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Finanzen & Politik & Soziales » Kulturförderung
15Mar

Kulturförderung

Aus aktuellem Anlass veröffentliche ich hier mal anonymisiert eine alte Mail mit Gedanken von mir zum Thema “Kulturförderung”. Dies war als Input für eine gemeinsame Diskussion gedacht, hat also paar Ideen, aber noch keine fertigen Lösungen.

 

Hallo ****,

ich bin wie gesagt leider am 6.6. nicht bei der BezVS, trotzdem hier
schon mal ein paar Gedanken zum Thema Kultur, die vielleicht auch als
Input für eine Strukturierung dienen können. Bei den Beispielen habe ich
ganz bewusst paar Klischees bemüht, um es zu verdeutlichen, aber ich
denke, in den meisten Fällen dürfte mir die Statistik da einigermaßen
recht geben. Trotzdem müsste man für ein sauberes Papier da noch einiges
mehr recherchieren.

Also hier mein Denk-Input

1. Was ist Kultur? Welche Kultur wollen wir fördern?
Erst mal ist Kultur ein sehr weiter Begriff und bezeichnet alles, was
vom Menschen geschaffen wurde. Die Demokratie ist Teil unserer Kultur,
unser Kleidungsstil, Fußball, Häuser, Sprache, u.v.m.
Wenn wir von Kultur sprechen, dann ist da meist ein kleiner Teilbereich
gemeint, der  vielleicht auch mit dem Begriff "Kunst" beschrieben werden
kann.
 Daher ist die erste spannende Frage, welche Kultur wir überhaupt
meinen, wenn wir von Kulturförderung reden. Und dann wird ganz oft klar,
dass es sich meist auf einen noch kleineren Kulturbereich bezieht.
Nämlich die allermeiste Kulturförderung fließt in Theather/Orchester/Oper

Welche Kultur bringt welchen Nutzen?
Also zugespitzt die Frage: Ist die Aufführung von "Bethovens 9.
Symphonie" mehr Wert, als wenn ACDC spielt? Wie wird der Nutzen gemessen?
mögliche Kategorien
- Gesellschaftliche Bildung (Allgemeinwissen)
- Förderung von Nachdenkprozessen (Paralellen von Theatherstücken zu
aktuellen Themen, Lieder über aktuelle Themen)
- Freude/Spaß
- Gesellschaftlicher Austausch, gemeinsammes Erleben (VIPs einer Stadt
(Oper), Interkulturell (Musikfestival), ....)
- ...
und daran schließt sich die Frage an:
Wer konsumiert diese Kultur, wer kann sie sich leisten?
Also ist es gerecht, dass der "Sparkassendirektor" und "Oberstudienrat"
ein Opernticket für 50€ bekommen, während der Lehrling für das
ACDC-Ticket 100€ zahlen muss?
Ist es gerecht, dass ein Kind für den Zoobesuch nur einen Bruchteil der
Förderung bekommt, die ein Erwachsener für eine Theatheraufführung bekommt.
"Laut der Statistik des Deutschen Bühnenvereins haben wir in München
einen Betriebszuschuss von 98 Euro pro Zuschauer. In Berlin sind es 266
Euro, in Stuttgart 177 Euro."
(http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pro-kontra-kulturfoerderung-kann-sponsoring-der-kultur-schaden-page1.81a3eb95-0d2e-4533-8d22-421ed3ed747f.html)
vs.
Zoos Frankfurt: 7,33 € pro Besucher (und das ist damit einer der am
höchsten subventionierten Zoos laut
http://www.zoodirektoren.de/index.php?option=com_k2&view=itemlist&task=category&id=36:zoo-fakten)
Beim erweiterten Bezirksvorstand hatten wir ja die Zentrumsfunktion ganz
grob mit dem Argument:
Es ist gerecht, dass die Nürnberger Philharmoniker mehr bekommen, weil
dann Leute aus ganz Mittelfranken profitieren.
Dem würde ich Zustimmen, wenn die Förderung pro Besucher passen würde,
d.h. bei mehr Besuchern auch eine entsprechend höhere Förderung. Aber es
ist nicht gerecht, dass ein kleines Theather viel weniger pro Besucher
bekommt.
Umgekehrt habe ich neulich eine Webseite gefunden, wo jemand behauptet
hat, jeden Euro den man in Kultur steckt, bringt der Stadt mehr als
einen Euro zurück. (Leider finde ich spontan die Quelle nicht mehr...)

