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Allgemein & Politik » Konstruktivismus vs. Protestieren
15Jan

Konstruktivismus vs. Protestieren

Bei den Studentenprotesten tauchte immer mal wieder Fragen wie diese auf:

  • Soll man den Hörsaal blockieren oder lieber doch für Bildung freigeben?
  • Soll man den Rektor im Plenum anhören, oder ihn auspfeifen?
  • Soll man in Gespräche gehen, oder diese ignorieren?

Daher stellt sich mir jetzt unabhängig von den Protesten die Frage, wie man in Verhandlungen geht.

Im Grunde sehe ich das so, man hat 2 Strategien

  1. Man kann ausreichend Druck aufbauen, um seine Forderungen durchzusetzen
  2. Man kann den anderen Überzeugen, dass die eigenen Forderungen so gut sind, dass sie für alle (zumindest für alle Verhandlungspartner) das Beste sind.

Nun fordert zum Beispiel dieser Artikel der Jungleworld (zumindest implizit) mehr Druck und weniger Konstruktivismus. Ich überlege mir dagegen, wie welcher Druck auf wen aufgebaut wird:

  • Rektoren: Nö, wenn es Ihnen zu bunt wird, dann rufen sie die Polizei.
  • Politiker: Ansatzweise, die winden sich mit kleinen Zugeständnissen und allgemeinem Verständnis aus der Sache
  • Medien: Nö, die berichten paar Wochen darüber, aber irgendwann wird es langweilig. (Aber die sollen ja auch nicht unter Druck gesetzt werden, ganz im Gegenteil, die sollen ja Partner sein)
  • Dozenten: Nö, entweder die sind für bessere Lehre, dann beteiligen sie sich sogar an Aktionen, oder ihnen ist die Lehre egal, dann freuen sie sich sogar über jede ausgefallene Vorlesung und die Zeit, in der die “eigentliche” Arbeit erledigt werden kann.

Also die einzigen die unter den Besetzungen wirklich leiden sind jetzt die Studenten, die für dieses Semester 500 € gezahlt haben und dieses Semester jetzt vielleicht sogar verlieren. Vielleicht ist im ersparten Budget kein Platz für ein zusätzliches Semester.

Umgekehrt ist die Frage, was kann über Gespräche erreicht werden. Und hier ist meine Erfahrung, dass dort sehr viel erreicht werden kann. Wenn der richtige Mix da ist, aus folgenden Komponenten, dann kann man sehr oft viele Wünsche “durchsetzen”:

  • Inhaltlich passende Argumente
  • Verbindliche Zusammenarbeit, d.h. beide können darauf vertrauen, dass Zusagen eingehalten werden
  • Win-Win-Situationen: Man achtet darauf, dass der andere nicht verliert, sondern idealerweise auch etwas davon hat (und für Politiker kann dies schon ein Pressefoto und eine PM mit einer gemeinsammen Erfolgsmeldung sein)

So, und jetzt will ich hier nicht als Purist dastehen, manchmal braucht man erstmal Proteste und einen gewissen Druck, um das Ohr des anderen zu öffnen. Aber wenn dies der Fall ist, sollte m.E. auf jeden Fall der konstruktive Weg eingeschlagen werden.

Und nun noch etwas Literatur zur Verhandlungstheorie:

Das Harvard-Konzept

Verfasst am 15.01.2010 um 8:24 Uhr von mit den Stichworten , .
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