Frei nach JFK: “Ich bin ein Verpixler”…
gestern kam der Brief von Google an (trotz verfälschtem Namen), der Code wurde eingegeben und mir wurde bestätigt, dass “mein” Haus verpixelt wird.
Frei nach JFK: “Ich bin ein Verpixler”…
gestern kam der Brief von Google an (trotz verfälschtem Namen), der Code wurde eingegeben und mir wurde bestätigt, dass “mein” Haus verpixelt wird.
Viele Leute finden die Aufregung über Street-View übertrieben, z.B. Alex Gauert meint zu Recht, dass es legal sei, auf Straßen zu fotographieren. Stimmt.
Das Problem ist aber, dass diese Photos, solange es um die Fasade des Gebäudes geht, nicht personenbezogen sind, aber inzwischen gibt es Telefonbücher in digitaler Form, d.h. im Internet ist nicht nur die Fasade zu sehen, sondern “paar Klicks weiter” sind die Daten, die dieser Fasade mehreren Personen zuordnen. Und Google-Street-View gibt für jede Fasade die Adresse mit an. Das ganze ist damit kein Bildband mehr, in dem es nur um die Häuser geht, sondern es ist primär eine Zuordnung von Wohnorten zu Personen. Auch vom Nutzungsverhalten wird Street-View nicht als Bildband benutzt. Sondern eher, um zu Personen etwas herauszufinden.
Daher bin ich ein “Verpxler”. Erlangen ist zwar nicht bei der ersten Iteration dabei, aber besser früher als zu spät.
So, nun gibt es hier den 3. Teil der Interviewreihe. Heute ist unser Thema das Internet.
Christian: Was ist deine erste Assoziation zu folgendem Ausdruck: #zensursula
Lutz: Gut gemeint, falsch gelaufen!
Ursula von der Leyen ist klug, konservativ und machtbewusst, Vielleicht hat sie es wirklich ehrlich gemeint, und es ging ihr nur darum, Kinderpornographie den Merkt zu nehmen und die Verbreitung zu verhindern.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie blauäugig an dieses Thema heran gegangen ist. Mir fallen dazu verschiedene Dinge ein.
Sie schafft sich Respekt bei der nicht internetaffinen Bevölkerung.
Internetaffine Bevölkerung wählt eher nicht konservativ. Durch diese Diskussion kann diese Gruppe in verschiedene Parteien getrieben werden, und so die Opposition geschwächt werden.
Wenn Sie nach Ihrem Vater schlägt, steht mehr dahinter als nur der Versuch, Kinderpornographie zu verbieten. Kinderpornographie ist ein sensibles Thema, unter dessen Etikett der Schritt zur Zensur gehen läßt.
Christian: Wie stehst du zu den Zugangserschwerungsplänen, die von manchen auch als Zensur bezeichnet werden?
Lutz: Die technischen Details sind mir nicht geläufig, und kann mich daher nur an das halten, was mir aus zweiter Hand zugetragen wurde. Die jetzige Methode der Sperren ist wohl für Kundige leicht zu umgehen. In Dänemark wurde das so schon einmal probiert. Dummerweise wurde über das Internet die Liste der zu sperrenden Seiten bekannt, so dass jeder Interessierte wusste, wo er den Dreck finden kann. Der Effekt der Sperren war wohl sehr mau.
Ich habe von Wolfgang Wieland, MdB, erfahren, dass nach Verabschiedung des Sperr-Gesetzes weitere Stimmen laut geworden sind, die noch mehr Seiten sperren lassen möchten. Für manchen ist da jetzt ein Tor geöffnet worden. Und schale Blicke nach China, das recht effektiv das Internet zu zensieren weiß, werden im Bundestag wohl auch schon gesehen.
Ein Zitat vom einem Bundesverfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem dazu:„Ein Zugriff auf die Inhalte im Internet gefährdet dessen freiheitliche Strukturen, Wenn es ausnahmsweise Gründe dafür gibt, muss strikt auf Rechtsstaatlichkeit und demokratisch legitimierte Kontrolle geachtet werden.“ Und genau daran fehlt es!
Christian: Hilft das Gesetz den Kindern?
Lutz: Nein!
Der Konsum und die Verbreitung von Kinderpornographie laufen nur zum Teil über das Internet. Produzenten und Abnehmer werden sich auch weiterhin finden, und wenn es auf dunklen Parkplätzen ist.
Hier hilft nur eine europaweit koordinierte klassische Polizeiarbeit. Europaweit, und darüber hinaus, wohlgemerkt. Und eine konsequent strenge, Gesetzgebung und unnachsichtige Rechtssprechung.
