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Politik » Sozialhilfe, wieviel sollte es sein?
27Nov

Sozialhilfe, wieviel sollte es sein?

bevor man die Frage stellt, wieviel es sein sollte, schau ich mir erst mal an, wieviel es ist.

Insgesamt sind es 351€ im Normalfall, die teilen sich wie folgt auf (Quelle)

351,00 €

129,87 € Nahrung, Getränke, Tabakwaren 37%
38,61 € Freizeit, Kultur 11%
35,10 € Bekleidung, Schuhe 10%
31,59 € Telekommunikation 9%
28,08 € sonstige Waren und Dienstleistungen, insbesondere Kosten für Hygiene und Körperpflege 8%
28,08 € Wohnung (ohne Mietkosten), Strom 8%
24,57 € Möbel, Haushaltsgeräte 7%
14,04 € Kosten für Medikamente, Hilfsmittel 4%
14,04 € Verkehr 4%
7,02 € Beherbergungs- und Gaststättenleistungen 2%

Wenn ich mir jetzt die einzelnen Bereiche anschaue, dann denke ich bei einigen, wenn es sein muss, reicht das locker, bei anderen denke ich, das wird eng:

  • Nahrung, Getränke, Tabakwaren, 130€
    Also das reicht, wenn man sich entsprechend der Ernährungspyramide ernährt. Was bei der Ernährung richtig zuschlägt ist Fleisch, davon soll man eh nicht so viel essen. Getreideprodukte und Gemüse gibt es dagegen recht günstig. Was natürlich da nicht abgedeckt ist sind alle Sachen, die man auswärts ist. Wenn man gegen den kleinen Hunger schnell mal einen Imbiss kauft, dann geht das Budget ganz schnell runter. Aber für das reine Essen, das man sich zu Hause zubereitet, da müsste es reichen.
  • Freizeit+Kultur 38€
    Was soll denn da alles dazugehören? Je nach Hobby, reicht das locker bis gar nicht …. aber wenn es sein muss, dann reicht es.
  • Bekleidung, Schuhe 35 € … würde ich jetzt erst mal sagen, das wird eng. Nicht dass ich jeden Monat losziehe und mir was kauf, aber wenn dann mal was anfällt, wird es schnell das doppelte und dreifache. Ist halt die Frage, ob man sich davon gerade anziehen kann, beim Second Hand laden reicht es bestimmt, bei Markenjeans auf keinen Fall
    Wenn es auch mal was sein soll, was für ein Bewerbungsgespräch geeignet ist, wird es auf jeden Fall eng.
  • Telekommunikation 30€
    Sollte locker reichen, für 30€ bekommt man:
    Internet und Telefonflat + Handy mit zig Freiminuten (oder Prepaid, dann reicht es für 100 Minuten)
    Kritisch wird es, wenn man sich von dem Betrag Hardware (Computer, …) kaufen will. Aber einen gebrauchten PC der Internettauglich ist, gibt es inzwischen fast geschenkt.
  • sonstige Waren, Hygiene, Körperpflege: 28 €
    naja, Friseur kostet 15€, Duschzeug und Shampoo 5 € und reicht einige Zeit … ich weiss jetzt nicht, ob da Wasser mitgerechnet wird.
  • 28 € Wohnung (ohne Miete), Strom
    wird knapp, vor allem wenn man im Winter viel daheim ist…. aber wenn man Energiesparlampen hat und sonst nicht übertreibt, dann sollte es passen.
  • Möbel und Haushaltsgeräte 24€
    Also da wird es eng, die braucht man zwar selten neu, aber wenn, dann kann es richtig teuer werden. Kann man eigentlich nur hoffen, dass es was Second-Hand gibt.
  • Medikamente, Hilfsmittel 14€
    Für einen gesunden sind das 14€ extra, bei entsprechenden Krankheiten reicht das niemals aus.
  • Verkehr, 14€
    4 Tageskarten in Erlangen oder
    140 km Benzin (falls man sich ein Auto ohne Abnutzung ausleihen kann, wenn man 30ct pro km rechnet, dann sind es nur noch unter 50km, also auch 4 Fahrten hin und zurück….
    Was ginge wäre ein Übertragbares Monatsticket, wenn 2 Leute zusammenlegen und es gemeinsamm nutzen….
    Aber insgesamt kann man sagen, wenn man regelmäßig raus will, dann reicht das nicht. Und zu rausgehen kann man auch Bewerbungsgespräche, Atsgänge etc. zählen, die unbedingt notwendig sind.
  • Beherbergungs- + Gaststättenkosten 7€
    Naja, da man selten wegfährt und sowas benötigt, ist halt die Frage wie oft. 2 mal im Jahr geht dann was…
    aber ein Freundeskreis, der einmal in der Woche in die Kneipe geht, geht dann nicht mehr.

