutlich distanzieren und einfach alle Spieler vom Torwart Neuer bis zum Torschützen Mustafi gleichermaßen feiern – egal ob sie singen oder nicht.

Mit dieser Frage habe ich mich am schwersten getan.

Einerseits wäre da natürlich der ganz andere zeitliche Abstand zum Naziregime naheliegend gewesen. Aber wenn eine Zurückhaltung damals angebracht war, warum dann heute nicht mehr? Was hat sich geändert? Eigentlich ist es doch heute fast schlimmer als 1974. Heute haben wir in diversen Landesparlamenten wieder rechte Parteien sitzen. Das wir komplett aus nationalistischen Strömungen rausgewachsen sind trifft also nicht zu.

Das nächste Problem ist, dass diese Vorwürfe tatsächlich häufiger zu hören sind und daher mein Aufruf in der Zeitung, dass möglichst viele sich von so einem Mist distanzieren. Auch hier gilt wieder der Ansatz von oben: Wenn niemand kritisch warnt, dann gibt es viele Mitläufer, die es als normal emfpinden, die Nichts-Sänger zu kritisieren. Da etwas Bewusstsein zu verbreiten ist daher absolut sinnvoll.

Daher komme ich zu dem Schluss, dass es in doppelter Hinsicht abstrus ist, jemandem vorzuwerfen, nicht mitzusingen:

  1. Wie sehr man sich mit seinem Land, der Flagge und der Nationalhymne identifiziert ist jedem selber überlassen. Da einen Zwang aufzubauen ist einfach nur nationalistisch.
  2. Gerade die deutsche Fußball-Mannschaft hat insgesamt den Fußballfans sehr viel “Freude” bereitet. Sie haben also sehr viel für Deutschland getan. Viel mehr als so mancher Fan der sich danebenbenimmt (nicht alle, das soll keine Verallgemeinerung sein!).

 

Und mein Fazit: Jeder sollte mal über folgende 2 Aspekte nachdenken:

  1. Grenze ich selber durch mein Verhalten jemand aus oder mache andere “nieder” (inklusive Gesänge, Sprechchöre, Sprüche)
  2. Gibt es in meinem Umfeld welche, die solches Verhalten an den Tag legen und sich durch meine Symbole bestärkt fühlen könnten.

Wenn beide Fragen ehrlich und überzeugend mit NEIN beantwortet werden, dann wünsche ich frohes Fußballfeiern. Wenn die erste Frage mit JA beantwortet wurde, dann sollte man mal über eine Verhaltensänderung nachdenken und falls die zweite Frage mit JA beantwortet wurde wünsche ich mir viel Zivilcourage, dass da jeder auch mal ein Contra gibt. Ein “Hey, wir wollen hier friedlich Fußball feiern und nicht so nationalistischen Kram hören” lässt oft schon einen Großteil verstummen bzw. regt zum Nachdenken an.

14Jun

EM und Patriotismus

Die Debatte kommt wieder auf. Brauchen wir einen Patriotismus? Oder ist ein Patriotismus vielleicht sogar schädlich?

Ich sehe es nicht ganz so krass wie einige Gliederungen der GJ, z.B. Berlin oder RLP, bei denen ja eine Gleichsetzung von Patriotismus und Nationalismus direkt oder indirekt vorgenommen wird. Trotzdem kann ich diesen zustimmen, dass wir mit dem Party-Patriotismus sehr vorsichtig umgehen müssen. Denn ich sehe zwei Gruppen (ganz grob) unter den Fußballfans.

  1. Auf der einen Seite die Leute, die garantiert nicht nationalistisch oder rassistisch sind, aber “die Mannschaft” unterstützen/bejubeln wollen.
  2. Auf der anderen Seite rechte Idioten, die alles national wollen.

Und dazwischen ein breites Spektrum…

Ziel muss es sein, denen, die friedlich und weltoffen sind eine vernünftige Basis zu bieten Fußball zu schauen und gleichzeitig den Idioten jegliche Basis zu entziehen.

Was ist überhaupt Patriotismus?

Als Zitat habe ich jetzt auch schon gesehen: “Patriotismus ist Liebe zu den Seinen – Nationalismus ist Haß auf die anderen” (Richard von Weizsäcker); andere sehen dieses Zitat bei Johannes Rau.

Da stellt sich mir dann aber immer die Frage:

Was macht einen Deutschen zu den “Meinen”? Was liebt man an Deutschland?  Selbst wenige Häuser weiter kann jemand wohnen, den ich garantiert nicht liebe, weil er mir total unsympathisch ist. Keinem aus der Nationalmannschaft habe ich jemals die Hand geschüttelt. Also von LIEBE kann da bei mir nicht die Rede sein. Und trotzdem schaue ich gerne Fußball. Es ist spannend, gerade wenn man für eine der Mannschaften ist. Und ich bin meistens für die Mannschaft, über die ich am meisten erfahre und Hintergrundinfos habe. Also bei mir tatsächlich das DFB-Team. Aber andere Mannschaften mag ich auch.

Aber wenn sich jetzt viele als Patrioten bezeichnen, was lieben sie dann an Deutschland? Wie weit geht die Liebe? Geht die Liebe überhaupt über den Fußball hinaus? Und was genau liebt man? Die Menschen? Die Kultur? Die Landschaft?
Wie viele wären bereit, sich ehrenamtlich für ihr Dorf zu engagieren? Wer zahlt gerne Steuern für unser tolles Deutschland? …

Auf was ist man stolz, wenn man auf Deutschland stolz ist? Persönlichkeiten? Demokratie? Oder doch nur Fußball? Oder auf die eigene Leistung? Aber was hat die mit Deutschland zu tun?

Und gibt es diese Sachen, die man liebt und auf die man stolz ist, nur in Deutschland? Sind das tatsächlich deutsche Attribute? Oder gibt es die Sachen 50 km weiter im Ausland (je nachdem wo man wohnt in Frankreich, Dänemark, Polen, Tschechien, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Schweiz) auch? Dort vielleicht sogar noch mehr als im 500 km entfernten deutschen Ort. Oder mal plakativ formuliert: Hat ein Alpenort nicht mehr mit Österreich gemeinsam als mit Hamburg? Und hat ein Ostseeort nicht mehr mit Dänemark gemeinsam als mit München? Oder der Ort in Chemnitz mit Polen mehr gemeinsam als mit dem Ruhrgebiet?

Und wenn ich so nachdenke, komme ich meistens zu dem Ergebnis, dass ich als politisch engagierter Mensch, der auch das eine oder andere in diversen Vereinen mal ehrenamtlich macht, mich wahrscheinlich viel patriotistischer verhalte als der durchschnittliche Fahnenschwenker, der dann, nach dem 3 Bier die Flasche irgendwo zertrümmert, sie nicht selber wegräumt und damit seine schöne Heimat verdreckt.
Und dann am Monatsende schimpfen wieder viele, dass wieder so viel Steuern vom Gehalt abgezogen werden, und dieser sch… Staat einen in Ruhe lassen soll.
Ist das nicht widersprüchlich, wenn man das Land liebt?

Aber ich sehe mich nicht als “deutscher Patriot”, ich bin einfach jemand, dem sein Umfeld wichtig ist, und das ich mit gestalten möchte. Wenn ich jetzt aus irgendeinem Grund ins Ausland gehen würde, würde ich mich dort genau so verhalten. Ich würde wieder meine direkte Umgebung (im großen wie im kleinen) an vielen Ecken und Enden verbessern und mitgestalten wollen.

Verhalten von (zu) Vielen beim Fußball

Aber zurück zu den Fahnenschwenkern und dem Weizäcker-Zitat.

