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Politik » Kino.to
15Feb

Kino.to

Eine moralische Betrachtung zum Thema kino.to

Im Grunde geht die aktuelle Diskussion darum, ob Streamen eine Kopie ist. Rein moralisch muss ich sagen: JA.

Was ist denn das Werk? Ist es wirklich die Folge von Bits und Bytes? Nur indirekt. Das ist eine Repräsentation des Kunstwerkes, die keinen interessiert. Was wirklich interessant ist, ist das Bild und das Geräusch, die der Nutzer mit seinen Sinnen aufnimmt. Also hört und sieht. Mit entsprechender Konvertierung und Komprimierung könnte ich einen Film so weit verändern, dass niemand mehr, anhand der “Bitfolge” die Kopie und das Original einander zuordnen könnte. Es ist aber immer noch der gleiche Film. Daher finde ich es rein moralisch absoluten Quatsch, dass jetzt einige Juristen argumentieren, wenn man etwas streamt, dass dann keine Kopie erstellt wird. Sobald es auf dem Monitor und den Lautsprechern ausgestrahlt wird, ist eine Kopie des Werkes erstellt worden.

Etwas ganz anderes ist aus meiner Sicht die moralisch-juristische Würdigung von Raubkopien generell. Filme laufen nach paar Monaten im Free-TV. Klar zahlt man da indirekt über Werbung und so auch was, aber wenn man z.B. ein Festplattenrekorder hat, kann man über die Werbung drüberspulen. Musik läuft im Radio. Also im Grunde ist das doch auch kostenlos empfangbar. Und wahrscheinlich hätten die Raubkopierer die Filme auch nicht gekauft, wenn sie die nicht im Internet gefunden hätten, zumindest nur einen Bruchteil davon, einige Behaupten sogar, sie kaufen die Filme, die sie mal als (schlechte) Raubkopie gesehen haben und die sie gut fanden, gerne als DVD.

Von daher würde ich sagen, die Sache mit kino.to sollte jetzt NICHT dazu führen, dass die Politik darüber diskutiert, wie man Raubkopierer ins Gefängnis bringt, sondern darüber, wie man sich in Zukunft die Kunst- und Medienlandschaft vorstellt, so dass das Internet REALISTISCH eingebunden wird und die Urheber trotzdem nicht ausgebeutet werden.

Gerade bei Hollywood-Filmen ist es ja extrem krass. Jeder will sie sehen, weil sie so coole Special-Effects haben und die Schauspielerische Leistung so top ist. Aber diese Top-Stars und diese gesamte Produktion von den Filmen kostet zig Millionen. Von daher ist es absolut verständlich, dass die nicht wollen, dass man die Filme in Blueray-Qualität runterladen kann und dann gratis ansehen. Denn wenn das jeder machen würde und keiner mehr ins Kino gehen würde, dann würden die Produzenten kein Geld mehr für neue Filme haben und das will ja scheinbar auch keiner. Es gibt genug CC-Produktionen im Netz, die wurden mit Low-Budget gedreht, die kann man legal und kostenlos runterladen. Aber das sind eben keine Blockbuster. Und ob es wirklich reicht, die Kinoeinnahmen als Einnahmequelle zu nutzen, insbesondere wenn das Kopieren legal wäre, wage ich zu bezweifeln. Es gibt immer mehr Leute mit Beamer. Also könnte jeder zu Hause mit Kumpels “für lau” den Film schauen. Daher verstehe ich die Panik der Produzenten.

Die Kunst dabei wird sein, ein Gleichgewicht zu finden, so dass Kunst entsprechend honoriert wird (die Urheber also Geld dafür bekommen), digitale Kopien in entsprechendem Maß legalisiert werden und die Nutzer der Kunst einen entsprechenden Obolus abdrücken.

Eine Idee dazu ist ja die Kultur-Flatrate, die z.B. mit den Internetgebühren erhoben werden könnte. Der Nachteil wäre natürlich, dass dann Leute wie ich, die sich absolut nicht für Musik interessieren, dann auch dafür zahlen müssten. Aber besser, als wenn jedes Schulkind, dass mit 17 3 Filme kopiert für 5 Jahre in den Knast muss  (die 5 Jahre Knast werden auf diversen DVDs am Anfang mit einer dümmlichen Anti-Raubkopie-Werbung erwähnt)

Aber auch wenn ich die jetzige Gesetzeslage NICHT gut finde, verstehe ich nicht, warum Streamen bei der jetzigen Gesetzeslage nicht als Raubkopie gelten soll. Arbeitsspeicher ist auch ein Speichermedium. Zwar ein flüchtiges, aber who cares… Und das die Quelle illegal ist, weiß ja hoffentlich jeder, der auf kino.to geht, oder?

Verfasst am 15.02.2012 um 22:07 Uhr von .
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