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14Apr

Urheberrecht

Auf meinen Artikel von Anfang April habe ich viele Rückmeldungen bekommen und noch mal drüber nachgedacht.
Im Grunde geht es doch darum, finanzielle Vorteile beim Konsumenten bzw. finanzielle Nachteile beim Künstler durch Zahlungen auszugleichen.

Und hier gerechte Zahlungen zu ermitteln, ist die Kunst, die wir erlernen müssen.

Als erstes müssen wir auf der Konsumentenseite ganz klar unterscheiden, ob das professionell oder privat genutzt wird. Wenn es professionell genutzt wird, können wir glaube ich auf jeden Fall von einem finanziellen Vorteil ausgehen, d.h. Fernsehsender oder Kinos bei Filmen, Konzertanbieter und CD-Verkäufer bei Musik, kommerzielle Webseiten bei Photos, Veranstaltungen mit Eintritt, bzw. Veranstaltungen bei denen jemand Geld verdient (z.B. Theather, Lesungen, ….), Shops jeglicher Art bei aller Kultur, … Diskos die Musik abspielen, Einkaufszentren mit Filmbereich für Kinder (Fernseher im Schuhgeschäft mit Zeichentrickfilmen kenn ich z.B., oder im Kleiderladen) , … bei all diesen Nutzern sehe ich einen finanziellen Vorteil und finde daher, dass es hier auf jeden Fall gerechtfertigt ist, wenn Zahlungen erfolgen.

Grundsätzlich sind die Höhe der Zahlungen bilateral zu verhandeln. D.h. der Künstler und der Nutzer handeln einen Preis aus. Natürlich wären aber einheitliche Zahlungsweisen und Höhen über einen Künstlerverband mit geringem Verwaltungsaufwand schön, um den Aufwand zu verringern.

Privatkopie: Das nächste ist, wie mit privat genutzter Kultur umgegangen wird. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Konsumenten damit kein Geld verdienen, aber bisher diverse Geschäftsmodelle darauf ausgelegt sind, dass genau diese Gruppe zahlt und der Wunsch nach professioneller Kultur auch hier offensichtlich existiert. Es gibt genug Seiten mit CC-Musik, wo jeder legal und kostenlos Musik runterladen kann, aber scheinbar wollen viele Leute die professionell erstellte Musik. Wenn sie aber diese Musik wollen, müssen sie auch damit rechnen, dass “irgendwer” für die relativ komplexe Produktion zahlen muss. Noch krasser ist es bei Filmen. Avatar mit Rekord-Produktionskosten und gleichzeitigen Rekord-Umsätzen ist ein klares Zeichen, dass die Leute einerseits solche Filme wollen und andererseits auch bereit sind, dafür zu zahlen. Aber diese Umsätze wurden vor allem im Kino gemacht, trotz bereits existierenden File-Sharing-Möglichkeiten. Von daher (und ähnliche Ergebnisse gibt es auch von Wissenschaftlern) kann davon ausgegangen werden, dass diese Kopier-Möglichkeiten gar keinen so dramatischen Schaden in der “Kultur-Wirtschaft” anrichten. Agnes hat in ihrem TAZ-Artikel ja sogar behauptet, selbst bei der “Verwerter-Industrie” würde das nur als Sekundäres Problem gesehen – hinter vorgehaltener Hand. Die spannende Frage ist aber, was passieren würde, wenn es legal wäre. Im Augenblick gibt es genügend Leute, die auf das runterladen verzichten, weil es eben illegal ist. Ich vermute, dass wenn es legal wäre, dann würden zumindest die DVD- und CD-Verkäufe (noch weiter) runter gehen und die Online-Geschäftsmodelle erst recht. Andererseits gibt es zumindest im Musik-Bereich fast alles auf YouTube (und gilt dort im allgemeinen Volksglauben als legal, obwohl die Einigung mit der GEMA immer noch nicht geschafft wurde – genau so ein Fall wie oben erwähnt, Google mit seiner Plattform YouTube verdienen über Werbung Geld an jedem Video, also sehe ich es auch als “Zwang”, dass sie dafür an die Künstler was bezahlen müssen). So deckt sich die öffentliche Wahrnehmung (man kann quasi legal schon vieles anhören, die Musik-Industrie verdient trotzdem Geld) mit diversen wissenschaftlichen Studien.

Bereits heute beinhaltet das Urheberrechtsgesetz ja auch schon das Recht zur Privatkopie. Vor diesem Hintergrund wäre es überlegenswert, ob man nicht die Privatkopie, egal von welcher Quelle, grundsätzlich legalisiert. Der “Zuverfüger-Steller” darf keinerlei kommerziellen Ziele damit verfolgen. Also sobald es auf einer Web-Seite ist, auf der Werbung geschalten wird, die generell dem “Bekanntmachen” einer Marke dient o.ä. und es damit mehr oder weniger direkt um Geld geht, gilt die Seite als kommerziell.

