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Krise
14Jul

Griechenland-Strategie

Ich frage mich, was die Strategie der Bundesregierung in der Griechenlandfrage ist. Das Problem ist, dass die scheinbar verfolgte Strategie m.E. Deutschland schadet.

  • Deutschland hat zig Milliarden Euro an Griechenland verliehen.
  • Die Bundesregierung will Griechenland keinen Schuldenschnitt geben.
  • Die Bundesregierung will den Grexit, der einer Staatspleite Griechenlands gleich kommt, und würde damit ebenfalls das gesamte Geld verlieren.

GleichzeitigFlag_of_Greece soll Griechenland alles was halbwegs Wert hat verkaufen. D.h. die Griechen werden dafür in Zukunft höhere Kosten und weniger Einnahmen haben. Denn wie immer, alles was Gewinn abwirft, wird gerne von Investoren gekauft, alles was nur kostet, wird dem Staat gelassen. Und wenn es jetzt unter Zwang verkauft wird und vieles auf einmal dann wird es wohl für einen Spottpreis weggehen.

26Aug

Katastrophen und erneuerbare Energien

Es ist nicht zu fassen, zig Wirtschaftswissenschaftler rechnen uns vor, dass die Klimarettung billiger ist, als die Schäden nacher zu beheben und in Koppenhagen kam sowas bei rum… und in diesem Sommer kommt gleich der Beweis. Flut in Polen, Flut in Ostdeutschland, Waldbrände in Russland mit der Angst vor Strahlenbelastung, Flut in Pakistan, Waldbrände auf der ganzen Welt, Ölkatastrophe in den USA …

Jetzt überlegen wir uns mal, dass nur das Geld, dass dieses Jahr in die verschiedenen Katastrophengebiete geflossen ist, vor einigen Jahren (seit wann fordern wir Grüne das?) in erneuerbare Energien geflossen sind.

Bevor jetzt wieder die ganzen Kommentare kommen wie: “Wenn es wärmer wird, dann sparen wir uns die Heizkosten” oder “Es gibt mehr Kältetote als Hitzetote” … ihr habt ja Recht, aber Klimawandel bedeutet nicht NUR, dass es ein paar Grad wärmer wird und der Baggersee Karibik-Flair bekommt. Nein, Klimawandel bedeutet auch, dass es mehr Hochwasser gibt (Wieviel Jahrhunderthochwasser hatten wir die letzten 20 Jahre in Deutschland?), mehr Stürme, mehr Schwankungen, mehr Chaos. Klimawandel bedeutet auch, dass ganze Landstriche unbelebbar werden (z.B. in Afrika, Tuvalu, … oder sogar in Holland) und die Leute dann neue Orte suchen müssen.

Also was ist zu tun? Es geht NICHT darum, den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern aus den Resourcen die wir haben ein LANGFRISTIGES Konzept zu stricken, mit dem auch noch unsere Kinder und Enkel leben können.

Also nehmen wir einfach mal die 20 Milliarden, die jetzt durch das Ölleck an Kosten entstehen. Hätte die BP vor 10 Jahren in erneuerbare Energien investiert, wären sie jetzt wahrscheinlich Marktführer. Oder nehmen wir die ganzen Kosten, die durch jedes Hochwasser entstehen. Hier ist natürlich das Problem, dass einer alleine das Hochwasser nicht verhindern kann. Aber da weltweit immer mehr Klimachaos auftritt, sollte man auch weltweit investieren. Wenn dadurch jedes zweite dramatische Hochwasser wegfallen würde, hätte es sich wahrscheinlich schon nach wenigen Jahren (finanziell – moralisch, ökologisch & menschlich ja sowieso) rentiert, auf 100% erneuerbare Energien umzusteigen. Ganz zu schweigen davon, dass man dann nicht mehr von den Rohstoffpreisen abhängig ist.

Wenn es nur um CO2 gehen würde, dann wäre Atomkraft vielleicht eine Alternative. (Ist nicht ganz CO2-frei, aber besser als Braunkohle). Da es uns aber auch um Sicherheit geht, sind AKWs keine Alternative. Wenn ich mich zwischen GAU und Hochwasser entscheiden müsste, würde ich das Hochwasser wählen.

