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Politik » Volkspartei? Konzeptpartei!
20Nov

Volkspartei? Konzeptpartei!

Wikipedia erklärt ausführlich was eine Volkspartei ist. Einleitend steht:

Als Volkspartei bezeichnet man eine Partei, die für Wähler und Mitglieder aller gesellschaftlicher Schichten und unterschiedlicher Weltanschauungen im Prinzip offen ist.

Dies trifft natürlich für die Grünen Voll und Ganz zu. Wir suchen für alle eine gerechte Lösung und vertreten nicht nur Randgruppen. (Natürlich ist eine Lösung nicht für jedes Einzelinteresse optimal).

Aber es geht noch weiter, z.B.:

Nach Dieter Nohlen ist Volkspartei „eine Selbstbezeichnung von Großparteien wie der SPD, CDU und CSU, die durch Ausweitung ihrer Wählerbasis nach möglichst vielen Stimmen für strategische Mehrheiten streben. Ihre politische Rhetorik und werbende Selbstdarstellung stützt sich dabei auf den Anspruch, schichtübergreifend und weltanschaulich verbindend breite Wählerschichten in sich aufzunehmen und in ihrer Interessenvielfalt ausgleichend vertreten zu wollen.“ [1]

Und da klingt etwas mit, und zwar: “Eine Volkspartei will es jedem Recht machen.” Und das ist es, was wir Grünen nicht wollen. Wenn etwas richtig ist, dann tut es meistens einigen Leuten auch weh. Wenn wir Umweltchutzmaßnahmen einführen, dann tut es denen weh, die Energie verschwenden und die Umwelt verschmutzen. Wenn wir Stuttgart 21 verhindern wollen, dann tut es denen weh, die auf Bauaufträge spekuliert haben. Wenn wir gegen AKWs sind, dann tut es den Aktionären der 4 Energieriesen weh. Wenn wir die Bürgerversicherung einführen, dann muss auch ein privatversicherter an die normalen Krankenkassen zahlen und damit auch für Arbeitslose, Schwangere etc. aufkommen  (und nicht nur die Mittelschicht wie bisher).

Eine Volkspartei geht tendentiell allen Wiederständen aus dem Weg…. Sie hält am “Status quo” fest.

Eine Konzeptpartei kümmert sich nur sekundär darum, ob sie viele Wähler bekommt. Primär will eine Konzeptpartei Konzepte entwickeln, die unsere Gesellschaft weiterbringen. Und diese Konzepte wollen wir Grünen entwickeln – und sind schon voll dabei und haben viele Konzepte. Natürlich ist dann der zweite Schritt, dass diese Konzepte dann umgesetzt werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten

  1. Selber genug Stimmen bekommen
  2. Andere überzeugen

Im Grunde wäre 2. auch OK, nur hat sich gezeigt, dass die anderen zwar gerne zugeben, dass unsere Konzepte ganz gut sind, aber weil SPD und die Union sich als Volkspartei sehen, fürchten sie sich davor, die Konzepte selber anzupacken, weil es ja Widerstände geben könnte. Beispiele gibt es aus der Umweltpolitik (Tenor der anderen: “Ist wichtig”, aber umgesetzt wird nichts richtig) … Daher müssen wir selber auch viele Stimmen bekommen, um die anderen davon überzeugen, dass unsere modernen, innovativen Konzepte auch beim Wähler ankommen. Bzw. auch, dass der Wähler merkt, wenn nur “Fasade” bei den anderen ist.

Fazit: Wir sind eine Partei, die nach der besten und gerechtesten Lösung für das Volk sucht, aber dabei wollen wir nicht unbedingt jedem gefallen. Das unterscheidet uns Grüne von einer Volkspartei. Deswegen sind wir eine Konzeptpartei. Unsere Konzepte tun einigen Leuten oder Gruppierungen weh. Aber ich glaube, für die große Mehrheit ist es insgesamt besser, als der Status quo, an dem die Volksparteien krampfhaft festhalten.

Verfasst am 20.11.2010 um 20:46 Uhr von mit den Stichworten .
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