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05Feb

Freihandel

Zur Zeit geistern immer wieder Meinungen durch die Gesellschaft, die diversen Medien und auch durch meine Partei, dass freier Handel oder Freihandel doch etwas gutes sei, was man anstreben sollte.

Daher einfach mal die Frage, ob wir die gleiche Definition haben? Ich glaube nämlich, dass gerade ganz viele auf einen rhetorischen Trick reinfallen.

Ich sehe (ganz grob skizziert) 3 Ebenen:

  1. Protektionismus: Ein Land probiert den Handel durch Regelungen (Verbote, hohe Zölle, …) so abzuschotten, dass kein Unternehmen aus einem anderen Land eine (reale) Chance hat, dort etwas zu verkaufen.
  2. staatlich regulierter Welt-Handel: Das Land stellt Regeln auf, an die sich alle Händler halten müssen. Das können “tarifäre” Regelungen sein (Zölle, Steuern), aber vor allem auch “nicht-tarifäre” Regelungen (Sicherheitsbestimmungen, Umweltschutzbestimmungen, soziale Regelungen, …)
  3. freier Handel / Freihandel: “Als Freihandel bezeichnet man einen internationalen Handel, der nicht durch Handelshemmnisse wie Zölle oder Import-Kontingente eingeschränkt ist. Die Idee des Freihandels basiert auf dem klassischen Wirtschaftsliberalismus.” (wikipedia) Hört sich erst mal gut an. Aber Zölle und Import-Kontingente sind nur Beispiele für Handelshemmnisse … verfolgt man den Link dahinter erfährt man, dass auch technische Vorschriften, Umwelt- und Sozialstandards, Qualitätsstandards und einige mehr mit wegfallen.

Der Trick ist, dass es meistens auf 2 Ebenen geschrumpft wird: “Wir brauchen doch den Handel mit XY, also müssen wir ein Freihandelsabkommen abschließen”. So ein Quatsch. Man kann auch ein Handelsabkommen abschließen, dass man sich die Hürden gegenseitig so niedrig wie angemessen macht. Dann landet man in der goldenen Mitte. (Ebene 2) Klar wollen wir keinen Protektionismus, aber ein Freihandel ist genau so Mist. Also wird probiert einem zu suggerieren, dass freier Handel und all diese Freihandelsabkommen notwenig seien, dass wir Güter importieren können. Mal eine Frage an die Runde: Wer hatte in den letzten Jahren ein Problem ein us-amerikanisches oder kanadisches Produkt hier zu kaufen, weil es CETA oder TTIP noch nicht gab? Wer glaubt, dank CETA oder TTIP endlich ein IPhone oder hp-Laptop kaufen zu können?

Bei der Aufzählung oben spreche ich bewusst von “Regelungen” während die Freihändler von “Handelshemmnissen” sprechen.

Aber eines muss man CETA und TTIP lassen. Sie nennen sich ganz ehrlich Freihandelsabkommen. Denn mit den Schiedsgerichten und den Investitionsschutzklauseln kommen sie einem Freihandel schon sehr, sehr nah. Der Staat ist noch da, aber er darf im Zweifelsfall nicht eingreifen oder kann sonst verklagt werden.

27Dec

Die bösen Vegs

Weil ich mich in letzter Zeit viel mit Vegetarismus und Veganismus beschäftigt habe (obwohl ich selber keines von beidem wirklich lebe) und mir dabei sehr viele Anti-Vegan-Artikel, Sprüche, Fragen und Witze über den Weg gelaufen sind und daraus Diskussionen entstanden sind, möchte ich hier mal ganz viele Anti-Veganer-Argumente zusammenfassen, und beantworten, so dass ich das nicht immer und überall neu schreiben muss.

