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Gesundheit & Klima & Politik » Veggie-Day Pflicht?
05Aug

Veggie-Day Pflicht?

Die Grüne Spitze hat sich angeblich für einen “verpflichtenden” Veggie-Day ausgesprochen. Stimmt zwar nicht, siehe z.B. hier, aber trotzdem dazu mal paar Gedanken von mir.

Grundsätzlich richte ich gerne mein politisches Handeln nach dem Artikel 2 Satz 1 aus dem Grundgesetz:

Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Bezogen auf den Fleischkonsum heißt das erst mal, jeder darf so viel Fleisch essen, wie er will. Jetzt ist nur noch zu prüfen, ob er damit gegen die Rechte anderer verstößt bzw. gegen die guten Sitten. Und da kommen wir in eine ganz verzwickte Situation. Es gibt nämlich zig Nachteile, die Fleischkonsum mit sich bringt, die sich u.a. in folgende Kategorien einteilen lassen:

  • Tiere müssen leiden
  • Klimawandel (inklusive Überschwemmungen und Hungerkatastrophen)
  • Gesundheitlich (und daraus resultierende Kosten für die Allgemeinheit)
  • Lebensmittelknappheit

Also, oben habe ich ja ganz klar gesagt, erstmal darf jeder Fleisch essen. Aber er muss dann darauf achten, dass er nicht die Rechte von anderen verletzt oder gegen die “guten Sitten” verstößt.

Beim Tierschutz würde ich maximal die guten Sitten in Gefahr sehen, aber da Massentierhaltung leider auch anerkannt ist, ist das nicht der Hauptargumentationspunkt.

Dass Tiere viele “Klimagase” ausstoßen ist ja weithin bekannt. Der Klimawandel ist allgegenwärtig. Es sind erst vor wenigen Wochen ganze Häuser weggespült worden, in Afrika sind regelmäßig ganze Regionen trocken, wo früher einigermaßen gut Landwirtschaft betrieben werden konnte, … dies sind zwar keine direkten Folgen, sondern nur indirekte, aber die Rechte vieler Menschen sind betroffen – und zwar massiv.

Gesundheitliche Folgen sind auch so ein indirektes Problem: Adipositas ist eine Krankheit (wenn nicht DIE Krankheit), die immer mehr als Ursache für zig andere Sachen zu sehen ist. Angefangen von Gelenkschmerzen bis hin zu Herz-Kreislauf-Problemen. Primär auch ein “persönliches” Problem, aber bei der Finanzierung dann auch wieder ein gesellschaftliches Problem. Und die Ernährung insgesamt trägt dazu bei.

Die weltweiten Hungerprobleme liegen auch daran, dass eben Zuchtbetriebe alles Getreide aufkaufen und dann ein armer Mensch sich nicht einmal mehr die Schüssel Reis am Tag leisten kann, unter anderem auch weil der Reis gar nicht mehr angepflanzt wird, weil für die Tiere irgendeine Mais oder Soja-Sorte effizienter ist.

Daher kann insgesamt festgestellt werden, dass es eben nicht nur die persönliche Entscheidung des einzelnen ist, ob er Fleisch ist, sondern dass durch die (massenhafte) Entscheidung von zig-Millionen Menschen in den Industrienationen, zu jeder Mahlzeit Fleisch essen zu wollen, eben auch viele andere Menschen betroffen sind. Sei es, dass einige gar nichts mehr zu essen haben, dass Mehrkosten entstehen (Krankheitskosten, Flutopferhilfe, …).

Trotzdem, obwohl die Rechte anderer indirekt massiv betroffen sind, ist aber die spannende Frage, ob so etwas hingenommen werden kann. Also ist es gerechtfertigt, den Fleischkonsum einzuschränken?

Hier wird es spannend, wenn wir uns andere Lebensbereiche anschauen, für die man ähnlich argumentieren kann:

  • Autoverkehr (Klimawandel, Feinstaub, Unfallrisiko)
  • Gartenpartys (Lärm, Grillrauch, …)
  • Rauchen in Kneipen
  • Alkoholtrinken vor Autofahrten
  • Joggen durchs Naturschutzgebiet
  • Müll abladen am örtlichen Waldweg

Und ganz schnell kommt man zu dem Schluß, dass auf der anderen Seite der Nutzen abgewogen werden muss. Zum Glück sind einige der obigen Punkte verboten, weil der Schaden erheblich größer ist als der Nutzen. Zum Glück darf man nicht einfach alles machen, weil andere dann viel stärker leiden müssten. Andere Sachen haben einen so immensen Nutzen, die kann man einfach nicht verbieten.

