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Sicherheit
08Jul

Geheimer Sicherheitsrat

Der Skandal an der Panzergeschichte ist ja eigentlich nur sekundär, dass sie den Verkauf genehmigt haben. Der m.E. viel schlimmere Skandal ist, dass dieses im Geheimen geschehen sollte und sich die Bundes-Angie jetzt aufregt, dass die Entscheidung publik geworden ist.

Der Sicherheitsrat tagt geheim. Dies ist grundsätzlich kein Fehler, wenn der “Gegner” die Informationen gegen uns nützen könnte. Aber was bitteschön hätte irgend ein Gegner davon, wenn er weiß, dass die Bundesregierung den Verkauf genehmigt hat? Vielleicht habe ich zu wenig Ahnung von Militär, aber wenn ein Spion rausbekommen will, was für Panzer der Gegner hat, dann muss er doch nur ein gutes Fernglas (bzw. entsprechende Satelittenbilder) kaufen und kann es recht schnell rausbekommen. Oder sollen die Panzer nur “im Keller” gelagert werden, keine Mannöver? Kann ich mir nicht vorstellen.

Den einzigen Sinn, das geheimzuhalten ist, den (sekundären) Skandal nicht an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Aber jetzt spielen wir mal 2 Gedankenspiele durch:

  1. Es wäre wirklich OK, die Panzer zu verkaufen
    ==> Es wäre kein Skandal, dem zuzustimmen
    ==> Die Geheimniskrämerei wäre nicht notwendig
    ==> Angie würde sich mit Argumenten verteidigen, nicht mit Formalien
  2. Es wäre NICHT OK, die Panzer zu verkaufen
    ==> Es ist verständlich, warum sie es geheim halten wollen
    ==> Vielleicht hat es andere “Argumente” gegeben, einen Koffer oder so, was natürlich noch viel weniger rauskommen soll.

Und nun ist das erschreckende: SPON geht davon aus, dass schwarz-gelb es auf jeden Fall durchwinkt. Das heisst, falls Szenario 2 zutrifft, muss man in einer Demokratie nur 8 “Leitwölfe” überzeugen (mit Koffern oder so) und fast alle MdBs der entsprechenden Parteien heben im entscheidenden Moment ihre Hand, selbst wenn sie dabei ein schlechtes Gefühl haben. Die “Argumente” der Bosse – die ja geheim sind – werden schon stimmen.

Tolle Demokratie 🙁

01Jun

Laufzeiten

Ich hab so einen schönen Satz gehört: “Entweder die AKWSs sind sicher, dann können sie ja noch länger laufen, oder sie sind nicht sicher, dann muss man sie sofort ausschalten.” Fast richtig. Nichts ist sicher. Und jede Medallie hat 2 Seiten. Atomstrom ist sicherlich nicht sicher, sondern eine Energieumwandlungsart mit einem enorm hohen Risiko. Aber vor vielen Jahren hat sich “Deutschland” nun mal für diese Technologie entschieden und im Augenblick ist es fraglich, ob ganz kurzfristig eine andere Technologie herbeigeschafft werden kann. Kohle und die fosile Stromerzeugung generell sind auch keine “Traumalternative”. Ich kenne nur eine vernünftige Alternative und die beinhaltet u.a.

  • Energiemix aus erneuerbaren Energien
  • Leitungsausbau
  • Energiesparen insbesondere zu Spitzenzeiten
  • Speicherung

Aber einiges davon ist noch längst nicht umgesetzt. Von daher ist es durchaus gerechtfertigt, wenn nun Atomkritiker einen Ausstiegsplan, aber keinen sofortigen Ausstieg befürchten. Ein sofortiger Ausstieg hätte andere (katastrophale?) Folgen. Aber ein schnellstmöglicher Umstieg auf moderne Energien wäre sinnvoll. Daher verstehe ich auch Deppendorf nicht. Auf der ard.de-Startseite kann man lesen:

Deppendorfs Woche

Aussteiger ohne Plan

Atomausstieg – und dann? Experten kritisieren, das Ganze sei kopflos, es gebe kein schlüssiges Konzept. Ausgerechnet die Grünen warnen vor dem Strom-Blackout, weil 2021/22 alle AKW auf einmal vom Netz gehen. Die Energieriesen blasen derweil zum Kampf. Der Atomausstieg: ein neuer fataler Schnellschuss der Koalition? [video]

Natürlich wäre ein Blackout zu befürchten, wenn “plötzlich” ein immenser Anteil einfach abgeschalten werden würde. Es wäre viel sinnvoller, von den verbleibenden AKWs jedes Jahr eines abzuschalten, so dass die entsprechende Kapazitäten in diesem Jahr dann nachgerüstet werden können – durch erneuerbare Energien. Also wir Grünen wollen ganz sicherlich nicht, dass die AKWs über 2021 hinaus am Netz bleiben, sondern dass diese nach und nach schon früher vom Netz gehen. So aus dem Kontext gerissen hört sich der Satz mit den Grünen zwar nach einer Sensation an, aber wenn man es genau betrachtet, dann stehen dahinter uralte Forderungen. Die AKWs so schnell wie möglich abschalten, dabei das juristische Risiko minimieren und die Versorgungssicherheit mit Strom sicherstellen.

18Apr

Wie schlimm ist das radioaktiv verseuchte Wasser in Fukoshima für uns?

In den Medien erfahren wir täglich, wie viele Liter Wasser vom AKW in Fukoshima ins Meer gelangen. Sicherlich ist das schrecklich für das Meer dort, aber bevor wir Europäer uns darüber “aufregen” oder uns sorgen um die Auswirkungen auf Lebensmittel machen, sollten wir doch mal solche Nachrichten wahrnehmen, wie folgende von Greenpeace: jährlich werden bei LaHague zig Millionen Wasser ins Meer geleitet. Während dem “Normalbetrieb”. Legal. Ohne dass sich jemand aufregt. Und das Wasser und der Meeresboden da rund rum ist hochgradig verseucht. Gleichzeitig wird Krypton 85 in die Luft gelassen. (wikipedia wikipedia).

Rund um deutsche AKWs steigt die Krebsrate, keiner kann sich das erklären … aber alle Verantwortlichen wissen, die deutschen AKWs sind sicher…

17Nov

Grüner Aufbruch: Neue Horizonte und gemeinsame Werte

Auf reformerplus ist eine sehr schöne Sammlung von Thesen und Ansätzen, wie es in Zukunft mit der Grünen Politik weitergehen kann. Sehr schönes Papier, dass ich unterstütze.

Besonders gefallen hat mir der Satz:

Seit Jahrzehnten wird in diesem Politikfeld von allen politischen Parteien eine reine Stellschrauben-Politik ohne Mut und Innovation betrieben.

Der steht zwar bei Sozialsystemen, passt aber auf die gesamte Politik der BRD.

Die Seite wurde in die Linkliste aufgenommen.

04Aug

Atomkraftwerke sollen laufen, solange sie günstig und sicher sind…

… wird derzeit in etwa so von der CSU gesagt.

Und ich kann diesen Satz unterschreiben, möchte hier jedoch erstmal anfragen, was sicher ist. Dabei stelle ich mir sowas vor:

Atomkraftwerke sind sicher, solange

  • sie keine (weniger als 5) meldepflichtigen Ereignisse pro Jahr verursachen (siehe auch hier)
  • geklärt ist, wohin der Atommüll kommt, ohne dass er Schaden anrichtet (siehe auch hier)
  • es in keiner Studie nachgewiesen werden kann, dass gewisse Krankheiten um AKWs herum häufiger auftreten. (siehe auch hier)

Ein marktwirtschaftlicher Ansatz wäre es, die AKWs müssten sich gegen Schäden haftpflichtversichern. Wenn AKWs sicher sind, dann können die Prämien ja nicht so hoch sein. Noch mal zur Erinnerung: Versicherungsprämien berechnen sich nach der Formel:

Prämie = Schaden_1*Wahrscheinlichkeit(Schaden_1) + Schaden_2*Wahrscheinlichkeit(Schaden_2) + … + Schaden_N*Wahrscheinlichkeit(Schaden_N) + (Verwaltungsgebühren + Gewinn + Rücklagen)