  1. “Einige Veganer, die nicht so missionarisch drauf sind, sind ja OK, aber bei voll vielen ist das halt schon eine Religion geworden.”
    1. Ich kenne diverse Veganer und deren Gründe für den Veganismus sind unterschiedlich, aber relativ häufig ist die ethisch-moralische Grundthese dabei, dass man so wenig Tierleid wie praktisch möglich verursachen soll. Dies kann man natürlich als Religion bezeichnen. Aber so eine Religion mit solchen Grundsätzen, das Leid vermieden werden soll, wäre für mich keine schlechte Religion. Es wäre eine Religion, die auf höchsten Werten aufbaut.
      Allerdings ist der Unterton dabei meistens eher negativ. Daher empfinde ich solche “Religionsbezeichnungen” eher als rhetorischen Trick und schlechten Diskussions-Stil und nicht als konstruktiven Beitrag. Daher würde ich es begrüßen, wenn das Thema “Religion” einfach aus den Diskussionen rausgelassen wird.
    2. Den missionierenden Veganer gibt es. Den radikalen Veganer gibt es. Ich habe sie gesehen. Ich informiere mich aber auch intensiv über das Thema und habe viel Kontakt mit Veganern. Aber die allermeisten Veganer die ich kenne sind nicht missionierend. Ganz im Gegenteil. Ich werde in den sozialen Netzwerken eher mit Artikeln wie dem (Sarah Wiener Cola und Sojamilch) oder den Aussagen von Christian Schmidt, die in der Taz diskutiert werden, konfrontiert. Um mich über vegane Themen zu informieren, musste ich aktiv suchen. Ich nehme somit das missionieren eher anders herum war. Es gibt zig Beiträge die in sozialen Medien geteilt werden, manchmal in Form eines “Memes” oder “lustigen Bildes”, manchmal in Form von Artikeln, die vegetarisch und vegan schlecht machen sollen. Und wenn darauf dann jemand (ein Veganer) sachlich antwortet, dann muss er sich anhören, dass er missioniert.
      Also auch die “Missionierungsbehauptung” scheint mir eher ein Totschlagargument ohne Substanz zu sein.
      Der andere Aspekt ist, dass der Grad zwischen missionieren und informieren verdammt schmal ist. Wenn ich diesen Artikel jetzt schreibe, sehe ich das erst mal als informieren. Ich würde mich aber freuen, wenn der eine oder andere dadurch zum nachdenken kommt und den Fleischkonsum reduziert. Ist das hier jetzt missionieren?
      Gerade im politischen Umfeld nennen wir unseren Informationsauftrag “politische Bildung”. Da wird das als ganz normal wahrgenommen.
  2. “Vegan ist total ungesund, weil einem da ja ganz viele Vitamine fehlen und man davon Hirnschäden bekommt und dumm wird.”
    1. Dieses Statement hört sich jetzt so an, als ob ich übertreibe und sowas in echt keiner sagen würde? Sowas wird aber leider kommuniziert. Das oben bereits erwähnte Interview mit unserem Minister wird bei RP so aufgearbeitet:

      Auch Professor Berthold Koletzko von der Universität München weißt in “Bild” auf die Gefahr eines Vitamin-B12-Mangels hin. Dieser könne zu Schäden im Gehirn führen, sagt Koletzko. “Eine vegane Ernährung kann bei Kindern zu schweren neurologischen Schäden führen, bis hin zu einer dauerhaften Behinderung.”

      Natürlich hat Professor Koletzko grunsätzlich Recht, natürlich ist ein B12-Mangel nicht gut. Natürlich sollte man sich nicht einfach uninformiert vegan ernähren. Insbesondere eine B12-Substitution ist notwendig. Das erfährt man auch sofort, wenn man sich bei Veganern über die Lebensweise informiert. Aber solche Horrorszenarien kann man für jede Ernährungsweise ausmalen. Wenn man sich falsch mit Fleisch ernährt, dann kann man verfetten und an Herzinfarkt sterben. (Und das ist inzwischen sogar eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland). Und wenn man B12 supplementiert, dann sind diese Gefahren plötzlich nicht mehr da. Aber die Artikel werden oft so aufgezogen und geschrieben, als ob vegane Ernährung generell tödlich oder zumindest schädlich wäre. Was aber falsch ist.
      Also sind wir wieder beim Punkt 1.2 “missionarisch”. Vernünftig geschrieben müsste in dem Artikel stehen, dass man sich ausgewogen ernähren soll, nicht zu viel Fett und zu viele Kalorien, nicht zu wenig Vitamine und nicht zu wenig Spurenelemente …. und ruhig auch mal Fleisch weglassen darf.

    2. Dann kommt jetzt häufig noch die Frage, ob B12-Substitution unnatürlich ist. Im oben bereits erwähnten Taz-Artikel steht:

      Sie rät dringend zu kinderärztlicher Beratung und hält eine „Supplementierung von Nährstoffen“ für zumeist erforderlich. Letzteres ist zweifellos möglich, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn der regelmäßige Konsum angereicherter Nahrung oder von Ergänzungsmitteln vermittelt Kindern, dass ausgewogene Ernährung mit weitgehend naturbelassenen und regionalen Lebensmitteln nicht reicht.

      Ja, auch da kann ich grundsätzlich zustimmen, aber wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein. Wer hat sich die letzten Tage ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker, ohne Aromen, ohne Farbstoffe ernährt? Wer hat sein Essen ohne Jodsalz gegessen? In fast allen Ernährungsformen sind heute leider viele Zusatzstoffe drin. Fast jeder stopft die sich rein ohne Ende. Aber wenn ein Veganer B12 nimmt, dann ist das der Untergang unserer Kultur? Mal ganz abgesehen davon, dass ich gehört habe, B12-Mangel kann auch Leute betreffen, die tierische Produkte essen. Von daher finde ich auch diese Kritik am Veganismus scheinheilig.