Wenn alle nur die Nationalmannschaft unterstützen wollen würden und den “Spiel-Gegner” mit absolutem Respekt behandeln würden, hätte ich damit auch kein Problem. Dann wäre die Fahne tatsächlich primär ein Symbol des Fußballfans. Es wird in der Realität leider sehr schnell politisch und der Respekt lässt sehr häufig zu wünschen übrig. Beispiele die ich persönlich miterlebt habe:

  • 2006 haben wir vom AsTA der Uni Ulm zum Spiel Deutschland gegen Argentinien das Spiel im Hörsaal gezeigt und beide Flaggen auf Papier (ca. DIN A0) gezeichnet und vorne hingehängt. Während dem Spiel wurde die Argentinien-Flagge von einem zerrissen unter dem zustimmenden Gejohle von vielen. “Gegenstimmen” waren keine zu vernehmen und mein Versuch das zu stoppen wurde von niemandem unterstützt.
  • Pfiffe bei der anderen Nationalhymne
  • Sprüche der Art: “Ihr seid nur ein Pizza-Lieferant”
  • “Deutschland-Deutschland über alles” –  Rufe – vor 2 Jahren passiert, da gab es aber zum Glück ein breites Gegenecho, dass sowas nicht gewünscht sei.
  • Blöde Sprüche gegen unseren Lieblings-Ciabatta-Italiener nach dem Sieg der Italiener im 2012er-Halbfinale

Diese ganze Stimmung, die diverse “Gefühle beinhaltet”, wie z.B.: Deutschland, anderes Land, besiegen, Glücksgefühle, Wir-Gefühle, …. Diese Stimmung führt dann eben leider nicht selten dazu, dass es ein “wir lieben die Unseren” in ein “wir machen die anderen schlecht” umschlägt. Und das passiert leider bei breiten Massen. Oft gar nicht gewollt oder bewusst, aber obige Beispiele zeigen, dass Viele in sochen Stimmungen auch mal bereit ist, bei Sachen mitzumachen, die mit Respekt garantiert nichts mehr zu tun haben.

Ich bin mir sicher, dass es nicht alle sind, aber leider hat meine Erfahrung gezeigt, dass es zu viele sind und man diesen daher auch öfter mal ein Kontra geben muss. Von der Schätzung würde ich sagen, machen ca. 50% mit und halten das für harmlose Sprüche. Aber leider fallen diese auch auf und prägen das Bild. Und ich halte das für sehr respektlos und will sowas nicht erleben müssen.

Selbst große Medien sehen gewisse “Risiken” beim Partyotismus. z.B. ARD/Sportschau -Partyotismus – Zwischen Willkommenskultur und Gewalt oder die Süddeutsche Nachtrag: BZ
Nachtrag: Noch klarer der Beitrag vom Volksverpetzer

Verhalten von Wenigen nach dem Fußball

Dann gibt es eine kleine Minderheit von Idioten, bei der das in noch krassere Taten umschlägt. Wie weit diese von solchen Stimmungen beeinflusst werden, vermag ich nicht zu sagen, aber ich fürchte, dass dies als ein Aspekt der Ermunterung von diesen Idioten aufgenommen wird. Aber was passiert ist schon krass. Hier mal 2 Beispiele:

Lösungsansatz für das Problem

Ein Ansatz könnte es sein, dass wir viel stärker zwischen “unserer Mannschaft” und Deutschland differenzieren. Wenn Özil ein Tor schießt oder Neuer ein Gegentor verhindert, hat dies wenig mit Deutschland an sich zu tun, außer dass diese eben einen deutschen Pass haben. Genau so wenig übrigens, wie wenn einzelne Idioten mit deutschem Pass bei Schlägereien dabei sind. Das eine sind erst mal gute Fußballer, das andere sind erst mal Idioten, und beide sind nur zufällig deutsch (oder aus einem anderen Land).

Solch eine Differenzierung passiert in anderen Ländern auch. Dort werden die “three lions”(England), “Équipe Tricolore“(Frankreich) … angefeuert. Natürlich wird das jeweils als die Mannschaft des jeweiligen Landes wahrgenommen.

Mit der Namensgebung hat der DFB etwas in die Richtung probiert, allerdings eigent sich der Name nicht so richtig zum anfeuern. “Mannschaft, Mannschaft …. tralalalalaaaa” passt irgendwie nicht. Da müssen wir uns noch was Gutes überlegen.

Aber wenn man nicht nur von den Begriffen, auch von den Symbolen eine Stufe mehr Richtung Fußball geht, wäre das sicherlich ein Ansatz. Trikot ist schon mal ein Symbol, dass wenig mit Deutschland zu tun hat und viel mit der Mannschaft. Die Grüne Jugend hat ja bereits die DFB-Flagge vorgeschlagen.

Auf der anderen Seite muss man aber ganz klare Kante zeigen gegen die, die über Anfeuerungsrufe hinaus sich daneben benehmen. Insbesonders wenn es strafrechtlich relevant wird (z.B. Hitlergruß, Nazisymbole …). Bei Public Viewings würde ich mir wünschen, dass die rausgeschmissen und auch gleich angezeigt werden. Auch wenn ich selber kein Fan des “unverkrampften Patriotismus” bin, wenn man den will, dann geht es nur, wenn man sich gleichzeitig ganz massiv von den Leuten mit rechtem Gedankengut distanziert.

Fazit

Von daher komme ich zu dem Schluss: Ein rein fußballerisches anfeuern ist erst mal kein Fehler. Allerdings sollte man sich, bevor man sich als Patriot bezeichnet, ganz genau überlegen, was Patriotismus für einen bedeutet. In wiefern mag man Deutschland? Was ist an Deutschland so besonderes? Was bedeuten meine Symbole für mich? Wie viel Respekt zeige ich dem Gegner tatsächlich? Was bedeuten meine Symbole für andere? Zu was ermutige ich andere?

Und wenn ich die Fragen so durchgehe, dann komme ich für mich zu dem Schluss, dass ich mir zwar die Spiele gerne mit Freunden anschaue, aber ich weder stolz auf das Ergebnis sein muss, weil ICH nichts dazu beigetragen habe, noch dass dies jetzt eine gesamtdeutsche Leistung ist. Weil es eben aber einige gibt, die aus diesen Siegen ableiten, dass Deutschland insgesamt irgendwie besser sei oder die anderen Länder insgesamt schlechter, bin ich mit dem ganzen Patriotismus-Modell sehr vorsichtig.

Ich mag meine Umgebung und mein Umfeld. Ich lebe auch gerne in einem Staat mit m.E. guter Demokratie, Bildung, Rechtsstaatlichkeit, … deswegen lebe ich gerne hier, aber würde das auch in  vielen anderen Ländern so sehen.

Insgesamt habe ich somit kein Problem mit dem Anfeuern von der deutschen Nationalmannschaft, von Flaggen bin ich zwar kein Fan, solange es jemand macht, der dies rein auf Fußball bezogen sieht, finde ich nicht, dass man dem dann irgendeinen Nationalismus vorwerfen kann. Und auch nicht, wenn er damit symbolisieren will, dass er gerne hier in diesem Land lebt.
Aber wenn jemand daraus abstruse Schlüsse zieht oder sich feindlich oder respektlos gegenüber anderen Ländern oder den Menschen von dort verhält, dann ist für mich eine Grenze überschritten, bei der man es nicht mehr einfach tolerieren kann. Und leider ist dies viel zu häufig der Fall. Deswegen ist es gut, dass eine Debatte über diese Fahnenmeere angestoßen wurde und wo wir die Grenze sehen und wie weit es gehen darf.

27Dec

Die bösen Vegs

Weil mir in letzter Zeit sehr viele Anti-Vegan-Artikel über den Weg gelaufen sind und daraus Diskussionen entstanden sind, möchte ich hier mal ganz viele Anti-Veganer-Argumente zusammenfassen, und beantworten, so dass ich das nicht immer und überall neu schreiben muss.

