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Bildung & Bürgerrechte & Politik » Studentenproteste
08Dec

Studentenproteste

In den letzten Tagen habe ich 2 ganz unterschiedliche Bilder der Studentenproteste gesehen. Einerseits direkt, live und vor Ort die “öffentlichen Vorlesungen” der Erlanger Uni, die wir als Grüner Kreisvorstand besucht haben und denen wir nur unser allergrößtes Lob aussprechen können. Diese Aktionen zeigen, nicht nur die Studenten finden die derzeitige Situation nicht mehr erträglich, sie haben auch eine Unterstützung aus dem Lehrkörper. Die Dozenten machen mit. Ich möchte jedem empfehlen, der diese Woche Zeit hat, sich einfach mal zu einer Vorlesung dazuzugesellen und zuzuhören.

Ein anderes Bild kommt aus Frankfurt. Da geht es nicht so schön zu:

Räumung Casino Goethe Universität Frankfurt am Main 03.Dezember 2009 from Janina Vogel on Vimeo.

Jetzt ist es natürlich schwer, aufgrund eines Videos zu beurteilen, was wirklich vorgefallen ist, aber in letzter Zeit sind ja immer wieder Videos aufgetaucht, die klar gezeigt haben, dass die Polizei durchgedreht evtl. unangemessen vorgegangen ist. Andererseits habe ich gerade aus Frankfurt studentische Texte gelesen, die bei mir auch das Bild aufkommen liesen, dass dort schon einige sind, die ich in die “Krawall-Chaoten-Ecke” einstufen würde und von sich nicht klar genug distanziert wurde. Schmierereien und Sachbeschädigungen wurden teilweise als gerechtfertigt oder zumindest nicht als verurteilenswert eingestuft. Daher ist natürlich irgendwann der Zeitpunkt gekommen, bei dem ein Hochsuchuldirektor eingreifen kann bzw. muss und die Polizei dazuholen muss.

Daher mein Aufruf, an Studenten, Dozenten, Politik und Polizei. Lasst die Gewalt draußen. Setzt Euch zusammen, macht schöne Aktionen, z.B. wie in Erlangen, aber bestimmt auch an ganz vielen anderen Hochschulen, arbeitet konstruktiv und bringt unsere Unis voran. Ich war auch Jahrelang an der Uni, war auch recht viel in den diversen Unigremien unterwegs. Ich kenne die Probleme der Studenten. Aber ich habe auch erfahren, dass viele Profs und Unimitarbeiter (zumindest in der Ulmer Informatik … eigentlich aber an der gesamten Ulmer Uni) für vernünftige Argumente stets ein offenes Ohr hatten und eigentlich nie ein unbegründetes “Nein” kam (klar, einige Entscheidungen gehen gegen die eigene Meinung, aber solange es auch für die andere Position gute Gründe gibt, dann passt das ja).

Daher an all die Politiker, die heute meinen, sie wüssten was gut für die Studenten ist. Habt ihr überhaupt aktiv mitbekommen, wie Bachelor/Master läuft? In Ulm lief das quasi mit meinem Studienbeginn parallel zum Diplom an, von daher habe ich es am Rande mitbekommen. Ich habe auch über die Gremien mitbekommen, wie die Bachelor- und Masterstudiengänge weiter geplant und umgesetzt wurden. Aber richtig mitbekommen wie es läuft habe ich nicht. Daher würde ich mir mal wünschen, dass die Berufs-Politiker sich da mal einfach in einen Kurs mit reinsetzen und dann offen für Feedback sind und nicht alles gleich wieder mir ihrer Rhetorik “runterreden”.

Verfasst am 08.12.2009 um 19:31 Uhr von mit den Stichworten , , , , .
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Kommentare

  1. flo9 December 2009

    Krass, wie du polizeiliche Gewalt (körperliche Gewalt und in Frankfurt auch sexuelle Belästigung durch Polizeibeamte sowie rassistische Sprüche von eben diesen) legitimierst, weil sich nicht entschieden genug gegen diese diffuse “Chaoten”ecke distanziert wurde, die in den Medien hochbeschworen wird.

    Und das “lasst die Gewalt außen vor” ist reichlich undifferenziert, wenn ich betrachte, dass bundesweit die Gewalt vor allem von exekutiven Organen ausging. Oder ist Sachbeschädigung Gewalt? DANN ist noch mehr Gewalt: eine kameraüberwachte Uni (Frankfurt), Studiengebühren, soziale Selektivität, etc. – und diese Gewalt ist für mich gravierender als ein Sachschaden, der völlig unnötig ist, von dem Universitätsvorstand in Frankfurt aber völlig undifferenziert wieder gegeben wurde (“Gemälde beschädigt” weil Farbspritzer auf dem Glasrahmen waren – da kommt man natürlich schneller auf Horrorsummen).

    Nichts für ungut, aber eigentlich hätte ich von den Grünen – besonders im historischen Kontext – eine differenziertere Meinung erwartet, besonders in der Frage, was Gewalt ist und wo sie anfängt.