Ob es sinnvoll ist, wenn ich privat Musik anbieten darf, darüber bin ich mir noch nicht sicher. Also quasi auf meiner privaten Webseite “Meine Lieblingslieder: mp3-1 mp3-2 u.s.w.”  … Zu diskutieren

Wichtig finde ich auch noch, dass alle Veranstaltungen, die nicht-kommerziell oder staatlich sind und im Bereich Bildung anzusiedeln sind, die Werke nutzen dürfen. Dazu gehört insbesondere, dass ein Lehrer z.B. im Musikunterricht ein Stück einspielen darf, um etwas zu erklären, oder ein Zeitungsartikel kopieren, oder … nicht dazu zählen jedoch Schulbuchverlage, die ja damit Geld verdienen. Aber dazu gehört auch ein Vortrag in einem Verein, für den der Vortragende kein Geld bekommt, … (z.B. auch Barcamps, Pecha Kucha, Nerd Nite, …

Schutzfristen: Hier würde ich in 2 Aspekte unterscheiden:

  1. kommerzielle Nutzung: Hier kann ich den Künstlern zustimmen, wenn jemand ein “einmaliges” Kunstwerk macht, z.B. Shakespeare mit Romeo und Julia, dann ist es nicht ersichtlich, warum jemand anderes damit Geld verdienen darf, ohne dem Künstler was abzugeben.
  2. Weiterverarbeitung: Oft sind Kunstwerke die Grundlage für noch “größere” Kunstwerke. Selbst bei Shakespeare war die Idee von der “verbotenen Liebe” sicherlich nicht ganz neu. Diese Entwicklung sollte nicht aufgehalten werden. Daher sehe ich hier erheblich kürzere Schutzfristen. Also sollte es einem anderen Künstler möglich sein, die Ideen eines alten Werkes zu nutzen und etwas drauf zu setzen. Sei es der Plot einer Geschichte (Romeo und Julia ist in viele modernen Geschichten eingeflossen), das Motiv eines Musikstückes, das Motiv eines Bildes. Hierbei sollte eine generelle Weiterverarbeitung sehr bald (wenige Jahre, z.B. 10 nach der Schaffung) möglich sein, OHNE die Zustimmung des Künstlers (frei), was aber nicht unbedingt bedeutet, dass es kostenfrei sein muss. Zum Beispiel könnte man sagen, dass Lizenzen (allgemein festgelegt durch die Künstlervereinigungen) an die ursprünglichen Künstler gezahlt werden müssen, je nachdem zu welchem Anteil das neue Kunstwerk aus dem alten Kunstwerk besteht. Der Anteil der Zahlungen sollte aber auch sinken, je älter das Werk wird. Die alte Geschichte, dass sich Kinder verfeindeter “Volksgruppen” ineinander verlieben, sollte jetzt auch nicht auf ewig nur in Verbindung mit Kosten genutzt werden dürfen. Daher mein Vorschlag: Nach 10 Jahren dürfen Werke gegen Lizenzzahlungen genutzt werden. Die Lizenzsätze sind am Anfang 100% des Standardsatzes und verringern sich mit jedem Jahr um einen Prozentpunkt. Die tatsächliche Lizenzhöhe hängt dann noch vom Anteil der übernommenen Kunstwerke ab. 110 Jahre nach der Schaffung des Werkes wäre dann eine Weiterentwicklung kostenfrei. Die genauen Modalitäten sollten aber die Künstler untereinander ausmachen und sind von mir nur als Beispiel gedacht.

Ein letzter Aspekt ist noch mal die Kulturflatrate: Die Frage ist ja, wie die Künstler Geld dafür bekommen sollen, wenn es plötzlich legal wäre, Kultur einfach zu kopieren. Oben war ich mir ja unsicher, ob und wie stark die Legalisierung überhaupt den Kultur-Konsum bremsen würde.

Ich bin generell ein Fan von der Kulturflatrate, wenn sie zu einem akzeptablen Preis angeboten wird, dann gerne auch verpflichtend. Das Problem ist eben, dass gerade gar nicht klar ist, wie viel Umsatzeinbrüche und Gewinnrückgänge durch so eine Kulturflatrate zu erwarten sind. Also wenn z.B. heute in einem Referenzgebiet 1000 CDs gekauft werden und nach der Einführung der Kulturflatrate und der Legalisierung des Kopierens nur noch 700, was müsste dann die Kulturflatrate ersetzen?

  • 300 * 10 € (CD-Preis)
  • 300 * 1 € (Der Anteil des Künstlers an einer CD – die Zahlen dazu schwanken)
  • Vielleicht sogar noch weniger, weil die (kostenpflichtigen) Downloads eines Portals dafür um 500 gestiegen sind, und der Künstler da jeweils 20 Cent pro Download bekommt?
  • Vielleicht doch mehr? Bisher bekommen auch die Produzenten etc. was und einige Künstler brauchen die nach wie vor.

Die Zahlen sind jetzt rein fiktiv, aber allein daran kann man schon sehen, dass eine “faire” Berechnung da gar nicht so einfach ist. Deswegen brauch man bei solchen Modellen alle an einem Tisch. Bei einer Zwangsabgabe ist auch darauf zu achten, dass sie fair ist, also jemand wie ich, der wenig Musik hört, aber evtl. ab und zu ein Film schauen würde…. Für 15€ könnte ich das heute auch schon legal, also will ich nicht, dass es viel mehr wäre. Ich könnte mir eine erweiterte “Leermittelabgabe”, wie sie bereits praktiziert wird, erweitert um den Internetanschluss vorstellen. Genaue Zahlen müssten noch durchgerechnet werden.

Alles sind nur grobe Ideen, die Details müssten gemeinsam mit den Betroffenen ausdiskutiert werden.

Verfasst am 14.04.2012 um 8:00 Uhr von mit den Stichworten , , .
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