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Fussball
14Jun

EM und Patriotismus

Die Debatte kommt wieder auf. Brauchen wir einen Patriotismus? Oder ist ein Patriotismus vielleicht sogar schädlich?

Ich sehe es nicht ganz so krass wie einige Gliederungen der GJ, z.B. Berlin oder RLP, bei denen ja eine Gleichsetzung von Patriotismus und Nationalismus direkt oder indirekt vorgenommen wird. Trotzdem kann ich diesen zustimmen, dass wir mit dem Party-Patriotismus sehr vorsichtig umgehen müssen. Denn ich sehe zwei Gruppen (ganz grob) unter den Fußballfans.

  1. Auf der einen Seite die Leute, die garantiert nicht nationalistisch oder rassistisch sind, aber “die Mannschaft” unterstützen/bejubeln wollen.
  2. Auf der anderen Seite rechte Idioten, die alles national wollen.

Und dazwischen ein breites Spektrum…

Ziel muss es sein, denen, die friedlich und weltoffen sind eine vernünftige Basis zu bieten Fußball zu schauen und gleichzeitig den Idioten jegliche Basis zu entziehen.

Was ist überhaupt Patriotismus?

Als Zitat habe ich jetzt auch schon gesehen: “Patriotismus ist Liebe zu den Seinen – Nationalismus ist Haß auf die anderen” (Richard von Weizsäcker); andere sehen dieses Zitat bei Johannes Rau.

Da stellt sich mir dann aber immer die Frage:

Was macht einen Deutschen zu den “Meinen”? Was liebt man an Deutschland?  Selbst wenige Häuser weiter kann jemand wohnen, den ich garantiert nicht liebe, weil er mir total unsympathisch ist. Keinem aus der Nationalmannschaft habe ich jemals die Hand geschüttelt. Also von LIEBE kann da bei mir nicht die Rede sein. Und trotzdem schaue ich gerne Fußball. Es ist spannend, gerade wenn man für eine der Mannschaften ist. Und ich bin meistens für die Mannschaft, über die ich am meisten erfahre und Hintergrundinfos habe. Also bei mir tatsächlich das DFB-Team. Aber andere Mannschaften mag ich auch.

Aber wenn sich jetzt viele als Patrioten bezeichnen, was lieben sie dann an Deutschland? Wie weit geht die Liebe? Geht die Liebe überhaupt über den Fußball hinaus? Und was genau liebt man? Die Menschen? Die Kultur? Die Landschaft?
Wie viele wären bereit, sich ehrenamtlich für ihr Dorf zu engagieren? Wer zahlt gerne Steuern für unser tolles Deutschland? …

Auf was ist man stolz, wenn man auf Deutschland stolz ist? Persönlichkeiten? Demokratie? Oder doch nur Fußball? Oder auf die eigene Leistung? Aber was hat die mit Deutschland zu tun?

Und gibt es diese Sachen, die man liebt und auf die man stolz ist, nur in Deutschland? Sind das tatsächlich deutsche Attribute? Oder gibt es die Sachen 50 km weiter im Ausland (je nachdem wo man wohnt in Frankreich, Dänemark, Polen, Tschechien, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Schweiz) auch? Dort vielleicht sogar noch mehr als im 500 km entfernten deutschen Ort. Oder mal plakativ formuliert: Hat ein Alpenort nicht mehr mit Österreich gemeinsam als mit Hamburg? Und hat ein Ostseeort nicht mehr mit Dänemark gemeinsam als mit München? Oder der Ort in Chemnitz mit Polen mehr gemeinsam als mit dem Ruhrgebiet?

Und wenn ich so nachdenke, komme ich meistens zu dem Ergebnis, dass ich als politisch engagierter Mensch, der auch das eine oder andere in diversen Vereinen mal ehrenamtlich macht, mich wahrscheinlich viel patriotistischer verhalte als der durchschnittliche Fahnenschwenker, der dann, nach dem 3 Bier die Flasche irgendwo zertrümmert, sie nicht selber wegräumt und damit seine schöne Heimat verdreckt.
Und dann am Monatsende schimpfen wieder viele, dass wieder so viel Steuern vom Gehalt abgezogen werden, und dieser sch… Staat einen in Ruhe lassen soll.
Ist das nicht widersprüchlich, wenn man das Land liebt?

Aber ich sehe mich nicht als “deutscher Patriot”, ich bin einfach jemand, dem sein Umfeld wichtig ist, und das ich mit gestalten möchte. Wenn ich jetzt aus irgendeinem Grund ins Ausland gehen würde, würde ich mich dort genau so verhalten. Ich würde wieder meine direkte Umgebung (im großen wie im kleinen) an vielen Ecken und Enden verbessern und mitgestalten wollen.