30Nov

Klimaschutz

Beim Klimaschutz ist immer die spannende Frage, wer darf wie viel rauspusten.

Es gibt die 2 Theorien

  1. alle sind gleich, jeder Mensch hat die gleiche Menge
  2. den Grandfather-Ansatz: Die Kulturen, die halt (schon lange) mehr brauchen, dürfen auch mehr

Beides ist irgendwo berechtigt, einerseits wollen wir ja eine Welt, die einigermaßen Gleichberechtigt ist und in der die entsprechenden Technologien überall vorhanden sind, andererseits ist es (gerade auch aus unserer Sicht; wir in D verbrauchen überdurchschnittlich viel CO2) irgendwo verständlich, wenn man sich nicht von jetzt auf gleich umstellen kann (oder will).

Aber die beiden Ansätze kann man doch ganz einfach in eine “Formel” gießen. Wir haben einen aktuellen Stand. Wir haben ein Ziel (sagen wir mal für 2030). Und jeder muss sich in die Richtung “linear” (oder zumindest zielstrebig) hinentwickeln.

Also beispielsweise hört man ab und zu die Zahl 2 Tonnen CO2/Person und Jahr. Dies könnte man sich ja als mittelfristiges Ziel nehmen.

Wie man auf dem Bild rechts unten sehen kann, sind einige Länder da noch drunter, die dürfen also sogar noch mehr Ausstoßen, gleichzeitig sind andere um das 10-fache drüber, die müssten jedes Jahr knapp 1 Tonne CO2 pro Person reduzieren, um das Ziel bis 2030 zu erreichen.

Aber natürlich, die USA werden es nicht schaffen 90% Reduktion zu erreichen. Daher sollte man dafür dann aber eine Gegenleistung erwarten. Dies wären insbesondere Gelder, die ärmeren Ländern helfen, die Technologien aufzubauen.

21Aug

Interview Lutz Bräutigam (2) – Wirtschaftspolitik

So, nun gibt es hier den 2. Teil der Interviewreihe. Heute darf Lutz zum Thema Wirtschaft antworten.

Christian: Nachdem in den letzten Wochen die Wirtschaftskrise immer wichtiger wurde hast du dich da ziemlich eingelesen. Der grüne Kreisverband Erlangen hatte ja auch eine Mitgliederversammlung, bei der Du als Experte aufgetreten bist. Als Einführung eine kleine Animation der thesimpleshow:

Kannst du hier noch mal in 3 Sätzen erklären, wie es zu der Krise kam? … ja ich weiß, die Thematik ist kompliziert, aber mal so ein ganz einfacher Überblick über die Hauptprobleme:

Lutz: Das grundlegende Problem ist die weltweite Überschuldung. In den letzten drei Jahrzehnten wurde zunehmend auf Pump konsumiert, vor allem in den USA. Finanziert wurde dies über den Verkauf von Schuldpapieren, auch Zertifikate genannt. Der Verkauf gründete sich auf die Erwartungen des Wertzuwachses der finanzierten Immobilien. Leider endete dieser Wertzuwachs für bestimmte Immobilien, die über Subprime Kredite finanziert worden waren, 2007 abrupt. Die Subprime-Krise war der erste Zusammenbruch dieser Schuldenblase.

Christian: So, das ist die Vergangenheit, du willst aber die Zukunft gestalten. Wie weit und wie lange denkst du, wird uns diese Krise noch begleiten? Wird sie noch schlimmer? Oder ist sie Ende des Jahres vorbei?