    3. Wer zum Thema B12 und vor allem zum tollen Statement vom Landwirtschaftsminister noch einen passenden Kommentar lesen will, der kann mal beim Graslutscher weiterlesen. Oder eine tolle FAQ zu B12
    4. Und was fehlt Veganern sonst noch?
      Auf Vitamin D sollte man achten, das kann aber meistens ohne künstliche Zusätze (in die Sonne gehen, Avocados essen) erreicht werden.
  3. Sojamilch ist so unnatürlich wie Cola
    1. So etwa hat es Sarah Wiener geschrieben und malt wieder mal das Bild, dass der Veganer nur Soja-Industrieprodukte isst, während das gute Stück Fleisch vom Bauern nebenan kommt. Auf den Artikel von Sara Wiener hat Julia Akra-Laurien eine gute Antwort geschrieben. Jeweils ein Zitat eines Absatzes das m.E. die Kernaussage enthält.
      S.W.:

      Aber durch seinen Verzicht verbessert er auch nichts an den üblen Verhältnissen in der Nahrungsmittelproduktion. Denn: Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch die nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region. Im Gegenteil: Auch vegane Industrieprodukte lassen Böden erodieren, versauen das Klima und vergiften das Wasser. Das System, in dem sie entstehen, ist ebenso grundlegend falsch wie das System der Fleischproduktion.

      und das Kernzitat in der Antwort von J.A.L.:

      Doch habe ich nach dem Lesen Ihres Beitrags das Gefühl, dass vegan zu essen für Sie bedeutet, weitestgehend auf industrielle Fertigprodukte zurückzugreifen. Das gilt vielleicht für sogenannte Puddingveganer, die sich zwar rein pflanzlich, aber sehr einseitig und überwiegend von Convenience-Produkten ernähren. Das ist aber nicht das, was wir regulär unter veganer Ernährung verstehen. Gerade Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen dafür entschieden haben, verarbeiten meist frische, regionale und saisonale Produkte.

      Ich habe diese beiden Zitate gewählt, weil Sarah Wiener mit dieser Kernaussage recht hat, dass “einfach nur vegan” nicht die Welt rettet, aber sie eben einen Sonderfall hervorhebt, nämlich den “Pudding-Veganer”.  Und das stellt Julia Akra-Laurien klar, dass dieser nicht unbedingt repräsentativ ist.
      Und bei “Omnivoren” gibt es ebenso die ganze Bandbreite. Auch da sind genug dabei, die sich mit Fertigpizza, Süßigkeiten und Energydrinks ernähren.

