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Politik » Wissenschaft und Grüne
22Jul

Wissenschaft und Grüne

Bei Till hab ich gerade gelesen, dass die Grünen ja bei einigen als der Wissenschaft gegenüber feindlich gelten. [Nachtrag: dazu passt auch sein Beitrag im BaWü-Blog]

Ich will hier nicht für die Grünen, sondern für mich schreiben, wie ich gegenüber Wissenschaften stehe:

Ich denke, ich bin der Wissenschaft gegenüber sehr aufgeschlossen. Neues Wissen schadet nie. Ich selber arbeite ja auch in einem wissenschaftlichen Institut. Aber der Wissenschaft gegenüber offen zu sein heißt nicht, alle Technologien die möglich sind anzuwenden.

Beispiel Gentechnik. Was wissen wir da denn? Im Grunde wissen wir nur, dass man in den Genen rumpfuschen kann und dass dann andere Phänotypen raus kommen. Was genau eine Änderung bewirkt, kann meines Wissens keiner sagen, insbesondere weil man auch gar nicht genau weiß, welche Gene welche Aufgaben erfüllen und umgekehrt. (Klar, für einige Gene und Aufgaben kann man eine Zuordnung treffen, aber diese Zuordnung ist noch längst nicht abgeschlossen.) Daher bin ich gegenüber einigen Bereichen der Gentechnik sehr skeptisch gegenüber. Also, um es klarer zu sagen, ich bin gegen alle Bereiche der Gentechnik, die eine unkontrollierbare Ausbreitung theoretisch möglich machen. (Theoretisch, wo fängt das an? … dazu unten mehr). Gegen eine gezielte Forschung, die auch enthält, welche Gefahren möglich sind und was wirklich sicher mit Gentechnik gemacht werden kann habe ich nichts. Solange es im Labor bleibt, sollen die Forscher doch machen was sie wollen. Und wenn sie mir GLAUBHAFT versichern können (auch dazu unten mehr), dass es sicher ist, dann kann es von mir aus auch eingesetzt werden. Wenn eine Verbreitung nicht möglich ist, dann ist es von mir aus auch akzeptabel. Beispiel: Ein 70 jähriger leidet unter einer Krankheit, die man mit “Gentechnik” heilen kann. OK, solange die Gentechnik in dem Körper der Person bleibt. Solange sie nicht andere Leute betrifft. Damit hätte ich kein Problem.

Beispiel Atomkraft: Bei einem GAU sind riesige Lebensräume kaputt. Durch den Normalbetrieb erkranken Kinder an Leukämie. Durch den Normalbetrieb fällt Abfall an, der noch in Millionen Jahren strahlt. Es gibt 100 gute Gründe, warum ich gegen Atomkraft bin. Aber AKWs an sich sind keine Wissenschaft. Wenn die Leute in einem sicheren Labor arbeiten, um Wissen zu schaffen, dann sollen sie dies gerne tun. CERN ist ja auch “Atom”-Wissenschaft, da habe ich weniger Hemmungen. Solange die Gefahr, dass jemandem etwas passiert quasi 0 ist, darf gerne geforscht werden. Aber was ich gar nicht mag ist eine Industrie, die eine unsichere Technologie im großen Stil anwendet, um Geld zu verdienen.

Andere Wissenschaften haben meine volle Unterstützung. Gesundheit, erneuerbare Energien, effektivere Autos…. ich denke hier muss ich nicht viel erläutern.

Also Fazit bis hier: Ich bin NICHT wissenschaftsfeindlich, ich bin nur für die Gefahrenminimierung. Und wenn eine Technologie unsicher ist, dann will ich NICHT, dass diese aus dem Labor herausgelassen wird.