Verhalten von (zu) Vielen beim Fußball

Aber zurück zu den Fahnenschwenkern und dem Weizäcker-Zitat.

Wenn alle nur die Nationalmannschaft unterstützen wollen würden und den “Spiel-Gegner” mit absolutem Respekt behandeln würden, hätte ich damit auch kein Problem. Dann wäre die Fahne tatsächlich primär ein Symbol des Fußballfans. Es wird in der Realität leider sehr schnell politisch und der Respekt lässt sehr häufig zu wünschen übrig. Beispiele die ich persönlich miterlebt habe:

  • 2006 haben wir vom AsTA der Uni Ulm zum Spiel Deutschland gegen Argentinien das Spiel im Hörsaal gezeigt und beide Flaggen auf Papier (ca. DIN A0) gezeichnet und vorne hingehängt. Während dem Spiel wurde die Argentinien-Flagge von einem zerrissen unter dem zustimmenden Gejohle von vielen. “Gegenstimmen” waren keine zu vernehmen und mein Versuch das zu stoppen wurde von niemandem unterstützt.
  • Pfiffe bei der anderen Nationalhymne
  • Sprüche der Art: “Ihr seid nur ein Pizza-Lieferant”
  • “Deutschland-Deutschland über alles” –  Rufe – vor 2 Jahren passiert, da gab es aber zum Glück ein breites Gegenecho, dass sowas nicht gewünscht sei.
  • Blöde Sprüche gegen unseren Lieblings-Ciabatta-Italiener nach dem Sieg der Italiener im 2012er-Halbfinale

Diese ganze Stimmung, die diverse “Gefühle beinhaltet”, wie z.B.: Deutschland, anderes Land, besiegen, Glücksgefühle, Wir-Gefühle, …. Diese Stimmung führt dann eben leider nicht selten dazu, dass es ein “wir lieben die Unseren” in ein “wir machen die anderen schlecht” umschlägt. Und das passiert leider bei breiten Massen. Oft gar nicht gewollt oder bewusst, aber obige Beispiele zeigen, dass Viele in sochen Stimmungen auch mal bereit ist, bei Sachen mitzumachen, die mit Respekt garantiert nichts mehr zu tun haben.

Ich bin mir sicher, dass es nicht alle sind, aber leider hat meine Erfahrung gezeigt, dass es zu viele sind und man diesen daher auch öfter mal ein Kontra geben muss. Von der Schätzung würde ich sagen, machen ca. 50% mit und halten das für harmlose Sprüche. Aber leider fallen diese auch auf und prägen das Bild. Und ich halte das für sehr respektlos und will sowas nicht erleben müssen.

Selbst große Medien sehen gewisse “Risiken” beim Partyotismus. z.B. ARD/Sportschau -Partyotismus – Zwischen Willkommenskultur und Gewalt oder die Süddeutsche Nachtrag: BZ
Nachtrag: Noch klarer der Beitrag vom Volksverpetzer

Verhalten von Wenigen nach dem Fußball

Dann gibt es eine kleine Minderheit von Idioten, bei der das in noch krassere Taten umschlägt. Wie weit diese von solchen Stimmungen beeinflusst werden, vermag ich nicht zu sagen, aber ich fürchte, dass dies als ein Aspekt der Ermunterung von diesen Idioten aufgenommen wird. Aber was passiert ist schon krass. Hier mal 2 Beispiele:

Lösungsansatz für das Problem

Ein Ansatz könnte es sein, dass wir viel stärker zwischen “unserer Mannschaft” und Deutschland differenzieren. Wenn Özil ein Tor schießt oder Neuer ein Gegentor verhindert, hat dies wenig mit Deutschland an sich zu tun, außer dass diese eben einen deutschen Pass haben. Genau so wenig übrigens, wie wenn einzelne Idioten mit deutschem Pass bei Schlägereien dabei sind. Das eine sind erst mal gute Fußballer, das andere sind erst mal Idioten, und beide sind nur zufällig deutsch (oder aus einem anderen Land).

Solch eine Differenzierung passiert in anderen Ländern auch. Dort werden die “three lions”(England), “Équipe Tricolore“(Frankreich) … angefeuert. Natürlich wird das jeweils als die Mannschaft des jeweiligen Landes wahrgenommen.