  4. “Veganer töten auch Tiere, beim Ackerbau sterben viel mehr Tiere. Und dann kommt da ja noch die Verdrängung durch den Ackerbau dazu. Das ist besonders schlimm, da die Veganer ja dauernd Tofu essen. Und dieser kommt aus Soja-Monokulturen.”
    1. Das auch beim Ackerbau Tiere umkommen stimmt erst mal. Das Monokulturen schlecht sind auch. Aber ist es dann sinnvoller Fleisch zu essen und sind die Veganer an diesen Monokulturen schuld? Nein! Denn die Tiere, die gegessen werden, fallen nicht ausgewachsen vom Himmel. Die werden aufgezogen und bekommen dabei Futter. Meistens Kraftfutter. Das enthält oft Sojaschrot. Meistens eben genau das Monokultur-Soja. Und zwar braucht man pro Kalorie Fleisch je nach Quelle etwa 7 Kalorien pflanzlichen Input. Und bei Tieren ist der Soja-Anteil ziemlich hoch.
      Während ein Veganer zwar auch ab und zu mal Soja konsumiert, aber der Teller mit viel mehr und oft lokal angebauten Sachen gefüllt ist (Getreide, Gemüse, Reis, Kartoffeln, Obst, …), ist der Sojaanteil bei vielen Nutztieren sehr hoch.
      Also von den Tieren, die dem Ackerbau zum Opfer fallen, sind ganz viele ein Opfer der “Fleischindustrie” und an verhältnismäßig wenigen sind die Veganer schuld.
  5. “25% der Landwirtschaftlichen Flächen sind Weideland und für den Ackerbau gar nicht zu gebrauchen. Und die Bewirtschaftung mit Tieren ist wichtig, da sonst Almen und Heiden nicht mehr so existieren könnten. Almen und Heiden sind auch wichtig für die Biodiversität”
    1. Die “Bewirtschaftung” ist nicht wichtig. Um diese “Landschaften” zu erhalten könnte man die Kühe, Ziegen, Schafe … auch einfach so da leben lassen. Es fordert ja kein Veganer, die Tiere ab jetzt zu verstecken.
    2. Aber gehen wir nun mal davon aus, dass Weidetierhaltung gut ist. Dann ist das noch lange keine Rechtfertigung dafür, dass man zu Weihnachten die billigste Gans kauft, die in Massentierhaltung hochgezogen und vollgestopft wurde. Das hat mit “natürlicher Weidehaltung” nichts mehr zu tun. Und Massentierhaltung ist eben die große Masse des Fleischverzehrs. Es ist ja immer erstaunlich, dass scheinbar alle nur Biofleisch kaufen und essen und natürlich nur ganz selten und natürlich immer beim Metzger nebenan, der die Kühe vom Bauern 3 Häuser weiter hat. Die spannende Frage ist, wie viele Kühe hat der Bauer 3 Häuser weiter, so dass es jeden Tag zu einer frischen Auswahl von Fleisch kommt? Und wenn alle nur da kaufen, warum gibt es dann überhaupt noch Massentierhaltung?
      Ich und wahrscheinlich ganz viele Veganer wären schon ein ganzes Stück glücklicher, wenn es wirklich so wäre, dass nur “glückliche” Tiere geschlachtet werden, die auf der Weide waren und nicht mit Sojaschrot gefüttert wurden, sondern nur mit dem Gras von vor der Haustüre. Aber das würde bedeuten, dass der Konsum von Tierprodukten massiv eingeschränkt werden müsste oder zumindest erheblich teurer würde.
  6. “Fleisch braucht weniger Energie als vegane Ernährung”
    1. Zum Beispiel stand bei Independent:

      Lettuce is ‘three times worse than bacon’ for emissions and vegetarian diets could be bad for environment

      Was zwar so stimmen mag, aber mit einer Ernährungsmischung wenig zu tun hat. Das ignorieren viele. z.B. auch Heilpraxis.net. In diesem Artikel wird behauptet, dass vegetarische Ernährung untersucht wird. Dann wird sogar richtig zum Paper verlinkt. Das spannende ist dann, dass die den Fall “vegetarisch” gar nicht untersucht haben. Eigentlich hat das Paper aber verschiedene Ernährungsformen untersucht, von denen KEINE vegetarisch oder vegan war. Dort hat zwar der eine Salat mehr Energiebedarf pro Kalorie als der Schinken, aber das Getreide für das Brot ist dafür 5 mal weniger Energieintensiv.  (Rohdaten kann man sich da kostenfrei herunterladen (docx).)

      Sogar die Forscher des Originalpapers haben eine Antwort verfasst, von der bei der Huffington Post berichtet wird.
      Bei einer entsprechende Mischung (viel Getreide etc.) kann also davon ausgegangen werden, dass die vegane Ernährung oft weniger Energie braucht.