Natürlich wird das nun auch über Jahre verteilt gerechnet … aber insgesamt kann man sagen, die Prämie berechnet sich vor allem aus dem erwarteten Schaden. Nun gibt es 2 Möglichkeiten

  1. Versicherungen bewerten den zu erwartenden Schaden als hoch ==> AKWs sind nicht sicher
  2. Versicherungen bewerten den zu erwartenden Schaden als gering ==> AKWs sind sicher

Ich bin mir allerdings relativ sicher, dass der Atomstrom erheblich teurer wäre, wenn er (ähnlich wie Windkrafträder) eine Haftpflichtversicherung abschließen müsste. Der erwartete Schaden ist einfach zu hoch. 11000000000000 €, das sind läppische 137500 Euro pro Person (bei 80.000.000 deutschen) . Jetzt nehmen wir mal an, die Wahrscheinlichkeit von 2% dazu.

Jede Person müsste über 30 Jahre gesehen 2750 Euro für die Haftpflichtversicherung einzahlen. Also knapp über 90 Euro pro Jahr, also bei einem 3-Personen-Haushalt 275 Euro pro Jahr. Nur für die Haftpflichtversicherung.

Das wäre pro kWh … 14,18 Cent (Dreipersonen-Haushalt etwa 3.900 kWh).

Im Internetvergleich gibt es den Strom ab 555 Euro, also ca. 14 Cent. Also würde die Haftpflichtversicherung nochmal so viel kosten.

Wenn man nun von ca. 28 Cent Strompreis für AKW-Strom ausgeht, sind da noch keine Entsorgungskosten reingerechnet (Asse muss wohl vom Steuerzahler gereinigt werden) . Aber selbst mit 28 Cent wäre dieser Strom erheblich teurer als moderner Ökostrom.

Also kann ich mich der CSU-Forderung anschließen, AKWs genau solange laufen zu lassen, wie sie sicher und günstig sind…. nur dass die CSU wohl meinte, dass die AKWs es seien, ich dagegen dies sehr stark anzweifle. Also beides, sowohl die Sicherheit, als auch den “billigen Strom”, weil selbst wenn man “nur” die o.g. versteckten Subventionen reinrechnet (und es gibt noch paar mehr), dann ist der Atomstrom nicht mehr günstig.

Bis Anfang 2010 war die Deep Horizon auch eine sichere Ölplattform, bei der Unfälle quasi ausgeschlossen waren.

08Sep

NATO Luftangriff

Ich fühle mich gerade stark an den Film Minority-Report erinnert. In Afghanistan klaut eine Gruppe einen Tanklaster. Weil nun Bundeswehr-Oberst Klein meinte, die Laster könnten als Waffe eingesetzt werden, dürfen die einfach so weggebombt werden?

Da unser Verteidigungsminister Jung immer sagt, wir wären nicht im Krieg, frage ich mich, warum es überhaupt erlaubt ist, da Bomben runter zu werfen. Ist das nicht Mord? Einfach mal auf Verdacht 125 Menschen zu töten?

Es ist mir dabei erst mal egal, ob es Aufständische waren oder Zivilbevölkerung. Ich dachte immer, wir würden demokratische Grundsätze vertreten. Aber auf Verdacht 125 Menschen zu töten, das geht einfach gar nicht.

Ich warte jetzt erst mal das Ergebnis der Aufklärungen ab, aber ich schätze, da wird es dann im Endeffekt darum gehen, ob da jetzt mehr oder weniger Zivilisten getötet wurden. Und das finde ich den Skandal. Sind wir schon so abgestumpft, dass man jemanden wegbomben darf, weil er einer Organisation angehört, in der zugegebenermaßen viele Verbrecher sind. Noch haben die Leute keinen getötet (zumindest wurde davor nicht geprüft, ob die dafür verurteilt wurden) Wir hier in Deutschland haben zum Glück keine Todesstrafe. Nicht einmal nach einem Gerichtsverfahren. Aber dort. Einfach “bumm” und weil es Talibans und Aufständische waren, findet es keiner schlimm?

