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Kultur
21Mar

Kultur und Kriegsausgaben

Traurigerweise hat B5-aktuell heute einen Beitrag gebracht, der zwei Themen, die zwei meiner letzten Posts betreffen, nämlich zu Kultur und Verteidigung, in Zusammenhang bringt. (Wobei meine Posts mit dem BR5-Beitrag nichts zu tun hatten)
In den USA wird gerade geplant, die Militärausgaben hoch zu fahren und gleichzeitig eine radikale Streichung bei der Kultur vorzunehmen

Leider finde ich diesen Beitrag nicht online (hat jemand eine Ahnung, wie man diese online finden kann?), aber es war sehr spannend, wie diese beiden Blöcke, auch im Größenverhältnis, zueinandergestellt wurden. Bei der Kultur wird argumentiert, man kann nicht einen einfachen Arbeiter dafür zahlen lassen, dass die NEA und NEH Geld bekommen, dabei bekommen diese aber weniger Geld, als ein neues Kampfflugzeug kosten würde.

Ob man mit so einer Politik, bei der man die Leute im eigenen Land und weltweit in immer kargeren und unkreativen Verhältnissen leben lässt, wirklich gute Verteidigungspolitik macht möchte ich einfach mal bezweifeln.

15Mar

Kulturförderung

Aus aktuellem Anlass veröffentliche ich hier mal anonymisiert eine alte Mail mit Gedanken von mir zum Thema “Kulturförderung”. Dies war als Input für eine gemeinsame Diskussion gedacht, hat also paar Ideen, aber noch keine fertigen Lösungen.

 

Hallo ****,

ich bin wie gesagt leider am 6.6. nicht bei der BezVS, trotzdem hier
schon mal ein paar Gedanken zum Thema Kultur, die vielleicht auch als
Input für eine Strukturierung dienen können. Bei den Beispielen habe ich
ganz bewusst paar Klischees bemüht, um es zu verdeutlichen, aber ich
denke, in den meisten Fällen dürfte mir die Statistik da einigermaßen
recht geben. Trotzdem müsste man für ein sauberes Papier da noch einiges
mehr recherchieren.

Also hier mein Denk-Input

1. Was ist Kultur? Welche Kultur wollen wir fördern?
Erst mal ist Kultur ein sehr weiter Begriff und bezeichnet alles, was
vom Menschen geschaffen wurde. Die Demokratie ist Teil unserer Kultur,
unser Kleidungsstil, Fußball, Häuser, Sprache, u.v.m.
Wenn wir von Kultur sprechen, dann ist da meist ein kleiner Teilbereich
gemeint, der  vielleicht auch mit dem Begriff "Kunst" beschrieben werden
kann.
 Daher ist die erste spannende Frage, welche Kultur wir überhaupt
meinen, wenn wir von Kulturförderung reden. Und dann wird ganz oft klar,
dass es sich meist auf einen noch kleineren Kulturbereich bezieht.
Nämlich die allermeiste Kulturförderung fließt in Theather/Orchester/Oper

Welche Kultur bringt welchen Nutzen?
Also zugespitzt die Frage: Ist die Aufführung von "Bethovens 9.
Symphonie" mehr Wert, als wenn ACDC spielt? Wie wird der Nutzen gemessen?
mögliche Kategorien
- Gesellschaftliche Bildung (Allgemeinwissen)
- Förderung von Nachdenkprozessen (Paralellen von Theatherstücken zu
aktuellen Themen, Lieder über aktuelle Themen)
- Freude/Spaß
- Gesellschaftlicher Austausch, gemeinsammes Erleben (VIPs einer Stadt
(Oper), Interkulturell (Musikfestival), ....)
- ...
und daran schließt sich die Frage an:
Wer konsumiert diese Kultur, wer kann sie sich leisten?
Also ist es gerecht, dass der "Sparkassendirektor" und "Oberstudienrat"
ein Opernticket für 50€ bekommen, während der Lehrling für das
ACDC-Ticket 100€ zahlen muss?
Ist es gerecht, dass ein Kind für den Zoobesuch nur einen Bruchteil der
Förderung bekommt, die ein Erwachsener für eine Theatheraufführung bekommt.
"Laut der Statistik des Deutschen Bühnenvereins haben wir in München
einen Betriebszuschuss von 98 Euro pro Zuschauer. In Berlin sind es 266
Euro, in Stuttgart 177 Euro."
(http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pro-kontra-kulturfoerderung-kann-sponsoring-der-kultur-schaden-page1.81a3eb95-0d2e-4533-8d22-421ed3ed747f.html)
vs.
Zoos Frankfurt: 7,33 € pro Besucher (und das ist damit einer der am
höchsten subventionierten Zoos laut
http://www.zoodirektoren.de/index.php?option=com_k2&view=itemlist&task=category&id=36:zoo-fakten)
Beim erweiterten Bezirksvorstand hatten wir ja die Zentrumsfunktion ganz
grob mit dem Argument:
Es ist gerecht, dass die Nürnberger Philharmoniker mehr bekommen, weil
dann Leute aus ganz Mittelfranken profitieren.
Dem würde ich Zustimmen, wenn die Förderung pro Besucher passen würde,
d.h. bei mehr Besuchern auch eine entsprechend höhere Förderung. Aber es
ist nicht gerecht, dass ein kleines Theather viel weniger pro Besucher
bekommt.
Umgekehrt habe ich neulich eine Webseite gefunden, wo jemand behauptet
hat, jeden Euro den man in Kultur steckt, bringt der Stadt mehr als
einen Euro zurück. (Leider finde ich spontan die Quelle nicht mehr...)

Kulturkonsum vs. Kulturpartizipation
Das ist der Teil, der mich persönlich am meisten an Kultur interessiert.
Hier stelle ich einfach mal paar Thesen/Forderungen von mir persönlich
vorweg:
Mehr Geld für offene Bühnen statt für ein Theather, mehr Geld für
Instrumentenverleih statt für eine Oper, mehr Geld für Sportplätze statt
für olympische Spiele, mehr Geld für Mitmachgärten statt für
Landesgartenschauen.