  7. Jeder soll sich doch so ernähren wie er will, das ist doch Privatsache.
    1. Klimaerwärmung, Hungersnöte … sind dann keine Privatsache mehr, sondern betreffen alle … dazu hab ich ja schon mal einiges geschrieben als es um den Veggie-Day ging, daher bitte dazu diesen Artikel lesen.
  8. Viel wichtiger ist bio, regional, sessional, frisch
    1. Dass diese 4 Punkte gut und wichtig sind, dem kann ich zustimmen. Aber auch das lässt sich locker über eine vegane Ernährung erreichen. Daher sehe ich in diesem “Argument” keinerlei Grund, warum Veganismus schlecht sein sollte.
  9. “Vegan alleine rettet auch nicht die Welt”
    1. Stimmt, aber es ist ein kleiner Beitrag dazu. Daher ist es natürlich falsch es als die “Masterlösung” darzustellen, aber das machen wenige Veganer.
      Zusätzlich kann und sollte man sich auch Gedanken über Reduktion und Nachhaltigkeit von Flugreisen, Autofahrten, neuer Elektrogeräte, Stromverbrauch, Güterkonsum … machen. Der Nahrungskonsum ist eben nur ein Aspekt von vielen. Aber eben auch ein relevanter.
    2. Diesen kleinen Beitrag im Bereich Nahrung kann auch jeder leisten, indem der Fleischkonsum reduziert wird. Ob man absolut gar nichts mehr will ist kann ja jeder persönliche entscheiden. Aber je größer die Reduktion ist, desto besser. Und je mehr man dann noch zusätzlich die in 8. angesprochenen Aspekte beachtet, desto besser.
    3. Viele Veganer haben als Motivation “Ethik”, also insbesondere der Einstellung, dass man einem Tier, sofern möglich, kein Leid zufügen sollte. Und vielleicht retten sie dann nicht die Welt, aber sie fügen keinem Tier ein Leid zu. Also das “die Welt retten” ist oft eben nicht die (Haupt-)Motivation.
    4. Und wer den Masterplan hat, wie man die Welt retten kann, der soll ihn bitte kommunizieren. Bis dieser bekannt ist, sollten wir für jeden kleinen Beitrag einfach dankbar sein.
  10. “Alle Veganer …” (+irgend ein Vorurteil)
    1. Leider höre ich sowas auch ab und zu. Das ist natürlich quatsch. Es gibt unter den Veganern die ganze Bandbreite. Sehr wenige wollen ihren Lebensstul in die Welt hinaustragen, einige verstecken ihn, einige wollen der Umwelt damit was gutes tun, andere wollen einfach keinem Tier was zuleide tun, dann gibt es auch noch gesundheitliche Gründe (z.B. Laktoseunverträglichkeit), …. von daher zeugen solche “Argumente” einfach von Vorurteilen bzw. Uninformiertheit.
  11. Wenn alle Veganer wären, dann würden die Anbauflächen gar nicht reichen, um so viel Gemüse anzubauen.
    1. Hört man immer wieder…. und wenn man mal vorsichtig nachfragt, von was die Tiere, die ja gerne gegessen werden, sich so ernähren, wird man dann auf “Weidehaltung” (siehe Punkt 5) verwiesen. Es ist aber so, dass die meisten Tiere aus Massentierhaltung kommen (laut arte etwa 98% – wobei ich hier davon ausgehe, dass da auch ein großer Gradient von “Käfighaltung” bis hin zu “Freilandhaltung” dabei ist). Und die Tierebrauchen je nach Quelle mindestens 5-7 Kalorien pflanzliche Nahrung (Soja, Getreide), um 1 Kalorie tierische Nahrung zu produzieren (z.B. hier Kapitel 2.2 wird sogar der Faktor 10 erwähnt). Da diese in Massentierhaltung zugefüttert wird, d.h. erst irgendwo angebaut und dann verfüttert, fallen dafür auch Anbauflächen an. D.h. für jedes durch eine “Getreidespeise” (Nudeln, Reis, …) ersetzte Steak, kann man mindestens 4 weitere Personen mit der gleichen Anbaufläche versorgen, wie für das Steak verbraucht wurde.
    2. Daher ist es insgesamt sogar genau umgekehrt: Mit einer Reduktion von Fleischkonsum und dem Konsum von Tierprodukten, kann die Weltbevölkerung besser ernährt werden mit weniger Flächen-, Energie-, Wasserverbrauch. Siehe dazu auch topagrar, vegotel, vegane Gesellschaft, spon,
    3. Natürlich gibt es auch einige Luxus-Vegan-Produkte, die einen relativ hohen Flächen-, Energie- oder sonstigen Verbrauch mit sich bringen. Aber das ist nicht die Hauptmenge dessen, was Veganer konsumieren.
  12. Wenn alle plötzlich Veganer werden, was dann? Dann müsste man die Tiere alle notschlachten?
    1. Plötzlich werden alle Veganer? Schöner Traum, aber absolut unrealistisch. Es werden niemals alle gleichzeitig Veganer. Wenn in Deutschland jährlich zusätzlich 2% sich für eine vegetarische Ernährung entscheiden würden und zusätzlich 1% für eine vegane Ernährung, dann wäre das eine gigantisch große Bewegung, aber so langsam, dass nicht plötzlich alle Hühner, Kühe und Schweine notgeschlachtet werden müssten, sondern einfach ein paar weniger nachgezüchtet werden müssen.
    2. Und wenn dann irgendwann (nach ca. 25 Jahren) die meisten Menschen (90%) fleischlos ernähren und davon 30% vegan leben, dann kommt immer noch das meiste Fleisch aus Massentierhaltung, weil oben haben wir ja gelernt: 98% kommt in Deutschland aus Massentierhaltung.
  13. Diese Tiere sind doch nur dazu da, um gegessen zu werden.
    1. Steht in der Bibel, oder wo?
    2. Natürlich wurden viele Tiere als Nutztiere gezüchtet, aber diese Tiere leiden trotzdem. Und belasten die Umwelt. Von daher spricht der Fakt, dass sie dafür gezüchtet wurden nicht dafür, diese Praxis weiter zu betreiben.

