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Energie & Politik » Atomkraftwerke sollen laufen, solange sie günstig und sicher sind…
04Aug

Atomkraftwerke sollen laufen, solange sie günstig und sicher sind…

… wird derzeit in etwa so von der CSU gesagt.

Und ich kann diesen Satz unterschreiben, möchte hier jedoch erstmal anfragen, was sicher ist. Dabei stelle ich mir sowas vor:

Atomkraftwerke sind sicher, solange

  • sie keine (weniger als 5) meldepflichtigen Ereignisse pro Jahr verursachen (siehe auch hier)
  • geklärt ist, wohin der Atommüll kommt, ohne dass er Schaden anrichtet (siehe auch hier)
  • es in keiner Studie nachgewiesen werden kann, dass gewisse Krankheiten um AKWs herum häufiger auftreten. (siehe auch hier)

Ein marktwirtschaftlicher Ansatz wäre es, die AKWs müssten sich gegen Schäden haftpflichtversichern. Wenn AKWs sicher sind, dann können die Prämien ja nicht so hoch sein. Noch mal zur Erinnerung: Versicherungsprämien berechnen sich nach der Formel:

Prämie = Schaden_1*Wahrscheinlichkeit(Schaden_1) + Schaden_2*Wahrscheinlichkeit(Schaden_2) + … + Schaden_N*Wahrscheinlichkeit(Schaden_N) + (Verwaltungsgebühren + Gewinn + Rücklagen)

Natürlich wird das nun auch über Jahre verteilt gerechnet … aber insgesamt kann man sagen, die Prämie berechnet sich vor allem aus dem erwarteten Schaden. Nun gibt es 2 Möglichkeiten

  1. Versicherungen bewerten den zu erwartenden Schaden als hoch ==> AKWs sind nicht sicher
  2. Versicherungen bewerten den zu erwartenden Schaden als gering ==> AKWs sind sicher

Ich bin mir allerdings relativ sicher, dass der Atomstrom erheblich teurer wäre, wenn er (ähnlich wie Windkrafträder) eine Haftpflichtversicherung abschließen müsste. Der erwartete Schaden ist einfach zu hoch. 11000000000000 €, das sind läppische 137500 Euro pro Person (bei 80.000.000 deutschen) . Jetzt nehmen wir mal an, die Wahrscheinlichkeit von 2% dazu.

Jede Person müsste über 30 Jahre gesehen 2750 Euro für die Haftpflichtversicherung einzahlen. Also knapp über 90 Euro pro Jahr, also bei einem 3-Personen-Haushalt 275 Euro pro Jahr. Nur für die Haftpflichtversicherung.

Das wäre pro kWh … 14,18 Cent (Dreipersonen-Haushalt etwa 3.900 kWh).

Im Internetvergleich gibt es den Strom ab 555 Euro, also ca. 14 Cent. Also würde die Haftpflichtversicherung nochmal so viel kosten.

Wenn man nun von ca. 28 Cent Strompreis für AKW-Strom ausgeht, sind da noch keine Entsorgungskosten reingerechnet (Asse muss wohl vom Steuerzahler gereinigt werden) . Aber selbst mit 28 Cent wäre dieser Strom erheblich teurer als moderner Ökostrom.

Also kann ich mich der CSU-Forderung anschließen, AKWs genau solange laufen zu lassen, wie sie sicher und günstig sind…. nur dass die CSU wohl meinte, dass die AKWs es seien, ich dagegen dies sehr stark anzweifle. Also beides, sowohl die Sicherheit, als auch den “billigen Strom”, weil selbst wenn man “nur” die o.g. versteckten Subventionen reinrechnet (und es gibt noch paar mehr), dann ist der Atomstrom nicht mehr günstig.

Bis Anfang 2010 war die Deep Horizon auch eine sichere Ölplattform, bei der Unfälle quasi ausgeschlossen waren.

Verfasst am 04.08.2010 um 21:31 Uhr von mit den Stichworten , .
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