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Politik & Verkehr » Pendlerpauschale
04Apr

Pendlerpauschale

die Regierung will mal wieder die Pendlerpauschale erhöhen. Na toll. Ich hab mir damals gedacht, die Sprit-Preise steigen bestimmt, ich ziehe 3 km entfernt von meiner Arbeit wo hin, wo ich gut mit dem Fahrrad fahren kann, aber eben auch etwas mehr Miete zahlen muss. Ich finde, ich habe mich vernünftig verhalten, aber ich bekomme keine Steuererleichterung, sondern nur die “unvernünftigen”. Wie ungerecht ist das denn?

Ich würde die Pendlerpauschale am liebsten abgeschafft sehen, aber zumindest beschränken und zwar soll als “Entfernung” nur anerkannt werden das Maximum von

  • Entfernung der Arbeitsplätze von zwei Partnern
  • Entfernung des Arbeitsplatzes von einem Eigenheim, dass erheblich vor der Arbeitsplatzwahl gekauft wurde, bzw. einer Wohnung aus der man aus anderen Gründen nur sehr schlecht ausziehen kann (z.B. Kinder gehen dort zur Schule, …)

Ich sehe es absolut ein, wenn Familie Meier zusammenleben und einer in Ulm, der andere in Stuttgart arbeitet, dass dann halt viel gefahren werden muss. Ich sehe es auch ein, wenn jemand irgendwann mal eine Immobilie gekauft hat, dass er dann nicht mehr so einfach umziehen kann. Oder selbst wenn eine Wohnung geerbt wird und man da einzieht. Aber was aus meiner Sicht gar nicht geht ist es, wenn Familie Müller beide in München-Innenstadt arbeiten und weil es “draußen” so schön und günstig ist, sie dort hinziehen und dann jeden Tag mit dem Auto durch die Gegend düsen, sich das vom Staat bezahlen lassen, während Familie Schulz beide in der Innenstadt wohnen, teurere Mieten in einer kleineren Wohnung bezahlen und die Umwelt schonen, aber dafür keinen Cent bei der Steuer anrechnen können.

Es ist meiner Meinung nach jedem selber überlassen wo er wohnt und wo er arbeitet. Aber bis auf ganz wenige Fälle (s.o.) ist die große Entfernung eher “Hobby” als notwendig. Es gibt auch zig andere Ausgaben, die irgendwie mit der Arbeit zusammenhängen, die aber nicht abgesetzt werden können. Wie schon geschrieben, die Mieten, ich behaupte mal, wenn ich irgendwo “draußen” wohnen würde, könnte ich bei einer vergleichbaren Wohnung über 200 Euro sparen. Kleidung, ein Bankangestellter braucht mehrere Anzüge. u.s.w. – der Verkehr dagegen, der eigentlich absolut unerwünscht ist, wird mit Milliarden-Beträgen über die Pendlerpauschale gefördert.

Und noch ein kleiner Randaspekt, warum die FDP das fordert: Wenn jemand richtig viel verdient, dann bekommt er de fakto heute für jeden Entfernungskilometer 12.6 Cent (42% Grenzsteuersatz *30 Cent) an Steuererleichterung. Wenn jemand nur normal verdient, dann bekommt er vielleicht 9 Cent (30%*30 Cent) und wenn jemand wenig verdient, bekommt er nur 6 Cent oder im Extremfall gar nichts. D.h. ein Familienvater, der 22.000 Euro im Jahr verdient, zahlt eh keine oder kaum Steuern, wenn der nun jeden Tag 50 km hin und herfahren muss, dann bekommt er durch die 10 Cent Erhöhung vielleicht 2 Cent mehr, wenn er Pech hat und etwas weniger verdient, dann bekommt er gar nichts. Aber jemand, der die gleiche Strecke fährt, aber richtig gut verdient, der bekommt 4,2 Cent mehr zurück. Also Ist es mal wieder reine Klientelpolitik, dass die Gutverdiener viel bekommen, aber die Leute, die es wirklich bräuchten, so gut wie gar nichts.

Insgesamt plädiere ich ja eh für ein BGE, wenn Leute verdienen, dann kann man das BGE auch als Pauschalersatz für all solche Sachen sehen. Dann gäbe es einfach nichts mehr zum Absetzen. Das wünsche ich mir: eine große Pauschale und klare Steuersätze.

Aber natürlich will ich auch nicht die Leute, die außerhalb wohnen, komplett leiden lassen: Ein guter ÖPNV mit vernünftigen Verbindungen funktioniert, wenn genug Leute ihn nutzen. Aber dafür gibt es mehrere Kriterien:

  • Vernünftiger Takt
  • Vernünftiger Preis
  • Gute Verbindungen

All das ist aber ein Teufelskreis, wenn genug Leute den ÖPNV nutzen, dann kommen die obigen Punkte wie von selbst, wenn kaum jemand den nutzt, dann klappt das mit obigen Punkten nicht.

Aus dieser Sicht ist es auch absolut sinnvoll, den Autoverkehr nicht zu sehr zu fördern, weil wenn der Preis vom Autofahren steigt, wird der vom ÖPNV im Verhälltnis billiger. Wenn die Straßen nicht übermäßig ausgebaut werden und immer mehr Staus sind, dann wird der ÖPNV im Verhältnis schneller. Und wenn viele Leute ‘entsprechende’ Verbindungen wollen, dann wird es die auch geben.

Verfasst am 04.04.2012 um 21:32 Uhr von mit den Stichworten , , .
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