Also die spannende Frage ist die, ob professionelle Kultur überhaupt
primär gefördert werden muss, oder ob es nicht viel eher die Aufgabe des
Staates ist, allen Leuten zu ermöglichen, so direkt wie möglich an der
Kultur zu partizipieren. Also aktiv teilzunehmen.
D.h. bevor ich als Staat Geld ausgebe dafür, dass jemand ACDC anhören
kann, fände ich es besser, wenn man Jugendbands die Infrastruktur gibt,
dass sie selber eine Band gründen und ihre Ergebnisse angemessen
vorführen können.
In Erlangen will ich da als positives Beispiel das E-Werk nennen. Hier
gibt es eine Bühne, wenn da jemand ein schönes Konzept hat, kann er
diese kostenfrei nutzen. Meistens bekommen die Künstler dann sogar noch
ein gratis Abendessen. Sowohl Musik, Schauspiel, aber auch
Vortragsveranstaltungen (Scienceslam, Poetryslam, Nerdnite, PechaKucha)
finden hier eine Bühne und Publikum.

Ähnliches gilt für Sportvereine, eine Platzrenovierung ist oft nicht
finanzierbar, aber für die Bewerbung der olympischen Spiele wären zig
Millionen da gewesen.

Ich sage ja auch gar nicht, dass man die professionelle Kultur
abschaffen soll, oder die Förderung auf 0 runter drehen. Aber die aktive
& ehrenamtliche Kultur zu unterstützen finde ich wichtiger, als dass man
Kulturangebote schafft, die primär von "den oberen 10.000" genossen
werden, obwohl diese, wenn sie wirklich Interesse hätten, sich diese
auch selber leisten könnten.
z.B.:
Warum geht die Schule ins Theather, und nicht zur Theatheraufführung des
nächsten Gymnasiums?


Und dann zum Abschluss noch eine letzte Forderung:
Ehrenamtliche nicht-komerzielle Kulturangebote sollten von GEMA und
sonstigen Urheber-Abgaben freigestellt werden. Es kann nicht sein, dass
der Kinderchor, das Schultheather o.ä. teure Lizenzgebühren zahlen muss,
dass er ein Stück aufführt. Wobei ich das sogar so weit fassen würde,
dass ehrenamtlich noch ist, wenn die Künstler Geld für eine Sache
sammeln, z.B. Abschlussfahrt der Schule, Tourneekosten einer Band etc. -
es dürfen nur keine Gehälter ausgezahlt werden.

Disclaimer: Damit will ich erst mal nicht sagen, dass ich bei der klassischen Kulturförderung kürzen will. Aber ich gebe doch zu, dass ich bei einem fixen Budget die Prioritäten eventuell anders setzen würde. Das mag jetzt der eine oder andere als “gegeneinander ausspielen” interpretieren. Das ist nicht mein Ziel. Aber bei einem seriösen Haushalt muss man eben an gewissen Stellen Prioritäten setzen. Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass man aus ganz anderen Bereichen Einnahmen generiert oder Ausgaben eingespart werden.

22May

offizieller Kulturserver

Im Rahmen von Kulturflatrate oder ähnlichen Pauschalvergütungsmodellen kommt immer wieder die Frage auf: Wie soll die Verteilung der Gelder geregelt werden. Dazu habe ich vor langer Zeit diesen Artikel geschrieben: Kulturflatrate, Abrechnungsmöglichkeiten der einen zentralen Server vorschlägt. Da dies gerade bei uns Grünen wieder heiß diskutiert wird, noch mal paar Ergänzungen dazu:

Das hätte folgende Vorteile für die Nutzer:

  • Saubere Quelle: Keine Viren,
  • Legale Quelle: Der User kann von legalen Inhalten ausgehen, da sie sonst entfernt werden würden.
  • vertrauenswürdige Quelle: Es kann klar definiert werden, was mit Daten passiert (IP-Adresse, Login?) und ein seriöser Anbieter steckt dahinter
  • Suchmöglichkeiten: Wenn alles zentral ist, dann ist “alles” da, kann kategorisiert werden, durchsuchbar gemacht werden, standardisiert getagt werden, ….
  • Wenn darüber die Bezahlung für die Künstler geregelt wird, kann man seinem Lieblingskünstler was Gutes tun

Vorteile für den Künstler:

  • Seine Musik wird gehört
  • Der Musikkonsum seiner Musik wird gemessen und somit BEZAHLT

Ich will NICHT, dass andere Kopierorte illegal wären, so dass man trotzdem sonst wo kopieren kann, WENN es über eine Pauschalvergütung legal ist. Aber dies wäre eine zusätzliche, sinnvolle Ergänzung, um die Messung durchzuführen und so die Gelder zu verteilen. Welche Anteile diese Methode an der Bestimmung der Geldmenge hat, ist mir dabei erst mal egal.

Natürlich müsste man auch Missbrauch verhindern. Wenn riesige Geldmengen verteilt werden, ist das Betrugspotential hoch. Also könnte ich mir pseudonymisierte Accounts vorstellen, die z.B. nur mit dem Personalausweis beantragt werden können und eine Zuordnung nicht trivial möglich ist. Der anonyme Charakter sollte weitestgehend erhalten bleiben und gleichzeitig der Missbrauch verhindert werden. Da gibt es  Lösungen. Aber wenn ich etwas legales von einer staatlichen Behörde mit vernünftingen Lösch- und Verarbeitungs-Regeln runterlade, dann wird glaub ich mehr für den Datenschutz getan, als wenn ich mich in einem dubiosen Portal rumtreibe.

Jetzt wurde ich gefragt, wie das sei, wenn der Künstler das da gerne hochstellen würde, aber der Verwerter dagegen wäre. Ich sage, der Verwerter wird da nicht dagegen sein, weil darüber gemessen wird, wie viel Geld aus der Pauschalvergütung fließt. Da wäre man ja dumm, wenn man es nicht dort bereitstellen würde, sondern das Risiko eingehen würde, dass es in anderen (dann legalen) Tauschbörsen getauscht wird und man nichts vom Geldkuchen abbekommt.

17Apr

Urheberrecht III

Am Wochenende hat der Grüne LAK Medien getagt, und über das Urheberrecht diskutiert. Scheinbar ist das Ergebnis, eine Internet-Leer-Abgabe, (man könnte es auch Kultur-Flatrate nennen), die 1,50 € pro DSL-Anschluss und 1€ pro Handy-Daten-Tarif kosten soll.

Ich finde, sowas geht in die richtige Richtung. Mag aber doch mal rumnörgeln.