Mit der Namensgebung hat der DFB etwas in die Richtung probiert, allerdings eigent sich der Name nicht so richtig zum anfeuern. “Mannschaft, Mannschaft …. tralalalalaaaa” passt irgendwie nicht. Da müssen wir uns noch was Gutes überlegen.

Aber wenn man nicht nur von den Begriffen, auch von den Symbolen eine Stufe mehr Richtung Fußball geht, wäre das sicherlich ein Ansatz. Trikot ist schon mal ein Symbol, dass wenig mit Deutschland zu tun hat und viel mit der Mannschaft. Die Grüne Jugend hat ja bereits die DFB-Flagge vorgeschlagen.

Auf der anderen Seite muss man aber ganz klare Kante zeigen gegen die, die über Anfeuerungsrufe hinaus sich daneben benehmen. Insbesonders wenn es strafrechtlich relevant wird (z.B. Hitlergruß, Nazisymbole …). Bei Public Viewings würde ich mir wünschen, dass die rausgeschmissen und auch gleich angezeigt werden. Auch wenn ich selber kein Fan des “unverkrampften Patriotismus” bin, wenn man den will, dann geht es nur, wenn man sich gleichzeitig ganz massiv von den Leuten mit rechtem Gedankengut distanziert.

Fazit

Von daher komme ich zu dem Schluss: Ein rein fußballerisches anfeuern ist erst mal kein Fehler. Allerdings sollte man sich, bevor man sich als Patriot bezeichnet, ganz genau überlegen, was Patriotismus für einen bedeutet. In wiefern mag man Deutschland? Was ist an Deutschland so besonderes? Was bedeuten meine Symbole für mich? Wie viel Respekt zeige ich dem Gegner tatsächlich? Was bedeuten meine Symbole für andere? Zu was ermutige ich andere?

Und wenn ich die Fragen so durchgehe, dann komme ich für mich zu dem Schluss, dass ich mir zwar die Spiele gerne mit Freunden anschaue, aber ich weder stolz auf das Ergebnis sein muss, weil ICH nichts dazu beigetragen habe, noch dass dies jetzt eine gesamtdeutsche Leistung ist. Weil es eben aber einige gibt, die aus diesen Siegen ableiten, dass Deutschland insgesamt irgendwie besser sei oder die anderen Länder insgesamt schlechter, bin ich mit dem ganzen Patriotismus-Modell sehr vorsichtig.

Ich mag meine Umgebung und mein Umfeld. Ich lebe auch gerne in einem Staat mit m.E. guter Demokratie, Bildung, Rechtsstaatlichkeit, … deswegen lebe ich gerne hier, aber würde das auch in  vielen anderen Ländern so sehen.

Insgesamt habe ich somit kein Problem mit dem Anfeuern von der deutschen Nationalmannschaft, von Flaggen bin ich zwar kein Fan, solange es jemand macht, der dies rein auf Fußball bezogen sieht, finde ich nicht, dass man dem dann irgendeinen Nationalismus vorwerfen kann. Und auch nicht, wenn er damit symbolisieren will, dass er gerne hier in diesem Land lebt.
Aber wenn jemand daraus abstruse Schlüsse zieht oder sich feindlich oder respektlos gegenüber anderen Ländern oder den Menschen von dort verhält, dann ist für mich eine Grenze überschritten, bei der man es nicht mehr einfach tolerieren kann. Und leider ist dies viel zu häufig der Fall. Deswegen ist es gut, dass eine Debatte über diese Fahnenmeere angestoßen wurde und wo wir die Grenze sehen und wie weit es gehen darf.

10Aug

Trickot-Sponsoren

Alle regen sich gerade über Werder und Wiesenhof auf. Die Kritik an Wiesenhof ist berechtigt, aber nicht, dass sich jetzt Fans anderer Vereine so aufspielen.
Trickotsponsoren, da stechen mir doch gleich auch einige andere ins Auge:

  • Gazprom …. für mich irgendwie ein Sinnbild für Korruption … und nicht nur für mich, sondern auch bei Wikipedia sind da Quellen
  • T-home (inklusive deren Skandale, von meinem eigenen Erfahrungen ganz zu schweigen)
  • Areva – AKW-Konzern

So könnte man die weiter durchgehen, wahrscheinlich findet sich bei jedem zweiten Großkonzern etwas…

Also, lasst die Werder-Fans ruhig gegen die Management-Entscheidung protestieren, ich finde es grundsätzlich auch falsch, aber Fans anderer Vereine sollten erst mal vor der eigenen Haustüre kehren…. gerade hier um mich rum die Club-Fans

P.S.: Geht es nur mir so, oder findet ihr das Wort “shitstorm” auch ziemlich herab würdigend, für eine Meinungsäußerung. Wenn viele Leute die Meinung sagen, ist das grundsätzlich gut, da mag ich keine Fäkalsprache.