Nun zu den Technologien. Oben habe ich ja immer mal wieder Andeutungen gemacht, z.B. “theoretisch”, “glaubhaft” und “sicher”. Klar ist, eine Technologie kann nie 100%ig sicher sein. Kleine Unfälle können immer mal passieren, größere können auch passieren, aber hoffentlich mit einer sehr kleinen Wahrscheinlichkeit. Wie könnte dies nun objektiv bewertet werden? Da bin ich ein Anhänger der Versicherungsexperten: Es muss einfach alles in unbegrenzter Höhe Haftpflichtversichert werden. Wenn ein deutsches AKW angeblich sicher ist, dann müsste man ja nur die Versicherungen davon überzeugen, dann wäre eine Haftpflichtversicherung doch gar nicht teuer. Das ist wie beim Auto, wenn ich in einer Gegend wohne, in der nie Autounfälle passieren, und ich ein Auto habe, dass ganz sicher ist, dann ist der Tarif viel billiger. Also wenn Gentechnik, AKWs und so so sicher sind, wie der Hersteller behauptet, dann müsste er doch eine ziemlich billige Versicherung finden.

Die Realität sieht aber anders aus, den Betreibern ist genauso wie den Versicherungen bekannt, dass weder AKWs noch Gentechnik sicher sind, ganz im Gegenteil, sie tun alles dafür, dass andere für die Schäden zahlen müssen. Ein weiteres Beispiel dafür ist CCS. Die lassen sich ins Gesetz schreiben, dass die Tanks nur “paar” Jahre dicht sein müssen. Asse läuft aus und zahlen soll der Staat. AKWs sind für “paar” Euro Haftpflichtversichert, allein ein neuer Betonmantel für Tschernobyl ist wahrscheinlich teurer als der Betrag, den die Haftpflichtverischerung nach einem GAU zahlen würde. Bei der Gentechnik gibt es schon jetzt Auskreuzungen, die sollen einfach toleriert werden (bis 0,9% Verunreinigung ist es angeblich Gentechnikfrei)…

Also es ist sowohl den Versicherungen als auch den Herstellern bzw. Betreibern klar, was für ein Risiko sie da verursachen. Deswegen kämpfen sie dafür, dass andere es zahlen müssen, falls etwas passiert. Und das wird dann “Förderung der Wissenschaft und neuer Technologien” genannt. Sowas kann ich nicht unterstützen. Und das ist auch nicht Grüne Politik.

Nun kann es ja sein, dass irgendwas erfunden wird, was vielleicht ein hohes Risiko hat, aber der Staat sagt, der Nutzen ist so toll, dass wir die Versicherung zahlen. Kann passieren. Von mir aus. Aber dann muss auch geprüft werden, ob der Nutzen nicht anders billiger erzeugt werden kann. Bsp. AKW: Einige Rechnungen gehen von bis zu 2 Euro pro kWh Atomstrom aus, wenn eine Haftpflichtversicherung dazukäme (de facto zahlt dies der Staat, weil er für die Schäden bei einem SuperGAU einstehen muss). Wenn wir keine andere Stromquelle hätten, dann wäre es vielleicht OK. Aber für 2 Euro pro kWh kann man Solarzellen bauen, kann man Windräder bauen, …

Ein ganz anderer Bereich ist die alternative Medizin. Da denke ich, wenn jemand lieber nicht zu einem Schulmediziner geht, sondern es woanders probieren will, sollte man das grundsätzlich erlauben. Die Frage ist halt, wie man es finanziert. Wenn man mit Fallpauschalen rechnet, wäre es eine Option, den Leuten halt insgesamt von der Versicherung die Fallpauschale zuzugestehen. Wenn man dann zuerst eine Alternativmedizin probiert und dann doch wieder zum normalen Arzt muss, dann muss man die Alternativmedizin selber bezahlen. Wenn es erfolgreich ist, bekommt man die Fallpauschale ausbezahlt, um die Rechnung zu bezahlen. Interessant sind aber die umgekehrten Fälle: Zuerstzum “Schulmediziner” der erfolglos ist, dann zum “Alternativmediziner” … dann tendiere ich dazu, dass die Krankenkasse den bezahlt, wenn es erfolgsversprechend ist. Dabei ist erfolgsversprechend schwer zu definieren, weil einfach zu heilen ist die Krankheit ja scheinbar nicht, sonst wäre wohl auch der Schulmediziner erfolgreich gewesen.

Insgesamt mein Fazit zu dem Thema:

Wissenschaft: Ja!

Neue interessante Technologien: Ja!

Risiken und Gefahren auf Kosten der Bevölkerung: Nein!

Verfasst am 22.07.2009 um 4:58 Uhr von mit den Stichworten , , , , , , .
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