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24Jan

Volksentscheid: “Studiengebühren abschaffen”

Zur Zeit läuft ein Volksentscheid zur Abschaffung der Studiengebühren in Bayern. Den finde ich gut und finde, dass jeder sich eintragen sollte.

Warum?

  • Es gibt gewisse Infrastruktur, die der Staat bereit stellt. Dazu zähle ich die Versorgung mit Wasser/Strom, Sicherheit(Feuerwehr, Polizei) Gesundheit (Ärzte, Krankenhäuser, Rettungsdienste), Bildung, … und ich finde, der Zugang dazu muss nicht unbedingt kostenfrei sein, aber gut bezahlbar ohne (immense) Verschuldung.
    In allen Bereichen bekommen die Leute, die es sich nicht leisten können, eine (mehr oder weniger) ausreichende Unterstützung:
    Wer kaum Geld hat bekommt HartzIV, da ist ein gewisser Anteil für Strom, Wasser, … dabei und die Krankenversicherung ist auch kostenlos.
    Nur bei Bildung, da hapert es. Im Kindergarten zahlt man ca. 100 Euro pro Monat. In der Schule ist es schon eine ganze Stufe günstiger, aber auch da fallen einige Kosten an. Aber dann das Studium. Ein Studium ist eine enorme Investition, von der man selber profitiert, aber auch die Gesellschaft daran enormen Nutzen hat. Ein Studium kostet so schon etwa 500 Euro pro Monat. (Miete + Lebenshaltungskosten). Zahlen muss das ein Student, der im Normalfall noch kein Geld hat. Mit etwas Glück zahlen es die Eltern. Ansonsten kann man über Bafög etwa die Hälfte davon als Kredit und die andere Hälfte geschenkt bekommen.
    Keine Frage, später, wenn man von dem Studium profitiert, dann soll man auch zahlen. Dafür gibt es die Lohnsteuer. Wer gut verdient, zahlt mehr Steuern.
  • Es gibt angeblich einen Fachkräftemangel. Ich habe da gewisse Zweifel, dass es wirklich sooo dramatisch ist, aber es ist wohl unstrittig, dass Leute mit Studium oder einer vernünftigen Ausbildung erheblich seltener Arbeitslos sind als Leute ohne vernünftige Ausbildung. Daher müsste es Ziel der Politik sein, dass Bildung allgemein zugänglich ist und Leute nicht schon ganz früh “aussortiert” werden. Dazu gehört eine vernünftige gemeinsame Schule, in der trotzdem noch möglichst individuell gefördert und gefordert wird (aber das ist ein anderes Thema), aber eben auch, dass der Zugagn zur Bildung nicht von finanziellen Mitteln der Eltern abhängt.
  • Das Argument “die Krankenpfleger zahlt für das Studium von der Tochter der Ärztin” ist quatsch. Ein Akademiker der 50.000 verdient zahlt im Jahr etwa 6000 Euro steuern. Jemand der 30.000 verdient, zahlt nur etwa 1500 Euro steuern pro Jahr (online-Steuerrechner, Steuerklasse 3, keine Kirchensteuer, alles “gesetzlich” versichert). D.h. jeder Student, der dann später auch mehr verdient, zahlt erheblich mehr an Steuern. Das ist gut so, das ist fair, aber damit bekommt der Staat eh schon für das Studium sehr viel zurück. Ein durchschnittlicher Student kostet etwa 60.000 Euro. Also wenn jemand mit 20 anfängt zu arbeiten, im Schnitt 30.000 verdient und 1500 Steuern zahlt, dann hat er/sie mit 60 etwa 60.000 Euro (40 Jahre * 1500) an den Staat gezahlt. Ein Student fängt paar Jahre später an zu arbeiten, aber im Schnitt spätestens mit 30, zahlt aber 180.000 Euro (30 Jahre*6000€) Steuern, bringt dem Staat also “Netto” 120.000 ein. Also damit dürfte wohl klar sein, dass sein Student sein Studium selber (im nachhinein, über höhere Steuern) zahlt UND dass es sich sogar für die Krankenschwester lohnt, wenn mehr Leute studieren, weil jeder “Gutverdiener” der sein Gehalt ordentlich versteuert für den Staat viel mehr wert ist.
    Noch schlimmer in der Bilanz sind übrigens Arbeitslose, die “bringen” dem Staat nichts, sondern sie kosten … und schlecht ausgebildete Menschen haben eben das höhere Risiko.
    Also muss sich der Krankenpfleger überlegen, will er lieber ein Kind mehr, das studiert, dass dann später gute Steuern zahlt, oder will er lieber jemand schlecht ausgebildeten, der keinen Job bekommt (noch ein Krankenpfleger?) …
  • Die Regierung hat versprochen, dass die Gebühren nur für die Verbesserung eingesetzt werden. Dieses Versprechen haben sie NICHT gehalten, wie in diversen (1 2 3) Berichten zu erfahren ist. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, aus den Studiengebühren einen eigenen “Sonderhaushalt” zu machen oder ob sich Studenten einfach generell an den Kosten beteiligen sollen. Aber wenn so etwas versprochen wird, dann muss es auch eingehalten werden.
  • Bayern ist ein High-Tech-Bundesland. Gerade Bayern braucht daher viele ausgebildeten Fachkräfte.
  • Bayern hat genug Geld für unsinnige Projekte, warum also nicht für eine gute Ausbildung. Selbst Seehofer will sie inzwischen wieder abschaffen.
  • 1000 Euro pro Jahr sind verdammt viel. Bei jeder Steuersatzanpassung rühmen sie sich mit “300 Euro mehr in der Tasche”. Aber jemandem der nichts verdient und eh bei den Eltern betteln muss (nämlich den jungen Menschen, die ein Studium starten wollen), 1000 Euro abzuverlangen, das scheint OK. Studiengebühren abschaffen, Spitzensteuersatz erhöhen, dann ist es fair. Dann zahlen die REICHEN Eltern und alle, die schon von der guten staatlichen Infrastruktur profitiert haben, eben alle Gutverdiener, noch mehr zurück. Damit könnte ich leben. Aber nicht jemandem, der eh nichts hat, noch 1000 Euro abzuknüpfen.