19Jun

Stolz und Fahnen und so…

https://www.gruene-jugend.de/data/uploads/product_aufkleber_patriotismus_thumb.jpgEs ist wieder Fußballzeit. Es sind wieder zig Autos mit schwarz-rot-gold geschmückt. Es kommen wieder Sprüche wie:

  • Patriotismus ist doch nichts falsches
  • Warum sollen wir nicht stolz auf Deutschland sein
  • Trotz unserer Geschichte sind wir doch ein tolles Volk

Ich versteh das nicht.

Freuen über Siege und andere Kleinigkeiten

Ja, ich bin auch soweit “Lokalpatriot”, dass ich “unseren” Fußballern den Titel wünsche. Aber bin ich deswegen Stolz auf Deutschland? Mir ist absolut klar, dass dies eine medial-kulturell aufgezwungene Zuneigung ist. Wenn jemand 23 zufällige Weltbürger präsentieren würde als Nationalmannschaft “von hier”, würden wir uns wahrscheinlich auch über die Siege freuen (bis auf paar rassistische Oberidioten)….

Grundsätzlich ist nicht falsches daran, wenn man sich über irgend ein (ansich unbedeutendes) Ereignis freut, evtl. noch gemeinsam mit Freunden, Familie, Bekannten und Nachbarn… (kann aber auch ein Künstler auf der Wiese sein, oder sonst was, ohne Nationalbezug)

Das Problem ist dann, wenn dann plötzlich Fußball mit Deutschland und Nationalstolz und Patriotismus vermischt wird.

Patriotismus = Nationalstolz (laut wikipedia Synonym verwendet)

Ich kann Stolz sein, auf meine eigenen Leistungen, oder auch noch über die Leistungen von Leuten, die ich unterstützt habe. Ich kann froh darüber sein, in einem so tollen Sozialstaat wie Deutschland zu leben (trotz aller Kritik an Detailentscheidungen der diversen Regierungen geht es mir in Deutschland super), ich kann mich willkürlich über Sport-Ergebnisse freuen, aber auch darüber, dass eine Blume am Wegesrand blüht.

Aber kann ich stolz auf Deutschland sein? Auf was genau?

Erst mal ist Deutschland ein Verwaltungsbereich, der von seinen “registrierten Mitgliedern” (also den Deutschen, bzw. den Einwohnern Deutschlands) Geld kassiert und dafür aber auch Leistungen zur Verfügung stellt. In dieser Gemeinschaft lebe ich gerne. Die Grenzen dieses Bereichs sind relativ willkürlich. Es gibt kein Kriterium, das einen deutschen “eindeutig” ausmacht.

Also worauf soll ich stolz sein, kann mir das jemand erklären?

Heimat

Ich habe oft schon den Spruch gebracht: “Heimat ist da, wo es mir gut geht” und der gilt auch hier. Mir geht es “hier” gut. Hier ist primär meine Wohnung und meine Arbeit in Erlangen, und damit indirekt natürlich auch in Bayern und Deutschland, aber auch in Europa und jedem andren künstlichen Gebilde, in dem wir zufällig drin liegen.

Ich als politischer Mensch sehe in jedem Gebilde in dem ich mich aufhalte sowohl das Schöne und das, was verbessert werden muss. Über die schönen Dinge freue ich mich und da wo Verbesserungen notwendig sind, probiere ich einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass diese auch umgesetzt werden.

Also ja, Deutschland ist meine Heimat, Deutschland ist insgesamt schön, reich und hat einen tollen Wertekanon. Aber trotzdem noch viel Verbesserungsbedarf. Deswegen bin ich ja in der Politik.