  • Was für mich am interessantesten wäre, wären Filme und Bücher. Wenn ich mir legal alle Sachbücher und Filme für 1,50€ im Monat runterladen dürfte, wäre das genial. Aber ich fürchte, die sind da nicht mit abgedeckt, oder?
  • Datentarif ist ein sehr weites Feld. Effektiv kann ich mit dem Handy 500 MB (und danach mit 64 kBit/s) runterladen und insgesamt paar GB speichern, während ein Rechner innerhalb weniger Stunden die paar GB runterladen kann und Terrabyte-Weise zeug speichern kann. Noch krasser wird es, wenn jemand ein Prepaid-Datentarif hat und einmal im Monat Mails abrufen will… klar, 1€ ist jetzt nicht die Welt, aber das Verhältnis muss beachtet werden.
  • Die Verteilung soll über die GEMA (und andere VGs) erfolgen. Da ist aber ein Reformbedarf vorhanden. Im jetzigen System will ich denen nicht noch mehr Geld geben. Gerade kleine Bands, die sich vor allem über das Internet vermarkten, haben kaum eine Chance, von der Gema Geld zu bekommen. (Oder sind meine Infos da falsch? – Ich hab das nur vom hören-sagen.)

Aber trotz meinen kleinen Bedenken, finde ich das ein schönes Modell und auch die Größenordnung ist absolut OK. Allerdings muss natürlich noch geprüft werden, ob alle digitale Kunst und Kultur damit abgedeckt ist. Bringt ja nichts, die Musik zu legalisieren, aber bei Filmen dann doch wieder Stress zu machen. Also würde ich da lieber für “etwas mehr” und dafür “vollständig” plädieren.

14Apr

Urheberrecht

Auf meinen Artikel von Anfang April habe ich viele Rückmeldungen bekommen und noch mal drüber nachgedacht.
Im Grunde geht es doch darum, finanzielle Vorteile beim Konsumenten bzw. finanzielle Nachteile beim Künstler durch Zahlungen auszugleichen.

Und hier gerechte Zahlungen zu ermitteln, ist die Kunst, die wir erlernen müssen.

Als erstes müssen wir auf der Konsumentenseite ganz klar unterscheiden, ob das professionell oder privat genutzt wird. Wenn es professionell genutzt wird, können wir glaube ich auf jeden Fall von einem finanziellen Vorteil ausgehen, d.h. Fernsehsender oder Kinos bei Filmen, Konzertanbieter und CD-Verkäufer bei Musik, kommerzielle Webseiten bei Photos, Veranstaltungen mit Eintritt, bzw. Veranstaltungen bei denen jemand Geld verdient (z.B. Theather, Lesungen, ….), Shops jeglicher Art bei aller Kultur, … Diskos die Musik abspielen, Einkaufszentren mit Filmbereich für Kinder (Fernseher im Schuhgeschäft mit Zeichentrickfilmen kenn ich z.B., oder im Kleiderladen) , … bei all diesen Nutzern sehe ich einen finanziellen Vorteil und finde daher, dass es hier auf jeden Fall gerechtfertigt ist, wenn Zahlungen erfolgen.

Grundsätzlich sind die Höhe der Zahlungen bilateral zu verhandeln. D.h. der Künstler und der Nutzer handeln einen Preis aus. Natürlich wären aber einheitliche Zahlungsweisen und Höhen über einen Künstlerverband mit geringem Verwaltungsaufwand schön, um den Aufwand zu verringern.

Privatkopie: Das nächste ist, wie mit privat genutzter Kultur umgegangen wird. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Konsumenten damit kein Geld verdienen, aber bisher diverse Geschäftsmodelle darauf ausgelegt sind, dass genau diese Gruppe zahlt und der Wunsch nach professioneller Kultur auch hier offensichtlich existiert. Es gibt genug Seiten mit CC-Musik, wo jeder legal und kostenlos Musik runterladen kann, aber scheinbar wollen viele Leute die professionell erstellte Musik. Wenn sie aber diese Musik wollen, müssen sie auch damit rechnen, dass “irgendwer” für die relativ komplexe Produktion zahlen muss. Noch krasser ist es bei Filmen. Avatar mit Rekord-Produktionskosten und gleichzeitigen Rekord-Umsätzen ist ein klares Zeichen, dass die Leute einerseits solche Filme wollen und andererseits auch bereit sind, dafür zu zahlen. Aber diese Umsätze wurden vor allem im Kino gemacht, trotz bereits existierenden File-Sharing-Möglichkeiten. Von daher (und ähnliche Ergebnisse gibt es auch von Wissenschaftlern) kann davon ausgegangen werden, dass diese Kopier-Möglichkeiten gar keinen so dramatischen Schaden in der “Kultur-Wirtschaft” anrichten. Agnes hat in ihrem TAZ-Artikel ja sogar behauptet, selbst bei der “Verwerter-Industrie” würde das nur als Sekundäres Problem gesehen – hinter vorgehaltener Hand. Die spannende Frage ist aber, was passieren würde, wenn es legal wäre. Im Augenblick gibt es genügend Leute, die auf das runterladen verzichten, weil es eben illegal ist. Ich vermute, dass wenn es legal wäre, dann würden zumindest die DVD- und CD-Verkäufe (noch weiter) runter gehen und die Online-Geschäftsmodelle erst recht. Andererseits gibt es zumindest im Musik-Bereich fast alles auf YouTube (und gilt dort im allgemeinen Volksglauben als legal, obwohl die Einigung mit der GEMA immer noch nicht geschafft wurde – genau so ein Fall wie oben erwähnt, Google mit seiner Plattform YouTube verdienen über Werbung Geld an jedem Video, also sehe ich es auch als “Zwang”, dass sie dafür an die Künstler was bezahlen müssen). So deckt sich die öffentliche Wahrnehmung (man kann quasi legal schon vieles anhören, die Musik-Industrie verdient trotzdem Geld) mit diversen wissenschaftlichen Studien.

Bereits heute beinhaltet das Urheberrechtsgesetz ja auch schon das Recht zur Privatkopie. Vor diesem Hintergrund wäre es überlegenswert, ob man nicht die Privatkopie, egal von welcher Quelle, grundsätzlich legalisiert. Der “Zuverfüger-Steller” darf keinerlei kommerziellen Ziele damit verfolgen. Also sobald es auf einer Web-Seite ist, auf der Werbung geschalten wird, die generell dem “Bekanntmachen” einer Marke dient o.ä. und es damit mehr oder weniger direkt um Geld geht, gilt die Seite als kommerziell.

