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Politik » Urwahl und Frauenquote
12Nov

Urwahl und Frauenquote

Bei der Urwahl gab es 4 große Favouriten (und 11 interessante Newcommer – alles Männer).

Claudia (26%), Renate (39%), Katrin (47%) und Jürgen (72%)

Jeder konnte bis zu 2 Stimmen vergeben, d.h. die Summe der Stimmen kann maximal 200% sein. (Diese 4 haben zusammen 184%, die anderen zusammen 8,6% und 7,4% der Wähler haben dann wohl nur eine(n) gewählt.)

Ich gehe davon aus, dass dies alle 4 Top-Kandidaten sind. Jeder hat seine eigene Vorzüge und Ecken, aber im Grunde sind alles interessante Kandidaten. Also, was hätte man dann für eine Verteilung vermutet? 45% für jeden der 4 Favouriten (+/- paar % natürlich). Aber es fällt auf, dass der Mann mit Abstand die meisten Stimmen hat. Die Frauen haben insgesamt nur knapp mehr als die Pflichtstimmen. Jeder, der 2 Stimmen abgeben wollte (und das haben offensichtlich über 92% der Wähler), musste eine Frau wählen. Aber die 3 Frauen haben nur 20%-Punkte mehr geholt. Das heißt, nur 20% der Wähler (oder noch weniger, man weiß ja nicht, ob die Leute mit nur einer Stimme nicht nur eine Frau gewählt haben) fanden 2 Frauen besser als Jürgen Tritin oder sonst einen Mann. Das kann jetzt statistischer Zufall sein, das kann daran liegen, dass Jürgen tatsächlich so WOW ist und die 3 Frauen doch nicht so toll und nur ich (und 28% der restlichen Wähler) das nicht erkennen. Kann sein. Ich glaub nicht dran.

Ich glaube, die Quote ist so tief in uns drin, dass wir mehr nach Geschlecht entscheiden als andere. 1 Mann, 1 Frau. Geschlecht vor Kompetenz. Wenn 2 gute Frauen da sind, wählen wir trotzdem einen Mann. Wenn 2 gute Männer da sind, wählen wir trotzdem eine Frau. Der zweite Fall ist ja tatsächlich gewollt, um die Männerdominanz aufzubrechen. Dies kann man diskutieren, oder akzeptieren. Gut oder schlecht finden. Das ist halt so. Aber der erste Fall ist traurig. Wenn wir 2 gute Frauen haben, dann will ich auch, dass 2 gute Frauen gewählt werden. Dann muss die Quote raus aus unseren Köpfen. Ist doch egal ob Mann oder Frau, hauptsache gut. Und wenn das dann wirklich mal raus ist, aus den Köpfen, dass das Geschlecht irgendeine Rolle spielen sollte, dann sollten wir auch die Quote ganz schnell wieder abschaffen. Denn ich finde auch den o.g. zweiten Fall traurig, aber teilweise notwendig.

Aber, bewegen wir uns mit der Quote tatsächlich auf dieses Ziel zu, oder trennen wir damit die Geschlechter noch mehr als früher? Da es de facto ganz oft eine 50:50-Quote ist, trennen wir doch die Geschlechter in 2 Lager. Wollen wir das?

Diese Frage werfe ich mal in den Raum und freue mich über eine Diskussion.

Ja, ich zweifele mit diesem Post die Frauenquote an, ja, ich weiß, dass ich da mit einigen heftigen Reaktionen rechnen darf. Aber ich tue es NICHT aus der Motivation heraus, dass “wir armen Männer unterdrückt werden” (solche Diskussionsansätze sind nicht selten), sondern ich sehe den Sinn der Frauenquote, die Ziele unterstütze ich, aber ich Zweifel an, ob sie das richtige Instrument ist, insbesondere mit solchen “psychologischen Nebeneffekten”, wie wir sie jetzt bei der Urwahl gesehen haben, dass die Frauen (bei entsprechender Kandidatenlage) weit weniger Stimmen bekommen, als rein statistisch zu erwarten wäre.

Oder noch mal anders gefragt: Schadet die Frauenquote (bei entsprechender Kandidatenlage, wie z.B. der Urwahl) den Frauen, weil sie eben auch selten (signifikant) mehr als 50% der Stimmen bekommen?

Verfasst am 12.11.2012 um 21:25 Uhr von .
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