Fazit: Wir brauchen viele gut ausgebildete Personen (Studenten, Fachausbildungen, …) und sollten niemandem Steine in den Weg legen. Für den Staat ammortisiert sich diese Investition in Bildung, selbst bei dem Gehaltssprung von 30.000 auf 50.000 hat der Staat von einer Person die 60 Jahre alt ist, etwa 60.000 Euro Netto mehr. Da sind schon 10 Jahre weniger Arbeitszeit und die Kosten des Studiums eingerechnet. Arbeitslosigkeit kann am Besten durch Bildung bekämpft werden…. es lohnt sich also für ALLE, sich beim Volksbegehren einzutragen und wenn es zur Abstimmung kommt, dann auch für die Abschaffung zu stimmen.

24Apr

Betreuungsgeld II

Nachdem das mit dem Betreuungsgeld die letzten Tage immer wieder diskutiert wurde, gibt es 2 Hauptargumente dagegen:

  1. Bildungsferne Kinder bekommen zu Hause oft eine schlechtere Förderung als im Kindergarten, aber genau deren Eltern haben meistens wenig Geld, also lohnt es sich am ehesten für die, die Kinder daheim zu behalten (und im Extremfall diese einfach den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen gelassen)
  2. Wenn ein Partner daheim bleibt meist die Frau, damit würde ein veraltetes Rollenbild zementiert.

Für das Betreuungsgeld spricht:

  1. Eltern haben die Wahlfreiheit, ob sie die Kinder selber betreuen wollen, oder nicht (und wenn, dann bekommen sie dafür eine kleine Unterstützung)
  2. Ein Kindergarten/Krippen-Platz kostet dem Staat mehr als die 150 Euro im Monat.

Dies waren die Hauptargumente, die ich aus der Diskussion herausgehört habe und ich kann allen 4 Argumenten irgendwie zustimmen.

Kindergarten ist sicherlich was tolles, mit anderen Kindern spielen, von diesen lernen, … aber auch die Familie ist toll, immer eine direkte Bezugspreson haben, die quasi immer für einen da ist.

