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Medien » Netzneutralität
11Aug

Netzneutralität

Netzneutralität besagt, dass alle Daten gleichberechtigt (gleich schnell) durch das Internet transportiert werden.

Das Gegenmodell ist, dass einige dafür zahlen können, dass deren Daten schneller transportiert werden.

Beide Modelle sind wieder mal sehr vereinfacht ausgedrückt, genaueres gibt es z.B. auf der Seite pro Netzneutralität.

Was ich mir überlege ist, ob es nicht eine Zwischenvariante gibt. Es gibt einige Daten, die dürfen ruhig etwas langsamer sein, andere sollen ganz schnell da sein. Solange es genügend Kapazität gibt, will man natürlich alles ganz schnell haben, aber was ist, wenn die Kapazität an die Grenzen kommt. Wenn man für die “Beschleunigung” (Hochpriorisierung) nicht zahlen müsste, sondern es da gewisse Regeln gibt, dann könnte ich es mir durchaus als sinnvoll vorstellen.

Ich erinnere mich an die Einstellungen in meiner Fritz.Box (<- dort ist auch schön erklärt, welche Gedanken die sich schon zur Priorisierung gemacht haben). Da habe ich eingestellt, dass bei einer hohen Auslastung der DSL-Leitung Telefonie Vorrang haben soll. Also wenn ich telefoniere und mir gleichzeitig die neuste Version von Ubuntu runter lade, dann will ich, dass das Gespräch störungsfrei verläuft, aber der Download kann ruhig paar Minuten länger brauchen. Daher gestehe ich, dass ich zu Hause keine Netzneutralität habe. Und daher frage ich mich auch, ob wir das nicht so im gesamten Internet wollen. Wenn mein Nachbar telefoniert und daher mein Download langsamer werden würde, fände ich es OK, solange es auch umgekehrt ist.

Der nächste Aspekt ist, auf der “letzten Meile” haben wir ja auch keine Netzneutralität. Wie man auf der Seite jedes ISPs sehen kann, kann man für etwa 5 Euro mehr sich seine Daten mehr als doppelt so schnell (16 statt 6 MBit/s) zuschicken lassen. Oder verstehe ich das falsch? Durch die gleiche Leitung werden (selbst bei freien Kapazitäten) weniger als 40% der möglichen Daten geschickt, wenn man nicht bereit ist, den Aufpreis zu zahlen. Und inzwischen gibt es ja sogar 50-er-Leitungen. Gegen noch mehr Aufpreis.

Also, solange das Internet genug Kapazitäten hat, ist es gar kein Problem, die Netzneutralität aufrecht zu erhalten. Aber sobald die Kapazitäten knapp werden, fände ich es sinnvoll, wenn es Regeln gäbe, die festlegen, welche Daten priorisiert werden. Und dieser Zustand ist in den Mobilfunknetzen leider der Fall. Ich habe einige Monate lang einen Zugang getestet. Von theoretischen 7,2 MBit/s kamen oft weniger als 0,1 MBit/s an, meist war es weniger. (Aber einige sehr wenige Fälle habe ich auch erlebt, in denen es mehrere MBit/s waren).

In solchen Situationen würde ich dazu tendieren, die Daten zu priorisieren. Andererseits mag ich gerade keine Prioriesierung angeben, weil es dafür diverse Kriterien gibt, die sich zum Teil stark widersprechen.

  • Fair Use: Wer bisher weniger runter geladen hat, oder kleinere Sachen runter lädt, bekommt seine Sachen schnell, wer dauernd die Leitung blockiert, bekommt seine Sachen langsamer.
  • Echtzeitnotwendigkeit: Telefonate/Live-Streams gehen schnell durch, während Mails, Webseiten “normal” durchgehen (also so, dass sie auch schnell da sind, aber ob die jetzt eine halbe Sekunde länger dauern, ist meistens kein Problem) und Downloads/Filesharing halt niedrigste Priorität hat.

Alleine mit diesen beiden Kriterien, würden live-Videostreams und (Dauer-)Telefonate an ganz verschiedenen Stellen der Prioritätenskala stehen. Es gibt aber bestimmt noch weitere Kriterien, so dass man für (fast) alles einen Grund hätte, es hoch bzw. niedrig zu Positionieren.

Gerade weil es so uneindeutig ist, was man sinnvoll hoch priorisieren will, tendiere ich dazu, erst mal die Netzneutralität zu fordern. Wenn es dann eine Liste gibt, in der alle Kriterien und Aspekte berücksichtigt sind, dann kann man darüber diskutieren, ob es fairer, besser oder sinnvoller wäre, eine Priorisierung zuzulassen. Aber eine Priorisierung aufgrund von Geld, lehne ich ab.

Verfasst am 11.08.2010 um 19:42 Uhr von mit den Stichworten .
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