Kulturkonsum vs. Kulturpartizipation
Das ist der Teil, der mich persönlich am meisten an Kultur interessiert.
Hier stelle ich einfach mal paar Thesen/Forderungen von mir persönlich
vorweg:
Mehr Geld für offene Bühnen statt für ein Theather, mehr Geld für
Instrumentenverleih statt für eine Oper, mehr Geld für Sportplätze statt
für olympische Spiele, mehr Geld für Mitmachgärten statt für
Landesgartenschauen.

Also die spannende Frage ist die, ob professionelle Kultur überhaupt
primär gefördert werden muss, oder ob es nicht viel eher die Aufgabe des
Staates ist, allen Leuten zu ermöglichen, so direkt wie möglich an der
Kultur zu partizipieren. Also aktiv teilzunehmen.
D.h. bevor ich als Staat Geld ausgebe dafür, dass jemand ACDC anhören
kann, fände ich es besser, wenn man Jugendbands die Infrastruktur gibt,
dass sie selber eine Band gründen und ihre Ergebnisse angemessen
vorführen können.
In Erlangen will ich da als positives Beispiel das E-Werk nennen. Hier
gibt es eine Bühne, wenn da jemand ein schönes Konzept hat, kann er
diese kostenfrei nutzen. Meistens bekommen die Künstler dann sogar noch
ein gratis Abendessen. Sowohl Musik, Schauspiel, aber auch
Vortragsveranstaltungen (Scienceslam, Poetryslam, Nerdnite, PechaKucha)
finden hier eine Bühne und Publikum.

Ähnliches gilt für Sportvereine, eine Platzrenovierung ist oft nicht
finanzierbar, aber für die Bewerbung der olympischen Spiele wären zig
Millionen da gewesen.

Ich sage ja auch gar nicht, dass man die professionelle Kultur
abschaffen soll, oder die Förderung auf 0 runter drehen. Aber die aktive
& ehrenamtliche Kultur zu unterstützen finde ich wichtiger, als dass man
Kulturangebote schafft, die primär von "den oberen 10.000" genossen
werden, obwohl diese, wenn sie wirklich Interesse hätten, sich diese
auch selber leisten könnten.
z.B.:
Warum geht die Schule ins Theather, und nicht zur Theatheraufführung des
nächsten Gymnasiums?


Und dann zum Abschluss noch eine letzte Forderung:
Ehrenamtliche nicht-komerzielle Kulturangebote sollten von GEMA und
sonstigen Urheber-Abgaben freigestellt werden. Es kann nicht sein, dass
der Kinderchor, das Schultheather o.ä. teure Lizenzgebühren zahlen muss,
dass er ein Stück aufführt. Wobei ich das sogar so weit fassen würde,
dass ehrenamtlich noch ist, wenn die Künstler Geld für eine Sache
sammeln, z.B. Abschlussfahrt der Schule, Tourneekosten einer Band etc. -
es dürfen nur keine Gehälter ausgezahlt werden.

Disclaimer: Damit will ich erst mal nicht sagen, dass ich bei der klassischen Kulturförderung kürzen will. Aber ich gebe doch zu, dass ich bei einem fixen Budget die Prioritäten eventuell anders setzen würde. Das mag jetzt der eine oder andere als “gegeneinander ausspielen” interpretieren. Das ist nicht mein Ziel. Aber bei einem seriösen Haushalt muss man eben an gewissen Stellen Prioritäten setzen. Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass man aus ganz anderen Bereichen Einnahmen generiert oder Ausgaben eingespart werden.

Verfasst am 15.03.2017 um 20:19 Uhr von mit den Stichworten .
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