Ob es sinnvoll ist, wenn ich privat Musik anbieten darf, darüber bin ich mir noch nicht sicher. Also quasi auf meiner privaten Webseite “Meine Lieblingslieder: mp3-1 mp3-2 u.s.w.”  … Zu diskutieren

Wichtig finde ich auch noch, dass alle Veranstaltungen, die nicht-kommerziell oder staatlich sind und im Bereich Bildung anzusiedeln sind, die Werke nutzen dürfen. Dazu gehört insbesondere, dass ein Lehrer z.B. im Musikunterricht ein Stück einspielen darf, um etwas zu erklären, oder ein Zeitungsartikel kopieren, oder … nicht dazu zählen jedoch Schulbuchverlage, die ja damit Geld verdienen. Aber dazu gehört auch ein Vortrag in einem Verein, für den der Vortragende kein Geld bekommt, … (z.B. auch Barcamps, Pecha Kucha, Nerd Nite, …

Schutzfristen: Hier würde ich in 2 Aspekte unterscheiden:

  1. kommerzielle Nutzung: Hier kann ich den Künstlern zustimmen, wenn jemand ein “einmaliges” Kunstwerk macht, z.B. Shakespeare mit Romeo und Julia, dann ist es nicht ersichtlich, warum jemand anderes damit Geld verdienen darf, ohne dem Künstler was abzugeben.
  2. Weiterverarbeitung: Oft sind Kunstwerke die Grundlage für noch “größere” Kunstwerke. Selbst bei Shakespeare war die Idee von der “verbotenen Liebe” sicherlich nicht ganz neu. Diese Entwicklung sollte nicht aufgehalten werden. Daher sehe ich hier erheblich kürzere Schutzfristen. Also sollte es einem anderen Künstler möglich sein, die Ideen eines alten Werkes zu nutzen und etwas drauf zu setzen. Sei es der Plot einer Geschichte (Romeo und Julia ist in viele modernen Geschichten eingeflossen), das Motiv eines Musikstückes, das Motiv eines Bildes. Hierbei sollte eine generelle Weiterverarbeitung sehr bald (wenige Jahre, z.B. 10 nach der Schaffung) möglich sein, OHNE die Zustimmung des Künstlers (frei), was aber nicht unbedingt bedeutet, dass es kostenfrei sein muss. Zum Beispiel könnte man sagen, dass Lizenzen (allgemein festgelegt durch die Künstlervereinigungen) an die ursprünglichen Künstler gezahlt werden müssen, je nachdem zu welchem Anteil das neue Kunstwerk aus dem alten Kunstwerk besteht. Der Anteil der Zahlungen sollte aber auch sinken, je älter das Werk wird. Die alte Geschichte, dass sich Kinder verfeindeter “Volksgruppen” ineinander verlieben, sollte jetzt auch nicht auf ewig nur in Verbindung mit Kosten genutzt werden dürfen. Daher mein Vorschlag: Nach 10 Jahren dürfen Werke gegen Lizenzzahlungen genutzt werden. Die Lizenzsätze sind am Anfang 100% des Standardsatzes und verringern sich mit jedem Jahr um einen Prozentpunkt. Die tatsächliche Lizenzhöhe hängt dann noch vom Anteil der übernommenen Kunstwerke ab. 110 Jahre nach der Schaffung des Werkes wäre dann eine Weiterentwicklung kostenfrei. Die genauen Modalitäten sollten aber die Künstler untereinander ausmachen und sind von mir nur als Beispiel gedacht.

Ein letzter Aspekt ist noch mal die Kulturflatrate: Die Frage ist ja, wie die Künstler Geld dafür bekommen sollen, wenn es plötzlich legal wäre, Kultur einfach zu kopieren. Oben war ich mir ja unsicher, ob und wie stark die Legalisierung überhaupt den Kultur-Konsum bremsen würde.

Ich bin generell ein Fan von der Kulturflatrate, wenn sie zu einem akzeptablen Preis angeboten wird, dann gerne auch verpflichtend. Das Problem ist eben, dass gerade gar nicht klar ist, wie viel Umsatzeinbrüche und Gewinnrückgänge durch so eine Kulturflatrate zu erwarten sind. Also wenn z.B. heute in einem Referenzgebiet 1000 CDs gekauft werden und nach der Einführung der Kulturflatrate und der Legalisierung des Kopierens nur noch 700, was müsste dann die Kulturflatrate ersetzen?

  • 300 * 10 € (CD-Preis)
  • 300 * 1 € (Der Anteil des Künstlers an einer CD – die Zahlen dazu schwanken)
  • Vielleicht sogar noch weniger, weil die (kostenpflichtigen) Downloads eines Portals dafür um 500 gestiegen sind, und der Künstler da jeweils 20 Cent pro Download bekommt?
  • Vielleicht doch mehr? Bisher bekommen auch die Produzenten etc. was und einige Künstler brauchen die nach wie vor.

Die Zahlen sind jetzt rein fiktiv, aber allein daran kann man schon sehen, dass eine “faire” Berechnung da gar nicht so einfach ist. Deswegen brauch man bei solchen Modellen alle an einem Tisch. Bei einer Zwangsabgabe ist auch darauf zu achten, dass sie fair ist, also jemand wie ich, der wenig Musik hört, aber evtl. ab und zu ein Film schauen würde…. Für 15€ könnte ich das heute auch schon legal, also will ich nicht, dass es viel mehr wäre. Ich könnte mir eine erweiterte “Leermittelabgabe”, wie sie bereits praktiziert wird, erweitert um den Internetanschluss vorstellen. Genaue Zahlen müssten noch durchgerechnet werden.

Alles sind nur grobe Ideen, die Details müssten gemeinsam mit den Betroffenen ausdiskutiert werden.

04Apr

Urheberrecht

Gerade kochen die Diskussionen hoch. Nach Sven Regener haben sich nun auch noch 51 Tatort-Autoren und der CCC gemeldet. Eine generell schöne Übersicht gibt es in der Linksammlung Urheberrecht. Und jetzt komm ich auch noch:

Die Tatort-Autoren haben eigentlich das Grundproblem schon schön von uns abgeschrieben, das ich jetzt noch mal selber in eigenen Worten formuliere: “Die Nutzer wollen die Kultur möglichst einfach und kostengünstig nutzen, während die Künstler von Ihren Werken leben wollen.” Beides müssen wir berücksichtigen und abwägen.