Aus diesem Grund würde ich einen ganz anderen Weg vorschlagen: Ein bedingungsloses Grundeinkommen. Jeder (egal wie alt) bekommt einen Satz, von dem man tatsächlich überleben kann. Ich stelle mir da 600-700 Euro oder so vor (genaue Zahlen muss ich noch durchrechnen). Von diesem Betrag soll man wirklich das nötige kaufen können… Und da dieser Betrag auch für Kinder ausgezahlt wird, könnten Eltern tatsächlich daheim bleiben, zumindest einer, oder eben doch arbeiten gehen. Damit wäre eine Wahlfreiheit geschaffen. Dann bekommt halt jeder das Geld, aber wenn die Eltern (beide) arbeiten gehen, fließen dafür ja auch entsprechend mehr Steuern zurück an den Staat. Und vor allem wäre der obige Hauptnachteil, dass Eltern, denen die Kinder egal sind, die die Kinder nicht fördern wollen oder können etc.  (ich hoffe, dass diese eine ganz kleine Minderheit sind), für die schlechtere Variante nicht mehr Geld bekommen als für die bessere, nämlich das Kind daheim “rumgammeln” zu lassen statt im Kindergarten fördern zu lassen.

26Jun

Fachkräftemangel

Jetzt hat die Regierung was gegen den Fachkräftemangel beschlossen. Aber genau das falsche, denke ich. Was ich empfohlen hätte:

  • Akademiker und Akademikerinnen einstellen (Ich kenne diverse Leute, die kurz vor oder sogar seit einiger Zeit nach dem Abschluss stehen und noch keinen Job gefunden haben.)
  • Ausbildung optimieren: Studiengebühren abschaffen.

Ich glaube nach wie vor nicht, dass wir so einen krassen Fachkräftemangel haben.

24Jan

Fachkräftemangel

Wichtig für eine gute Wirtschaftspolitik ist eine gute Bildungspolitik … so interpretiere ich diesen Zeitungsartikel.

Umgekehrt glaube ich nicht an den so häufig behaupteten Fachkräftemangel. Warum?

  • Ich hatte ein sehr gutes Informatik-Diplom und habe erst nach einem dreiviertel Jahr eine passende Zusage bekommen (2007) (genauer gesagt, war es die zweite Zusage, aber die erste hat nicht gepasst)
  • Ich kenne einige Ingenieure, die trotz ihres Diploms ziemlich intensiv suchen mussten. (2010)
  • Ich kenne Akademiker aus anderen Studienfächern, die suchen seit Monaten einen passenden Job und in dem Bereich gibt es gar nichts.

Und jetzt wird dieses Gefühl per Statistiken belegt (aufbereitet original).

Was ich daraus schließe:

  • Langfristig brauchen wir auf jeden Fall viele Fachkräfte. Durch den demographischen Wandel können wir uns unausgebildete Leute quasi nicht mehr leisten.
  • Das aktuelle gejammere um Fachkräftemangel führe ich auf taktische Erwägungen zurück. Wenn es wirklich viele Fachkräfte gibt, also ein Überangebot an Fachkräften, dann kann man den einzelnen besser ausnutzen. Und man hat natürlich eine größere Auswahl. Also probiert man die Politik dazu zu bringen, diesen “Luxus” zu erzeugen.

Natürlich bin ich trotz der Zweifel am Fachkräftemangel für eine sehr gute Ausbildung. Aber ich finde, es muss jetzt keine unnötige Panik verbreitet werden. Mehr dazu “später” …

09Dec

Abitur für 29 Cent

Ich fürchte ich habe mich verlesen. Auf tagesschau sind die neuen Hartz-IV-Sätze zu finden. Da wird klar, was für eine “Bildungsrepublik” unsere Bundesregierung will:

Für die Bildung wird generell wenig angesetzt (bis zu 1,39/Monat), aber in dem Alter, in dem Schüler Abitur machen (15-18) gibt es ganze 29 Cent pro Monat.

