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Medien & Politik » Urheberrecht
04Apr

Urheberrecht

Gerade kochen die Diskussionen hoch. Nach Sven Regener haben sich nun auch noch 51 Tatort-Autoren und der CCC gemeldet. Eine generell schöne Übersicht gibt es in der Linksammlung Urheberrecht. Und jetzt komm ich auch noch:

Die Tatort-Autoren haben eigentlich das Grundproblem schon schön von uns abgeschrieben, das ich jetzt noch mal selber in eigenen Worten formuliere: “Die Nutzer wollen die Kultur möglichst einfach und kostengünstig nutzen, während die Künstler von Ihren Werken leben wollen.” Beides müssen wir berücksichtigen und abwägen.

Wir leben zur Zeit in einer Situation, in der digitale Kultur technisch sehr einfach kopiert werden kann. Es ist nicht nur theoretisch einigen Hackern möglich, sondern eben auch der großen Mehrheit der Leute, die im Internet aktiv sind. “Link rechts-klicken – speichern unter – Musikordner auswählen – fertig” kann man einem heutigen Jugendlichen ganz einfach beibringen. Noch einfacher geht es auf Video-Plattformen, “Bandname eingeben, play drücken”. Das ist einfach mal die Realität. Vor 15 Jahren waren es noch die CDs, die heimlich auf dem Schulhof ausgetauscht und dann zu Hause kopiert wurden, z.T. schon mit 10 Stunden Musik im MP3-Format. In der Uni gab es dann Gerüchte von Servern in den Wohnheimen, auf die jeder Musik hochladen und insbesondere auch von dort runterladen konnte. Heute ist das im “offenen” Internet möglich.

Wir haben jetzt, vor diese Realität gestellt, quasi 2 Möglichkeiten.

  1. Wir nutzen die Macht des Staates und des Gesetzes aus, um es zurückzudrängen. Gefängnis, drastische Geld- Strafen, … oder eben auch die Freiheit der Urheber bzw. der Content-Industrie, saftige Abmahnungen zu verschicken.
  2. Wir akzeptieren die Entwicklung und wir finden eine Lösung, die diese Realität akzeptiert und dabei trotzdem die Urheber entsprechend mit einbezieht.

Ich bin ganz klar für Version 2. Da stehe ich 100% dahinter. Wie genau diese Lösung aussieht, da habe ich sehr konkrete Ideen, bin aber gerne bereit, mich von den Urhebern, den Netz-Experten (CCC & Co), und anderen von besseren Lösungen überzeugen zu lassen.

Die viel diskutierte Senkung der Schutzfristen halte ich auch für keine Lösung, es muss viel mehr geklärt werden, wer was darf. Z.B. was genau ist eine “Privatkopie” (die je nach Kommentar angeblich heute schon in der einen oder anderen Form legal ist). Was ist mit Bildungs-Sachen. Darf eine Schul-AG einen Tatort als Theatherstück aufführen, ohne dafür zahlen zu müssen, oder müssen sie davor 5000 € an die Drehbuchautoren zahlen. Was ist mit ehrenamtlichen Veranstaltungen. Wenn bei einem Poetry-Slam mittendrin eine Göthe oder ein Satz von Günther Krass eingebaut wird, steht dann gleich die VG-Wort bei dem Hobby-Künstler, oder darf er das? Wie ist es mit den Einnahmen bei ehrenamtlichen Projekten? Also wenn die Schul-AG 2 Euro Eintritt nimmt, aber keiner der Schüler einen Cent davon bekommt, sondern das Geld für Requisiten ausgegeben wird, damit der Eigenanteil nicht zu hoch wird?

Etwas anderes ist die kommerzielle Verwertung. Da bin ich ganz klar der Meinung, egal ob Kino, E-Shop, …. sobald die mit der Kultur was verdienen, sollen sie auch den Urhebern etwas zahlen. Im Fernsehn zahlen wir einerseits GEZ-Gebühr und andererseits erleiden wir brav die “Produktinformationen”, damit die Fernsehsender dann den Künstlern etwas zahlen können. Wir zahlen für Konzertkarten und für DVDs, den Kinoeintritt und im Buchladen.

Wir “Konsumenten” der Kunst zahlen an so vielen Stellen, aber wenn wir mal an eine digitale Kopie eines Werkes kommen, sei es, weil der Kumpel sie auf der Festplatte mitgebracht hat oder wir im Internet rumgesurft sind, wollen wir NICHT gleich 5 Jahre ins Gefängnis.

Das findet ihr Gerecht? Ich nicht. Wie gesagt, es geht darum, dass wir “normalen” Nutzer damit keinen Cent verdienen. Etwas anderes wäre es, wenn ich jetzt ein Lied auf meiner Webseite laufen lassen würde, auf der ich Geld verdiene. Oder Photos nutze.

Natürlich ist uns Nutzern allen klar, dass die Produktion Geld kostet. Trotz allem “lieben” wir doch alle die großen Hollywood-Filme (sagen zumindest die Statistiken) oder die Top-Songs der Charts, sonst würden sie dort nicht stehen. Wenn wir solche “professionelle” Kultur wollen, ist auch klar, dass wir die Künstler (und deren Unterstützer) dafür bezahlen müssen. Im Grunde eine Sache von Angebot und Nachfrage.

Die spannende Frage ist aber doch, wie das organisiert ist. Für was genau muss man wie viel zahlen? Bei Napstar bekommt der Künstler für jeden gehörten Song Milli-Cent-Beträge. Das ist legal. Ist das wirklich die Lösung? Ich fürchte, da verdienen zig Zwischenstellen mehr als die Künstler selber.

Und genau zu diesen Fragen will ich eine Lösung finden. Dazu muss man das Netz kennen, man muss die Strukturen der verschiedenen Kunst-Arten kennen, man muss Zahlen haben, …. deswegen müssen alle an einen Tisch. Da bringt es nichts, wenn wir uns gegenseitig beschimpfen. Weder die “Lebenslügen” der Tatortautoren, noch die “Wände” des CCC, … (und bestimmt gibt es auch Äußerungen von mir, die man hier mit aufzählen könnte) sind konstruktiv und hilfreich.

Jetzt haben wir uns alle mal eine Runde ausgekotztsprochen, jetzt sollten wir einmal tief Durchatmen und dann miteinander reden.

Verfasst am 04.04.2012 um 23:48 Uhr von mit den Stichworten , , .
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