Christian: Ein anderes Thema, das mir persönlich auch am Herzen liegt, ist der Umgang mit Privatkopien. Was würdest du erlauben, was würdest du verbieten? Wieviel sollen die Künstler bekommen? Wie sollen Kinder bestraft werden, die auf dem Schulhof MP3s austauschen? Und wie sollen Leute nutzen, die dazu das Internet nutzen (PirateBay, etc.)?
Lutz: Wir erleben etwas sehr spannendes. Das Internet beginnt kulturelle und rechtstaatliche Strukturen zu ändern. Diese Veränderung kann man vielleicht verlangsamen, aber sie hat mit Macht begonnen, und sie wird weitergehen. Politik steht in der Verantwortung, Veränderungen zu begleiten und für die Bedürfnisse der Bevölkerung zu gestalten. Aber sie muss sie mittragen, sonst scheitert sie.
Wir können doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, all die Menschen, die Kopien aus dem Netz ziehen zu kriminalisieren.
Im Spiegel Nr. 33 diesen Jahres war dazu ein Artikel, in dem einiges stand, dass mich sehr nachdenklich gemacht hat. Ich möchte einige Zitate bringen:
Recht, das sich nicht mehr durchsetzen lässt, löst sich von selbst auf.Was ursprünglich Diebstahl an geistigem Eigentum war, der illegale Download, ist für eine schnell wachsende Piratenbewegung zum Exempel für die Befreiung der Gesellschaft geworden. Die private Aneignung von Information sei, so der revolutionäre Ansatz, nun mal nicht angelegt in der Freiheit des Cyberspace.
„Denken Sie an die Französische Revolution“, warnte etwa Reto Hilty, Direktor am Münchner Max- Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Anfang Mai bei einer Konferenz zum Thema „Zukunft des Urheberrechts“ mit Brigitte Zypries. „Manchmal“, so Hilty, „entsteht Fortschritt durch zivilen Ungehorsam.“
Ich selber tu mich schwer, die bisherigen Gewohnheiten des Urheberrechts anders zu denken. Aber es geht. Ich musste nur den Mut finden, neue Ideen mitzudenken. Allerdings bin ich noch zu keinem Schluss gekommen. Ich stehe da wie die meisten erst am Anfang.
Die Politik wird sich mit diesem Thema dringend beschäftigen müssen. Wir müssen einen öffentlichen Dialog führen. Es wird zu Zerwürfnissen kommen, dass ist unvermeidlich. Doch die Politik kann als geschickte Managerin intelligent den Diskurs leiten. Dazu muss sie zumindest in Deustschland viel lernen, vor allem geistige Beweglichkeit!
Christian: Was sagst du zu der Kulturflatrate?
Lutz: Im Moment ist diese Idee die einzige, die einen Erfolg verpricht. Denn sie trägt den möglichen Veränderungen Rechnung, ohne sie verhindern zu wollen.
Christian: Vorratsdatenspeicherung, hilft das gegen den Terrorismus?
Lutz: Sie hilft doch vor allem, um nach der Tat die Täter schneller dingfest zu machen, so habe ich das verstanden. In Großbritannien haben die Sicherheitskräfte dies genau so zugegeben. Also ich glaube nicht, dass sie hilft. Hier wird nur eine weitere Datenbank geschaffen, mit der man noch vieles andere anstellen kann. Seit durch das BKA-Gesetz die parlamentarische Kontrolle Ausgehebelt wurde, traue ich den Architekten unserer Sicherheitsstruktur immer weniger.
Christian: Und Onlinedurchsuchungen, glaubst du, dass das gegen Terroristen hilft?
Lutz: Vielleicht kann sie helfen. Ich weiß es nicht. Kann man den Aussagen der Sicherheitsorgane glauben, die den Nutzen sehen? Mit meinem Verständnis für Demokratie und Gesellschaft und meiner Auffassung des Grundgesetzes geht das nicht zusammen. Wie weit wollen wir gehen einer diffusen Terrorismusangst wegen?
Christian: Dies ist eine gute Frage. Vielleicht kann die ja auch bei der nächsten grünen Veranstaltung gestellt werden. Am 31.08. kommen der Grüne Landesvorsitzende Dieter Janecek und Malte Spitz aus dem Grünen Bundesvorstand nach Erlangen zum Thema “Freiheit des Internets”. Bist du auch dabei?
Lutz: Ja!
Christian: Toll, dann sehen wir uns da ja. Bis dann. Und nächste Woche gibt es dann hier wieder ein Interview.
Ich habe die Fortsetzung zum ersten Kulturflatrateartikel ja schon angekündigt. Hier ist sie!