Ansonsten finde ich, kann man über die Sätze diskutieren. An einigen Stellen gibt es Werte, die ich durchaus für akzeptabel halte, an anderen Stellen halte ich sie sogar für großzügig (z.B. Nachrichtenübermittlung) und an einigen Stellen denke ich, dass es da ziemlich eng wird. Die Abwägung der HartzIV-Sätze hatte ich ja schon mal. Damals war gar keine Bildung drin, das habe ich damals kritisiert. Immerhin steht jetzt was drin. Aber Abi für 29 Cent, das finde ich echt unglaublich. Schulhefte, Bücher, …

15Nov

Erste Erlanger NerdNite am 03.12

Immer fordern wir Politiker: In der Bildung muss sich was verbessern… jetzt haben wir (ich und ein Kollege – mal ganz außerhalb der Partei) beschlossen, es selber zu machen…

Die 1. Erlanger Nerdnite

spannende Vorträge zu ganz verschiedenen Themen. Und in einer “Bar-Atmosphäre”, da macht Bildung gleich noch viel mehr Spaß.

Am 03.12. um 21:00 Uhr im E-Werk auf der Kellerbühne geht es los. Dann ist Erlangen die dritte Stadt in Deutschland nach München und Berlin, die eine Nerdnite durchführt. Und danach soll jeden Monat ungefähr eine stattfinden.

04Nov

Integration – Was ist das

Gestern durfte ich eine Veranstaltung zum Thema “Als Migrant/in in die Politik” moderieren. Ein wichtiger “Nebenaspekt” ist dabei natürlich auch das Thema Integration. Und gerade bei der Frage “Was ist Integration?” bzw. ab wann akzeptieren wir eine Person hier in Erlangen als integriert wurde klar, dass (fast) niemand da ein klares Bild hat.

Auch ich habe kein ganz klares Bild, aber 2 Kriterien, wann für mich jemand integriert ist:

  • Er/Sie muss bereit und fähig  sein, mit mir “schöne & sinnvolle” Zeit zu verbringen.
  • Er/Sie darf kein Verhalten und keine Werte haben, die mich “abstoßen”.
  • Er/Sie seine Ziele hier erreichen kann.

Hierbei ist einiges anzumerken:

Ich nehme mich als Referenz.  Damit will ich ausdrücken, dass selbst diese Kriterien subjektiv sind. Ich und jeder ist ein Mitglied einer Subkultur, die sich bei einer sehr feinen Betrachtung bis auf eine Person (mich) reduzieren lässt. Ob jemand findet, das Leute (egal ob deutsche oder nicht) mit Hosen knapp über den Knien integriert ist oder nicht, wird in Deutschland wohl recht unterschiedlich bewertet. Bei entsprechenden Jugendgruppen wird er wohl (was dieses Kriterium betrifft) perfekt integriert sein. Bei einer Bank als Arbeitgeber würde jemand mit solchen Hosen wohl seine Karriere-Ziele nicht erreichen können. Mir persönlich ist es relativ egal, was er für Hosen anhat.

Jetzt will aber der Staat wieder mal “Integration” definieren.

z.B. hier (da es nur ein kurzer Zeitungsartikel ist, zitier ich ihn mal komplett):

Integration soll überprüfbar werden

Berlin. Bildungsdefizite und Hindernisse beim Aufstieg von Zuwanderern in Deutschland sollen zielgerichtet beseitigt werden. Das ist Ziel des vierten Integrationsgipfels, der am Mittwoch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Ende ging. Integration solle verbindlicher und überprüfbarer werden, teilte die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) mit. Innerhalb eines Jahres solle ein Nationaler Aktionsplan erarbeitet werden. Bei Bildung, Deutschkenntnissen und Ausbildung seien klare Zielvorgaben vorgesehen.

Die Bundesregierung will zudem dafür sorgen, dass in den kommenden fünf bis sieben Jahren der Bedarf an Integrationskursen in Deutschland gedeckt wird.

Mit diesem Statement wird ja suggeriert, man wüsste, nach welchen Kriterien man entscheiden kann, ob jemand integriert ist. Einige Kriterien werden implizit genannt (und stimmen irgendwie auch mit meinen Kriterien oben überein:

  • Bildungsdefizite und Hindernisse beim Aufstieg bzw. Bildung und Ausbildung (bei mir “Ziele erreichen”)
  • Deutschkenntnisse (“schöne Zeit” und “Ziele erreichen”)
  • Integrationskurse – ohne zu wissen was darin vorkommt, kann man annehmen, dass die Inhalte an irgendwelchen Kriterien (vielleicht unbewusst), was Integration ist, ausgerichtet. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es bezweifle, dass die richtigen Kriterien ausgewählt wurden. Weil ähnliche Kriterien darf man ja bei einem Einbürgerungstest erwarten. Und da gehen einige Fragen total an den relevanten Zielen vorbei.