28Aug

Interview Lutz Bräutigam (3) – Internet

So, nun gibt es hier den 3. Teil der Interviewreihe. Heute ist unser Thema das Internet.

Christian: Was ist deine erste Assoziation zu folgendem Ausdruck: #zensursula

Lutz: Gut gemeint, falsch gelaufen!

Ursula von der Leyen ist klug, konservativ und machtbewusst, Vielleicht hat sie es wirklich ehrlich gemeint, und es ging ihr nur darum, Kinderpornographie den Merkt zu nehmen und die Verbreitung zu verhindern.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie blauäugig an dieses Thema heran gegangen ist. Mir fallen dazu verschiedene Dinge ein.

Sie schafft sich Respekt bei der nicht internetaffinen Bevölkerung.

Internetaffine Bevölkerung wählt eher nicht konservativ. Durch diese Diskussion kann diese Gruppe in verschiedene Parteien getrieben werden, und so die Opposition geschwächt werden.

Wenn Sie nach Ihrem Vater schlägt, steht mehr dahinter als nur der Versuch, Kinderpornographie zu verbieten. Kinderpornographie ist ein sensibles Thema, unter dessen Etikett der Schritt zur Zensur gehen läßt.

Christian: Wie stehst du zu den Zugangserschwerungsplänen, die von manchen auch als Zensur bezeichnet werden?

Lutz: Die technischen Details sind mir nicht geläufig, und kann mich daher nur an das halten, was mir aus zweiter Hand zugetragen wurde. Die jetzige Methode der Sperren ist wohl für Kundige leicht zu umgehen. In Dänemark wurde das so schon einmal probiert. Dummerweise wurde über das Internet die Liste der zu sperrenden Seiten bekannt, so dass jeder Interessierte wusste, wo er den Dreck finden kann. Der Effekt der Sperren war wohl sehr mau.

Ich habe von Wolfgang Wieland, MdB, erfahren, dass nach Verabschiedung des Sperr-Gesetzes weitere Stimmen laut geworden sind, die noch mehr Seiten sperren lassen möchten. Für manchen ist da jetzt ein Tor geöffnet worden. Und schale Blicke nach China, das recht effektiv das Internet zu zensieren weiß, werden im Bundestag wohl auch schon gesehen.

Ein Zitat vom einem Bundesverfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem dazu:„Ein Zugriff auf die Inhalte im Internet gefährdet dessen freiheitliche Strukturen, Wenn es ausnahmsweise Gründe dafür gibt, muss strikt auf Rechtsstaatlichkeit und demokratisch legitimierte Kontrolle geachtet werden.“ Und genau daran fehlt es!

Christian: Hilft das Gesetz den Kindern?

Lutz: Nein!

Der Konsum und die Verbreitung von Kinderpornographie laufen nur zum Teil über das Internet. Produzenten und Abnehmer werden sich auch weiterhin finden, und wenn es auf dunklen Parkplätzen ist.

Hier hilft nur eine europaweit koordinierte klassische Polizeiarbeit. Europaweit, und darüber hinaus, wohlgemerkt. Und eine konsequent strenge, Gesetzgebung und unnachsichtige Rechtssprechung.

Christian: Ein anderes Thema, das mir persönlich auch am Herzen liegt, ist der Umgang mit Privatkopien. Was würdest du erlauben, was würdest du verbieten? Wieviel sollen die Künstler bekommen? Wie sollen Kinder bestraft werden, die auf dem Schulhof MP3s austauschen? Und wie sollen Leute nutzen, die dazu das Internet nutzen (PirateBay, etc.)?

Lutz: Wir erleben etwas sehr spannendes. Das Internet beginnt kulturelle und rechtstaatliche Strukturen zu ändern. Diese Veränderung kann man vielleicht verlangsamen, aber sie hat mit Macht begonnen, und sie wird weitergehen. Politik steht in der Verantwortung, Veränderungen zu begleiten und für die Bedürfnisse der Bevölkerung zu gestalten. Aber sie muss sie mittragen, sonst scheitert sie.

Wir können doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, all die Menschen, die Kopien aus dem Netz ziehen zu kriminalisieren.

