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Grüne
14Mar

Fake-News versus Ehrlichkeit

Im Internet begegnen mir immer öfter Fake-News. Viele davon halte ich für offensichtlich, andere sind echt schwer zu durchschauen. Aber was mir immer wieder auffällt sind Aussagen, die eigentlich gar nicht mal “gelogen” sind, aber in denen so geschickt Meinung und Fakten vermischt werden, dass sie ein falsches Bild suggerieren.

Und leider kommt dies nicht nur von Seiten der AfD. Es komm von allen Seiten.

Selbst auf Grünen Facebook-Profilen sind Aussagen zu finden, dass für Bildung, faire Renten, und sozialer Wohnungsbau nie genügend Geld da sei während für Bomben, Panzer und Kriegsschiffe auf einmal Geld im Überfluss da sei. Wenn man allerdings weiß, dass der Bundeshaushalt 90 Mrd der Rentenkasse zuschießt, für Bildung etwa 150 Mrd. ausgegeben werden und für Rüstung derzeit 35 Milliarden und jetzt 60 Milliarden gefordert werden, dann sieht man, dass da doch Geld da ist. Vielleicht subjektiv nicht genügend. Auch ich fände zusätzliches Geld in Bildung erheblich effizienter als in Rüstung. Aber ich halte so eine Kommunikation für manipulierend und unehrlich.

Von den Linken durfte ich vor kurzem lesen, dass die Grünen eines Bundeslandes Veräter der Anti-CETA/TTIP-Bewegung wären, weil sie in einem Bundesland eine Enthaltung im Bundesrat anstreben. Alles außer einem Nein sei inakzeptabel. Wenn man jetzt aber weiß, dass eine Enthaltung im Bundesrat wie eine Nein-Stimme zählt und nicht die Grünen, sondern die Landes-Regierung im Bundesrat abstimmt, es also ein Kompromiss ist, der eigentlich von der Anti-CETA-Bewegung gefeiert werden müsste, dann spricht so ein Post entweder von grobem Unwissen der Person (das glaube ich bei der Person nicht), oder bösartigem taktischen Vorgehen (das befürchte ich).

Über die Anti-Grünen-Posts mit “krativen Fakten” von CSU (allen voran Herr Scheuer) und offensichtlichen Lügen-Posts der AfD müssen wir glaube ich gar nicht groß diskutieren. Einerseits eigentlich total inakzeptabel, andererseits empfinde ich es als eine große Ehre, wenn wir von diesen Parteien als so wichtiger “Gegner” gesehen werden, dass man uns so viel Aufmerksamkeit und Unehrlichkeit widmen muss.

Die Frage ist, wie gehen wir damit um. Mein Plädoyer: Ganz ehrliche Kommunikation. Ehrlichkeit ohne Ende. Natürlich braucht man für ein Plakat auch einen markanten Spruch. Natürlich kann man dort nicht differenzieren. Aber es sollte dazu im Wahlprogramm oder in Hintergrundpapieren öffentlich zugänglich (und am Besten auf einer Plakatübersicht auf den Internetseiten des Bundesverbandes verlinkt) eine saubere, ehrliche Analyse geben. Keine komischen Zahlenspielereien. Kein Schönrechnen. Kein vermischen von Meinungen und Fakten.

Ich weiß, in der Werbepsychologie geht man davon aus, dass eine gute Werbung “das Herz” berühren muss. Ich weiß, dass “langwierige” Fakten nicht immer die spannenste Lektüre sind. Aber ich glaube, dass durch eine konsequente Ehrlichkeit eben ein “Markenwert” entsteht, der viel langfristiger das Herz berührt als ein kurzer Aufreger, der durch eine 5-Minuten-Recherce als balb so wild entlarvt werden kann.

Ich weiß, es gibt genug Leute, die sich durch solche Aufreger und Fake-News beeinflussen lassen. Aber sind die unsere Zielgruppe? Ich glaube, unsere Wähler sind kritisch denkende Menschen. Die fühlen sich durch halbdurchdachte Suggestivaussagen auf dünner Faktenbasis doch eher abgeschreckt. Oder nicht?

Daher meine Meinung: Im Kampf gegen Fake-News, lasst uns das Gegenbeispiel sein. Lasst uns umso ehrlicher und transparenter sein.

13Feb

Bundesversammlung

Liebe Mit-Grüne,

ich frage mich zur Zeit, was mit unserer Partei los ist. Gestern wurde ein neuer Bundespräsident gewählt. Wir Grünen hatten knapp über 10% in der Versammlung. Damit hatten wir natürlich keine ernsthafte Chance, etwas gegen den Kandidaten der großen Koalition auszurichten. Aber wir haben es nicht einmal probiert. Wir haben nicht einmal probiert, dieses Ereignis zu nutzen, gewisse Themen von uns in der Öffentlichkeit zu “spielen”.

Es gab 2 ernsthafte Kandidaten. Einmal unseren großkoalitionären Ex-Außenminister Steinmeier und einmal den Armutsforscher Butterwegge, der von der Linkspartei ins Rennen geschickt wurde. “Richter” Alexander Hold (freie Wähler) und der AfDler haben auch kandidiert.

