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24Aug

Internetsperren

Ein Thema, das mich nach wie vor beschäftigt.

Es ist klar, im Internet sind Inhalte, die gegen das deutsche Recht verstoßen. Und es ist auch klar, dass man nicht an alle Quellen herankommt. Seien es Server in irgendwelchen Ministaaten oder auch einfach Inhalte, die nicht überall illegal sind.

Daher ist es eine Überlegung wert, wie man mit solchen Inhalten umgeht. Mir fallen da gerade folgende Lösungsansätze ein (die ich nicht alle für gleich gut halte):

  1. Man löscht was man kann, den Rest (also Seiten im Ausland, die dort legal sind, oder zumindest nicht verfolgt werden) toleriert der Staat.
  2. Man erstellt eine Datenbank, in der illegale Inhalte gespeichert werden und bei der abgefragt werden kann, ob der jeweilige Link legal ist (analog zu siteadvisor.com) – mit passenden Schnittstellen kann dann jeder selbst FREIWILLIG entscheiden, ob er bei den Links eine “Ampel” angezeigt bekommen will. So kann man immerhin verhindern, dass Leute die nicht auf sowas klicken wollen, nicht ausversehen darauf klicken.
  3. Man sperrt es, aber mit ganz klaren Regeln

Zu den Punkten:

Tolerieren

Tolerieren geht so lange, bis es (in großem Stil) missbraucht wird. Also wenn z.B. alle Nazis(Kinderpornoanbieter, Terroristen, …) feststellen, dass keiner was macht, wenn sie ihr Zeug auf die Server in XY stellen, dann sollte man was machen. Wobei dann sollte man auch prüfen, ob man die Leute nicht bestrafen kann. Also wenn jemand aus Frankfurt eine illegale Datei auf den Server in XY hochlädt, dann ist das Zeug in XY zwar legal, aber die Verbreitung ist in Deutschland passiert, also ist auch die Person, die es gemacht hat, in Deutschland zu verfolgen. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Gesetze schon so sind, aber dies wäre zumindest eine Möglichkeit, die Vertreiber zu packen.

Freiwillige Ampel

Die Idee, dass es eine Datenbank gibt, mit dem ganzen illegalen Material, hat natürlich die krasse Kehrseite: Jeder der an illegales Material dranwill, muss nur an die Datenbank kommen, um zu wissen, wo er was findet. Also wäre die spannende Frage: Wie läuft eine Abfrage? Wird dabei die Seite an die Datenbank geschickt und nur ein Wert (“unkritisch” “unsicher” oder “Finger weg”) zurückermittelt, oder ist die Datenbank frei einsehbar. Dann ist noch die spannende Frage, wer die Kontrolle über die Datenbank hat. Der Staat? Eine Firma? Jeder? Kontrolle auch in dem Sinne, dass geprüft werden kann, ob die Sperren wirklich gerechtfertigt sind und welche Seite welchen Status hat.

Sperren

Ich halte gut gemachte Sperren für eine Möglichkeit. Diese müssten sich jedoch deutlich von den “alten” Sperren unterscheiden. Daher erst mal eine kurze Exkursion in die Technik.

So, nun erst mal kurz, was wollte das Zugangserschwerungsgesetz machen? Da muss man noch einen kurzen Einschub machen. Kurz bevor die Person in Minute 3:40 zur Auskunft (DNS-Server) losläuft, schaut sie noch schnell in das Buch, das die Sperren enthält. Wenn in diesem “Buch” die angeforderte Seite drinsteht, dann “lügt” die Person und sagt eine falsche Adresse (und läuft gar nicht los). Bei der Mausseite sollte das nicht passieren, aber vielleicht will der Armin ja mal ausversehen auf eine böse Seite. Also egal welche der bösen Seiten aus dem Buch angefragt wird, der behauptet einfach immer die gleiche Adresse, und zwar die von dem Stop-Schild (das auch eine eigene Adresse hat). Dies würde funktionieren, wenn alle die Auskunft benützen würden. Aber man muss nicht die Auskunft, die der Provider benutzt, benutzen. Ähnlich wie beim telefonieren, kann man einfach die Telefonnummer wissen. Oder eine andere Auskunft (z.B. im Ausland) anfragen. Und wenn man dann die Adresse (die bis zu 12-stellige Adresse heisst übrigens IP-Adresse) dem Provider selber gibt, (in Minute 4:47 bekommt er sie von der Auskunft), dann schickt er jemanden direkt los, ohne die Adresse rauszusuchen, und ohne in das “Sperren-Buch” zu schauen. Und viele werden jetzt sagen, ich weiss aber nicht, wie ich eine andere Auskunft anfrage. Das schlimme ist, dass muss man auch gar nicht wissen. Wenn jemand solche Seiten weitergeben will, dann hat er früher halt einen “Namen” gesagt, (so nachdem Motto “ruf bei Her XY an, steht im Telefonbuch”), in Zukunft würde man einfach die Adresse sagen (“ruf bei 0123 … an”). Bei den illegalen Seiten wird ja keiner denken, ich geb jetzt mal eine Adresse ein, sondern die werden weitergegeben. Und zwar häufig in Form von Links. Und da kann man entweder den Namen, oder die Adresse der Seite angeben. Also z.B. so:
Schau doch mal auf die Homepage von Zensursula
Schau doch mal auf die Homepage von Zensursula