  1. “Einige Veganer, die nicht so missionarisch drauf sind, sind ja OK, aber bei voll vielen ist das halt schon eine Religion geworden.”
    1. Ich kenne diverse Veganer und deren Gründe für den Veganismus sind unterschiedlich, aber relativ häufig ist die ethisch-moralische Grundthese dabei, dass man so wenig Tierleid wie praktisch möglich verursachen soll. Dies kann man natürlich als Religion bezeichnen. Aber so eine Religion mit solchen Grundsätzen, das Leid vermieden werden soll, wäre für mich keine schlechte Religion. Es wäre eine Religion, die auf höchsten Werten aufbaut.
      Allerdings ist der Unterton dabei meistens eher negativ. Daher empfinde ich solche “Religionsbezeichnungen” eher als rhetorischen Trick und schlechten Diskussions-Stil und nicht als konstruktiven Beitrag. Daher würde ich es begrüßen, wenn das Thema “Religion” einfach aus den Diskussionen rausgelassen wird.
    2. Den missionierenden Veganer gibt es. Den radikalen Veganer gibt es. Ich habe sie gesehen. Ich informiere mich aber auch intensiv über das Thema und habe viel Kontakt mit Veganern. Aber die allermeisten Veganer die ich kenne sind nicht missionierend. Ganz im Gegenteil. Ich werde in den sozialen Netzwerken eher mit Artikeln wie dem (Sarah Wiener Cola und Sojamilch) oder den Aussagen von Christian Schmidt, die in der Taz diskutiert werden, konfrontiert. Um mich über vegane Themen zu informieren, musste ich aktiv suchen. Ich nehme somit das missionieren eher anders herum war. Es gibt zig Beiträge die in sozialen Medien geteilt werden, manchmal in Form eines “Memes” oder “lustigen Bildes”, manchmal in Form von Artikeln, die vegetarisch und vegan schlecht machen sollen. Und wenn darauf dann jemand (ein Veganer) sachlich antwortet, dann muss er sich anhören, dass er missioniert.
      Also auch die “Missionierungsbehauptung” scheint mir eher ein Totschlagargument ohne Substanz zu sein.
      Der andere Aspekt ist, dass der Grad zwischen missionieren und informieren verdammt schmal ist. Wenn ich diesen Artikel jetzt schreibe, sehe ich das erst mal als informieren. Ich würde mich aber freuen, wenn der eine oder andere dadurch zum nachdenken kommt und den Fleischkonsum reduziert.
      Gerade im politischen Umfeld nennen wir unseren Informationsauftrag “politische Bildung”. Da wird das als ganz normal wahrgenommen.
  2. “Vegan ist total ungesund, weil einem da ja ganz viele Vitamine fehlen und man davon Hirnschäden bekommt und dumm wird.”
    1. Dieses Statement hört sich jetzt so an, als ob ich übertreibe? Finde ich auch. Sowas wird aber leider kommuniziert. Das oben bereits erwähnte Interview mit unserem Minister wird bei RP so aufgearbeitet:

      Auch Professor Berthold Koletzko von der Universität München weißt in “Bild” auf die Gefahr eines Vitamin-B12-Mangels hin. Dieser könne zu Schäden im Gehirn führen, sagt Koletzko. “Eine vegane Ernährung kann bei Kindern zu schweren neurologischen Schäden führen, bis hin zu einer dauerhaften Behinderung.”

      Natürlich hat Professor Koletzko grunsätzlich Recht, natürlich ist ein B12-Mangel nicht gut. Natürlich sollte man sich nicht einfach uninformiert vegan ernähren. Insbesondere eine B12-Substitution ist notwendig. Das erfährt man auch sofort, wenn man sich bei Veganern über die Lebensweise informiert. Aber solche Horrorszenarien kann man für jede Ernährungsweise ausmalen. Wenn man sich falsch mit Fleisch ernährt, dann kann man verfetten und an Herzinfarkt sterben. (Und das ist inzwischen sogar eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland). Und wenn man B12 supplementiert, dann sind diese Gefahren plötzlich nicht mehr da. Aber die Artikel werden oft so aufgezogen und geschrieben, als ob vegane Ernährung generell tödlich oder zumindest schädlich wäre. Was aber falsch ist.
      Also sind wir wieder beim Punkt 1.2 “missionarisch”. Vernünftig geschrieben müsste in dem Artikel stehen, dass man sich ausgewogen ernähren soll, nicht zu viel Fett und zu viele Kalorien, nicht zu wenig Vitamine und nicht zu wenig Spurenelemente …. und ruhig auch mal Fleisch weglassen darf.

    2. Dann kommt jetzt häufig noch die Frage, ob B12-Substitution unnatürlich ist. Im oben bereits erwähnten Taz-Artikel steht:

      Sie rät dringend zu kinderärztlicher Beratung und hält eine „Supplementierung von Nährstoffen“ für zumeist erforderlich. Letzteres ist zweifellos möglich, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn der regelmäßige Konsum angereicherter Nahrung oder von Ergänzungsmitteln vermittelt Kindern, dass ausgewogene Ernährung mit weitgehend naturbelassenen und regionalen Lebensmitteln nicht reicht.

      Ja, auch da kann ich grundsätzlich zustimmen, aber wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein. Wer hat sich die letzten Tage ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker, ohne Aromen, ohne Farbstoffe ernährt? Wer hat sein Essen ohne Jodsalz gegessen? In fast allen Ernährungsformen sind heute leider so viele Zusatzstoffe drin. Fast jeder stopft die sich rein ohne Ende. Aber wenn ein Veganer B12 nimmt, dann ist das der Untergang unserer Kultur?Mal ganz abgesehen davon, dass ich gehört habe, B12-Mangel kann auch Leute betreffen, die tierische Produkte essen. Von daher finde ich auch diese Kritik am Veganismus scheinheilig.

    3. Wer zum Thema B12 und vor allem zum tollen Statement vom Landwirtschaftsminister noch einen passenden Kommentar lesen will, der kann mal beim Graslutscher weiterlesen.
    4. Und was fehlt Veganern sonst noch?
      Auf Vitamin D sollte man achten, das kann aber meistens ohne künstliche Zusätze (in die Sonne gehen, Avocados essen) erreicht werden.
  3. Sojamilch ist so unnatürlich wie Cola
    1. So etwa hat es Sarah Wiener geschrieben und malt wieder mal das Bild, dass der Veganer nur Soja-Industrieprodukte isst, während das gute Stück Fleisch vom Bauern nebenan kommt. Auf den Artikel von Sara Wiener hat Julia Akra-Laurien eine gute Antwort geschrieben. Jeweils ein Zitat eines Absatzes das m.E. die Kernaussage enthält.
      S.W.:

      Aber durch seinen Verzicht verbessert er auch nichts an den üblen Verhältnissen in der Nahrungsmittelproduktion. Denn: Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch die nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region. Im Gegenteil: Auch vegane Industrieprodukte lassen Böden erodieren, versauen das Klima und vergiften das Wasser. Das System, in dem sie entstehen, ist ebenso grundlegend falsch wie das System der Fleischproduktion.

      und das Kernzitat in der Antwort von J.A.L.:

      Doch habe ich nach dem Lesen Ihres Beitrags das Gefühl, dass vegan zu essen für Sie bedeutet, weitestgehend auf industrielle Fertigprodukte zurückzugreifen. Das gilt vielleicht für sogenannte Puddingveganer, die sich zwar rein pflanzlich, aber sehr einseitig und überwiegend von Convenience-Produkten ernähren. Das ist aber nicht das, was wir regulär unter veganer Ernährung verstehen. Gerade Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen dafür entschieden haben, verarbeiten meist frische, regionale und saisonale Produkte.