Wir leben zur Zeit in einer Situation, in der digitale Kultur technisch sehr einfach kopiert werden kann. Es ist nicht nur theoretisch einigen Hackern möglich, sondern eben auch der großen Mehrheit der Leute, die im Internet aktiv sind. “Link rechts-klicken – speichern unter – Musikordner auswählen – fertig” kann man einem heutigen Jugendlichen ganz einfach beibringen. Noch einfacher geht es auf Video-Plattformen, “Bandname eingeben, play drücken”. Das ist einfach mal die Realität. Vor 15 Jahren waren es noch die CDs, die heimlich auf dem Schulhof ausgetauscht und dann zu Hause kopiert wurden, z.T. schon mit 10 Stunden Musik im MP3-Format. In der Uni gab es dann Gerüchte von Servern in den Wohnheimen, auf die jeder Musik hochladen und insbesondere auch von dort runterladen konnte. Heute ist das im “offenen” Internet möglich.

Wir haben jetzt, vor diese Realität gestellt, quasi 2 Möglichkeiten.

  1. Wir nutzen die Macht des Staates und des Gesetzes aus, um es zurückzudrängen. Gefängnis, drastische Geld- Strafen, … oder eben auch die Freiheit der Urheber bzw. der Content-Industrie, saftige Abmahnungen zu verschicken.
  2. Wir akzeptieren die Entwicklung und wir finden eine Lösung, die diese Realität akzeptiert und dabei trotzdem die Urheber entsprechend mit einbezieht.

Ich bin ganz klar für Version 2. Da stehe ich 100% dahinter. Wie genau diese Lösung aussieht, da habe ich sehr konkrete Ideen, bin aber gerne bereit, mich von den Urhebern, den Netz-Experten (CCC & Co), und anderen von besseren Lösungen überzeugen zu lassen.

Die viel diskutierte Senkung der Schutzfristen halte ich auch für keine Lösung, es muss viel mehr geklärt werden, wer was darf. Z.B. was genau ist eine “Privatkopie” (die je nach Kommentar angeblich heute schon in der einen oder anderen Form legal ist). Was ist mit Bildungs-Sachen. Darf eine Schul-AG einen Tatort als Theatherstück aufführen, ohne dafür zahlen zu müssen, oder müssen sie davor 5000 € an die Drehbuchautoren zahlen. Was ist mit ehrenamtlichen Veranstaltungen. Wenn bei einem Poetry-Slam mittendrin eine Göthe oder ein Satz von Günther Krass eingebaut wird, steht dann gleich die VG-Wort bei dem Hobby-Künstler, oder darf er das? Wie ist es mit den Einnahmen bei ehrenamtlichen Projekten? Also wenn die Schul-AG 2 Euro Eintritt nimmt, aber keiner der Schüler einen Cent davon bekommt, sondern das Geld für Requisiten ausgegeben wird, damit der Eigenanteil nicht zu hoch wird?

Etwas anderes ist die kommerzielle Verwertung. Da bin ich ganz klar der Meinung, egal ob Kino, E-Shop, …. sobald die mit der Kultur was verdienen, sollen sie auch den Urhebern etwas zahlen. Im Fernsehn zahlen wir einerseits GEZ-Gebühr und andererseits erleiden wir brav die “Produktinformationen”, damit die Fernsehsender dann den Künstlern etwas zahlen können. Wir zahlen für Konzertkarten und für DVDs, den Kinoeintritt und im Buchladen.

Wir “Konsumenten” der Kunst zahlen an so vielen Stellen, aber wenn wir mal an eine digitale Kopie eines Werkes kommen, sei es, weil der Kumpel sie auf der Festplatte mitgebracht hat oder wir im Internet rumgesurft sind, wollen wir NICHT gleich 5 Jahre ins Gefängnis.

Das findet ihr Gerecht? Ich nicht. Wie gesagt, es geht darum, dass wir “normalen” Nutzer damit keinen Cent verdienen. Etwas anderes wäre es, wenn ich jetzt ein Lied auf meiner Webseite laufen lassen würde, auf der ich Geld verdiene. Oder Photos nutze.

Natürlich ist uns Nutzern allen klar, dass die Produktion Geld kostet. Trotz allem “lieben” wir doch alle die großen Hollywood-Filme (sagen zumindest die Statistiken) oder die Top-Songs der Charts, sonst würden sie dort nicht stehen. Wenn wir solche “professionelle” Kultur wollen, ist auch klar, dass wir die Künstler (und deren Unterstützer) dafür bezahlen müssen. Im Grunde eine Sache von Angebot und Nachfrage.

Die spannende Frage ist aber doch, wie das organisiert ist. Für was genau muss man wie viel zahlen? Bei Napstar bekommt der Künstler für jeden gehörten Song Milli-Cent-Beträge. Das ist legal. Ist das wirklich die Lösung? Ich fürchte, da verdienen zig Zwischenstellen mehr als die Künstler selber.

Und genau zu diesen Fragen will ich eine Lösung finden. Dazu muss man das Netz kennen, man muss die Strukturen der verschiedenen Kunst-Arten kennen, man muss Zahlen haben, …. deswegen müssen alle an einen Tisch. Da bringt es nichts, wenn wir uns gegenseitig beschimpfen. Weder die “Lebenslügen” der Tatortautoren, noch die “Wände” des CCC, … (und bestimmt gibt es auch Äußerungen von mir, die man hier mit aufzählen könnte) sind konstruktiv und hilfreich.

Jetzt haben wir uns alle mal eine Runde ausgekotztsprochen, jetzt sollten wir einmal tief Durchatmen und dann miteinander reden.

09Sep

Nerdnite

Gestern war ich mit Freunden auf der Nerdnite in München.

Warum waren wir da? Zur Zeit planen wir zu zweit, auch in Erlangen NerdNites zu organisieren. Wer Interesse hat, kann sich gerne schon mal bei mir melden. Ansonsten haben wir hoffentlich dann auch bald eine Webseite z.B. http://erlangen.nerdnite.com, über die wir dann auch die Neuigkeiten verbreiten können. Oder wer Facebook nutzt, kann sich dort auch mal als Interessent “outen”.

Die Vorträge haben uns vom Titel irgendwie zwar nicht 100%ig angesprochen, aber wir wollten es uns mal anschauen. Und wir wurden positiv überrascht. Alle 3 Vorträge waren komplett verschieden (nicht nur über die Themen, auch der Aufbau und die Präsentationsweise haben sich irgendwie unterschieden) und alle 3 waren interessant.