Im Spiegel Nr. 33 diesen Jahres war dazu ein Artikel, in dem einiges stand, dass mich sehr nachdenklich gemacht hat. Ich möchte einige Zitate bringen:

Recht, das sich nicht mehr durchsetzen lässt, löst sich von selbst auf.Was ursprünglich Diebstahl an geistigem Eigentum war, der illegale Download, ist für eine schnell wachsende Piratenbewegung zum Exempel für die Befreiung der Gesellschaft geworden. Die private Aneignung von Information sei, so der revolutionäre Ansatz, nun mal nicht angelegt in der Freiheit des Cyberspace.

„Denken Sie an die Französische Revolution“, warnte etwa Reto Hilty, Direktor am Münchner Max- Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Anfang Mai bei einer Konferenz zum Thema „Zukunft des Urheberrechts“ mit Brigitte Zypries. „Manchmal“, so Hilty, „entsteht Fortschritt durch zivilen Ungehorsam.“

Das Urheberrecht ist ein Relikt der Alten Welt – es knüpft an die persönliche Leistung, die sich rentieren muss. Die neue Welt hat diesem Prinzip das „Copyleft“ hinzugefügt, das Alternativregime zum Copyright. Wie bei Wikipedia: Jeder kann mitmachen – und jeder darf es gratis nutzen.

Ich selber tu mich schwer, die bisherigen Gewohnheiten des Urheberrechts anders zu denken. Aber es geht. Ich musste nur den Mut finden, neue Ideen mitzudenken. Allerdings bin ich noch zu keinem Schluss gekommen. Ich stehe da wie die meisten erst am Anfang.

Die Politik wird sich mit diesem Thema dringend beschäftigen müssen. Wir müssen einen öffentlichen Dialog führen. Es wird zu Zerwürfnissen kommen, dass ist unvermeidlich. Doch die Politik kann als geschickte Managerin intelligent den Diskurs leiten. Dazu muss sie zumindest in Deustschland viel lernen, vor allem geistige Beweglichkeit!

Christian: Was sagst du zu der Kulturflatrate?

Lutz: Im Moment ist diese Idee die einzige, die einen Erfolg verpricht. Denn sie trägt den möglichen Veränderungen Rechnung, ohne sie verhindern zu wollen.

Christian: Vorratsdatenspeicherung, hilft das gegen den Terrorismus?

Lutz: Sie hilft doch vor allem, um nach der Tat die Täter schneller dingfest zu machen, so habe ich das verstanden. In Großbritannien haben die Sicherheitskräfte dies genau so zugegeben. Also ich glaube nicht, dass sie hilft. Hier wird nur eine weitere Datenbank geschaffen, mit der man noch vieles andere anstellen kann. Seit durch das BKA-Gesetz die parlamentarische Kontrolle Ausgehebelt wurde, traue ich den Architekten unserer Sicherheitsstruktur immer weniger.

Christian: Und Onlinedurchsuchungen, glaubst du, dass das gegen Terroristen hilft?

Lutz: Vielleicht kann sie helfen. Ich weiß es nicht. Kann man den Aussagen der Sicherheitsorgane glauben, die den Nutzen sehen? Mit meinem Verständnis für Demokratie und Gesellschaft und meiner Auffassung des Grundgesetzes geht das nicht zusammen. Wie weit wollen wir gehen einer diffusen Terrorismusangst wegen?

Christian: Dies ist eine gute Frage. Vielleicht kann die ja auch bei der nächsten grünen Veranstaltung gestellt werden. Am 31.08. kommen der Grüne Landesvorsitzende Dieter Janecek und Malte Spitz aus dem Grünen Bundesvorstand nach Erlangen zum Thema “Freiheit des Internets”. Bist du auch dabei?

Lutz: Ja!

Christian: Toll, dann sehen wir uns da ja. Bis dann. Und nächste Woche gibt es dann hier wieder ein Interview.

06Aug

Atomkraft

Warum ich Atomkraft nicht gut finde? Dafür gibt es 100 gute Gründe gegen Atomkraft!

