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Medien & Politik » Twitter – sinnvolle Kommunikation oder Selbstbeschäftigung?
28Nov

Twitter – sinnvolle Kommunikation oder Selbstbeschäftigung?

Ein Tweet über die Followerzahlen hat bei Facebook eine Diskussion aufkommen lassen, wie kommunikativ die Parteien sind.

Jetzt frage ich mich, ist Twitter überhaupt Kommunikation? Natürlich ist Twitter Kommunikation, aber die Frage ist, ob es echter Gedankenaustausch und sinnvolle Informationsweitervermittlung ist. Da behaupte ich nein, und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Zig Tweets sind einfach nur uninteressant
  2. Es ist klar, dass ganz viele Leute (Followers) nicht alle Tweets lesen
  3. Aus 2. folgt, dass wichtige Sachen eh auf anderen Kanälen (nochmal) verbreitet werden, damit verstärkt sich Punkt 1. und auch die Motivation sinkt für ganz viele, da regelmäßig reinzuschauen.
  4. Von den gelesenen enthalten zig Tweets URLs in der Form “tinyurl.com/HYROGLYPHEN” … jetzt kann man nicht auf den ersten Blick sehen, was davon wirklich interessant erscheint, also gibt es 2 Strategien, entweder man macht einfach nichts auf (dann ist die Kommunikation fehlgeschlagen), oder man macht einfach mal alles auf, kann dann aber oft die URL nicht mehr ohne Aufwand der Person/dem Tweet zuweisen (weil ja aus tinyurl plötzlich was ganz anderes wurde) und hat dann die Information zwar konsumiert, aber die Kommunikation ist dann ganz schnell versandet, weil man ja nicht weiß, wem man antworten soll.
  5. So, selbst wenn man die Information erhalten hat, den Absender kennt und dem eine Antwort schreiben möchte, ist die Kommunikation nicht unbedingt erfolgreich. Warum, z.B. wegen 2., man kann sich nicht sicher sein, dass der gewünschte Empfänger sie (zeitnah) liest (zumindest nicht, wenn man die Form der öffentlichen @-Antwort benutzt)
  6. Bleibt die Kommunikation über “Private Messages” … aber dann kann ich auch gleich eine e-mail schreiben … oder wo soll da der Vorteil sein.
  7. Große Diskussionen sind schwer. Es können zwar viele Leute die Nachricht lesen, aber innerhalb einer Gruppe müsste jeder jedem followen, um da alle Nachrichten mitzubekommen. Bei kleinen Gruppen mag das gehen, aber bei einer Gruppe mit 20 Personen oder mehr, müssten dann erst mal manuell 400 Verbindungen hergestellt werden. Und jede neue Person die hinzustößt, müsste wieder von jedem manuell hinzugefügt werden.
    Update: Durch die Listen-Funktion ist das so nicht mehr war. Man müsste sich drum kümmern auf die Liste drauf zu kommen und die Liste zu abbonieren. Dennoch sind die Listen nicht optimal. Wenn ich die 20-köpfige “Blaue Bilder” Liste habe, dann erscheint auf der Liste immer noch alles was ein Mitglied schreibt, egal ob es mit “blauen Bildern” zu tun hat oder nicht.
  8. Zersplitterung: Es ist klar, je mehr Leute die Inhalte und Diskussionen an verschiedenen Orten starten können, desto stärker ist die Zersplitterung. Ansich ist ja eine Diskussion in kleinen Gruppen sinnvoll, aber es sollte gewährleistet werden, dass diese Diskussionsergebnisse dann in “höhere” Ebenen mit einfließen. Eine gute Diskussion mit tollen Ergebnissen soll auch Einfluss finden. Bei Twitter kann man dann nur hoffen, dass es jemand mitliest, dem die Ergebnisse gefallen UND der Zugang zu einer höheren Ebene hat.
    Update: Durch die Listen-Funktion ist auch das abgeschwächt worden aber trotzdem noch nicht optimal gelöst.

Und trotz aller Kritik hier noch einige Punkte, warum Twitter toll ist:

  1. Twitter ist ein dezentes Push-Medium. Push bedeutet, dass es jemandem “einem auf den Teller schiebt” (z.B. e-mail, die kommen quasi zu einem), bei einem Pull-Medium muss man ganz aktiv die Quelle aufsuchen, um die Inhalte zu bekommen, (z.B. halt eine Internetseite). Bei Twitter kann man Personen “followen” und kann sich aus diesem Kreis alle Neuigkeiten immer in seinem Twitter-Profil anzeigen lassen. Ich muss nicht zu “Karl” und zur “Jana” auf die Webseite gehen, ich sehe alles Neue auf einen Blick (zumindest wenn ich mich für Neuigkeiten interessiere)
  2. Twitter ist öffentlich und dennoch relativ Selbstbestimmt. Somit können Promis (ob Politik oder ShowBiz oder sonstwas) den Fans, Interessenten u,ä. einen Statusupdate geben, bei dem die YellowPress nicht mehr benötigt wird. Dabei kann dann jeder Autor auch selber entscheiden, wie viel er raushauen will.
  3. Twitter bietet die “niederschwellige” Möglichkeit zum Feedback

Fazit: Twitter ist ein schönes Tool um den eigenen Status hinauszuposaunen, aber für wirkliche Diskussionen und eine gute Kommunikation ist es NICHT das optimale Tool…. und trotzdem macht es irgendwie Spaß es zu nutzen und wenn man die Grenzen kennt und respektiert, ist es innerhalb dieser Grenzen sinnvoll.

Verfasst am 28.11.2009 um 23:41 Uhr von mit den Stichworten , .
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