Der Vortrag von Ulrich Mannes (“Wie sich Sigi Rothemund das Pseudonym Siggi Götz zulegte und zum Paten einer Kinozeitschrift wurde.”) war mit einer ganz besonderen Art von Humor vorgetragen. Die Isar-Renaturierung (Alexander Föhl) dachte ich, würde mich als “Grünen” interessieren. Der Vortrag war zwar spannend, aber total unpolitisch. Es wurde einfach gezeigt, wie sich Hochwasser auswirkt, was dagegen gemacht wird, welche Keller bei welcher Höhe überflutet werden und wie die menschlich gemachten Designs von einem “kleinen” Hochwasser einfach mal weggespült wurden.

Am spannendsten fand ich allerdings den ersten Vortrag (das hätte ich davor niemals gedacht) von Martin Wunderlich: Was nicht passt, wird passend gemacht – die englische Barockdichtung der Metaphysical Poets.

Bei diesen ging es um eine Vermischung von Logik und Gefühle in einem – also Dualismus. Und irgendwie rufen die dort vorgestellten Gedichte in mir einen Widerspruch hervor. Am Anfang habe ich gedacht, dass dies an unlogischen Schlussfolgerungen liegt (es war tatsächlich eine drin … gegeben A=>B und notA; daraus wurde gefolgert notB – dies ist zwar “formal-logisch” nicht korrekt, löst aber den Zwiespalt nicht auf…), inzwischen (nach Klärung einiger Fragen mit Martin) kann ich mir auch vorstellen, dass ich zu wenig dualistisch denke ..

…. Oder vielleicht liegt es aber auch nur an dem Englisch. Ich lese normalerweise “eher selten” englische Barockgedichte aus dem 17. Jahrhundert.

13Aug

Wem nutzt das Urheberrecht

Sehr interessanter Artikel, den ich einfach mal (so gut wie) unkommentiert empfehlen möchte.

Wem nutzt das Urheberrecht?

Interview mit Eckhard Höffner zu seinem Buch “Geschichte und Wesen des Urheberrechts”

23Nov

Nichtraucherschutz – Volksbegehren

Auf der Seite des Erlanger Aktionsbündnisses des Volksbegehrens für den Nichtraucherschutz wird dafür geworben sich einzutragen. Ich finde das gut. Ich helfe dem Aktionsbündnis. Warum?

Man könnte ja auch sagen, sollen die Raucher und die Nichtraucher sich gegenseitig “respektieren” und machen lassen. Grundsätzlich ja, soll jeder machen was er will, solange er dabei folgende Voraussetzung einhält:

Keinem anderen Schaden

Aber gerade dies ist beim Rauchen in der Öffentlichkeit fraglich. Es gibt zig Studien, die auf Gefahren von Passivrauchen hinweisen, von bis zu 3300 Toten jährlich in Deutschland ist die Rede…. ich weiss, dass diese Zahl angezweifelt wird.

Aber jetzt noch ein ganz anderes Beispiel: Stelle man sich vor, ich würde einen Raucher mit einem Matschball bewerfen. Wenn er sich beschwert, könnte ich ihm die gleichen Argumente an den Kopf werfen, die man oft von Gegnern des Rauchverbotes hört:

  • “Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die beweisst, dass Matschbälle die Gesundheit schädigen” (und bei Matschbällen glaube ich das sogar noch eher als beim Zigarettenqualm)
  • “Sie müssen hier ja nicht langgehen, hier ist das ja nicht verboten”

Trotzdem werde ich niemand mit Matsch bewerfen, ganz einfach, weil es den anderen Leuten nicht gefällt, und ich dies respektiere … aber genau das gleiche erwarte ich eigentlich von den Rauchern. Sie sollen respektieren, dass es vielen Leuten (zum Teil sogar Rauchern) nicht gefällt, wenn sie

  • in einen verqualmten Raum gehen
  • abends ihre Sachen stinken und erst mal 3 Tage gelüftet werden müssen

Deswegen unterstütze ich das Volksbegehren. Es geht nicht darum, die Raucher zu verunglimpfen, ganz im Gegenteil, wenn diese sich respektvoll verhalten, dann verbietet es das Nichtraucherschutzgesetz es ja nicht, sondern es erzwingt nur den Respekt, der eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Ach und noch ein Wort zu Raucherräumen. Die sind schön und gut, wenn man von 2 Voraussetzungen ausgeht:

  1. Die sind so abgetrennt, dass der Rauch tatsächlich nicht rüberzieht (also z.B. alle 5 Minuten die Tür aufgeht)
  2. Es gibt 2 Gruppen, die nichts miteinander zu tun haben. Die Raucher und die Nichtraucher. Cliquen, in denen Individuen beider Gruppen vorkommen, darf es nicht geben…

Da aber die beiden Vorraussetzungen praktisch nicht vorkommen, ist auch das Konzept “Raucherzimmer” keine optimmale Lösung.

08Aug

Kulturflatrate 2

Ich habe die Fortsetzung zum ersten Kulturflatrateartikel ja schon angekündigt. Hier ist sie!

Ich habe nun einige der Quellen gelesen und mag das kommentieren:

  • Blogbeitrag Kulturflatrate 2.0
    Im Grunde eine ähnliche Idee wie ich sie hatte. Zentraler Bundesserver (naja, Wolke, aber um technische Detailumsetzung will ich hier noch nicht feilschen). Der Artikel geht noch von einer Registrierung aus, besser wäre es, einfach alle Kunden von deutschen Providern zu akzeptieren. Das wäre ein Schritt anonymer.
  • Dann gibt es bei Malte Spitz grüne Antworten auf Fragen zur Kulturflatrate die ich hier verkürzt (also die Fragen sind verkürzt und die “offiziellen” Antworten der Grünen sind, sofern wiedergegeben, auch verkürzt) kommentieren will:
    1. Höhe: Hier gibt es noch keine grüne Festlegung, aber ich denke, die von Zypris (SPD) ins Gespräch gebrachten 50 Euro sind viel zu hoch. Es muss definitiv so sein, dass die normalen digitalen Kulturkosten nicht überstiegen werden und das Internet nicht unbezahlbar wird. Auf den Seiten des statistischen Bundesamt habe ich gerade nichts gefunden… vom Gefühl her, würde ich diese Flatrate bei 10€ ansiedeln. Die Musikindustrie beziffert ihren Umsatz auf 1,5 Milliarden, also etwa 130 Millionen pro Monat, also pro Bundesbürger weniger als 2 Euro pro Monat. Wenn man jetzt einerseits die auch dann noch verkauften CDs abzieht, andererseits bedenkt, dass ja für downgeloadede MP3s keine CDs mehr produziert werden müssen, also Kosten wegfallen, kann man den Preis für den Musik-Teil der Flatrate getrost auf weniger als 1 Euro pro Bundesbürger festlegen. Musik macht derzeit glaub ich einen großen Batzen in Tauschbörsen aus, Filme schaut man sich zur Zeit glaub ich eher noch im Kino (das wird ja nicht betroffen sein) und in Fernsehen an. Ist einfach noch angenehmer. Bücher liest man lieber auf Papier. Photos hat sich eh kaum jemand gekauft. Software und Spiele könnten noch mal einen großen Betrag ausmachen.
      Wobei, ich bin mir gar nicht sicher, ob man das am Internetanschluss festmachen soll, oder an anderen Sachen… Wobei Internetanschluss ist schon ein Indikator für “Kopiermenge”, wenn auch nur ein sehr grober. Man könnte das ja auch aufteilen, ähnlich wie bei der Gema. Alles was mit Kulturkonsum zu tun hat, kostet etwas: Internet, MP3-Player, Lautsprecher (insbesondere Souroundsysteme wegen Filmen), eBook-Reader…
    2. Berücksichtigung von Bedürftigen: Wenn die Kulturflatrate wirklich bei 10 Euro landet, ist eher die Frage, wie die anderen Kosten (PC, Internet, … ) verrechnet werden. Auf jeden Fall plädiere ich hier ganz stark für teilen. Wenn sich paar Leute den Internetzugang/PC/… teilen, dann wären das paar Euro pro Person und damit erträglich.
      Auch gibt es öffentliche Internetzugänge (die dann vielleicht etwas teurer werden)…
      Wer damit kreativ umgeht, kann da bestimmt eine Lösung finden, die bezahlbar bleibt. Solche Lösungen sollte das Gesetz direkt zulassen, also nicht Schlupflöcher schaffen, sondern ganz offizielle Wege.
    3. Sollen auch “Nicht-Nutzer” diese Gebühr zahlen: Hier tendiere ich zu ja, weil man kann ja auch offline kopieren…. wobei dann wieder die “verteilte” Kostenberechnung gerechter wäre. Die GEMA hat sich da ja schon Gedanken gemacht.
    4. Spartenflatrates? (nur Musik? Nur Film?): Siehe 3. … Es geht ja darum, das Privatkopieren generell zu legalisieren. Wenn man die Wahl hat, wo man was bucht, muss dann der Staatsanwalt jedesmal bei einer Kopie nachschauen, ob die Person das gebucht hat. Oder kann man monatlich buchen und dann einmal alles runterladen und dann wieder 3 Monate nicht bezahlen und nichts runterladen?
      Alles Quatsch, im Grunde muss einfach jeder zahlen, und darf dann alle digitale Kultur für den Eigengebrauch kopieren.
    5. Einzug über GEZ? Vermischung? GEZ ist ein ganz anderes Thema… und der Einzug über die Provider wäre sinnvoll, bzw. siehe 1. Verteilung der Kosten auf diverse andere “Güter”
    6. Paralell komerzielle Angebote für digitale Kultur: Halte ich ehrlich gesagt für unrealistisch. Sobald es legal wird, digitale Kultur für den Eigengebrauch zu kopieren, wird es auch Bestrebungen geben, dass Anbieter (z.B. wegen Werbeeffekten oder werbefinanziert oder einfach Vereine, Gruppen, Fans …) qualitativ hochwertige Downloads anbieten. Bzw. um es sinnvoll messen zu können, was wirklich genutzt wurde, würde sich eh ein zentraler Server (unabhängig betrieben … siehe spätere Frage) anbieten.
    7. Darf dann alles kopiert werden: Wie in der offiziellen Antwort steht: Dies ist der Sinn dahinter, dass für den Privatgebrauch kopiert werden darf.
    8. Was soll veröffentlicht/ in der Flatrate freigegeben werden? Welche Rollen spielen Verwertungspartner?
      Alles, sonst macht es keinen Sinn.
      Verwertungspartner halte ich im Gegensatz zur offiziellen Meinung für unrealistisch, siehe 6.
    9. Wer soll profitieren? Nur Urheber? Ausübende Künstler? Verwerter?
      Na, auf jeden Fall die Urheber. Wenn die ausübenden Künstler durch ihre Ausübung das Stück “neu” schaffen/interpretieren, die z.T. auch.
      Verwerter sind dann quasi nicht mehr notwendig, bzw. es liegt im Ermessen des Künstlers, was für Verträge er mit den Verwertern abschließt. Wenn der Künstler das Risiko für die Nutzung eines Aufnahmestudios an den Verwerter gemeinsam mit den Rechten an den Einnahmen abtritt, ist das seine Entscheidung. Geld gibt es halt je nach Nutzung, wie der rechtmäßige Empfänger das verwendet, bleibt ihm überlassen.
    10. Verteilung auf Genres?
      Schwer, ein 90-min-Film hat natürlich ein anderes Volumen als eine 3 min MP3. Mir geistern da Ideen wir MB und/oder die Anzahl der Mitwirkenden zumindest ansatzweise einzubeziehen. Bei einem Buch ist das wieder anders… vielleicht die durchschnittlich aufgewendeten Personenstunden (vielleicht noch gewichtet nach “Hauptdarsteller” und “Hilfspersonen”) …. auf jeden Fall ist das ein Punkt, wo die Künstler und Konsumenten ein entscheidendes Wort mitzureden haben sollten…. (naja, eigentlich bei allen Punkten hier, aber speziell bei diesem gibt es ja keine politischen Präferenzen a la “du sollst mehr die eine oder andere Kultur konsumieren”, daher kann die Politik sich hier weitestgehend zurückhalten).