Daher mal die Nutzen des Fleischkonsums:

  • Geschmack (subjektiv)
  • Gesundheit (einige der Stoffe lassen sich tatsächlich besser aus Fleisch gewinnen, obwohl es aus pflanzlichen Quellen auch möglich ist)

Und jetzt kommen wir an eine ganz komplizierte ethische Frage. Rechtfertigt der Geschmack und die Bequemlichkeit “einfach” an die Nährstoffe zu kommen, die o.g. Nachteile und die (indirekten) Schäden in Kauf zu nehmen? Wenn ich jetzt auf einer abstrakten Wolke fernab der Realität sitzen würde, würde ich ganz klar “NEIN” sagen. Dafür, dass mir das Essen etwas besser schmeckt, darf ich nichts machen, was andere teuer zu stehen kommt, und erst recht nicht riskieren, dass zig Leute am Hunger sterben.

Aber wir leben nicht auf der Wolke fern der Realität, sondern unsere Realität beinhaltet eben auch unsere Kultur, in der Fleischkonsum “Standard” ist. Daher ist die Frage nicht so leicht zu beantworten. Aber man kann prüfen, ob es machbar ist, dass die Nachteile minimiert werden und dabei so viele Vorteile wie möglich erhalten bleiben. Und diese Variante gibt es tatsächlich. Denn für die Gesundheit ist es NICHT wichtig, dass jeden Tag zu jeder Mahlzeit hauptsächlich Fleisch gegessen wird. Kleine Fleischportionen sind absolut ausreichend. Der berühmte Sonntagsbraten zum Beispiel. Über den Geschmack lässt sich streiten (oder auch nicht), aber ich habe bisher von ganz wenigen, die gerne Fleischessen gehört, dass sie unbedingt Fleisch essen müssen. Ganz im Gegenteil, wenn es in unserer Kantine ein tolles, vegetarisches Essen gibt, dann essen oft sehr viele Kollegen vegetarisch. Also warum das nicht “vereinen”. Jeder darf Fleisch essen, aber es wird ganz stark empfohlen, dass der Konsum reduziert wird. Da können Kantinen durchaus mithelfen, indem sie nicht irgendwelche fettigen Gemüseburger oder Tofu-Würstchen (die fast niemand mag) als Veggie-Gericht anbieten, sondern eben eine leckere Reis-Gemüse-Pfanne, statt Nudeln mit Schinken-Sahne-Soße einfach als Alternative eine Tomatensoße, … oder es muss ja nicht mal eine 100%-Reduktion sein. Nudeln mit Schinkensoße sind sicherlich nicht so dramatisch wie ein Gericht, das 100% aus Fleisch besteht.

Es gibt so viele tollen vegetarischen und auch fleischarmen Gerichte, die wahrscheinlich den Fleischkonsum in Kantinen “automatisch” erheblich reduzieren würden, ohne eine staatliche Vorgabe. Warum nicht einfach darauf drängen, dass so etwas angeboten wird? Wenn es kein Zwang ist, sondern ein akzeptables Angebot, ist auch die Reaktion viel positiver. Einem “Zwangessen” ist man erst mal abgeneigt, einem Angebot gegenüber ist man eher positiv eingestellt.

Wenn dann Fleisch auch noch mit der vollen Mehrwertsteuer belegt wird, dann gibt es auch noch finanzielle Anreize doch auf das vegetarische Gericht “umzuschwenken”.

Von daher bewerte ich den Vorschlag von Frau Künast als inhaltlich in die richtige Richtung, der Fleischkonsum soll reduziert werden, aber im Detail noch nicht ganz ausgegoren, weil durch einen Zwang-Veggie-Tag (auch wenn nicht per Gesetz verordnet) macht man wahrscheinlich niemanden glücklich, sondern ruft nur Vorurteile gegenüber dem Missionierungswahn der Grünen/Vegetarier hervor.

Fazit: Angebote schaffen, evtl. Fleisch verteuern, aber keine Zwänge (Pflicht/Verbote) einführen.

Verfasst am 05.08.2013 um 22:38 Uhr von mit den Stichworten , .
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  1. […] mehr, sondern betreffen alle … dazu hab ich ja schon mal einiges geschrieben als es um den Veggie-Day ging, daher bitte dazu diesen Artikel […]

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