      Ich habe diese beiden Zitate gewählt, weil Sarah Wiener mit dieser Kernaussage recht hat, dass “einfach nur vegan” nicht die Welt rettet, aber sie eben einen Sonderfall hervorhebt, nämlich den “Pudding-Veganer”.  Und das stellt Julia Akra-Laurien klar, dass dieser nicht unbedingt repräsentativ ist.
      Und bei “Omnivoren” gibt es ebenso die ganze Bandbreite. Auch da sind genug dabei, die sich mit Fertigpizza, Süßigkeiten und Energydrinks ernähren.

  4. “Veganer töten auch Tiere, beim Ackerbau sterben viel mehr Tiere. Und dann kommt da ja noch die Verdrängung durch den Ackerbau dazu. Das ist besonders schlimm, da die Veganer ja dauernd Tofu essen. Und dieser kommt aus Soja-Monokulturen.”
    1. stimmt erst mal. Aber ist es dann sinnvoller Fleisch zu essen? Nein! Denn die Tiere, die gegessen werden, fallen nicht vom Himmel. Die werden aufgezogen und bekommen dabei Futter. Meistens Kraftfutter. Meistens eben genau das Monokultur-Soja. Und zwar braucht man pro Kalorie Fleisch je nach Quelle etwa 7 Kalorien pflanzlichen Input. Und bei Tieren ist der Soja-Anteil ziemlich hoch.
      Während ein Veganer zwar auch ab und zu mal Soja konsumiert, aber der Teller mit viel mehr gefüllt ist (Getreide, Gemüse, Reis, Kartoffeln, Obst, …).
      Also von den Tieren, die dem Ackerbau zum Opfer fallen, sind ganz viele ein Opfer der “Fleischindustrie”.
  5. “25% der Landwirtschaftlichen Flächen sind Weideland und für den Ackerbau gar nicht zu gebrauchen. Und die Bewirtschaftung mit Tieren ist wichtig, da sonst Almen und Heiden nicht mehr so existieren könnten. Almen und Heiden sind auch wichtig für die Biodiversität”
    1. Die “Bewirtschaftung” ist nicht wichtig. Um diese “Landschaften” zu erhalten könnte man die Kühe, Ziegen, Schafe … auch einfach so da leben lassen.
    2. Aber gehen wir nun mal davon aus, dass Weidetierhaltung gut ist. Dann ist das noch lange keine Rechtfertigung dafür, dass man zu Weihnachten die billigste Gans kauft, die in Massentierhaltung hochgezogen und vollgestopft wurde. Das hat mit “natürlicher Weidehaltung” nichts mehr zu tun. Und Massentierhaltung ist eben die große Masse des Fleischverzehrs. Es ist ja immer erstaunlich, dass alle nur Biofleisch kaufen und essen und natürlich nur ganz selten und natürlich immer beim Metzger nebenan, der die Kühe vom Bauern 3 Häuser weiter hat. Die spannende Frage ist, wie viele Kühe hat der Bauer 3 Häuser weiter, dass es jeden Tag zu einer frischen Sammlung von Fleisch kommt? Und wenn alle nur da kaufen, warum gibt es dann überhaupt noch Massentierhaltung?
      Ich und wahrscheinlich ganz viele Veganer wären schon ein ganzes Stück glücklicher, wenn es wirklich so wäre, dass nur “glückliche” Tiere geschlachtet werden, die auf der Weide waren und nicht mit Sojaschrot gefüttert wurden, sondern nur mit dem Gras von vor der Haustüre. Aber das würde bedeuten, dass der Konsum von Tierprodukten massiv eingeschränkt werden müsste oder zumindest erheblich teurer würde.
  6. “Fleisch braucht weniger Energie als vegane Ernährung”
    1. Zum Beispiel stand bei Independent:

      Lettuce is ‘three times worse than bacon’ for emissions and vegetarian diets could be bad for environment

      Was zwar so stimmen mag, aber mit einer Ernährungsmischung wenig zu tun hat. Das ignorieren viele. z.B. auch Heilpraxis.net. In diesem Artikel wird behauptet, dass vegetarische Ernährung untersucht wird. Dann wird sogar richtig zum Paper verlinkt. Das spannende ist dann, dass die den Fall “vegetarisch” gar nicht untersucht haben. Eigentlich hat das Paper aber verschiedene Ernährungsformen untersucht, von denen KEINE vegetarisch oder vegan war. Dort hat zwar der eine Salat mehr Energiebedarf pro Kalorie als der Schinken, aber das Getreide für das Brot ist dafür 5 mal weniger Energieintensiv.  (Rohdaten kann man sich da kostenfrei herunterladen (docx).)

      Sogar die Forscher des Originalpapers haben eine Antwort verfasst, von der bei der Huffington Post berichtet wird.
      Bei einer entsprechende Mischung (viel Getreide etc.) kann also davon ausgegangen werden, dass die vegane Ernährung oft weniger Energie braucht.

  7. Jeder soll sich doch so ernähren wie er will, das ist doch Privatsache.
    1. Klimaerwärmung, Hungersnöte … sind dann keine Privatsache mehr, sondern betreffen alle … dazu hab ich ja schon mal einiges geschrieben als es um den Veggie-Day ging, daher bitte dazu diesen Artikel lesen.
  8. Viel wichtiger ist bio, regional, sessional, frisch
    1. Dass diese 4 Punkte gut und wichtig sind, kann ich zustimmen. Aber auch das lässt sich locker über eine vegane Ernährung erreichen. Daher sehe ich in diesem “Argument” keinerlei Grund, warum Veganismus schlecht sein sollte.
  9. “Vegan alleine rettet auch nicht die Welt”
    1. Stimmt, aber es ist ein kleiner Beitrag dazu. Daher ist es natürlich falsch es als die “Masterlösung” darzustellen, aber das machen wenige Veganer.
      Zusätzlich kann und sollte man sich auch Gedanken über Reduktion und Nachhaltigkeit von Flugreisen, Autofahrten, neuer Elektrogeräte, Stromverbrauch, Güterkonsum … machen. Der Nahrungskonsum ist eben nur ein Aspekt von vielen. Aber eben auch ein relevanter.
    2. Diesen kleinen Beitrag im Bereich Nahrung kann auch jeder leisten, indem der Fleischkonsum reduziert wird. Ob man absolut gar nichts mehr will ist ja eine persönliche Entscheidung. Aber je größer die Reduktion ist, desto besser. Und je mehr man dann noch zusätzlich die in 8. angesprochenen Aspekte beachtet, desto besser.
    3. Viele Veganer haben als Motivation “Ethik”, also insbesondere der Einstellung, dass man einem Tier, sofern möglich, kein Leid zufügen sollte. Und vielleicht retten sie dann nicht die Welt, aber sie fügen keinem Tier ein Leid zu. Also das “die Welt retten” ist oft eben nicht die (Haupt-)Motivation.
    4. Und wer den Masterplan hat, wie man die Welt retten kann, der soll ihn bitte kommunizieren. Bis dieser bekannt ist, sollten wir für jeden kleinen Beitrag einfach dankbar sein.
  10. “Alle Veganer …” (+irgend ein Vorurteil)
    1. Leider höre ich sowas auch ab und zu. Das ist natürlich quatsch. Es gibt unter den Veganern die ganze Bandbreite. Sehr wenige wollen ihren Lebensstul in die Welt hinaustragen, einige verstecken ihn, einige wollen der Umwelt damit was gutes tun, andere wollen einfach keinem Tier was zuleide tun, dann gibt es auch noch gesundheitliche Gründe (z.B. Laktoseunverträglichkeit), …. von daher zeugen solche “Argumente” einfach von Vorurteilen bzw. Uninformiertheit.
  11. Wenn alle Veganer wären, dann würden die Anbauflächen gar nicht reichen, um so viel Gemüse anzubauen.
    1. Hört man immer wieder…. und wenn man mal vorsichtig nachfragt, von was die Tiere, die ja gerne gegessen werden, sich so ernähren, wird man dann auf “Weidehaltung” (siehe Punkt 5) verwiesen. Es ist aber so, dass die meisten Tiere aus Massentierhaltung kommen (laut arte etwa 98% – wobei ich hier davon ausgehe, dass da auch ein großer Gradient von “Käfighaltung” bis hin zu “Freilandhaltung” dabei ist). Und die Tierebrauchen je nach Quelle mindestens 5-7 Kalorien pflanzliche Nahrung (Soja, Getreide), um 1 Kalorie tierische Nahrung zu produzieren (z.B. hier Kapitel 2.2 wird sogar der Faktor 10 erwähnt). Da diese in Massentierhaltung zugefüttert wird, d.h. erst irgendwo angebaut und dann verfüttert, fallen dafür auch Anbauflächen an. D.h. für jedes durch eine “Getreidespeise” (Nudeln, Reis, …) ersetzte Steak, kann man mindestens 4 weitere Personen mit der gleichen Anbaufläche versorgen, wie für das Steak verbraucht wurde.
    2. Insgesamt ist es daher sogar genau umgekehrt: Mit einer Reduktion von Fleischkonsum und dem Konsum von Tierprodukten, kann die Weltbevölkerung besser ernährt werden mit weniger Flächen-, Energie-, Wasserverbrauch.
    3. Natürlich gibt es auch einige Luxus-Vegan-Produkte, die einen relativ hohen Flächen-, Energie- oder sonstigen Verbrauch mit sich bringen. Aber das ist nicht die Hauptmenge dessen, was Veganer konsumieren.
  12. Wenn alle plötzlich Veganer werden, was dann? Dann müsste man die Tiere alle notschlachten?
    1. Plötzlich ganz viele Veganer? Schöner Traum, aber absolut unrealistisch. Es werden niemals alle gleichzeitig Veganer. Wenn in Deutschland jährlich zusätzlich 2% sich für eine vegetarische Ernährung entscheiden würden und zusätzlich 1% für eine vegane Ernährung, dann wäre das eine gigantisch große Bewegung, aber so langsam, dass nicht plötzlich alle Hühner, Kühe und Schweine notgeschlachtet werden müssten, sondern einfach ein paar weniger nachgezüchtet werden müssen.
    2. Und wenn dann irgendwann (nach ca. 25 Jahren) die meisten Menschen (90%) fleischlos ernähren und 30% Vegan leben, dann kommt immer noch das meiste Fleisch aus Massentierhaltung, weil oben haben wir ja gelernt: 98% kommt in Deutschland aus Massentierhaltung.
  13. Diese Tiere sind doch nur dazu da, um gegessen zu werden.
    1. Steht in der Bibel, oder wo?
    2. Natürlich wurden viele Tiere als Nutztiere gezüchtet, aber diese Tiere leiden trotzdem. Und belasten die Umwelt. Von daher spricht der Fakt, dass sie dafür gezüchtet wurden nicht dafür, diese Praxis weiter zu betreiben.
18Nov

