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07Nov

US-Wahl

Herzlichen Glückwunsch an Obama. Er ist sicherlich der Präsident, der mir besser gefällt.

Allerdings schreibe ich das hier eher, um auch etwas Verwunderung auszudrücken:

  1. Mich ärgert es jedesmal bei der Bundestagswahl (und Landtagswahlen), dass nach etwa einer Stunde das Programm weitergeht wie “normal”. Klar, die deutschen Nachwahlbefragungen (Exit-Polls) und die Hochrechnungen sind ziemlich genau, so dass meistens schon um 18:05 mehr oder weniger genau absehbar ist, welche Konstellationen möglich sind, und sich das bis 19:00 Uhr noch mal erheblich festigt. Aber es gab schon genug Wahlen, bei denen es auf den letzten Sitz ankam.
    Bei der US-Wahl dagegen hab ich auf mehreren Sendern Werbung für die “lange US-Wahl-Nacht” vernommen (ARD, ZDF, RTL). Ist das mein subjektiver Eindruck, oder gibt es das bei deutschen Wahlen so nicht?
  2. Heute morgen mehrfach im Radio gehört: “Der alles entscheidende Swing-State Ohio”. Ohio hat 18 Wahlmänner, Obama nach dem letzten Stand etwa 300 hinter sich und braucht 270  (Romney 200; 40 werden noch ausgezählt). Also hätte Obama den Staat Ohio gar nicht gebraucht. Das interessante ist nur, dass Ohio scheinbar so repräsentativ ist, dass es fast immer genau so wählt, wie das gesamte Amerika, und nicht immer die einen oder immer die anderen. Ich glaube in den seltensten Fällen waren die 18 Wahlleute wirklich entscheidend. Daher halte ich es auch für nicht sinnvoll, den Wahlkampf genau dort zu konzentrieren. Eine Stichprobe die (häufig) repräsentativ ist zu manipulieren bedeutet nicht, die Gesamtmenge zu manipulieren.
  3. Wo wir schon beim Wahlkampf sind, die Ausgaben dort, finde ich einfach nur erschreckend. 6 Milliarden Dollar. Deutschland ist etwa 1/4 kleiner (Einwohneranzahl), dann sind es 1,5 Milliarden. Erlangen macht etwa 1/300 des Bundestages aus. D.h. in Erlangen würden etwa 5 Millionen Euro in den Wahlkampf gesteckt.  Die Erlanger Grünen würden jubeln, wenn sie 1% davon zur Verfügung hätten.
    Natürlich geht auch in Deutschland ein großer Batzen des Wahlkampfes über Landes- und Bundesverbände. Aber soweit ich weiß, stehen die Grünen Zahlen im Internet.
    Nachtrag: Laut Beschluss “Finanzantrag” von der LDK in Rosenheim rechnen die Grünen in Bayern mit einem Wahlkampfetat von unter 700.000 € – klar, auch das ist nur eines von 16 Bundesländern, aber eines der größten,
    also meine Hochrechnung: 4 Mio Bundesverband + 7 Mio Landesverbände + 5 Mio Kreisverbände = 16 Mio
    Wenn wir mal annehmen, dass die Parteien etwa den Anteil ihrer Prozente bei der letzen Wahl ausgeben können, dann sind wir in Deutschland bei 160 Mio Euro. … Also geht in den USA mehr als 10 mal mehr pro Einwohner raus als hier.
    Oder anders gerechnet: USA: 20$ pro Einwohner, Deutschland 2€ pro Einwohner.
    (wobei meine Zahlen (bis auf die Zahlen des Bundesverbandes und des Landesverbandes Bayern jeweils der Grünen) nur grob geschätzt sind)
    Nachtrag zum Nachtrag: Das ich etwas hoch geschätzt habe, habe ich schon vermutet, aber gerade habe ich folgendes bei Statista gefunden:
    “Die SPD hatte im Wahlkampf im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 mit etwa 27 Millionen Euro die höchsten Wahlkampfausgaben. Dahinter lagen CDU mit rund 20 Millionen und die Linke mit circa 5,5 Millionen Euro” … also Deutschland liegt noch mal erheblich niedriger, oder waren das nur die jeweiligen Bundesverbände? Ich vermute es waren “nur” die Bundesverbände, da wir Grünen wohl diesmal Bundesweit (alle KVs, LVs und BV zusammen) schon ein ganzes Stück über den 5,5 Mio liegen werden.
Verfasst am 07.11.2012 um 8:20 Uhr von .
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