Fazit: Veganer oder Vegetarier haben mir ihren Argumenten in den allermeisten Fällen recht. Das ist auch der Grund, warum ich meinen Fleisch- und Tierprodukte-Konsum reduzieren will. Wenn jemand meint, trotzdem Fleisch essen zu wollen und die Konsequenzen akzeptabel findet, dann darf er dies ja auch weiter tun. Aber den Veganern dauernd so schwachsinnige Argumente an den Kopf zu werfen wirft vor allem ein schlechtes Bild auf die “Omnis”, die in diesen Fällen einfach nur durch Inkompetenz glänzen.

03Oct

Palmöl

Gerade kommt auf ZDF eine Doku über Palmöl. Kernaussage: Selbst das angeblich nachhaltige Palmöl wird nicht besonders nachhaltig produziert:

  • Regenwaldabholzung
  • Menschen werden vertrieben
  • Schadstoffe im Palmöl (Paraquat)

Daher schreibe ich jetzt mal folgenden Brief an paar Hersteller, bei denen ich regelmäßig einkaufe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund der ZDF-Reportage am 03.10.2012 würde ich gerne von Ihnen wissen:

  1. In welchen Ihrer Produkte ist Palmöl?
  2. Inwiefern ist dieses Palmöl nachhaltig gewonnen?
  3. Haben Sie Kriterien, die über die RSPO-Kriterien hinausgehen?

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Viele Grüße

Christian Sauter

24Nov

Stuttgart 21

Obwohl ich nicht mehr in BaWü lebe, verfolge ich S21 immer noch interessiert. Immerhin habe ich in Ulm gelebt und habe auch viele Ulmer Leser, die am Sonntag abstimmen dürfen.

Ich bin offizieller Pate dieser Minute. 21:47

Und auf dieser Seite gibt es auch alle interessanten Argumente.

Insbesondere möchte ich aber noch diese beiden Interviews empfehlen:

Martin Ruoff

Prof. Dipl. Ing Karl-Dieter Bodack

Und wünsche mir nun ein JA von ganz vielen Baden-Württembergern. Noch eine kleine “Anekdote” zum Schmunzeln…

Ich fürchte schon, Kinder bekommen was von S21 mit. Wie sollen wir Ihnen nur beibringen, dass sie zu Hause NICHT den Bahnhof tiefer legen dürfen. Das wir unser schönes Parkett ganz behalten wollen. Obwohl sie schon 30€ für die Presslufthammermiete gezahlt haben ist es günstiger NICHT den Fußboden im Wohnzimmer aufzuhämmern.

Daher würde ich zu Hause wie auch in Baden-Württemberg JA stimmen für einen Ausstieg. JA zu einer vernünftigen Lösung, bei der für viel weniger Geld fast das gleiche erreicht werden kann. JA für einen schnellen Anschluss von Ulm nach Stuttgart schon in wenigen Jahren, ohne Stuttgart zu untergraben.

29Nov

Desertec-Vortrag im IIS

Letzte Woche war ein sehr spannender Vortrag (mit anschließender Podiumsdiskussion) zum Thema Desertec im Fraunhofer IIS.

Das spannendste daran fande ich die Überlegung, inwiefern man neben den technischen Problemen auch politische und menschliche Probleme damit lösen muss und kann. Bildung und Arbeit könnte in die Regionen kommen, dadurch könnte der Terrorismus verdrängt werden.

Wichtig finde ich aber, dass es kein neues Monopol wird. Wie das funktionieren soll ist mir noch nicht so ganz klar. Natürlich kann es viele kleine Kraftwerke geben, aber die verbünden sich dann doch zu einer großen Gesellschaft und verkaufen den Strom gemeinsam. Oder zumindest bleibt es beim Oligopol. Es glaubt doch keiner, dass man da einfach einen kleinen Solarpark hinstellen kann und den Strom dann nach Europa verkaufen. Ich kann mir eigentlich nur vorstellen, dass da der Staat (EU) für die Leitungen und so verantwortlich ist. Sonst wären das viel zu große Druckmittel. So ähnlich wie vor kurzem die russischen Gas-Pipelines.

Insgesamt ist das aber ein tolles Projekt.

06Sep

AKW-Laufzeitverlängerung

Der Beschluss steht. Durchschnittlich 12 Jahre längere Laufzeiten. Dafür bekommt der Staat wohl 30 Milliarden Euro, die zum Teil zur Haushaltssanierung, zum Teil für erneuerbare Energien genutzt werden.

Laut Gerüchten wirft ein AKW etwa 1 Mio Euro täglich an Gewinn für die Konzerne ab (da ja die Folgekosten vom Staat übernommen werden). Also 17*365*12*1.000.000 = 74 Milliarden Euro. Wenn man nun noch davon ausgeht, dass die Konzerne in jedes AKW 1 Milliarde Euro für Sicherheitsmaßnahmen stecken, dann bleiben immer noch weit über 20 Milliarden Gewinn für die Konzerne.