Terrorfragen

Ähnlich wie Jan Böhnermann stelle ich jetzt einfach mal Fragen:

  1. Wem nützt der Terror?
  2. Was will man damit bezwecken?
  3. Von was lenken die aktuellen Attentate, Attentatsversuche und angebliche Attentate ab?
  4. Was wird jetzt in Hinterzimmern ganz schnell entschieden? TTIP?
  5. Wenn der Geheimdienst so konkrete Informationen hatte, dass etwas passiert, warum gibt es dann keine Festnahmen?
  6. Wenn die Terroristen so böse sind, warum findet man dann eine Bombenattrappe?
  7. Was verursacht mehr Panik in der Bevölkerung, als ein Innenminister, der sagt, er kann nichts sagen, weil das sonst Panik verursacht?
  8. Ist es vielleicht eine korrupte Regierung, die mehr Panik verursachen würde?
  9. Oder ganz andere Täter, als wir vermuten?
  10. BND, CIA, …? Homeland Security?
  11. Was sollen Bomben jetzt bringen? Ist gesichert, dass da wirklich nur die “bösen” getroffen werden?
  12. Wie viele Zivilisten in der arabischen Welt haben wir (NATO) auf dem Gewissen? Wie viele Tote in NATO-Ländern die Muslime? Wer sind die tatsächlichen bösen?
  13. Bekommen die Geheimdienste jetzt noch mehr Rechte und Gelder?
  14. Schützt und das oder gefährdet uns das?
  15. Bin ich ein Verschwörungstheorethiker?
  16. Wäre es nicht naiv, diese Varianten komplett außer acht zu lassen?
  17. Oder steckt da eine Allianz dahinter, die was gegen die Flüchtlinge machen will?
  18. Haben die da erst mal einen Stimmungsumschwung richtung “Anti-Islam” gebraucht?
  19. Sind “Asylkritiker” für die Anschläge dankbar
  20. Wenn es doch der IS war, hat der sich vielleicht sogar gewünscht, dass die “Asylkritiker” jetzt steigen?
  21. Findet der IS es nicht toll, wenn Europa die Flüchtlinge an den Grenzen verhungern lässt?

Nur 21 Fragen, keine 100 … aber vielleicht zeigt sich ja in wenigen Jahren, dass die eine oder andere Frage davon genau die richtige Frage war, die wir hätten beantworten sollen….

15Nov

Trauer, Terror und andere Tragödien

Ganz Deutschland trauert. Ganz Deutschland? Auch mir tun die Familienangehörige und Freunde der Opfer leid. Aber auch nur so leid wie all die anderen Familienangehörigen und Freunde von schrecklichen Tragödien. Und wenn ich ehrlich bin, bedrückt mich das zwar, wenn ich drüber nachdenke, aber eigentlich, im normalen Tagesablauf, denke ich nicht drüber nach. Obwohl es viele solche Tragödien gibt:

  • Hugersnöte
  • Kriege

Daher Frage ich mich, warum jetzt alle so “trauern”. Warum jetzt und nicht sonst immer? Wann haben wir bei Facebook zuletzt die syrische Flagge gesehen? Wegen all den Kriegsopfern? Wann haben wir zuletzt für die vielen verhungernden Kinder Flagge gezeigt?

Natürlich muss man gegen die Ursachen all dieser Tragödien vorgehen. Natürlich muss man auch Terrorismus bekämpfen. Aber das entscheidende ist, dass es im Grunde ein Maßnahmenbündel für all diese oben genannten Tragödien gibt. Die Entwicklung in den Ländern voranbringen und alle menschenrechtsverachtenden Diktatoren ins “Abseits” schieben.

Wenn es all den Krisenländern gut gehen würde. Wenn all diese Länder zumindest grundlegende Sozialsysteme hätten. Und wenn wir mit Diktatoren keinerlei Geschäfte mehr machen würden… ja, dann hätten die Fundamentalisten weniger Zulauf, die Nahrung wäre global gerechter verteilt und wahrwscheinlich gäbe es auch weniger Kriege.

Aber solange es bei Staatsbesuchen eine Randnotitz bleibt, was in den Ländern passiert und die “Oberen” sich die Hände schütteln und Pläne schmieden, wie sie noch paar Millionen Euro an der Steuer vorbei und unter Einsatz von quasi Sklaven anhäufen können, solange muss sich auch nichts ändern. Dass diese Unterschicht nun gerne zum IS läuft habe ich schon vor zig Jahren prognostiziert. Daher wundert es mich gar nicht, dass das jetzt so passiert. Und es scheint ja auch total egal, solange das nur “dort im Osten” passiert. Solange die da mordend rumziehen schickt man vielleicht Alibimäßig mal eine Waffenlieferung. Die USA schickt immerhin Bomber, aber eigentlich ist es denen auch egal, aber wenn sie sich dort strategisch geschickt platzieren können passt das gerade ins Konzept….