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  2. Christian9 December 2009

    Hallo, erstmal nur ganz kurz:
    Ich legitimiere die Räumung (obwohl ich sie nicht gut finde) wenn nicht klar ist, ob aus diesem Kreis Sachbeschädigungen zu erwarten sind. Zitat aus einem Thesenpapier eines Frankfurters: “Natürlich kommt es im Rahmen des Bildungsstreiks zu Sachbeschädigungen und Vandalismus”.
    Die Gewalt von der berichtet wurde (körperlich und verbal) wird von mir voll und ganz verurteilt und nicht legitimiert.

    Zu einer differenzierten Betrachtungsweise gehört eben auch, dass man sich mal in die Argumentationen der “Gegenseite” reindenkt.

    Heute Abend mehr.

    Reply
  3. Christian10 December 2009

    So flo, nun die versprochene ausführliche Antwort auf dein Kommentar:

    ich legitimiere diese Gewalt nicht, ich legitimiere keinerlei Gewalt, aber ich weigere mich auch aufgrund von einseitigen Quellen eine Vorverurteilung vorzunehmen. Ich habe mir das Video komplett angeschaut, die Polizisten haben die Leute einzeln (zumindest bei Minute 2:16 gefragt), ob sie weggehen um dann auf die Wegtrage-Aktion zu verzichten. Wenn eine Räumung angemessen ist (was ich mir NICHT zutraue, aufgrund der mir vorliegenden Quellen zu beurteilen), dann ist es glaube ich angemessen, die Leute unter den Armen zu greifen und wegzutragen.

    An den Handgelenken halte ich eher nicht für angemessen (war auch auf dem Video zu sehen), aber dazu kenne ich die “Standardvorgehensweise” zu wenig. Ich habe bei Demos schon mehrere Male erlebt, das Leute weggetragen wurden, insbesondere auch von Gleisen. Da ging es erheblich ruppiger zu, als das, was ich auf dem Video gesehen habe.

    Dann zu der Frage, ob Sachbeschädigung Gewalt ist. NEIN, Sachbeschädigung ist keine Gewalt, aber Sachbeschädigung ist ein Grund, warum man als Rektor das Hausrecht ausüben soll und solche Räumungen veranlassen kann. Oder andersrum, Sachbeschädigung und Vandalismus (siehe Zitat aus der ersten Antwort) können eine Räumung angemessen machen.

    Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich verurteile jegliche Gewalt wie sie von den Zeugen in dem Video berichtet wurde und halte die für erheblich schlimmer als ein “Farbspritzer”.

    Allerdings fordere ich gerade die Frankfurter Studenten auf, sich ganz klar zum Thema Sachbeschädigung und Vandalismus zu äußern und sich davon zu distanzieren. Und sich auch von denen zu distanzieren, die Sachbeschädigung vorgenommen haben. In deinem Text klingt es jetzt schon wieder so, als ob der Sachschaden zwar unnötig ist, aber nicht so schlimm. Was ich erwarte sind Stimmen die sagen: “Wir wollen hier friedlich demonstrieren. Wir laden jeden zum mitmachen ein, solange er sich an die Regeln (keine Gewalt, keine Sachbeschädigung) hält. Wer ohne dies nicht auskommt, soll sich bitte von den Demos fernhalten.” So etwas habe ich aus Frankfurt nicht gehört, ganz im Gegenteil, da kommt immer der unterschwellige Unterton “im Grunde akzeptieren wir es – ist ja nicht so schlimm” mit rüber. Und genau in dieser Situation wird eine Differenzierung (vor allem von außen, also für mich, aber auch für den Rektor und die Polizei) schwerer und das führt dann zu solchen Räumungen.

    Und ja, ich verurteile auch Studiengebühren, Kameraüberwachung, soziale Selektion und will eine andere Politik. Dies entspricht natürlich nicht der klassischen Definition von Gewalt und ist in unserem Strafrecht nicht aufgelistet, aber wahrscheinlich in einigen Fällen mit schlimmeren Auswirkungen versehen als so manche strafrechtlich verfolgte Gewalt.

    Nun noch zum letzten Satz, wo Gewalt anfängt. Gewalt fängt im kleinen an, z.B. auch durch (Körper-)Sprache, Aktionen und so weiter und geht bis zur körperlichen Gewalt. Die “implizite” Gewalt wird strafrechtlich quasi nicht geahndet (ich habe hier überlegt, ob ich ein LEIDER hinschreiben soll, bin mir aber nicht sicher, wo dies enden würde und ob das überhaupt möglich wäre, solche Gewalt zu verfolgen), die “explizite” wie von den Polizisten angeblich ausgeübt hoffentlich schon.

    Aber auch hier bitte ich zu differenzieren. Wenn 5 Polizisten von einer Hundertschaft sich unangemessen verhalten, dann ist es auch undifferenziert zu schreiben, dass “die Polizei” unangemessene Gewalt anwendet. Die mündlichen Berichte [EDIT: Nicht die Berichte selber, sondern das, wovon berichtet wird] würde ich als “unangemessene Gewalt” einstufen, die Bilder haben jedoch jetzt nichts “krasses” dokumentiert.

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