Daher würde ich abschließend sagen, dass für mich diese Kriterien für Integration zentral sind:

  1. Sprachkenntnisse – Dies ist ein ganz zentrales Kriterium, wird aber von immer mehr (jungen) Migranten erfüllt.
  2. Schulabschluß / berufsqualifizierenden Abschluß – hier denke ich, müssen sich beide Seiten verantwortlich fühlen. Die Migranten (genauso wie alle anderen) selber müssen den Abschluss wollen

Und damit läuft eigentlich alles darauf hinaus, dass man Kindern von Anfang an zeigen muss, dass es egal ist, mit wem man Zeit verbringt und ihnen die Möglichkeiten gibt, voneinander zu lernen…

Und nun noch ein Photo von der Veranstaltung:

09Sep

Nerdnite

Gestern war ich mit Freunden auf der Nerdnite in München.

Warum waren wir da? Zur Zeit planen wir zu zweit, auch in Erlangen NerdNites zu organisieren. Wer Interesse hat, kann sich gerne schon mal bei mir melden. Ansonsten haben wir hoffentlich dann auch bald eine Webseite z.B. http://erlangen.nerdnite.com, über die wir dann auch die Neuigkeiten verbreiten können. Oder wer Facebook nutzt, kann sich dort auch mal als Interessent “outen”.

Die Vorträge haben uns vom Titel irgendwie zwar nicht 100%ig angesprochen, aber wir wollten es uns mal anschauen. Und wir wurden positiv überrascht. Alle 3 Vorträge waren komplett verschieden (nicht nur über die Themen, auch der Aufbau und die Präsentationsweise haben sich irgendwie unterschieden) und alle 3 waren interessant.

Der Vortrag von Ulrich Mannes (“Wie sich Sigi Rothemund das Pseudonym Siggi Götz zulegte und zum Paten einer Kinozeitschrift wurde.”) war mit einer ganz besonderen Art von Humor vorgetragen. Die Isar-Renaturierung (Alexander Föhl) dachte ich, würde mich als “Grünen” interessieren. Der Vortrag war zwar spannend, aber total unpolitisch. Es wurde einfach gezeigt, wie sich Hochwasser auswirkt, was dagegen gemacht wird, welche Keller bei welcher Höhe überflutet werden und wie die menschlich gemachten Designs von einem “kleinen” Hochwasser einfach mal weggespült wurden.

Am spannendsten fand ich allerdings den ersten Vortrag (das hätte ich davor niemals gedacht) von Martin Wunderlich: Was nicht passt, wird passend gemacht – die englische Barockdichtung der Metaphysical Poets.

Bei diesen ging es um eine Vermischung von Logik und Gefühle in einem – also Dualismus. Und irgendwie rufen die dort vorgestellten Gedichte in mir einen Widerspruch hervor. Am Anfang habe ich gedacht, dass dies an unlogischen Schlussfolgerungen liegt (es war tatsächlich eine drin … gegeben A=>B und notA; daraus wurde gefolgert notB – dies ist zwar “formal-logisch” nicht korrekt, löst aber den Zwiespalt nicht auf…), inzwischen (nach Klärung einiger Fragen mit Martin) kann ich mir auch vorstellen, dass ich zu wenig dualistisch denke ..

…. Oder vielleicht liegt es aber auch nur an dem Englisch. Ich lese normalerweise “eher selten” englische Barockgedichte aus dem 17. Jahrhundert.

22Aug

Schulreform in Hamburg abgelehnt – aber erst mal sollten wir wissen, was wir wollen, bevor wir entscheiden, wie wir es vermitteln

Was wollen eigentlich die Leute, die Pro- oder Contra-Stimmen abgegeben haben? Ist denen das Gymnasium wirklich wichtig? Was bedeutet gymnasiales lernen? Warum ist dieses wichtig. All diese Aspekte wurden von beiden Seiten nur gekratzt.