Besserstellung – Nein danke

Ich sehe nichts falsches daran, froh darüber zu sein, dass man hier leben darf, ich sehe auch nichts falsches daran, sich über Sportergebnisse zu freuen. Aber ich sehe es als falsch an, wenn wir uns von anderen vergleichend abgrenzen und uns als besser darstellen. Und das passiert beim Fußball sehr oft. Zerrissene Fahnen, Pfiffe bei der Hymne, Papierkugelwürfe im Stadion, “Alle außer Deutschland sind ….”-Sprüche, … all das habe ich schon erlebt. Und all das kotzt mich an. Und all das spielt in die Fahnen-Diskussion mit rein. Da gibt es ja 2 Seiten: Wie meine ich es und wie wird es gesehen. Selbst wenn jemand es rein Fußballerisch meint und damit nur die Unterstützung des Teams zeigen will, zeigen die Beispiele eben, dass viele Leute die Fahne eben auch als “Wir sind ein tolles Land” über “Wir sind stolz auf dieses Land und stolz, deutsche zu sein” bis hin zu “Wir sind ein besseres Land” interpretieren. Und das drückt sich dann eben in so miesen Aktionen wie “Fahne zerreißen, pfeifen, Papierkugeln werfen, Sprüchen  … aus.

Das ganz kritische ist ja, dass Stolz auch ausdrückt, dass man etwas außergewöhnliches geleistet hat. Also besser war als “gedacht” und damit oft leider auch gemeint wird, dass jemand besser als andere war. Aber sind wir deutschen besser als andere? Nö. Naja, vielleicht sind Yogi&Co im Fußball zur Zeit bei den TOP-8, vielleicht sogar bei den TOP-4 oder noch besser in Europa.  Dafür sind zig Mannschaftssportarten bei den olympischen Spielen gar nicht vertreten. Also “Deutschland” ist in einigen wenigen Mini-Bereichen Top, die direkt dort aktiven dürfen auch richtig stolz auf sich sein. Aber darf ich stolz sein? Habe ICH da irgendwas zu geleistet? Ich habe im Bereich Politik, Forschung, … einiges geleistet, darauf bin ich stolz. Aber Fußballerisch? Da hab ich nichts großes geleistet.

Also auf was ist ein Fußballfan stolz, wenn er ein Patriot ist? Auf welche “deutsche” Leistung?

Worauf?

Wie bisher vielleicht schon klar wurde, mir ist nicht klar, worauf wir wirklich stolz sind. Worauf begründet sich der deutsche (US-amerikanische, französische, griechische ….) Nationalstolz und Patriotismus?

Die Welt schreibt dazu:

Während Musikfans sich da gleich an einen Song der Toten Hosen erinnert fühlen – “Es gibt 1000 gute Gründe, auf dieses Land stolz zu sein. Warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?”

Genau das trifft es glaube ich ganz gut. Und das gilt für alle Länder. Nur weil die anderen nicht darüber nachdenken, muss es nicht richtig sein.

Echte Patrioten

Daher, kann ich die Initiative der GJ und andere kritische Stimmen sehr wohl verstehen und unterstütze sie auch. Und dennoch wünsche ich allen viel Spaß beim Freuen über unwichtige Dinge wie ein Fußballsieg und wichtige schöne Dinge, die täglich in der Welt passieren. (z.B. Sonntag , da haben die Münchner das Betonprojekt 3. Startbahn abgelehnt – Yeah, in Mexiko läuft eine wichtige Umweltkonferenz, ich hoffe da gibt es erfreuliches, es gibt gerade einige Leute, die gegen die Ratifizierung des undemokratischen Fiskalpakts kämpfen …  alles viel wichtiger als Fußball, und trotzdem lenkt uns dieser Sport ziemlich ab.)

Wenn ich jetzt schreiben würde “Die GJler sind die besseren Patrioten” würden sie mich wahrscheinlich ziemlich komisch finden. Und trotzdem, solche GJ-Politiker tun mehr für unser Land als all die Fußballfans in schwarz-rot-gold. Sie sind nicht stolz auf das Land, aber sie tun etwas für ihr Umfeld. Sie wollen es verbessern und opfern dafür ihre Freizeit. Sie zu beschimpfen wie hier dokumentiert ist Schwachsinn. Sie sind ein Teil dessen, wo ich sage, dass ich froh bin, dass es so etwas in meiner Gegend gibt. Auch das ist kein deutsches Phänomen, das gibt es weltweit, aber das sind Leute, für die ich höchsten Respekt empfinde und sie an dieser Stelle loben möchte. Wenn ich echten Patriotismus irgendwie definieren müsste, so dass ich ihn auch verstehe, dann wahrscheinlich so: “Die echten Patrioten tun was für ihr Land. Sie opfern gerne etwas, dass es dem Land besser geht. Sie sind für ihr Land da, mit Zeit, Kreativität und sofern vorhanden auch materiellen Ressourcen.”

Danke GJ. und “Patriotismus – Nein Danke”

14Jun

Banner bei EM-Spiel – Politik und Sport?