Auf deutsch: Unsere Regierung hat etwas “verkauft”, was über 50 Milliarden Euro wert ist, und bekommt dafür nur 30 Milliarden Euro. Soweit schon mal lächerlich.

ABER: Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass ein AKW explodiert, gleichzeitig wachsen die Kosten für den Atommüll, es entstehen also weitere Kosten.

Daher werde ich jetzt die 9 Zitate von Spiegel-Online mal erläutern:

  • “Die Mühe hat sich gelohnt. Uns ist ein großer Wurf gelungen.” (Brüderle) – Das wirkt sich positiv auf die Parteispenden aus.
  • “Eine Revolution im Bereich der Energieversorgung” (Merkel) – … konnte vermieden werden, es bleibt beim alten System, gezahlt werden symbolische Beiträge.
  • “Wir haben gemeinsam einen Fahrplan in das Zeitalter der erneuerbaren Energien aufgestellt.” (Röttgen) – Dagegen fahren ja die Regionalzüge der deutschen Bahn schneller 😉 … ja, ihr habt einen Fahrplan, der so ehrgeizig ist, wie wenn man einen Brief einer Schnecke auf den Rücken bindet.
  • “Der Atombeschluss der Koalition ist kein Kompromiss, sondern ein Milliarden-Geschenk für RWE, EON, EnBW und Vattenfall.” (Trittin) – und zahlen tut es langfristig der Steuerzahler.
  • “So dreist ist in Deutschland noch nie der Eindruck erweckt worden, Politik sei käuflich.” (Gabriel) – Doch, beim versuchten Verkauf der Bahn. Nur da warst Du Minister und voll beteiligt.
  • “Im Kanzleramt regiert nicht die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, sondern die Vollzugsgehilfin der Atomkonzerne.” (Roth) – Jep, recht hat sie, obwohl, die delegieren nur ans Kanzleramt. Die Merkel macht ja brav, was man ihr sagt.
  • “Die Stromlobby hat sich in entscheidenden Fragen durchgesetzt. Der Bund hat sich unter Merkel als erpressbar erwiesen.” (Lötzsch) – Erpressbar? Ich würde es eher käuflich nenne? Ist ja fast das gleiche. Ansonsten hat sie recht.
  • “Ein nachvollziehbarer, fairer Kompromiss für alle Beteiligten”(Öttinger) – Beteiligt waren CDU, FDP und die Stromkonzerne … für die war es wahrscheinlich eine gute Lösung, der Rest des Landes scheint ja egal.
  • “Das war eine Entscheidung zum Klimaschutz von geradezu epochaler Bedeutung.”(Westerwelle) – epochal war auch der Anschlag auf das World Trade Center …
26Aug

Katastrophen und erneuerbare Energien

Es ist nicht zu fassen, zig Wirtschaftswissenschaftler rechnen uns vor, dass die Klimarettung billiger ist, als die Schäden nacher zu beheben und in Koppenhagen kam sowas bei rum… und in diesem Sommer kommt gleich der Beweis. Flut in Polen, Flut in Ostdeutschland, Waldbrände in Russland mit der Angst vor Strahlenbelastung, Flut in Pakistan, Waldbrände auf der ganzen Welt, Ölkatastrophe in den USA …

Jetzt überlegen wir uns mal, dass nur das Geld, dass dieses Jahr in die verschiedenen Katastrophengebiete geflossen ist, vor einigen Jahren (seit wann fordern wir Grüne das?) in erneuerbare Energien geflossen sind.

Bevor jetzt wieder die ganzen Kommentare kommen wie: “Wenn es wärmer wird, dann sparen wir uns die Heizkosten” oder “Es gibt mehr Kältetote als Hitzetote” … ihr habt ja Recht, aber Klimawandel bedeutet nicht NUR, dass es ein paar Grad wärmer wird und der Baggersee Karibik-Flair bekommt. Nein, Klimawandel bedeutet auch, dass es mehr Hochwasser gibt (Wieviel Jahrhunderthochwasser hatten wir die letzten 20 Jahre in Deutschland?), mehr Stürme, mehr Schwankungen, mehr Chaos. Klimawandel bedeutet auch, dass ganze Landstriche unbelebbar werden (z.B. in Afrika, Tuvalu, … oder sogar in Holland) und die Leute dann neue Orte suchen müssen.

Also was ist zu tun? Es geht NICHT darum, den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern aus den Resourcen die wir haben ein LANGFRISTIGES Konzept zu stricken, mit dem auch noch unsere Kinder und Enkel leben können.