Wie muss man das Schulsystem revolutionieren? Ist wirklich die entscheidende Frage, wie lange man lernt? Wie die Schulform heißt? Im Grunde sind die ersten Fragen:

  1. Was ist der Minimalstandard, dass ein Kind wissen muss, um einen Abschluss zu bekommen.
    Also muss man in Mathe Bruchrechnen können, oder Sinus und Cosinus? Oder ist es notwendig, mehrdimensionale Integrale berechnen zu können?
    Muss man in Deutsch Inhalte von Texten erfassen können, oder muss man zig Bücher interpretiert haben?
    Muss man in Englisch grob reden können oder das “Advanced Learners Dictionary” auswendig wissen?
    Muss man ein Halbjahr “Naturwissenschaften” gehabt haben, oder Bio, Physik, Chemie jeweils viele Jahre.
    Kunst, Musik, Sport
    Erdkunde, Sozialkunde, …
    Die Wahrheit liegt wohl irgendwo zwischendrin und je nach Abschluss wo anders.
  2. Welche anderen Ziele soll die Schule erreichen, neben der Wissensvermittlung:
    Gesellschaftliche Kompetenzen? Umgang mit “alltäglichen” Gesellschaftlichen Situationen?
    Teamarbeit?
    Sozialkompetenz?
  3. Was wäre zusätzlich schön, wenn es in der Schule vermittelt werden würde?
    Fachliches (Ergänzungskurse, besondere Themen, Sprachen, …..)
    Praktisches (Mofaführerschein, Kochkurs, Tanzstunden, …)
    Sportliches (Fußballmannschaft, …)
  4. Wie macht Schule Spaß?

Und wenn diese Fragen geklärt sind, dann überlegt man sich, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Ist gymnasiales Lernen (was ist das eigentlich) wirklich optimal für einige der Ziele?

Und ich bekomme immer stärker das Gefühl, dass eigentlich keiner wirklich überlegt hat, was für Standards er von der Schule will, bzw. dies viel zu wenig kommuniziert wird. Die Kommunikation ist ja auch kompliziert, da jedes Bundesland eigene Ziele definieren darf, was ein Kind in welchem Alter können soll und die “Softskills” nirgendwo richtig manifestiert zu sein scheinen.

Daher fordere ich die Bildungspolitiker (und dazu zähle ich neben den eigentlichen Politikern auch Lehrer(verbände), Schüler(vertreter), Eltern(beiräte), … ) auf, die obigen Fragen zu beantworten. Als Basis kann man ja mal die aktuellen Lehrpläne nehmen und die dann ergänzen bzw. ausmisten. Und dann kann man überlegen, ab wo braucht man in welchen Fächern Differenzierung. Wie kann man möglichst eine Vielzahl der Ziele oben erreichen, insbesondere unter den gegebenen Rahmenbedingungen (auch wenn ich denke, dass man in Bildung Geld stecken muss, ist natürlich auch da zu prüfen, wie viel man sich leisten kann und will)

13Aug

Die “Bildungskarte”

Ich finde die Idee von Bezahlkarten grundsätzlich gut. HartzIV wird ausgezahlt, um den Menschen ein akzeptables Leben zu ermöglichen. Das ist ja grundsätzlich absolut richtig.

Allerdings gibt es genug Fälle, in denen die Leute nicht mit Geld umgehen können. Daher wäre ich für ein System, in dem ein Teil des Geldes für gewisse Bereiche gebunden ist und ein gewisser Teil frei verfügbar.

Wie hier aufgelistet, teilt sich HartzIV in verschiedene Bereiche. Bei einigen denke ich, soll jeder selber Entscheiden, ob er sie braucht oder nicht, z.B. beim Punkt Freizeit, Gaststätten, andere sind relativ wichtig, insbesondere auch Nahrungsmittel und die laufenden Kosten (Telefon, Strom, ….)