Stadionplakat_540Rebecca Harms und Werner Schulz haben bei der EM ein Banner hochgehoben für mehr Demokratie, genauer, während der Hymne. (T-News)

Daraufhin kamen Kommentare unter dem Onlineartikel a la “Was hat Politik mit Sport zu tun?”

Das möchte ich hier erklären: Es gibt in unserer Wertegemeinschaft ein paar Grundregeln, die gehen über alles, ganz oben natürlich die körperliche Unversehrtheit und die Würde des Menschen, aber kurz dahinter, oder sogar dazugehörend, dass die Freiheit nur bei besonders schweren Vergehen genommen werden darf. Und in unserem Werteverständnis gehört eine andere politische Meinung NICHT zu einem besonders schweren Vergehen.

Also, wenn so eine Verletzung des Menschenrechts auf Freiheit passiert, dann muss man da was gegen machen. Dann hat das eigentlich Vorrang, vor allem. Vor Sport, vor Musik, vor … Daher begrüße ich alle Aktionen in die Richtung. Vor wenigen Wochen hat Anke Engelke, live on TV, Millionen Zuschauer, Punktevergabe des ESC, das absolut coole Statement gebracht:

“It’s good to be able to vote and to have a choice. Good luck on your journey, Azerbaijan. Europe is watching you”

Dafür noch mal ein “Danke Anke”

Gestern haben die beiden Politiker ähnliches versucht. Leider wurde das “nur” kurz erwähnt und nicht gezeigt. Immerhin. So eine kurze Botschaft tut niemandem weh, sie stört nicht mal beim Fußballschauen (war ja während der Hymne), aber sie übt einen gewissen (zwar nur kleinen) Druck auf dieses politische System aus. Damit entspricht es genau den Werten, die der Sport eigentlich dauernd und durch Banner vor jedem Spiel “predigt”: Fairplay, Respect, Miteinander. Diese Werte will der Sport vertreten, dann darf er aber nicht ignorieren, wenn sie verletzt werden. Beim Thema Rassismus hat der Sport das erkannt; das vor den Spielen (bei der WM?) verlesene Statement war ein guter Anfang, die eigenen Werte zu vertreten. Aber es gibt noch viel mehr Bereiche, eben auch politische Gefangene, die diesen sportlichen Werten widersprechen.

Dann zum nächsten Kommentar, den ich noch erschreckender fand:

Die haben kein Respekt mehr vor der Nationalhymne.

Sag mal, geht es noch? Man kann darüber streiten, ob es toll ist, nationale Symbole zu tragen und “stolz” auf ein Land zu sein. Aber wenn wir mal annehmen, dass man tatsächlich stolz auf Deutschland sein kann und soll, auf was genau wären wir dann stolz? Das erste was mir dazu einfällt ist, dass wir inzwischen 2 absolut sch…-Systeme überwunden haben, die Nazis und die Stasi, und eine tolle Demokratie entstanden ist. Eine Demokratie mit Meinungsfreiheit, Minderheitenschutz und Menschenrechten. Klar, nicht alles ist 100% optimal, aber ich finde es hier in Deutschland doch schon recht toll. Das würde ich mit einem “Stolz auf Deutschland” verbinden, oder? (Dazu was ich zum Stolz sein generell denke, die nächsten Tage noch mehr, aber jetzt nehme ich einfach mal an, dass wir stolz auf Deutschland sein sollten)

Wie verlogen ist es dann zu sagen, während der Nationalhymne darf man nicht genau für diese Werte kämpfen oder ein Banner zu zeigen? Was ist wichtiger? Den Stolz auf Deutschland zu zeigen, oder die Werte, auf die wir stolz sein können, offensiv zu vertreten?

Rebecca, Werner, in meinen Augen habt ihr gestern mehr gezeigt, wie stolz ihr auf unsere deutschen (und europäischen und in vielen Ländern gelebten) Werte seid, als all die Leute, die in schwarz-rot-gold ganz laut “einigkeit und RECHT und FREIHEIT” gröhlen aber sich darum nicht scheren. Ihr habt für RECHT und FREIHEIT gekämpft und diese Werte vertreten, deswegen bin ich Euch dankbar. Ihr habt Deutschland gut vertreten.

DANKE!

Plakat Deutschland Niederlande Rebecca Harms Werner Schulz dpa 2012

30Apr

EM-Boykott

Ich bin absolut für einen Boykott der EM von (Spitzen-)Politikern, sofern dort die Menschenrechte (Gesundheitsversorgung!) so boykottiert werden.