Lutz: Die Krise des Weltfinanzsystems ist noch lange nicht vorbei. Ich sagte schon, dass das eigentliche Problem die weltweite Überschuldung ist, vor allem der öffentlichen Haushalte. Durch die gewaltigen Summen die weltweit in das Finanzsystem gepumpt wurden, hat sich diese Schuldenmenge innerhalb kurzer Zeit vervielfacht. Diese Summen müssen entweder erwirtschaftet werden, was aus Sicht der USA fast schon als utopisch gelten darf, oder die Regierungen entledigen sich der Schulden durch Inflation. Die Parallelen zu 1929 und den Folgejahren werden immer deutlicher. Finanzmanager in den USA gehen inzwischen von einer Talsohle aus, die 10 bis 15 Jahre dauern wird.
Die Liquidität fehlt den Unternehmen, durch die Weigerung der Banken, die staalichen Gelder im Umlauf zu bringen. Die Realwirtschaft wird auch weiterhin leiden. Denn die langsam wieder eintreffenden Aufträge für die Industrie können nicht finanziert werden, ohne Kredite.
Die größten Sorgen bereitet mir im Moment die Untätigkeit auf internationaler Ebene. Ich hoffen, dass die Ziele des G20-Gipfels im April wirklich angepackt werden! Sonst werden wir unweigerlich in dieser Generation den finalen Kollaps des Weltfinanzsystems erleben.

Christian: Also muss man was machen. Kann man außerhalb von G20 was machen? Ich kenne den Green New Deal der bundesweit greifen soll. Aber uns “Franken” interessiert natürlich erst mal unsere eigene Umgebung. Was soll deiner Meinung nach mit Conti/Schäfler bzw. mit Quelle passieren?

Lutz: Wir müssen unsere Wertschöpfungsketten erhalten, wenn wir in der Zukunft in der Lage sein wollen, die Verschuldung irgendwann runterzubringen. Quelle ist ein Handelsunternehmen und deswegen in der Hinsicht nicht relevant. Zudem hat sich am Mittwoch herausgestellt, dass der Mutterkonzern Acandor, und damit Quelle, keine Substanz mehr hat. Alles ist irgendwie schon verkauft. So schlimm das für die Mitarbeiter ist, aber dieses Unternehmen wäre auch ohne die Krise eingegangen, klassisch kaputtgemanaged.
Schaeffler/Conti. sind Unternehmen mit relevanter Technologie und besitzen aus meiner Sicht ein großes Zukunftspotenzial. Leider sind die Gesamtschulden für die Unternehmensgruppe eigentlich zu groß. Da muss ein tragfähiges Zukunftskonzept her, wenn staatliche Mittel in Anspruch genommen werden sollen. Noch ist dies nicht geschehen. Da ich aber für den Finanzmarkt noch einiges befürchte, wird für den Hauptschuldner, die Commerzbank, die Luft irgendwann ausgehen. Dann werden entweder Staatliche Mittel notwendig sein, oder relevante Teile der Unternehmen werden verkauft. Ich bin für eine staatliche Unterstützung, bei Vorlage eines Zukunftskonzeptes!

Christian: Du hast ja die Zukunftstechnologien angesprochen. Die Grünen wollen diese ja mit dem Green New Deal fördern. Der wird ja schön bei YouTube erklärt, z.B. die allgemeine Einführung oder die inhaltlichen Teile, passend zu den Zukunftstechnologien die erneuerbaren Energien:

Und Renate Künast und Jürgen Tritin “erklären” ihn hier noch mal:

Glaubst du, dass das Ziel realistisch ist?

Lutz: Ja! Bildung ist ein Bereich in den unsere Gesellschaft massiv investieren MUSS, sonst werden wir wirtschaftlich immer weiter abfallen.
Die Industriestruktur ändert sich weltweit, wir können ganz vorne mitmischen, wenn wir jetzt in neue Technologien und Energien investieren. Das wird in den nächsten Jahren richtig brummen.
Investitionen in den Klimaschutz, in Nachhaltigkeit, in Ressourcenschonende Prozesse sind zwingend, wenn wir als demokratische Gesellschaft überleben wollen.

Christian: Kanzlerkandidat Steinmeier hat nachgezogen. Mit dem “Deutschlandplan” sollen sogar 4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Ist das auch realistisch?