Fazit bis hierhin: 351 Euro reichen erstmal aus, wenn man das Geld richtig einteilt und bei den Einkäufen und Ausgaben entsprechend vorsichtig und bewusst handelt. Einige Sachen werden eng, aber bei entsprechenden Einschränkungen bekommt man es hin, wenn es sein muss.

Aber es gibt ja noch weitere Kosten, gerade bei Kindern:

Schulbedarf, häufiger Kleidung, Klassenfahrten, Freizeitaktivitäten (Verein), ….

Daher denke ich, dass man gerade Kindern eher mehr zahlen sollte als den Erwachsenen. Die Erwachsenen können sich eher selber raushieven als die Kinder. Die Kinder leiden darunter ncoh mehr als die Erwachsenen. Daher sollte insbesondere bei Familien mit Kindern darauf geachtet werden, dass diese nicht unter der Armut leiden müssen.

Nun, die Überschirift hat gefragt, wieviel sollte es sein. Ich würde 500€ inklusive Miete die allerunterste Untergrenze halten (Miete war oben nicht drin) Aber die für jedes Familienmitglied ab 0 Jahren. Das wären 150 Euro Miete…. reicht das. Ja das reicht, wenn man keine eigene Wohnung hat. Also sich mit Freunden oder Familie zusammentut. Größere Wohnungen sind billiger.
Ich vertrete ganz klar die Linie, wenn jemand nicht arbeitet, dann soll er keinen Luxus haben. Er soll das nötigste bekommen, aber keinen Luxus.

Aber, da das sehr knapp ist, fordere ich folgendes zusätzlich:

  • Sonderunterstützung für Leute, die nicht arbeiten können (Krankheit, Kindererziehung, Pflege)
  • Öffentliche Jobs auf Mindestlohnniveau (z.B. Zivildienstartige Jobs) bei denen man was dazuverdienen kann. Wobei man den ersten davon ziemlich leicht bekommen soll, aber dort dann auch gekündigt werden kann, wenn man sich mies  (unpünktlich, alkoholisiert, unhöflich gegenüber Kunden, schlampig, …) benimmt und jeder Folgejob müsste dann auch schwerer zu bekommen sein. Wobei da die Stunden so knapp bemmessen sein sollten, dass es sich immer lohnt, einen Zuverdienst wo anders (im freien Arbeitsmarkt) zu suchen.

Es geht mir insgesamt ganz klar darum, denen die nicht arbeiten können und denen die wirklich arbeiten wollen ein vernünftiges Leben anzubieten, aber gleichzeitig ein System zu haben, bei dem die, die nicht arbeiten wollen (ich gehe davon aus, dass das die Minderheit ist) wirklich auch nur das Minimum haben.

Und wie ich mir das mit dem Zuverdienst vorstelle…. naja, ich stelle mir das so vor, dass der beliebig hoch sein darf, aber auf alles eine Flattax von 50% gezahlt wird. Das ist nämlich mein bedingungsloses Grundeinkommen-Modell

Einkommen = 500 € + Lohn*50% (bzw. an anderer Stelle stand bei  mir auch schon mal (1000+Lohn)*50% was mathematisch genau das gleiche ist.)

Steuern = Lohn  * 50%

Da man zwar 50% Steuern zahlt, aber da das Grundeinkommen drauf bekommt, ist der de facto Steuersatz für niedrig-Verdiener viel besser. Und dann sollten alle Steuerausnahmen abgeschafft werden (die einzige Ausnahme sehe ich wie gesagt bei Kranken und anderen, die nicht arbeiten können). Ein Gutverdiener kann dann nichts mehr abschreiben, aber er bekommt ja auch die 500€ ausgezahlt.

Verfasst am 27.11.2009 um 23:59 Uhr von mit den Stichworten , .
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  1. […] hier aufgelistet, teilt sich HartzIV in verschiedene Bereiche. Bei einigen denke ich, soll jeder selber […]

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  2. […] (z.B. Nachrichtenübermittlung) und an einigen Stellen denke ich, dass es da ziemlich eng wird. Die Abwägung der HartzIV-Sätze hatte ich ja schon mal. Damals war gar keine Bildung drin, das habe ich damals kritisiert. Immerhin […]

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