Die Gründe dafür

  1. Ein Boykott von Politikern ist zwar nur symbolisch und tut keinem direkt weh, aber für das “Regime” dort ist es peinlich, wenn das so klar genannt und publiziert wird.
  2. Es tut keinem “normalen” weh, weder dem “normalen” Ukrainer, der nichts dafür kann (außer diese Regierung gewählt zu haben), noch dem “normalen” Fußballfan.
  3. Ich verstehe eh nicht, warum Politiker so ein Event (in offizieller Mission) überhaupt besuchen sollen. Wenn sie privat Fußballfan sind, dann können sie sich ja bei der Ticket-Verlosung beteiligen… aber ich fürchte, sie bekommen “Promi-Karten”. Diese Karten sollen sie lieber an einen normalen Fan versteigern, der bei der UEFA-Verlosung der Karten leer ausgegangen ist. Also einfach noch mal Lose aus dem Lostopf ziehen. Die Politiker sollen lieber vernünftige Gesetze machen, anstatt für Fußball rumzureisen.

Daher wünsche ich mir auch von allen Spitzen-Politikern, Promis, VIPs u.a., dass diese auf dieses Event auf Promi-Plätzen verzichten.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich finde Fußball selber ab und zu interessant und schaue gerne beim Public Viewing zu, ich will keinem “echten” Fan das verbieten. Aber ich will, dass die Politiker da ein Zeichen setzen, weil wenn die “Promi-Tribüne” leer ist, ist das ein Zeichen.

11Jul

Vuvuzelas

Die Kritik an allen Seiten an den Vuvuzelas finde ich sehr merkwürdig. Denn darin steckt dieser Wiederspruch, den die ARD unbewusst wunderbar auf den Punkt bringt:

Alle Vielfalt bei Fangesängen wurde im akustischen Einheitsbrei vernichtet.

Angeblich wird Vielfalt gewünscht. Daher gibt es ja alle 4 Jahre ein anderes Ausrichterland. Aber wenn die dortige Kultur dominiert, dann stört es plötzlich. Vielfalt geht also nur so weit, wie der Horizont der Berichterstatter?

Diese Kritik an den Vuvuzelas ist ungefähr so, wie der Spruch: “Alle Afrikaner/Asiaten sehen gleich aus.” – Der natürlich völliger Quatsch ist, weil Afrikaner sich gegenseitig besser unterscheiden können als uns Europäer. Aber für einen Europäer, sticht eben erst mal das “schwarz” ins Auge.

Nicht ganz so schlimm, aber in die gleiche Richtung gehend, sind die Behauptungen über Vuvuzelas. Natürlich ist das erstmal eine “monotone” Tröte. Aber gegen Ende der WM konnte man aus dem Vuvuzela-Sound schon ziemlich gut die Stimmung in den Spielen heraushören. Manchmal wurde im “Takt” geblasen, schneller, langsamer, lauter, leiser, rythmischer … und wenn man das dann mal rausgehört hat, dann hat das ziemlich Spaß gemacht. Aber dazu hat es halt erst den Gewöhnungsprozess gebraucht.

Und in dem gequatsche von Bela Rethy und Co geht die Stimmung nicht unter? Was der und seine Kollegen 90 Minuten lang für ein Schwachsinn erzählen, wird manchmal nur noch vom Netzer übertroffen.

Daher kann ich den letzten Satz des oben verlinkten ARD-Kommentars “Gut, dass die ersten Bundesligaklubs schon reagiert und ein Vuvuzela-Verbot für ihre Stadien verhängt haben!” nur so kommentieren: Da bleiben wir deutschen lieber bei den Gasdruckfanfaren.

Gasdruckfanfare

Gasdruckfanfare

Solch eine gewohnte deutsche Fankultur ist halt einfach die beste … soviel besser als die primitiven Tröten, die laut & monoton sind.
P.S.: Und für konstruktive Hinweise zur Erfassung des Diebes meiner Vuvuzela setze ich hiermit 5€ Belohnung aus. Vor dem Argentinien-Spiel habe ich die Vuvuzela erstmal auf dem Gepäckträger des Fahrrades (vor den Arcaden geparkt)  gelassen und von dort wurde sie geklaut.

04Jul

Merkel und Teamplay

Merkel und Yogi haben so einiges gemeinsam. Beide wollen Erfolg, beide wollen DIE Respektsperson sein. Doch einen kleinen, entscheidenden Unterschied gibt es:
Während Yogi als Respektsperson akzeptiert wird und auf Spielerebene eine super Harmonie herrscht, ist Merkel irgendwie zur Witzfigur verkommen und probiert ihren Kindergarten zu managen.
Daher hoffe ich, dass sie beim Ausflug gestern zum Fußball etwas gelernt hat.