Also nehmen wir einfach mal die 20 Milliarden, die jetzt durch das Ölleck an Kosten entstehen. Hätte die BP vor 10 Jahren in erneuerbare Energien investiert, wären sie jetzt wahrscheinlich Marktführer. Oder nehmen wir die ganzen Kosten, die durch jedes Hochwasser entstehen. Hier ist natürlich das Problem, dass einer alleine das Hochwasser nicht verhindern kann. Aber da weltweit immer mehr Klimachaos auftritt, sollte man auch weltweit investieren. Wenn dadurch jedes zweite dramatische Hochwasser wegfallen würde, hätte es sich wahrscheinlich schon nach wenigen Jahren (finanziell – moralisch, ökologisch & menschlich ja sowieso) rentiert, auf 100% erneuerbare Energien umzusteigen. Ganz zu schweigen davon, dass man dann nicht mehr von den Rohstoffpreisen abhängig ist.

Wenn es nur um CO2 gehen würde, dann wäre Atomkraft vielleicht eine Alternative. (Ist nicht ganz CO2-frei, aber besser als Braunkohle). Da es uns aber auch um Sicherheit geht, sind AKWs keine Alternative. Wenn ich mich zwischen GAU und Hochwasser entscheiden müsste, würde ich das Hochwasser wählen.

06Jun

Umweltfest

Gestern war das Umweltfest … es wurde zwar organisiert von den Grünen, aber richtig erfolgreich war es erst, weil so viele Gruppen teilgenommen haben, die sich im Bereich Umweltschutz organisieren. Mit dabei waren

  • fairlangen – eine Gruppe, die aus der Elia-Gemeinde entstanden ist, aber offen für alle ist. Sie informiert vor allem zum Thema fair einkaufen in und um Erlangen . Ein ähnliches Projekt hatte die Grüne Jugend in Erlangen mal, also wieder mal ein “Beweis”, dass eine gute Kooperation unbedingt notwendig ist, um gewisse Arbeiten nicht doppelt zu machen.
  • Queerfriends – nicht direkt eine Umweltgruppe, aber trotzdem dabei
  • Bündnis 90/Die Grünen – Organisator und Partei mit einem Schwerpunkt im Bereich Umweltschutz
  • Arche Bauernhof Erlangen: Ein Verein zur Erhaltung vom aussterben bedrohter Nutztierrassen. Der Verein ist noch ganz jung und will demnächst Tieren in der Erlanger Umgebung eine Heimat geben.
  • Greenpeace Nürnberg: Die Ziele von Greenpeace sind absolut unterstützenswert, die Aktionen oft spektakulär. Leider gibt es in Erlangen keine Greenpeace-Gruppe. Vielleicht war das ja der Startschuss für eine Gründung.
  • Grüne Jugend: Die Grüne Jugend hatte als Hauptthema die Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Sie verteilten Delphine in Erdöl (Kekse in Schokolade)
  • Amnesty International: Menschenrechte und Umweltrechte passen sehr gut zusammen. So wie die Petition gezeigt hat, die dort unterschrieben werden konnte: Wenn Öl (in diesem Fall von Shell im Nigerdelta) die Umwelt verseucht, dann leiden dort auch die Menschen.
  • Solarverein / Sonne auf jedem Dach: Ein ganz klassisches Umweltthema, alternative Energiegewinnung, wurde live präsentiert durch einen Solarkocher.
  • ödp: due ÖDP hatte als Hauptthema die Gründung eines Vereins Carsharing und repräsentierte auch den folgenden Punkt
  • Volksbegehren Nichtraucherschutz: Am 04.07. ist die Abstimmung, ob es nun endlich zu einem angemessenen Nichtraucherschutz kommt
  • Unisolar: Nochmal Solarenergie. Eine Studentengruppe die alles organisiert hat, um Solarzellen für das Unidach zu kochen und das Geld dafür aufgetrieben hat.
  • Grüne Liste/Fraktion im Stadtrat: Fast alle Stadträte waren da. Sie hatten zwar keinen Stand, standen aber für spontane Gespräche zur Verfügung.
  • Uwe Kekeritz (MdB), Klaus Hiemeyer und Birgit Raab (beide Bezirkstagsfraktion) standen für viele Fragen und Gespräche zur Verfügung

All diese haben zu einem schönen Fest beigetragen. Daher vielen Dank.

Mein Wunsch wäre es jetzt, dass all diese Gruppen noch mehr zusammenarbeiten, um die richtigen Themen in der Gesellschaft voranzubringen. Die Themen sind die Richtigen, nur die Zersplitterung nimmt einiges an Effektivität.

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