Oder man macht mit Erdogan Deals. Diesem Staatschef, der im Zweifel mal Angriffe gegen den IS fliegt und ausversehen die türkischen Oppositionshochburgen kurz vor der Wahl trifft.

Aber jetzt, jetzt kommt dieser Terror im Kerneuropa an. Jetzt bekommen wir alle Panik?

Terrorismus bekämpft man nicht, indem man Überwachungsmaßnahmen einführt. Terrorismus bekämpft man nicht, indem man irgendwo Bomben abwirft. Damit trifft man mehr die Leute, die nichts dafür können. Terrorismus bekämpft man, indem man sich um eine faire und friedliche Welt kümmert. Und das kostet. Das könnte zum Beispiel zu Einschränkungen bei unserem Luxus führen. Wenn keine Sklaven mehr unsere Rechner zusammenschrauben und Kleidung nähen, dann wird plötzlich alles teurer. Aber wenn die Leute jetzt wirklich trauern würden, dann wären sie sicherlich dazu bereit. Wenn sie bereit wären alles dafür zu tun, dass so etwas nie wieder passiert. Aber ich fürchte, dass wird nicht so sein. Selbst wenn wir hier vor Ort 1 Millionen Flüchtlinge aufnehmen müssen, schieben viele schon Panik. Wenn jeder 2% abgeben müsste, dann gibt es jetzt schon viele, die uns vorrechnen, dass wir das nicht schaffen. Daher fürchte ich, dass es nicht dazu kommt, dass wir uns einschränken werden. Wir werden weiterhin dem Kapitalismus frönen, jeder holt für sich so viel wie möglich raus. Und wenn der Rest der Welt dann Amok läuft, dann können wir während wir philosophieren, wie böse die anderen doch alle sind ….

12Nov

Zinsen bei verspäteter Steuererklärung

Wo bekommt man die besten Zinsen zur Zeit? Beim Finanzamt.

Nachdem ich die Steuererklärung 2011 sehr verspätet eingereicht habe, kam jetzt der Steuerbescheid.

Das witzige: Für die so spät eingereichte Steuererklärung habe ich keine Verzugsgebühr o.ä. bezahlen müssen, sondern habe pro Monat ein halbes Prozent Zinsen bekommen. Also 6% pro Jahr. (zwar ohne Zinseszinsen)

So viel bekommt man sonst nirgends.

Daher eine Antragsidee an unsere Bundestagsfraktion: So sehr mich dieser zusätzliche Geldsegen doch gefreut hat, so sehr finde ich es fragwürdig, dass der Steuerzahler mir einen so guten Zinssatz zahlt. Daher sollte der Zinssatz etwas angepasst werden. 0,1% pro Monat wären auch schon schön und überdurchschnittlich (1,2% pro Jahr). Gar keine Zinsen wären auch kein Fehler, wenn man will, dass die Steuererklärung rechtzeitig abgegeben wird.

21Oct

Der berüchtigte I2

Auf der LDK am Wochenende gab es viele Themen. Strukturreform, Wahlen, TTIP, … selbst “mein” Freifunkantrag wurde behandelt und angenommen. Aber irgendwie hat mich und scheinbar auch die restlichen Grünen vor allem ein Thema bewegt: Der Initiativantrag I2 von Claudia Stann et al.

Mein persönlicher Eindruck von dem Antrag war, dass er, wenn es nicht wenige Tage davor einen Beschluss im Bundestag und im Bundesrat gegeben hätte, an dem die Grünen mit Bauchschmerzen beteiligt gewesen sind (Enthaltungen im Bundestag, Zustimmung im Bundesrat), die dort thematisierten Inhalte mit einer ganz großen Mehrheit beschlossen worden wären.

Natürlich hat der Antrag als Initiativantrag auf diese Situation reagiert und diese auch erwähnt und diskutiert. Und natürlich soll man diese Diskussion und Thematisierung in dem Antrag als Kritik an dem Gesetz sehen. Eine Kritik an unseren Abgeordneten kann man reininterpretieren. Muss man aber nicht.

Selbst Toni Hofreiter hat in seiner Gegenrede Claudia Stamm inhaltlich weitestgehend zugestimmt. Den großen Fehler haben Anton Hofreiter, Dieter Janecek, und Margarete Bause meines Erachtens gemacht, indem sie den Antrag nicht unterstützt haben und damit diese “Nachtrete-Diskussion” erst gestartet haben. Aber statt Souverän zu reagieren, wie ich es eigentlich von erfahrenen Berufspolitikern erwartet hätte, haben sie gekränkt und beleidigt reagiert und alle Register gezogen, die Diskussion in diese “hässliche” Richtung zu lenken.

Hätten die 3 Gegenredner nicht (stark komprimiert und interpretiert) gesagt “ich lehne ihn ab, weil es jetzt halt so einen blöden Kompromiss gab und wir nicht nachgetreten werden wollen”, sondern “wir unterstützen ihn! Wir mussten uns auf einen blöden Kompromiss einlassen, weil trotz der Negativseiten die Positivseite unseres Erachtens überwogen hat. Aber eigentlich sehen wir es genau wie die Antragssteller und sehen es als Bestätigung unserer Verhandlungs-Arbeit, denn gneau in diese Richtung haben wir versucht zu verhandeln und werden auch beim nächsten Mal hart in diese Richtung verhandeln”, dann wären alle 4 und der Antrag mit Applaus verabschiedet worden und wir hätten einen super Antrag verabschiedet und wir hätten eine viel größere Geschlossenheit.

So bleibt für alle ein fader Beigeschmack. So richtig schmeckt der Kompromiss keinem, der Antrag war eigentlich inhaltlich gut, ist aber abgelehnt worden und irgendwie ist die Nachtrete-Debatte noch im Raum. Daher bitte ich einfach in Zukunft alle Abgeordnete und Antragssteller

  1. sich im Zweifel zusammenzusetzen und eine gemeinsamme starke Linie zu finden
  2. sich klar von “Nachtreten” zu distanzieren
  3. auch bei Kritik souverän zu reagieren und nicht so beleidigt
18Oct

Livebericht der LDK Bad Windsheim – Tag 2

An diesem Wochenende ist die LDK in Bad Windsheim. Das Programm und die Anträge gibt es auf der Seite des Landesverbandes. Einen Livestream gibt es  hier. Bei Twitter gibt es gerade 3 Hashtags: Neben dem offiziellen Haupthashtag #ldk15 gibt es noch #ldkby15 & #ldkby

Dies ist die Fortsetzung von gestern.

Die wichtigsten Ergebnisse werde ich hier live tickern. Beschlüsse werden in FETT dargestellt.

Disclaimer: Es gilt das offizielle Protokoll, dies ist nur ein Mitschrift, oft bei einer nicht optimalen Akkustik in der Halle.

Sonntag

 

17Oct

Freifunk bei der LDK Bayern

Meine geplante Rede um den Antrag vorzustellen (im Endeffekt hatte ich 3 Minuten Zeit und musste spontan kürzen):

Liebe Delegierte,

die letzten Tage waren von einem Thema geprägt: Flüchtlinge. Ganz nebenbei, fast unbemerkt, wurde mit 404 Ja-Stimmen die Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Trotz NSA-Skandal, trotz Datenschutzbedenken, trotz Verfassungsbedenken und obwohl es quasi kein Beispiel gibt, wie durch Totalüberwachung ein Anschlag verhindert wurde, wurde dieses Gesetz beschlossen.