Und vielleicht schaue ich in die falschen Medien, aber was ich so von Grünen gehört habe, war erschreckend wenig: Es wurde gefeiert, das Olivia Jones, Jogi Löw und Carolin Kebekus für die Grünen in der Bundesversammlung sind und dort “Farbtupfer” waren “gut aussehen” …. diese wurden in den Kommentaren, die ich gelesen habe, nie mit der Frage konfrontiert, warum sie für die Grünen welchen Kandidaten wählen.

Viele bei uns Grünen bringen gerne das Thema “Sozial” in Wahlkampfreden nach vorne. Warum nicht gestern? Was waren die Gründe dafür, dass die Grünen Steinmeier scheinbar mit großer Mehrheit gewählt haben?

Ich wünsche mir wieder diskussionsfreudige, wertebasierte Grüne auf Bundesebene. Liebe Bundespolitiker: Schaut auf die Kommunalebene und nehmt Euch dort ein Beispiel, wie es laufen kann. … Wie es laufen sollte.

05Jan

#Nafri und #Grüfri – wo ist der Skandal?

Schon spannend, wie viele Leute einem erklären können, dass das Statement von Simone Peter absolut daneben war und wie wenige einem erklären können, was daran total daneben war.

Ich glaube es sind sich inzwischen alle einig, dass die Polizei eine gute Arbeit geleistet hat, wenn auch noch eine kleine Stufe zum sehr gut fehlt. Es sind sich alle einig, dass wir Vorfälle wie 2015 mit der sexuellen Belästigung nicht wollen. Simone Peter sieht das, wenn ich sie richtig verstanden habe, genau so. Sie freut sich, dass es kaum Vorfälle gab. Sie freut sich, dass die Polizei es so gut geschafft hat.

Was sie gemacht hat ist den letzten Unterschied von gut zu sehr gut anzusprechen. Denn auch wenn der Einsatz im Vergleich zu 2015 gut war, war er nicht optimal. Da müssen sich aber verschiedene Akteure an die Nase fassen. Die Polizei selber, aber auch die “Stadtregierung” und die Landesregierung. Und in der Landesregierung sind wir Grüne auch vertreten.

Oder sieht es jemand so, dass der Begriff “Nafri” optimal war? Das sieht nicht einmal mehr die Polizei so. Sonst jemand? (Mal abgesehen von denen, die auch keine Probleme mit Begriffen wie Neger etc. haben). – Besonders problematisch an dem Begriff ist übrigens aus meiner Sicht, dass sich die diversen Gruppen nicht mal einig sind, für was er steht. Ich habe sowohl “Nordafrikaner” als auch “nordafrikanische Intensivtäter” gelesen …

Oder sieht jemand kein Problem in “Racial Profiling”? Um es überspitzt zu formulieren, finden wir es OK, wenn jeder, der irgendeiner “falschen” Gruppe angehört, vorverurteilt wird? Z.B. Nationalität, Religion, … demnächst kommt dann vielleicht auch falscher Stadtteil oder sonst was – ohne gerade Zahlen zu haben, würde ich mal behaupten, dass man bei zig Grupen Auffälligkeiten in der Kriminalitätsstatistik entdecken könnte.
Ach ja, im kleinen gibt es das schon, nämlich bei Scoring-Werten…. wenn irgendwer mal keinen Kredit bekommt, weil in der Nachbarschaft mehrere Leute Privatinsolvenz eingereicht haben, ist das im Grunde das gleiche… finden wir sowas gut? Und demnächst darf man nicht mehr zu Fußballspielen, Konzerten, …. weil 2 Häuser weiter links hat einer Bengalos geworfen und 3 Häuser weiter rechts wohnt ein bekannter Hooligan. Also wird sicherheitshalber mal die gesamte Nachbarschaft nicht mehr zugelassen?

Diese Probleme hat Simone Peter angesprochen. Sie hat nicht erwähnt, dass ihre Kritik auf ganz hohem Niveau (nämlich einer gut geschützten Silvester-Feier mit insgesamt sehr tollem Einsatz der Polizei) ansetzt. Sie hat nicht erwähnt, wie froh sie ist, dass es diesmal nicht solche Übergriffe gab. Ihr vorzuwerfen, dass sie solche Übergriffe gerne wieder hätte ist aber hochgradig albern. Ja, es war ungeschickt es so zu formulieren. Ja, sie hätte die Reaktionen ahnen können, vor allem nachdem wir vor paar Monaten die Reaktionen auf Renate Künasts “Fragen-Tweet” mitbekommen haben. Aber muss man sich darüber aufregen?

Daher sollten alle, die jetzt auf Simone oder der ganzen Partei rumhacken überlegen:

  1. Gibt es tatsächlich irgendwelche Anhaltspunkte, dass Simone Vergewaltigungen etc. gutheißen würde?
  2. Findet ihr es gut, wenn Begriffe mit “Abwertungstendenz” (diesmal Nafri) verwendet werden?
  3. Findet ihr es gut, wenn Leute vorverurteilt werden, weil andere, die in irgendeinem Merkmal übereinstimmen, sich daneben benommen haben?
  4. Ist es dann wirklich so ein Skandal, was sie gesagt hat?

Ich selber beantworte mir alle 4 Fragen mit “NEIN”.

Wenn jemand zu einem anderen Ergebnis kommt, dann bitte ich um Erläuterung.

Und die Bonus-Frage für alle, die sich jetzt immer noch empören: Was genau hat sie eigentlich gesagt? Ich habe nämlich das Gefühl, viele steigen zwar in die Empörung mit ein, haben aber keine Ahnung, um was es genau geht.

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