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Bürgerrechte & Gesundheit & Politik » Nichtraucherschutz vs. Verbote
23Nov

Nichtraucherschutz vs. Verbote

Gestern Abend war ich auf einer Podiumsdiskussion des BVGG. Ich war dort als einziger Befürworter eines allumfassenden Nichtraucherschutzes. Dort habe ich mich zu dem Kommentar hinreisen lassen, dass mir 20% der Kneipen als Raucherkneipen lieber wären, als rauchende geschlossene Gesellschaften bei Taufen. Das man mich daraufhin irgendwie zusammenfasst & entsprechend interpretiert war zu erwarten, aber das was rauskam finde ich doch sehr frei interpretiert:

  • “Sauter versuchte zuerst, die bekannten Propaganda-Lügen der Tabakkontrolle als “Argument” für das totale Rauchverbot vorzubringen””: Ich weiß nicht mal, was die mit Tabakkontrolle meinen. Angeblich steckt die Pharmaindustrie und die WHO hinter all diesen bösen Propagandalügen. Ich vertraue da einfach dem mir bekannten Pneumologe vom Universitätsklinikum Erlangen, der auf der Podiumsdiskussion vor dem Rauchverbot die medizinische Lage erläutert hat. Natürlich wurde auch wieder die Diskussion aufgemacht, dass es die WHO-Passivrauch-Lüge gibt. Dazu bin ich gerne bereit, über verschiedene Studien zu diskutieren. Natürlich ist es klar, dass jeder die Studien rausholt, die ihm selber am Besten gefallen. Es gibt auch zig Veröffentlichungen, die Passiv-Rauchen als eine Gefahr identifizieren, nicht nur die WHO-Studie.
  • “musste sich aber im Laufe der Diskussion überzeugen lassen, dass das derzeitige bayerische Rauchverbot überzogen, unsinnig und undemokratisch ist, da es Minderheiten ausschließt und in den Ruin treibt.”
    Ich habe Sigi Ermer zitiert, der auf der Podiumsdiskussion vor dem Rauchverbot gesagt hat: “Es muss eine klare Regelung geben. Und die heißt: ‘Nichtraucherschutz hat Vorrang’. Wenn das mal klar ist, dann kann man über Ausnahmen diskutieren.” – Und das sehe ich auch so. Dazu sind im “Nachtreffen” auch richtig konstruktive Vorschläge erarbeitet worden. (s.u.) wie man da die oben genanten Adjektive reininterpretieren kann, ist mir ein Rätsel. Oder leide ich an der “Wolfgang-Schäuble-Krankheit”? Wenn es ein Video/Tonbandaufnahme etc. gibt, dann würde ich mich darüber freuen und einer Veröffentlichung zustimmen.
  • “Der Grünen-Politiker versprach, sich dafür einzusetzen, dass man sich bei den Grünen nicht weiter zum Büttel der Antiraucherlobby und der WHO machen wolle.” – An das Versprechen kann ich mich zwar nicht erinnern, schon gar nicht an das “nicht weiter” – genau gesagt kann ich mich zwar an den Vorwurf and die WHO erinnern, den ich aber in meiner Erinnerung (die normalerweise ziemlich gut ist, wenn es nicht um Namen geht) nicht beantwortet habe, weil es halt einer von zig Vorwürfen war die gleichzeitig kamen.  Büttel finde ich außerdem ein “cooles” Wort, das kannte ich noch gar nicht. Wikipedia macht mich gerade auch nicht viel schlauer was genau damit gemeint ist. Aber ich nehme mal an, dass die sowas wie “Laufbursche” meinen. Das sind wir Grünen nicht! Definitiv! Das kann ich für die Zukunft und sogar für die Vergangenheit versprechen. Es kann zwar sein, dass wir zu den gleichen Ergebnissen kommen und wissenschaftliche Veröffentlichungen nutzen, aber wir machen nichts, weil wir der WHO oder die “Antiraucherlobby” (wer ist das jetzt?) nachplappern.
  • “Konkret versprach er, bei seiner Partei für den Vorschlag zu werben, sich für etwa 20 Prozent legale Raucherlokale einzusetzen.” … Jepp das habe ich, aber ich möchte hier den Kontext erläutern. Bevor die Podiumsdiskussion losging, wurde vorgestellt, wie man legal in Kneipen rauchen darf. Geschlossene Gesellschaften, z.B. bei Taufen. Und ich habe angemerkt, dass es mir erheblich lieber wäre, wenn in einigen Kneipen geraucht werden dürfte und dafür Kinder geschützt werden. In der Diskussion kam dann auch noch der Aspekt “in der Kneipe rauchen” vs. “neben den Kindern rauchen” auf. Da ist mir der Kinderschutz erheblich wichtiger als das Kneipenrauchverbot. Am Ende hat mich dann der Moderator noch mal gefragt, ob ich mir nun 20% vorstellen kann und da habe ich mit “Ja” geantwortet – und da der Moderator wohl eine besondere “Freundschaft” mit unserer Landesvorsitzenden Theresa Schopper hat, bat er mich, ihr diese Meinung von mir mitzuzeilen  … also bin ich wohl selber Schuld, wenn ich so zitiert werde.

