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Bildung & Bürgerrechte & Politik » Integration – Was ist das
04Nov

Integration – Was ist das

Gestern durfte ich eine Veranstaltung zum Thema “Als Migrant/in in die Politik” moderieren. Ein wichtiger “Nebenaspekt” ist dabei natürlich auch das Thema Integration. Und gerade bei der Frage “Was ist Integration?” bzw. ab wann akzeptieren wir eine Person hier in Erlangen als integriert wurde klar, dass (fast) niemand da ein klares Bild hat.

Auch ich habe kein ganz klares Bild, aber 2 Kriterien, wann für mich jemand integriert ist:

  • Er/Sie muss bereit und fähig  sein, mit mir “schöne & sinnvolle” Zeit zu verbringen.
  • Er/Sie darf kein Verhalten und keine Werte haben, die mich “abstoßen”.
  • Er/Sie seine Ziele hier erreichen kann.

Hierbei ist einiges anzumerken:

Ich nehme mich als Referenz.  Damit will ich ausdrücken, dass selbst diese Kriterien subjektiv sind. Ich und jeder ist ein Mitglied einer Subkultur, die sich bei einer sehr feinen Betrachtung bis auf eine Person (mich) reduzieren lässt. Ob jemand findet, das Leute (egal ob deutsche oder nicht) mit Hosen knapp über den Knien integriert ist oder nicht, wird in Deutschland wohl recht unterschiedlich bewertet. Bei entsprechenden Jugendgruppen wird er wohl (was dieses Kriterium betrifft) perfekt integriert sein. Bei einer Bank als Arbeitgeber würde jemand mit solchen Hosen wohl seine Karriere-Ziele nicht erreichen können. Mir persönlich ist es relativ egal, was er für Hosen anhat.

Jetzt will aber der Staat wieder mal “Integration” definieren.

z.B. hier (da es nur ein kurzer Zeitungsartikel ist, zitier ich ihn mal komplett):

Integration soll überprüfbar werden

Berlin. Bildungsdefizite und Hindernisse beim Aufstieg von Zuwanderern in Deutschland sollen zielgerichtet beseitigt werden. Das ist Ziel des vierten Integrationsgipfels, der am Mittwoch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Ende ging. Integration solle verbindlicher und überprüfbarer werden, teilte die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) mit. Innerhalb eines Jahres solle ein Nationaler Aktionsplan erarbeitet werden. Bei Bildung, Deutschkenntnissen und Ausbildung seien klare Zielvorgaben vorgesehen.

Die Bundesregierung will zudem dafür sorgen, dass in den kommenden fünf bis sieben Jahren der Bedarf an Integrationskursen in Deutschland gedeckt wird.

Mit diesem Statement wird ja suggeriert, man wüsste, nach welchen Kriterien man entscheiden kann, ob jemand integriert ist. Einige Kriterien werden implizit genannt (und stimmen irgendwie auch mit meinen Kriterien oben überein:

  • Bildungsdefizite und Hindernisse beim Aufstieg bzw. Bildung und Ausbildung (bei mir “Ziele erreichen”)
  • Deutschkenntnisse (“schöne Zeit” und “Ziele erreichen”)
  • Integrationskurse – ohne zu wissen was darin vorkommt, kann man annehmen, dass die Inhalte an irgendwelchen Kriterien (vielleicht unbewusst), was Integration ist, ausgerichtet. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es bezweifle, dass die richtigen Kriterien ausgewählt wurden. Weil ähnliche Kriterien darf man ja bei einem Einbürgerungstest erwarten. Und da gehen einige Fragen total an den relevanten Zielen vorbei.

Daher würde ich abschließend sagen, dass für mich diese Kriterien für Integration zentral sind:

  1. Sprachkenntnisse – Dies ist ein ganz zentrales Kriterium, wird aber von immer mehr (jungen) Migranten erfüllt.
  2. Schulabschluß / berufsqualifizierenden Abschluß – hier denke ich, müssen sich beide Seiten verantwortlich fühlen. Die Migranten (genauso wie alle anderen) selber müssen den Abschluss wollen

Und damit läuft eigentlich alles darauf hinaus, dass man Kindern von Anfang an zeigen muss, dass es egal ist, mit wem man Zeit verbringt und ihnen die Möglichkeiten gibt, voneinander zu lernen…

Und nun noch ein Photo von der Veranstaltung:

Verfasst am 04.11.2010 um 21:19 Uhr von mit den Stichworten .
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