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Familie & Politik » Gleichberechtigung – Quote – Frauenförderung
17Apr

Gleichberechtigung – Quote – Frauenförderung

Ich denke, im Ziel sind sich fast alle (zumindest innerhalb der Grünen, aber auch große Mehrheiten in allen anderen Parteien und in der Gesellschaft einig):

Es soll Gleichberechtigung geben. Die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts muss minimiert werden.

Über die Methoden gibt es keine Einigkeit:

  • Quote
  • Flexiquote
  • Es kommt von selber
  • Individuelle Förderung …

Um mal etwas Struktur in die Sache reinzubringen, will ich mal 3 Entwicklungs-Stufen in die Diskussion bringen:

  1. Es wird immer selbstverständlicher, dass Frauen und Männer die gleichen Aufgaben übernehmen.
  2. Die Strukturen/Methoden/… des früher selteneren Geschlechts werden in alle Bereiche übernommen.
  3. Post-Gender-Phase: Keiner interessiert sich mehr dafür, ob es eine Frau oder ein Mann ist.

Zu den Phasen:

  1. Dies ist die Phase, in der wir noch stecken. Es wird zwar immer normaler, dass beide Geschlechter alle Berufe ergreifen, es ist aber immer noch Realität, dass es Berufe und Poositionen gibt, die von Männern dominiert werden und welche, die von Frauen dominiert werden. Und die Tendenz ist auch noch ganz klar so, dass die besser bezahlten, ‘mächtigen’ Jobs eher von Männern besetzt werden. Für diese Phase ist die Quote ein durchaus brauchbares Instrument: Um die Dominanz zu brechen, ist eine Quote durchaus sinnvoll. Es muss einfach aufhören, dass “Physiker” mit Männern assoziiert wird und “Kindergärtnerin” mit Frauen.
    Zu diesem Bereich würde ich aber auch solche Sachen zählen, wie Kinderbetreuung … zu überlegen wäre auch, ob man Vätern nicht auch einen “Urlaub” vor der Geburt gibt. Erstens gibt es da zu Hause verdammt viel zu tun und zweitens würde dann das blöde Argument “die Frau kann ja Kinder bekommen” abgeschwächt werden. (Oder irgendeine andere Maßnahme, um dieses Argument abzuschwächen, dem Unternehmen in dieser Zeit einen angemessenen Ausgleich zahlen, etc.)
    Also in dieser Phase ist noch viel zu tun.
  2. Diese Phase ist sicherlich die Phase, über die man am meisten diskutieren kann: Gibt es überhaupt männliche und weibliche”Muster”  (Muster steht stellvertretend für Strukturen/Methoden/Diskussionsmuster/…)? Natürlich gibt es keine Muster, die 100% auf das eine Geschlecht und/oder 0% auf das andere Geschlecht passen. Aber auch hier gibt es wieder klare Tendenzen. Und egal wie ähnlich oder unterschiedlich die Muster sind, will ich auch keine bewerten oder als besser oder als schlechter darstellen. Sie sind einfach unterschiedlich und zusammen sind sie vielleicht optimal…
    Aber worum es mir geht. Wenn wir jetzt mal annehmen, dass es weibliche Muster und männliche Muster gibt, dann müssen die jeweils unterrepräsentierten Muster auch in die Berufe Einzug finden. Zum Teil passiert das automatisch, wenn das entsprechende Geschlecht dort stärker vertreten ist, aber dieser Wandel wird langsamer gehen, weil die Frauen, die ehemalige Männerberufe ergreifen, haben doch auch häufig eher männliche Muster, während die Männer, die klassische Frauenberufe ergreifen, eventuell auch eher die weiblichen Muster haben. Darüber hinaus ändern sich Vorgänge in Einrichtungen oft sehr langsam, weil sie quasi dort gelehrt werden.
    Daher ist es sinnvoll, diese Muster immer auch aktiv zu identifizieren und zu überlegen, ob andere Muster sinnvoll wären.
    Ein Beispiel: Für die Bewerbung für die Bundestagsliste muss sich jemand bei uns Grünen vor über 200 Leuten mit einer Rede bewerben. Oft besonders gut kommt so eine Rede an, wenn sie angriffslustige Elemente beinhaltet, dann noch bisschen rhetorisch gut verpackter Eigenlob …   Meine Erfahrung ist, dass Männer tendenziell eher solche Reden mögen. Natürlich, auch die Frauen auf den vorderen Listenplätzen können solche Reden perfekt halten und viele Männer können es auch nicht. Aber mein Gefühl ist, dass Männern solche Vorträge eher liegen. Und da ich eine Vortrags-Veranstaltungsreihe miotorganisiere, ist es nicht nur ein Gefühl, sondern einfach auch Erfahrung: Von den Referenten ist der Anteil der Frauen nur etwa bei 1/3 oder sogar noch etwas weniger.
    Also die spannende Frage ist, haben Frauen andere Muster und müssen wir diese durchbrechen, weil sonst, ohne Quote, ganz schnell wieder Berufe/Positionen entstehen, die von einem Geschlecht dominiert werden?
  3. Die Phase 3 ist die Post-Gender Phase. Diese wurde ja bereits von einer Partei (mit gefühltem Männeranteil >80%) ausgerufen. Grundsätzlich ist dies tatsächlich das Ziel, aber dafür müssen Voraussetzungen geschaffen werden. Es muss sicher gestellt werden, dass es praktisch möglich ist, bei allen “Befindlichkeiten” die die Gesellschaft und die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft haben. Und diese Voraussetzungen sind noch nicht da. Wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, dann brauchen wir keine Quote mehr. Wenn diese Voraussetzungen geschaffen wurden, dann interessiert es niemanden mehr (im beruflichen Umfeld) ob jemand Mann oder Frau ist.

Natürlich haben die Phasen auch Überschneidungen, aber dass eine Phase wirken kann, muss die vorige Phase zumindest schon relevante Fortschritte gemacht haben. Mit der Phase 1 sind wir bei den Grünen sehr weit, in der Gesellschaft geht es auch immer weiter voran, also auch wenn es in Phase 1 noch viel zu tun gibt, können wir uns langsam der Phase 2 zuwenden und dort anfangen zu arbeiten.

Verfasst am 17.04.2013 um 23:44 Uhr von mit den Stichworten , .
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