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Bürgerrechte & Politik » Banner bei EM-Spiel – Politik und Sport?
14Jun

Banner bei EM-Spiel – Politik und Sport?

Stadionplakat_540Rebecca Harms und Werner Schulz haben bei der EM ein Banner hochgehoben für mehr Demokratie, genauer, während der Hymne. (T-News)

Daraufhin kamen Kommentare unter dem Onlineartikel a la “Was hat Politik mit Sport zu tun?”

Das möchte ich hier erklären: Es gibt in unserer Wertegemeinschaft ein paar Grundregeln, die gehen über alles, ganz oben natürlich die körperliche Unversehrtheit und die Würde des Menschen, aber kurz dahinter, oder sogar dazugehörend, dass die Freiheit nur bei besonders schweren Vergehen genommen werden darf. Und in unserem Werteverständnis gehört eine andere politische Meinung NICHT zu einem besonders schweren Vergehen.

Also, wenn so eine Verletzung des Menschenrechts auf Freiheit passiert, dann muss man da was gegen machen. Dann hat das eigentlich Vorrang, vor allem. Vor Sport, vor Musik, vor … Daher begrüße ich alle Aktionen in die Richtung. Vor wenigen Wochen hat Anke Engelke, live on TV, Millionen Zuschauer, Punktevergabe des ESC, das absolut coole Statement gebracht:

“It’s good to be able to vote and to have a choice. Good luck on your journey, Azerbaijan. Europe is watching you”

Dafür noch mal ein “Danke Anke”

Gestern haben die beiden Politiker ähnliches versucht. Leider wurde das “nur” kurz erwähnt und nicht gezeigt. Immerhin. So eine kurze Botschaft tut niemandem weh, sie stört nicht mal beim Fußballschauen (war ja während der Hymne), aber sie übt einen gewissen (zwar nur kleinen) Druck auf dieses politische System aus. Damit entspricht es genau den Werten, die der Sport eigentlich dauernd und durch Banner vor jedem Spiel “predigt”: Fairplay, Respect, Miteinander. Diese Werte will der Sport vertreten, dann darf er aber nicht ignorieren, wenn sie verletzt werden. Beim Thema Rassismus hat der Sport das erkannt; das vor den Spielen (bei der WM?) verlesene Statement war ein guter Anfang, die eigenen Werte zu vertreten. Aber es gibt noch viel mehr Bereiche, eben auch politische Gefangene, die diesen sportlichen Werten widersprechen.

Dann zum nächsten Kommentar, den ich noch erschreckender fand:

Die haben kein Respekt mehr vor der Nationalhymne.

Sag mal, geht es noch? Man kann darüber streiten, ob es toll ist, nationale Symbole zu tragen und “stolz” auf ein Land zu sein. Aber wenn wir mal annehmen, dass man tatsächlich stolz auf Deutschland sein kann und soll, auf was genau wären wir dann stolz? Das erste was mir dazu einfällt ist, dass wir inzwischen 2 absolut sch…-Systeme überwunden haben, die Nazis und die Stasi, und eine tolle Demokratie entstanden ist. Eine Demokratie mit Meinungsfreiheit, Minderheitenschutz und Menschenrechten. Klar, nicht alles ist 100% optimal, aber ich finde es hier in Deutschland doch schon recht toll. Das würde ich mit einem “Stolz auf Deutschland” verbinden, oder? (Dazu was ich zum Stolz sein generell denke, die nächsten Tage noch mehr, aber jetzt nehme ich einfach mal an, dass wir stolz auf Deutschland sein sollten)

Wie verlogen ist es dann zu sagen, während der Nationalhymne darf man nicht genau für diese Werte kämpfen oder ein Banner zu zeigen? Was ist wichtiger? Den Stolz auf Deutschland zu zeigen, oder die Werte, auf die wir stolz sein können, offensiv zu vertreten?

Rebecca, Werner, in meinen Augen habt ihr gestern mehr gezeigt, wie stolz ihr auf unsere deutschen (und europäischen und in vielen Ländern gelebten) Werte seid, als all die Leute, die in schwarz-rot-gold ganz laut “einigkeit und RECHT und FREIHEIT” gröhlen aber sich darum nicht scheren. Ihr habt für RECHT und FREIHEIT gekämpft und diese Werte vertreten, deswegen bin ich Euch dankbar. Ihr habt Deutschland gut vertreten.

DANKE!

Plakat Deutschland Niederlande Rebecca Harms Werner Schulz dpa 2012

Verfasst am 14.06.2012 um 23:22 Uhr von mit den Stichworten , .
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