Die mir persönlich wichtigsten Gründe:

  • langfristige Gefahr durch Atommüll
  • riesige, nicht versicherte Gefahr; Haftpflichtversicherung nur für etwa 1% der realistischen Schadenshöhe
  • langfristig teurer als erneuerbare Energien, wenn man Subventionen, externe Kosten etc. mitrechnet
  • endlich …. auch das Uran geht zu Ende

Dies sind wie gesagt nur die wichtigsten Gründe und ganz kurz. Ganz viele Gründe, die auch ausführlich erläutert werden, gibt es auf 100 gute Gründe gegen Atomkraft!

05Aug

Versicherungspflicht für Risikotechnologien

Wie schon in dem früheren Beitrag angesprochen, fände ich es unbedingt notwendig, dass riskant eingestufte Sachen sehr gut versichert werden….

Die Kernüberlegungen sind, dass wir ja eigentlich nur sichere Technologien “frei” lassen wollen. Doch was “sicher” ist, kann normalerweise nur jemand sagen, der ein Eigeninteresse hat, die Gefahren realistisch abzuschätzen.

Was gibt es für ein größeres Eigeninteresse, als ein finanzielles?

Daher plädiere ich dafür, dass die Betreiber von Technologien, die von einigen für riskant gehalten werden, für die Schäden davon voll haften. Und über die Insolvenz hinaus müssten alle diese Technologien realistisch haftpflichtversichert sein.

Was passiert dadurch: Wenn der Betreiber einen Schaden vermutet, dann lässt er diese Technik gar nicht erst auf den Markt. Wenn die Versicherung (neutrale Begutachtung, sie werden es nicht zu billig anbieten, aber auch nicht zu teuer) das Risiko als “gering” einstufen, sind die Versicherungspolicen bezahlbar. Wenn das Risiko jedoch als hoch eingestuft wird, dann kann kein Betreiber sich den Betrieb einer solchen Technologie leisten. Somit würde die Bevölkerung vor so einem Risiko geschützt.

Nun, in welchen Bereichen kann ich mir das vorstellen?

  • AKW – bis zu 2 Euro pro kWh(pdf S.35) müsste Atomstrom kosten, wenn alle Kosten (die sonst früher oder später der Steuerzahler zahlen muss) einberechnet wären.
  • Gentechnik – Wer zahlt für unvorhersehbare Gefahren, Verunreinigungen, … ? Bisher nicht die Betreiber, sondern z.T. sogar die Konkurrenz.
  • CCS – Wie lange müssen sich die Betreiber darum kümmern? 30 Jahre? Und danach … im Gesetz ist mehr oder weniger klar geregelt, dass danach der Staat verantwortlich ist. Also das Prinzip der Atomkraft. Hohe Gewinne für Aktionäre, die Schäden der Allgemeinheit. Am Besten nach dem Tod der amtierenden Minister, dann kann ihnen auch keiner mehr Vorwürfe machen.

Die Argumente dürften alle bekannt sein… die andere Seite hat natürlich andere Argumente.

Daher plädiere ich dafür, lass eine Versicherung realistisch berechnen, was die Kosten sind, und wenn das dann geringe Beträge sind (also die Versicherung das Risiko tragen wird), dann sollten wir die Technologien akzeptieren. Aber ich habe starke Zweifel, dass die Versicherungen bezahlbar wären. Klar muss aber sein, dass die Versicherung für den vollen Schaden haftet. Geregelt sein muss auch, was ist, wenn die Verursachung wahrscheinlich aber nicht 100%ig nachweisbar ist. Beispiel, nach einem Atomunfall sterben viel mehr Menschen an Krebs als üblich. Natürlich können wir derzeit nicht sagen, dass der einzelne Krebs eindeutig durch die Strahlung des Unfalls hervorgerufen wurde. Trotzdem ist ein Zusammenhang wahrscheinlich. Sowas darf natürlich nicht ausgeschlossen werden.