    11. Wie sollen qualitativ höherwertige Produkte behandelt werden?
      Also grundsätzlich wird die Qualität vom Nutzer bewertet. Wenn es wirklich qualitativ besser ist, wird es weiterempfohlen, mehr Leute hören es sich an, … Wenn nur eine kleine Gruppe etwas hochqualitatives will, dann kann man es ja als Auftragsarbeit (nach vorheriger Bezahlung) herstellen.
    12. Gibt es eine Umverteilung, wenn die Inhalte in “nicht gewünschte” Bereiche (z.B. Porno) fließen?
      Ich würde mir auf jeden Fall einen Jugendschutz wünschen. Also solche Inhalte nicht komplett frei anbieten. Aber wenn die Mehrheit das als Kultur ansieht und konsumieren möchte, dann soll das auch entsprechend vergütet werden.
      Illegale Inhalte sollen natürlich komplett ausgenommen werden, also Lieder/Bilder/Filme mit Aufruf zur Gewalt etc.
    13. Messung? Da steht als offizielle Antwort, dass das bereits behandelt wurde. WO?
      Mein Favourite ist wie gesagt der Bundestracker, der aber nicht unbedingt vom Staat, nicht unbedingt von EINER “Gruppierung” betrieben werden muss, aber die Betreiber müssen unabhängig sein, das heisst die Betreiber sollten kein Interesse an den Nutzerdaten und kein Interesse an einer (gefälschten) Downloadstatistik haben.
      mehr dazu unten.
    14. Wer verteilt die Gelder: Die offizielle Antwort gefällt mir: Im Grunde egal, solange wenig Verwaltungskosten anfallen.
    15. Wer entscheidet bei Streitfragen: Die offizielle Antwort gefällt mir: Muss noch, in Abhängigkeit von der weiteren Diskussion & anderen Faktoren, ausgearbeitet werden.
    16. Vereinbarkeit mir Urheberrecht: Die offizielle Antwort gefällt mir: Die ist im Grunde ein Verweis auf dieses Gutachten.
  • Nochmal meine Ideen zum “Bundestracker”:
    1. Wer Betreibt ihn
      Jemand unabhängiges, der weder Interesse an den Kundendaten noch an den Statistiken hat.
      Wenn es mehrer Anbieter sind, sollten diese so verbunden sein (gemeinsammes Einstiegsportal, Schnittstellen, zentrale Suchmaske etc.) das es für den Nutzer sehr einfach wird, die gewünschte Kulturgüter zu finden.
    2. Technik:
      Ich tendiere im Gegensatz zu dem Kulturflatrate 2.0 Beitrag zu einem Bittorrentartigem System. Da sind dann zwar die Dateien einmal auf dem offiziellen Server vorhanden, aber die Bandbreite wird mit vielen Nutzern geteilt. So ist alles immer verfügbar und nicht von den “Crashs” irgendwelcher privater Server abhängig, aber es muss nicht alles von den zentralen Servern kommen.
      Genutzt werden darf/kann es nur durch IPs, die zu deutschen Internetprovidern gehören.
      Zusätzlich könnte man noch ein TOR-Netzwerk dazwischenbauen, dass aber nur Anfragen von anderen TOR-Servern oder entsprechenden Provider-IPs annehmen darf.
    3. Vorteile für den User dort mitzumachen:
      • Sehr vieles da (und der Künstler der seine Werke dort nicht anbietet ist selber Schuld),
      • sicher legal (der Anbieter ist dafür verantwortlich, die Inhalte zu prüfen und für Fehler kann dann nicht der Downloader verantwortlich gemacht werden, während man auf Tauschbörsen alles mögliche bekommen kann)
      • wahrscheinlich virenfrei (auch hier sollte der Anbieter prüfen)
      • Unterstützung der Künstler (wenn man was runterlädt findet man den Künstler ja eher gut…. wünscht ihm also auch einen möglichst großen Anteil vom “Kuchen”)
    4. Nachteile für den User dort herunterzuladen: der Nachteil wäre eine/wenige zentrale DatenkrakeN … aber wie in dem oben zitierten Blog (Kulturflatrate 2.0) angemerkt, denke ich auch, mit entsprechenden Nutzungs- und Löschungsgesetzen ist dies relativ verkraftbar. Daten fallen bei jedem Download an. Da ist die Frage, vertraue ich lieber einer “komischen” P2P-Plattform, auf der sich auch “komische” Gestalten tümmeln? Ganz im Gegenteil, da es ja wahrscheinlich immer noch nicht gewünscht wird, dass die Daten ins Ausland (mit anderen Gesetzen) kopiert werden, ist es dann sogar vielleicht trotzdem noch illegal, die Dateien P2P ins Ausland weiterzugeben und wenn die Daten dann an die Musikindustrie fallen …. hat sich eigentlich schon mal jemand über diese Problematik gedanken gemacht?
    5. Auswirkungen auf Musikshops: Die haben einen Konkurrenten, so dass wahrscheinlich da einige nicht weiter am Markt bestehen können. Die Vermarktungswege werden direkter, aber hoffentlich landet dann auch mehr Geld beim Künstler.
  • Was soll damit eigentlich alles abgedeckt werden?
    1. Musik: Ja
    2. Text: In Form von eBooks: Ja (wenn sie digital veröffentlicht wurden), sehe ich aber vorerst als kleinen Teil.
    3. Film: Sofern er digital veröffentlicht wurde: Ja
    4. Foto: Ja, sehe ich gerade als kleinen Posten. Oder wie viele Photos kauft man sich privat?
    5. Games:Hmm, hier bin ich skeptisch. Warum? Weil Spiele bis zu 40€ pro Stück kosten, Software noch viel mehr… wenn das auf die Flatrate umverteilt werden würde, ist sie wahrscheinlich schnell sehr hoch, bzw. ein kleiner Teil der Bevölkerung profitiert davon, dass ein großer Teil der Bevölkerung mehr zahlen muss (Musik, Buch und Film würde ich mal als Medien bezeichnen, die von sehr vielen konsumiert werden)…. aber mit der Gesamtargumentation muss man sie ja eigentlich dazunehmen. Nur Illegale Spiele zu verfolgen wäre auch nicht sinnvoll…. da bei Spielen aber eh immer mehr der Trend zu Online geht, wäre das vielleicht der Kompromiss. Die Verwerter können dann die Spiele nicht mehr verkaufen, aber Internetservices nur gegen Geld anbieten (einmalig/Abo).
    6. Software: Siehe Spiele …. bei Software kommt dazu, dass fast alles, was es für den privaten Bereich benötigt bereits gratis im Internet gibt (Linux). Komerzieller gebrauch ist ja eh ausgeschlossen.

So, das wurde jetzt ein langer Beitrag…. ich hoffe mal, den einen oder anderen Kommentar dazu zu bekommen 🙂

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