Lutz: Bis 2020 sollen 4 Millionen Arbeitsplätze entstehen. Dies kann in den nächsten 10 Jahren von ganz alleine geschehen, allein aufgrund des demografischen Wandels. Viele werden in den Ruhestand gehen, wenige kommen nur noch nach. Und schon hat man einen Haufen neue Stellen. Also nicht wirklich neue, aber irgendwie schon…
Das wird Steinmeier aber nicht gemeint haben. Ich kann nicht mal sagen, was bis zum 27. September passieren wird, geschweige, was in 10 Jahren passiert. Im Hinblick auf das Potenzial der Weltfinanzsystemkrise halte ich das aber im Moment für optimistisch, aber nicht unrealistisch.

Christian: Immer wieder hört man, die Auswirkungen der Wirtschafskrise hängen ganz stark am Export…. und damit sind wir von den anderen Abhängig. Diesen Effekt könnte man durch eine gestärkte Binnennachfrage dämpfen. Daher werden oft auch Mindestlöhne diskutiert. Was hältst du von Mindestlöhnen?

Lutz: Immer wieder höre ich von den großartigen Leistungen der sozialen Marktwirtschaft. Von den gleichen Leuten werden Mindestlöhne aber als große Gefahr für unserer Wirtschaftssystem bezeichnet. Das ist Kokolores! Damit sollen nur Strukturen verteidigt werden, die eigentlich nicht in unser politisches System passen. Wir sind eine demokratische Gesellschaft, die Dumpinglöhne als das ansehen muss, was sie sind: Ausbeutung.

Christian: Ein Schritt weiter geht auch noch die Idee des Grundeinkommens. Was sagst du zu einem Grundeinkommen, bzw. welches Modell bevorzugst du?

Lutz: Mit der Idee des Grundeinkommens hadere ich immer noch etwas, da dies eine ganz neue Justierung des gewohnten Sozialstaates bedeutet. Ich sehe immer deutlicher die Notwendigkeit eines solchen Grundeinkommens. Zum einen, weil es in der Zukunft auf einer Welt mit 9 Milliarden Menschen nicht genügend Arbeit für alle geben wird. Ein Grundeinkommen erlaubt es den Menschen ohne die entwürdigenden Verfahren der Sozialfürsorge in Würde zu leben. Sozialneid wird dann auch kein Argument sein können. Zudem erlaubt das Grundeinkommen Menschen eine höhere Flexibilität in ihrem Arbeitsleben. Jobwechsel, Fortbildungen, der Weg in die Selbstständigkeit werden dann nicht mehr zwingenderweise mit der Angst vor dem sozialen Absturz begleitet.

Christian: Wie viele der Ausnahmen im Steuersystem würdest du am liebsten abschaffen, sobald du gewählt bist? Welche auf jeden Fall? Welche auf keinen Fall?

Lutz: Das Steuersystem gehört vereinfacht, Ausnahmen sollten abgeschafft werden. Unser derzeitiges Steuersystem erlaubt es ganz legal die Steuer zu umgehen und ist kompliziert genug, um all die Lücken auszunutzen. Bedenke, dass allein 2008 100 Milliarden an Steuern hinterzogen wurden. Und keiner erzähle mir, das seien all die kleinen Leute gewesen. Die können nichts hinterziehen, auch nicht in diesem System.

Christian: Danke Lutz, also wenn ich noch mal Zusammenfassen darf: Durch die Krise ist unser Finanzsystem und damit die Wirtschaft gefährdet. Daher müssen einerseits die internationalen Ebenen aktiv werden, aber auch lokal müssen wir sicherstellen, dass die zukunftsfähigen Bereiche überleben und gestärkt werden. Bei diesen ganzen Umbrüchen darf der Mensch aber nicht vergessen werden: Faire Löhne und Soziale Absicherung (evtl. durch ein Grundeinkommen) müssen sichergestellt werden. Im Steuerbereich sind Ausnahmen abzuschaffen, da diese vor allem den wohlhabenden Menschen helfen.
Viel zu tun… allein in diesem Bereich.
Nächste Woche stelle ich dir Fragen zum Thema Internet.


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