Ansonsten lief die Podiumsdiskussion recht interessant ab. Die Raucher mögen weder die CSU, SPD, Grüne … die ÖDP sowieso nicht, die Linke auch nicht richtig, die FDP wurde quasi totgeschwiegen… eigentlich mögen sie die Politik gar nicht. Aber da ich der einzige Befürworter war, war es eine Mischung zwischen Respekt und Gegner/Sündenbock, so dass ich mir ganz verschiedene Zitate anhören durfte, nämlich von “dir ist es also egal, dass ein ausländischer Bürger sich hier eine Shisha-Bar aufgebaut hat und nun wegen dem Rauchverbot hoch verschuldet ist” bis hin zu “wir rechnen dir hoch an, dass du dich hier hergetraut hast und deine Meinung vertrittst”. Zwischendurch schien die Situation zu eskalieren, ich habe mir eher überlegt, ob ich am Abend lebend rauskam, der Security hat mir danach erzählt, dass er fliegende Flaschen befürchtet hat. Aber nach der Veranstaltung sind einige der emotionalsten Menschen auf mich zugekommen und nach einem kurzen persönlichen Gespräch war klar, dass wir zwar entgegengesetzter Meinung sind, aber uns gegenseitig respektieren.

Naja, anschließend bin ich noch mitgegangen in die Kneipe, da haben einige betroffene Wirte noch interessante Sachen erzählt, insbesondere, dass es Lüftungsanlagen gibt.

Daher bin ich inzwischen der Meinung, dass folgendes Vorgehen sinnvoll wäre:

  • Stärkere Konzentration des Nichtraucherschutzes auf Bereiche, in denen Nichtraucher sich bei normalem Verhalten regelmäßig aufhalten müssen oder in denen Kinder sich regelmäßig aufhalten. Dazu zähle ich dann auch Eingänge, Gehwege, öffentliche Gebäude. Ich zähle dazu aber auch Wohnungen und Autos, in denen Kinder sich regelmäßig aufhalten. – Mir ist klar, dass ein Verhalten in der Wohnung nicht geprüft oder kontrolliert werden kann und würde mich hier vor allem auf die Vernunft der Leute beschränken, oder aber natürlich auf Beschwerden der betroffenen Kinder.
  • Um den Rauchern einen Raum zum Rauchen zu geben könnte man dann Kneipen (bis zu 20% der Kneipen) erlauben, eine Raucherkneipe zu eröffnen. Diese Kneipe müsste dann aber Lüftungsanlagen installieren, wie sie mir vom Betreiber einer Münchner Kneipe vorgestellt wurden. Zu dem Thema wie die Konzessionen für Raucherkneipen vergeben werden, gab es auch von den Betroffenen dort verschiedene Vorschläge, die man alle diskutieren kann. Entweder man schaut, wer am ehesten schon früher “Raucherkneipe” war, z.B. auch, ob ein Raucherclub gegründet war. Oder man macht es übers finanzielle, dass heisst, die Genehmigungen werden so teuer, dass nur 20% Interesse haben. Dies würde ja quasi einer Auktion entsprechen.

Ein Konzept das aus diesen beiden Punkten besteht könnte ich mir sehr gut vorstellen und werde dieses nun wie versprochen an Theresa Schopper weiterleiten.

Verfasst am 23.11.2010 um 22:23 Uhr von mit den Stichworten .
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