Ich habe nun einige der Quellen gelesen und mag das kommentieren:
So, das wurde jetzt ein langer Beitrag…. ich hoffe mal, den einen oder anderen Kommentar dazu zu bekommen
Auf Heise steht ein Artikel zur Kulturflatrate.
Das ungelöste Problem dabei scheint jetzt zu sein, wie das Geld von den “Konsumenten” (also denen, die die Flatrate zahlen) zu den Künstlern kommt.
Oder anders gesagt, wie wird die Verbreitung gemessen. Ein paar Ideen, einfach mal Brainstormartig und ohne Bewertung:
Das Problem (jetzt kommt die Bewertung) ist wohl immer der Zwiespalt zwischen Privatsphäre und Datenschutz auf der einen und einer einigermaßen repräsentativen fälschungssicheren Statistik auf der anderen Seite.
Ich tendiere gerade dazu, einen offiziellen “Flatrate-Server” aufzubauen. Dieser könnte als Torrent-Server organisiert sein, d.h. die Bandbreite bleibt relativ erträglich. (Also sozusagen ein offizielles Pirate-Bay). Über diesen Server kann jede Band ihre Lieder dann legal anbieten. Dieser wird für die Statistik genutzt. Der Nachteil ist die Privatsphäre (IP-Adresse wird bekannt), aber da das ja legale Inhalte sind, ist das ja auch nicht so schlimm wie in Tauschbörsen mit illegalen Inhalten und irgendwer bekommt die IP-Adresse ja immer und mit entsprechenden Löschungsregeln mag es dem einen oder anderen sogar lieber sein, als wenn da ein privates Unternehmen die Daten bekommt. Im Gegenzug könnte man dann mit der Zeit eine einigermaßen vollständige Datenbank aufbauen und die Daten könnten auf Viren etc. geprüft sein.
Auch von der Usability tendiere ich zu der “zentralen” Lösung. Wenn ich schon eine Flatrate zahle, will ich auch einigermaßen effektiv an die Kultur kommen. Wenn ich doch wieder in Foren, … suchen muss, dann ist meine Zeit eigentlich zu teuer, so dass dann ein e-shop wieder attraktiver wird.
Es kann ja jede Band dann trotzdem auf ihre Seite schreiben:
Offizieller Download: [offizieller Torrent] (wir bitten diesen Torrent zu nutzen, dass wir auch Geld dafür bekommen. Dabei wird jedoch die IP-Adresse dem Server der Kulturflatrate übermittelt)
“privater” Download: [Datei auf dem Server] (Ihre IP-Adresse wird nicht an die offizielle Kulturflatrateseite übermittelt. Daher bekommen wir auch kein Geld. Bitte nur verwenden, wenn es wirklich notwendig ist.)
Auch wenn mir diese Lösung gerade am Besten gefällt, 100% bin ich damit noch nicht zufrieden. Bessere Ideen?
Ich habe noch paar Quellen, die ich demnächst lesen und kommentieren werde… [Fortsetzung folgt]
Ich war gerade geschockt …. diese Internetseite bietet an, dass Twitter-Icon mit einem “Atomkraft Nein Danke Logo” zu schmücken. Warum bin ich da geschockt? Weil der Service All Inclusive ist. Hmm? Was ist daran schlimm? Auf dem Bild sieht man es vielleicht:
Da soll man seine Logindaten für Twitter angeben.
Um das Prinzip mal überspitzt zu formulieren: “Kaufen Sie tolle Sachen ganz billig bei mir. Ich übernehme sogar für sie die Arbeit der Überweisung. Einfach Ihre Onlinebankingdaten hier eintragen: Kontodaten, PIN und TAN ….”
Nun, man könnte argumentieren, dass die Sachen, die bei Twitter stehen, sowieso öffentlich sind, dass da nichts wichtiges steht, … aber das Prinzip, ich geben meine Zugangsdaten irgendwo an, dass jemand anderes da was für mich macht, das will mir einfach nicht in den Sinn.
Es ist ohne weiteres Möglich, ohne Passwort auf Twitter zuzugreifen und das Bild runterzuholen. Dieses kann dann bearbeitet werden und zur Verfügung gestellt werden. Und dann könnte man das “automatische Uploaden” als Option anbieten. Aber einen Dienst, der von Anfang an mein Passwort will, kann ich leider nicht nutzen.
Jetzt noch ganz schnell die Überlegung, was die Politik hier machen sollte? Ich denke verbieten kann man das nicht, man kann nur noch mehr informieren: Geht vorsichtig mit Euren Daten um. Überlegt 3x, bevor ihr irgendwo ein Passwort eingebt. Seid ihr 100% sicher, dass ihr der anderen Seite vertrauen könnt?