Steht der Satz da 2 mal genau gleich? Nein! Wenn man über den ersten Link mit der Maus drübergeht, müsste man in der Statusleiste vom Brwoser lesen können (bzw. wenn man ihn anklickt, wird man weitergeleitet zu): http://www.ursula-von-der-leyen.de/, geht man jedoch über den zweiten Link, müsste man lesen können: http://213.218.169.221/. Für den Benutzer macht es absolut keinen Unterschied, was da steht. Die zweite Möglichkeit erspart einfach die Abfrage bei der Auskunft.

Und genau wegen dieser herangehensweise hat dieses Vorgehen einige entscheidende Nachteile:

  • wie oben angesprochen, kann man die Sperren durch die Angabe der IP-Adresse umgehen
  • Wer an das “Buch” mit den Sperren kommt, kann über eine andere Auskunft ganz einfach an ganz viele illegalen Inhalte kommen. Vom Staat recherchiert.
  • Damit der Vorgängerpunkt nicht passiert, muss das Buch geheim bleiben. Es kann also keinen öffentlichen Gerichtsprozess geben, sondern wenige Leute entscheiden, was illegal ist oder nicht, ohne jegliche Kontrolle.

Gut, was könnte man dann machen. Schauen wir doch mal, wie es in dem Video weitergeht: Ab der Minute 5:10 rennt der Bote bei den Routern vorbei, die ihm den Weg sagen. Genau da könnte man ansetzen. Es gibt in Deutschland 5 internationale Knotenpunkte, wenn man da die Sperre einrichten würde auf IP-Basis, also für die Adresse einfach eine Umleitung einrichten würde, dann hätte man mehrere Probleme auf einmal gelöst:

  • innerdeutsche Sperren könnte man nicht einrichten – innerhalb von Deutschland soll gelten Löschen statt Sperren
  • das System lässt sich nicht mehr so einfach umgehen (natürlich geht es immer noch, aber nicht mehr durch einen anderen Link)

Allerdings hätte es auch Nachteile:

  • oft sind mehrere Domains (also Namen von Webseiten) unter einer IP erreichbar. Es wird also im Normalfall nicht nur geschickt, ich will die Daten von der Adresse, sondern mehr Infos. Man kann sich das wie in einer WG vorstellen, da sind unter einer Telefonnummer auch mehrere Leute erreichbar. Wenn jetzt die IP umgeleitet wird, ist keiner mehr erreichbar. Wenn man böse ist, könnte man sagen, wer sich das mit dem Verbrecher teilt, der hat halt Pech, bzw. man kann den Provider informieren, dass er das löschen soll, damit die IP nicht gesperrt wird… aber grundsätzlich besteht halt die Gefahr, dass man unschuldige erwischt.
  • Es ist mit technischem Wissen immer noch umgehbar. (Stichwort Proxy-Server) – Damit wird natürlich auch die öffentliche Diskussion der Seiten wieder kritisch.

Gerade wegen den Nachteilen sehe ich die Sperren auch mit der modifizierten Form sehr kritisch. Eine weitere Sperrmöglichkeit (die ich ganz strikt ablehne), ist es, die Inhalte zu scannen. Warum ich das ablehne:

  • Das Scannen von Inhalten selber finde ich absolut unakzeptabel.
  • Technisch wäre es ein riesiger Aufwand. Man könnte zwar Stichwörter definieren, aber wie kann man unterscheiden zwischen einem Bericht über etwas (das ja legal ist) und der Sache selber. Also zwischen einer Zeitungsnachricht “Bastler von Bomben festgenommen” und einer Internetseite “Bastelanleitung für Bomben”.
  • Durch https ist das ganz einfach umgehbar, da kommen die Inhalte nämlich nicht im Klartext durch
  • Bilder automatisch auswerten ist noch komplizierter als Text, von Videos ganz zu schweigen.
  • Umgehungsmöglichkeiten – so wie in SPAM-Mails nicht Viagra sondern Vi*gra steht … oder inzwischen wird ja oft mit Bildern gearbeitet.

Fazit: Löschen was löschbar ist muss auf jeden Fall Vorrang haben. Die ganzen Sperren sind mit viel zu vielen Nachteilen behaftet. Wenn dann noch einige wenige Inhalte auf irgendwelchen Servern in exotischen Ländern sind, an die man nicht drankommt, dann sollte man prüfen, ob man an die Verbreiter drankommt. Wenn die soviel Aufwand betreiben, sich solche Server zu suchen, finde ich, ist das auch eine besondere schwere der Schuld. Und wenn man all diese Möglichkeiten ausgeschöpft hat, dann sind eh nur noch die paar wenigen übrig, die an ihre Sachen drankommen, egal ob über Internet oder den Postweg. Da muss man dann halt andere Ansatzmöglichkeiten finden.

Verfasst am 24.08.2010 um 21:22 Uhr von mit den Stichworten .
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