Die Kommentare zum Merkelausflug hier gehen ja in die gleiche Richtung

Edit: Noch ein schöner Artikel in der SZ.

03Jul

Lospech

Bevor nachher die deutsche Mannschaft spielt, habe ich doch noch mal etwas rumgerechnet. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die deutschen diese WM den allerschwersten Weg durch die KO-Runde bekommen.

Der Beweis, wenn alles in den anderen Spielen läuft wie erwartet ergibt sich die Folge

England – Argentinien – Spanien – Brasilien

Und ein Blick auf die FIFA-Weltrangliste zeigt, dies sind eindeutig (und nicht nur subjektiv) mit die TOP-Teams, die es gibt.

Klar, bei den anderen schlagen zwischendurch Portugal oder Niederlande auf, die sicherlich auch noch höher zu werten sind als England und Argentinien, aber wenn die beiden Teams Spanien und Brasilien einen leichteren Weg hätten, wäre das ja akzeptabel, aber dass ALLE anderen einen leichteren Weg haben…

Und nun der Beweis, die Zahlen sind die Punkte, die der jeweilig erwartete Gegner in der Fifa-Weltrangliste hat:

Land AF VF HF F Summe
Arg 895 1082 1565 1611
1231
5153
4773
Bra 888 1231 899 1565 4583
Ger 1068 1076 1565 1611
1231
5320
4900
Gha 957 899 1611
1231
1565 5032
4652
Net 777 1611 899 1565 4852
Par 682 1565 1076 1611
1231
4934
4554
Spa 1249 820 1076 1611
1231
4756
4376
Uru 632 800 1611
1231
1565 4608
4228

witzigerweise wären wir vom zweiten Gruppenplatz mit

USA URU BRA SPA als “erwartete” Gegner (die jetzt Ghana hat) sogar fast genauso schlimm drangewesen.

Naja, ich bleib bei meiner Meinung, die Gegner sind genau richtig, um sich in einen Rausch zu spielen.

P.S. Die erwarteten Gegner kommen von hier, die Punkte von hier
P.P.S.: Das Ausscheiden Brasiliens wurde jetzt reineditiert. Aber weitere “Änderungen” (von denen ich ganz fest ausgehe) werden nicht reineditiert…

01Jul

Ist Kritik an Schiris jetzt verboten?

Foul oder kein Foul

Über viele Schiri-Entscheidungen wurde ja diskutiert, aber ich habe das Gefühl, dass da jetzt eine Funkstille verdonnert wurde.

Das Abseits der Spanier wurde teilweise gar nicht erwähnt. Ohne das Tor wäre es 0:0 ausgegangen.

Bei der Führung der Brasilianer habe ich ein Foul gesehen.ScreenShot005 Das wurde nirgends erwähnt.

Bin ich paranoid? Ist das normal, das vor einem Tor ein anderer Spieler umgelaufen wird. Oder warum hat da kein Reporter mal was dazu gesagt?

Ach ja, falls es normal ist, dann wäre ich für folgende Taktik für das nächste Turnier:

Im Sturm und offensiven Mittelfeld werden 2-3 Leute ersetzt, z.B. durch Matthias Steiner, Torsten Scheibler (Bild), o.ä.

27Jun

Fast (alle) Favouriten

WM-Vorhersage

WM-Vorhersage

Die deutsche Mannschaft hat jetzt wohl kein leichtes Spiel mehr. Wenn sie Weltmeister werden wollen, müssen sie wohl alle Favouriten selber ausschalten. Nichts mit “Losglück”. Die einzigen Favouriten die nach dieser Vorhersage nicht auf Yogis Manschaft treffen sind die Holländer.

Und das schlimme ist, hätten die Ghanaer in der Nachspielzeit noch ein Tor geschossen, dann hätte es so ausgesehen: USA, Uruguay, Brasilien, Spanien

zumindest bis ins Halbfinale wäre es relativ einfach gewesen. Aber aus fair-Play-Sicht ist es gut, und England und Argentinien sind ja zwei gute Teams, um sich auf Spanien und Brasilien einzustimmen.

Nun noch eine schlechte Nachricht, die Yogi-Elf gilt als Ausenseiter. – Aber gleich die gute Nachricht, Ghana galt auch als Ausenseiter und hat die USA bezwungen.

Um selber mal die verschiedenen Sachen auszuprobieren einfach auf das Bild klicken.

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