Daher könnte ich mir vorstellen, dass auf der Karte verschiedene Bereiche (“Konten”) sind, die jeweils am Monatsanfang aufgeladen werden. Von den über 100 Euro für Nahrung, könnte man dann z.B. 80€ in das Konto “Nahrung” stecken und den Rest in das Konto “frei verfügbar”. Die Gelder für Freizeit kommen komplett in das Konto “frei verfügbar”. Und so geht man halt jeden Bereich durch. Und bei Kindern gibt es dann halt noch ein Konto “Bildung & Kultur”. Diese Karte würde dann jeweils wie eine ganz normale EC-Karte aussehen.

Wenn man nun beim Supermarkt einkauft, werden für normale Lebensmittel erstmal die Gelder vom Konto “Nahrung” verwendet, für Alkohol, Freizeitartikel, etc. aber können nur die Gelder vom Bereich “frei verfügbar” verwendet werden. Somit wäre sichergestellt, dass jemand, der sein Geld gerne in Alkohol ‘investiert’ (am Besten sofort, wenn es da ist), dann auch über den Monat etwas zu Essen hat.

Und genau da passt dann auch die Bildungs-Chipkarte rein. Wenn man sicher sein will, dass Kinder angemessen Bildung und Kultur mitbekommen, dann muss man bei einigen Familien sicher gehen, dass das Geld nicht für andere Sachen ausgegeben wird. Welcher Anteil an Familien das ist, kann und will ich nicht beurteilen, aber auch diese Kinder dürfen nicht durch das Raster fallen mit dem Hinweis, dass es bei anderen Familien läuft und man daher nichts machen kann.

Was ich mir auch feststellen kann, ist dass die Anteile, die in die speziellen Konten kommen und die Anteile, die auf das “frei verfügbar”-Konto kommen vom Arbeitsamt/Jugendamt/(oder wem auch immer) anpassbar sind. Zum Beispiel wäre es ja logisch, wenn Bargeld nur vom “frei verfügbar”-Konto abgehoben werden kann. Wenn jemand aber nun regelmäßig bei Läden einkauft, die keine EC-Karte akzeptieren (z.B. auch auf dem Markt, dann wäre es natürlich sinnvoll, wenn diese Person auch an Bargeld kommt. Bei Extremfällen dagegen könnte ich mir vorstellen, dass es sogar sinnvoll wäre, den frei verfügbaren Anteil auf (annähernd) 0 zu setzen.

Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass diese “Einschränkung” eigentlich nur die Leute betrifft, die “komisch” mit dem Geld umgehen. Mal davon ausgehend, dass die Sätze passen, also halbwegs der Realität entsprechen würden (dass dies heute zutrifft, bezweifele ich in dem o.g. Artikel ja selber, aber das muss natürlich das Ziel sein), dann würde jemand der sich “normal” verhält, gar nicht merken, dass die Gelder Zweckgebunden sind, da er ja immer das kaufen kann, was er kaufen muss. Nun kann man natürlich von kleinen Schwankungen ausgehen. Deswegen sage ich ja, dass nicht 100% gebunden werden sollen, sondern nur ein gewisser Anteil (z.B. 2/3) und der Rest jeweils “frei verfügbar” sein soll. Dann gibt es also 2 Gruppen, die davon wirklich eingeschränkt werden:

  1. die Leute, die ihr Geld “missbrauchen”, also z.B. einen sehr hohen Anteil für Alkohol, Zigaretten etc. ausgeben
  2. die Leute, die aus sinnvollen Gründen das Geld anders verwenden wollen (z.B. mehr über Bargeld) – aber für die Leute sollen ja die Möglichkeit bestehen, die Anteile ändern zu lassen.

Und nun noch zur 2-Klassen-Gesellschaft: Ich bin ja ein Fan des Bedingungslosen Grundeinkommen, also jeder bekommt ein Grundeinkommen, dafür gibt es höhere Steuersätze und quasi keine Möglichkeiten mehr, irgendwelche Sachen von der Steuer abzusetzen. Natürlich wäre es dann sinnvoll, diese Karte für ALLE anzuwenden. Also auch Frau Angela Merkel und ich und die Gebrüder Aldi hätten dann eine EC-Karte, auf der gewisse Gelder für Nahrungsmittel und für die Bildung der Kinder reserviert sind. Das eigene Einkommen würde dann natürlich in den Bereich “frei verfügbar” kommen. (Ausnahmen wären auch hier denkbar, wenn jemand z.B. stark verschuldet ist).

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