Vor diesem Hintergrund freut es mich besonders, dass ich den “Bayern digitalisieren” vorstellen darf, in dem

  • Freifunk ist eine Initiative, die ein Netz in Bürgerhand aufbauen will. Keine Konzerne haben die Kontrolle, sondern die Bürger.
  • Ein Netz, in dem man sich anonym bewegen kann. Ohne Anmeldung. Ohne Nachvollziehbarkeit.
  • Ein dezentrales Netz, in dem keine zentrale Stelle der NSA Schnüffelzugang geben kann.
  • Und ein Netz, in dem man seinen DSL-Anschluss einfach und legal mit den Nachbarn teilen kann. Und damit ist es sozial, weil dann die Leute, die keinen eigenen Internetanschluss haben, diesen freie Netz einfach mitbenutzen dürfen. Und zu diesen Leuten, die ein ganz hohes Bedürfnis an kostenlosem Internet haben, zählen zur Zeit die Flüchtlinge. Und daher bin ich stolz, was in der Freifunk-Community zur Zeit passiert: Ganze Flüchtlingsheime werden mit WLAN ausgestattet, so dass diese Leute ihren Familien Nachrichten schreiben können, sich informieren können. Dafür danke ich der Freifunkcommunity. Danke!

Ein großer weiterer Grund warum es Freifunk braucht und man nicht einfach sein privates WLAN freigibt, ist der deutsche Sonderweg der Störerhaftung. Was bedeutet das? Wenn jemand über meinen privaten DSL-Anschluss einen Musiktitel hochlädt, dann habe ich eine Infrastruktur bereitgestellt und kann verklagt werden. Das ist so, wie wenn der Postbote für einen Erpresserbrief oder die Telekom für einen Drohanruf haften müsste.

Deswegen hat Freifunk eine Infrastruktur geschaffen, die dieses unsinnige Gesetz legal umgeht, indem sie über dezentrale Hintergrundserver das Providerprivileg nutzen. Das ist zur Zeit eine benötigte Krücke. Das ist nicht die Ideallösung. Daher an dieser Stelle ein herzlicher Dank an Verena Osgyan und die gesamte Landtagsfraktion, die sich bereits in den letzten Monaten für eine Abschaffung dieser Störerhaftung eingesetzt haben. Danke!

Die Freifunkinitiative lebt somit viele Grüne Werte. Und deswegen beantragen wir hier, dass wir als LDK auch Freifunk unterstützen. Das kann auf zwei Ebenen passieren.

  1. Freifunk Hardware

    Freifunk Hardware

    Einerseits kann jeder von uns, im Büro der Grünen oder auch zu Hause teilnehmen. Technisch ist das sehr einfach. Entweder man kauft sich solch einen kompatiblen, handelsübliche Router und installiert darauf die entsprechende Firmware, die es auf den Webseiten der Freifunkinitiativen kostenlos gibt. Oder man kann häufig einen vorinstallierten Router bei der lokalen Freifunkinitiative zum Selbstkostenpreis bekommen. Das unterstützt nicht nur Freifunk, sondern lockt die Menschen auch in die Nähe der grünen Büros.

  2. Aber viel wichtiger ist die politische Unterstützung. Das fängt damit an, dass der Aufbau des Netzes nicht von der Politik blockiert wird sondern unterstützt wird.
    Ein schönes Beispiel habe ich Euch aus Möhrendorf mitgebracht. Eine Firma will mit vielen ihrer Mitarbeiter, die sich in der Thematik engagieren wollen, zwei Flüchtlingsheime mit Internet und WLAN versorgen. Da es in dem einen Heim aber keinen Anschluss gibt, wird das Signal per Freifunk weitergeleitet. Und da das Rathaus, als einer der höchsten Punkte ist, von dem aus man eine gute Funkverbindung realisieren kann, will der Bürgermeister es ermöglichen, dass das Rathaus ein Teil dieses Netzes wird.
    Doch die politische Unterstützung muss weitergehen. Es sollte nicht nur eine Tolerierung sein. Wie die Grüne Jugend zu Recht in ihrem Änderungsantrag vermerkt hat, kann der Staat noch viel weitergehen. Daher übernehmen wir gerne den Änderungsantrag  und fordern, dass der Staat den aufbau freier WLAN-Netze aktiv unterstützen soll.

Ich möchte Euch nun bitten, diesen Antrag nun zu unterstützen, damit wir gemeinsam die digitalisierung in Bayern voranbringen können. Vielen Dank.

 

Der Antrag wurde angenommen.

17Oct

Livebericht der LDK Bad Windsheim – Tag 1

An diesem Wochenende ist die LDK in Bad Windsheim. Das Programm und die Anträge gibt es auf der Seite des Landesverbandes. Einen Livestream gibt es  hier. Bei Twitter gibt es gerade 3 Hashtags: Neben dem offiziellen Haupthashtag #ldk15 gibt es noch #ldkby15 & #ldkby

Die wichtigsten Ergebnisse werde ich hier live tickern. Beschlüsse werden in FETT dargestellt.

Samstag:

  • 11:33: Beschlussfähigkeit festgestellt und die Sitzungsleitung ist gewählt.
  • 11:43: Die Tagesordnung wird diskutiert … insbesondere gibt es zwei zusätzliche Initiativanträge
    • Transitzonen
    • Asylbeschlüsse
  • 11:48 – Eike Hallitzky hält die Landespolitische Rede:
    • Los geht es mit dem Thema Flüchtlinge: Kernthese: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Bayern macht das Großartig, wie Flüchtlinge aufgenommen, OBWOHL Söder und Co diese europäischen Werte nicht vertreten. Waffenlieferungen in Krisengebiete lehnen wir Grünen ab. Die Zusammenarbeit von Seehofer mit Orban und “wirre” (rechte) Vorschläge werden kritisiert.
    • Klimaschutz und Dieselgate wurde natürlich auch angesprochen.
    • Strukturreform der Grünen, die dieses Wochenende beschlossen werden soll, wird schon mal angesprochen.
  • 12:10 – Cem Özdemir hält die bundespolitische Rede:
    • Henriette Rieker (OB-Kandidatin aus Köln) wurde verletzt durch einen Messerangriff
    • Flüchtlinge: die Entwicklung mit Pegida etc. wird angesprochen, diese sollten auch mal ans Grundgesetz erinnert werden. Und Seehofer sollte nicht mit dem rechten Rand spielen … er würde damit wahrscheinlich eh mehr verlieren als gewinnen, aber den rechten Rand zu stärken geht gar nicht. Viele Flüchtlinge kommen oft wegen dem “Grundgesetz”, während CSU und Co viele der Werte (Gleichberechtigung, Homosexualität) noch bekämpfen, ist es merkwürdig, dass sie dies nun als Argument gegen “Migranten” nutzen wollen. Und unglaubwürdig. Er wünscht sich, dass die Flüchtlinge sich so integrieren, dass sie keine Gäste sonder Bürger sind. Trotzdem verlangt auch Cem eine europäische Solidarität. Er spricht auch Kriegsursachen und Fluchtursachen an. z.B. Welternährungsprogramm (und fehlende Gelder dort). Und auch das nächste Thema ist eine Fluchtursache:
    • Klimaschutz: Deutschland ist nicht mehr führend beim Klimaschutz. Die Automobilindustrie profitiert NICHT von den laschen Grenzwerten. Nur wer als erstes umsteigt, wird später auf dem Weltmarkt echte Chancen haben.
    • Und dann noch ein kleiner politischer Rundumschlag zu ganz vielen Themen… oft mit Teilaspekt “Flucht”
  • 12:34 Aussprache
    • Freier Redebeitrag: Thema Flüchtlinge: Lob der ehrenamtlichen!
    • Noch einmal das Thema Flüchtlinge … und nochmal
    • Barbara Lochbiler (MdEP) stellt diverse Themen (natürlich auch Flüchtlinge und TTIP) aus EU-Sicht dar.
    • Ludwig Hartmann (MdL): Statements zum Thema Klimaschutz, Ausstieg aus Kohlekraft. Landwirtschaft: Es gibt ein Recht auf gesunde Lebensmittel und “gesunde” Böden (auch noch in der nächsten Generation)
    • Grüne Jugend: G7 und TTIP, so eine Aufteilung der Weltpolitik verbunden mit Absenkung der Standards muss bekämpft und verhindert werden.
    • und noch mehr Redebeiträge, ganz oft zu den Themen Flucht … aus ganz vielen Perspektiven …
    • Ein Statement gegen Papierverschwendung … dafür von mir auf diesem Weg ein Danke, es ist echt nicht nötig, alles 1000-fach auszudrucken und zu verteilen.
    • Toni Hofreiter fragt zu Recht: Wie will Seehofer es schaffen, eine Obergrenze umzusetzen? Will er den X+1. Flüchtling einfach zurückschicken.
    • und noch viel mehr zum Thema Flüchtlinge ….
    • 14:02 Auch Claudia Roth (Bundestagsvizepräsidentin) spricht zu DEM Thema….
    • 14:25: Sorry Ekin, aber dein Zitat: “Wir wollen etwas bewegen, deswegen haben wir uns enthalten.” … ist das Satire?
  • 14:33 Es wird angekündigt, dass wir irgendwann nacher über den Gender-Star (z.B. Redner*Innen) abstimmen, aber noch nicht jetzt. Na toll, warum nicht gleich erledigen?
  • Die thematischen Anträge sollen ge-ranked werden, daher werden gerade dazu die Stimmzettel eingesammelt.
  • Jetzt geht es mit den “richtigen” Inhalten los…
  • Thema Flüchtlinge A2neu:”Für eine menschliche Flüchtlingspolitik: Verantwortung übernehmen, Herausforderungen gemeinsam schultern, Integration unterstützen”
    • Margarethe Bause stellt ihn vor, inklusive diverser Anekdoten, u.a. wie kompliziert die Zusammenarbeit mit einer panikmachenden CSU ist.
    • Die “Diskussion” ist eine breite Zustimmung.
    • Der oben erwähnte Gesamtantrag A2neu erhält eine breite Zustimmung.
    • A12 Frauen auf der Flucht erhält eine breite Zustimmung.
    • A17: Kulturarbeit von und mit Flüchtlingen fördern erhält eine breite Zustimmung
    • A22: Europäische Herausforderung Flucht, Asyl und Einwanderung erhält eine breite Zustimmung
      • Änderungsanträge werden diskutiert und der erste wird übernommen
      • Der einzig strittige ist, ob wir generell Waffenexporte verbieten wollen. Dieser wird aber knapp angenommen.
    • Der A24: Resolution: Öffnet die Grenzen – Für die Idee Europas wird abgelehnt, insbesondere da sich viele der dort beschriebenen Sachverhalte inzwischen geändert haben.
    • Der I-1 “Fluchtursachen bekämpfen, Geflüchtete menschenwürdig behandeln – Gegen die Errichtung von Grenzzäunen und Haftanstalten im Niemandsland” wurde spontan eingereicht und steht noch nicht online. Er erhält eine breite Zustimmung
    • I-2 ist ebenso noch nicht online. Er trägt den Titel “Verantwortung übernehmen – gegen die massive Verschärfung des Asylrechts”. Dabei geht es auch um die Entscheidung der vergangenen Woche im Bundestag. Trotz der darin enthaltenen (guten) Ansätze gibt es massive Verschlechterungen.  Dublin wird damit de facto genehmigt. Bürokratie wird nicht wirklich abgebaut. Selbst Toni sagt, dass diese kritisierten Punkte von “niemandem” für richtig gehalten werden. In den Detailabstimmungen hat die Bundestagsfraktion auch zu den kritischen Punkten “Nein” gesagt. Gabriel selbst hat da von Grünen reingehandelten Sachen wieder rausgestrichen. Aber da die Grünen Verhandler sich so gut wie möglich bemüht haben, bittet Toni um eine Ablehnung, weil er nicht will, dass trotz der guten Bemühungen diese jetzt dafür kritisiert werden. … Es wird eine Debatte eröffnet!
      In dieser Debatte gehen die o.g. Sachen noch mehr ins Detail, die Pro-Redner betonen vor allem, dass es auch für die Zukunft gehen soll, während die Contra-Redner die Vorteile des Asyl-Gesetzes herauszustellen versuchen und die Nachteile zu relativieren.
      Interessant (aber Zufall?) in der Debatte die Pro-Redner waren nicht so bekannte Leute. Die Contra-Redner waren Promis.
      GO-Anträge bezüglich “Erweiterung der Debatte” und “geheimer schriftlicher Abstimmung” werden abgelehnt. Die Entscheidung ist super knapp, aber der Antrag wird  abgelehnt. (124 – 135)
  • Die Anträge wurden geranked, los geht es etwa um 19:00 Uhr mit diesen Themen in dieser Reihenfolge
    1. A16: Ein Nationalpark für den Steigerwald
    2. A19: Grüne für schrittweise Verlagerung des innerdeutschen Flugverkehrs auf Bahn und Bus
    3. A9: Digitalisierung in Bayern voranbringen: Freifunkinitiativen stärken! (FREIFUNK)
    4. A15: Dem Umweltschadensgesetz zum Recht verhelfen
    5. A25: Digitalisierung der Gesellschaft – Chancen nutzen, Grundrechte wahren
    6. A11: Wirksame Barrierefreiheit in Bayern
    7. A8: Grüne und Basis-Demokratie
    8. A14: Grüne Kulturpolitik für ein modernes Bayern
    9. A10: Politische Teilhabe bei den bayerischen Grünen
    10. A21: Für die Vereinigten Staaten von Europa!
    11. A23: Zivile Krisenprävention stärken – Mehr Bayerische PolizeibeamtInnen für internationale Missionen
    12. A6: Chronik Landesverband und einzelner Kreisverbände
    13. A13: Zulassung eines LAK Gender für alle Betroffenen
  • Jetzt aber geht es weiter mit dem Thema Landwirtschaft, bzw. dem Antrag A1: Grüne Wege in eine bayerische Landwirtschaft mit Zukunft mit dem grünen Landwirtschaftsminister aus Niedersachsen Christian Meyer, dieser hat uns Einblicke in die “Landwirtschaftswende” in seinem Bundesland gegeben. Sigi Hagel stellt den aktuellen Antrag vor. Bei der Aussprache ist der einzige richtige Widerspruch: “Es geht nicht weit genug”.
    • Der Ä4 will die Anbindehaltung über das bisher geforderte Maß abschaffen/einschränken abschaffen. Dieser wird aber abgelehnt, da es scheinbar vielen kleinen Betrieben schaden würde.
    • Der Ä5 will die Biogasanlagen beschränken, da die Fläche anderweitig sinnvoller eingesetzt werden sollen, als für Mais der ver”brannt” wird. Martin Stümpfig redet dagegen, weil es eben auch sinnvolle Biogasanlagen gibt, insbesondere die, die Gülle verwerten. Langfristig ist ein konkreter Einschränkungsvorschlag sinnvoll, aber nicht in dieser Form. Dieser Antrag wird daraufhin auch abgelehnt.
    • Diverse Anträge werden modifiziert übernommen
      • Ä12
      • Ä13
    • Der Ä22 will keine Doppelförderung von Biogasanlagen: Dieser wird jedoch (aus meiner Sicht überraschenderweise abgelehnt.
    • Der Gesamtantrag wird angenommen.
  • 18:25 Die Strukturdebatte und die Ergebnisse der Strukturkomission werden vorgestellt und diskutiert. [Persönlicher Kommentar: Wieder mal etwas Selbstbeweihräucherung… von mir aus könnte man die Vorstellung erheblich strukturierter und zügiger machen anstatt viele Floskeln des Selbstlobs loszulassen]
  • Der Tag ist zu Ende … morgen geht es weiter (mit einem neuen Blogeintrag)

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