25Jul

Computerspielverbote

Heute ist die “Wir sind Gamer” – Demonstration. Ein wichtiger Aspekt ist gegen die Verbote von Spielen zu demonstrieren. Daher ein paar Gedanken dazu:

  • Konsens dürfte sein, dass wir Amokläufe nicht mögen.
  • Konsens ist auch, dass NICHT alle Spieler von Egoshootern gleich draußen rumrennen und echt rumballern. Eher im Gegenteil, es ist davon auszugehen, dass 99,9% der Spieler niemals jemanden umbringen. (99,9% trifft es ganz gut, weil jedes Jahr werden in D etwa 1000 Leute umgebracht, in Deutschland leben etwa 80.000.000 und Menschen werden etwa 80 Jahre alt … jetzt mal so ganz grob gerechnet.)
  • Konsens ist auch, dass es viele Einflussfaktoren geben muss, bevor jemand Amok läuft
    • Zugang zu Waffen
    • Persönlichkeit
    • Umgebung und Beeinflussung
    • Medienkonsum
    • ….
  • Strittig ist, welche dieser Einflussfaktoren wie zu gewichten sind. Je nach Sich- oder Denkweise hört man oft ganz klare Schuldzuweisungen, z.B. “Für den Amoklauf in Winnenden waren andere Voraussetzungen entscheidend. Frühwarnsysteme, die den depressiven Jungen als potentielle Gefährdung für sich und andere hätten erkennen lassen können, haben versagt.” (aus einer PM)
  • Wenn man jetzt im Internet sucht, ob gewalttätige Computerspiele gefährlich sind, kann man schon einige Indizien finden, z.B. eine Aussage von Bushmann und Anderson
    People who played a violent video game described the main character as behaving more aggressively, thinking more aggressive thoughts, and feeling more angry than did people who played a nonviolent video game.
  • Interessant ist auch, was will man verbieten? Egoshooter? Animiertes Schach – gab es da nicht in Harry Potter das Magierschach? – Wenn es das jetzt als PC-Spiel gäbe? PC-Schach? Schach? … Also wenn, dann denke ich, müsste man ganz klare Regeln aufstellen, was verboten ist, unabhängig vom Spiel oder sogar vom Medium. Ich schreib jetzt einfach mal paar Ideen auf. Ich starte einfach mal mit der, bei der ich am ehesten ja sagen könnte, bis hin zu den Thesen, die ich eigentlich nur albern finde, die aber immer mal wieder auftauchen:
    • Der Spieler am PC hat die Sicht des “Täters” und muss einen gut sichtbar dargestellten Menschen mit sichtbaren Waffen töten. (wie z.B. bei Egoshootern)
    • Tötungsszenen von Menschen aus sicht des Täters (PC, Fotos, Filme)
    • Der Spieler am PC tötet Menschen oder Menschenmengen (Armeen) aus einer entfernten Sicht (z.B. Age of Empires…)
    • Jegliche Darstellung von Tötungsszenen von Menschen (z.B. James Bond)
    • Alles, was als Tötungsszene interpretiert werden kann (Schach…)
  • Die große Frage ist jetzt, wie viele Amokläufe kann man realistisch verhindern, wenn man die Spiele verbietet, oder würden genau die “kritischen” Personen die Spiele vielleicht mit hoher Wahrscheinlichkeit doch spielen, oder auf andere kritische Gebiete ausweichen? Würde das Verbot, selbst wenn es 100% durchgesetzt wrd, wirklich dazu führen, dass der letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt, wegbleiben würde, oder könnte dieser durch andere Faktoren ersetzt werden, z.B. durch Filme, sonstige negative Erlebnisse, etc… also welcher Nutzen wird realistisch erwartet, wenn man Spiele verbietet. (Hier kann ich nur aus dem Gefühl heraus Zahlen angeben, wenn ich noch passende finde, trage ich die nach.) Mein Gefühl sagt mir, dass die Spieleverbote einen sehr geringen Nutzen haben werden.
  • Auf der anderen Seite muss man sich fragen, welchen Schaden richten Spieleverbote an. Angefangen durch den Weitereinstieg in die Zensur, den Eingriff in das freie Entfaltungsrecht, ….
  • Tja, und zum Abschluss muss man abwägen: Lohnt es sich, dass man für ein Menschenleben, das vielleicht gerettet werden kann (oder auch 15) andere Leute so stark einschränken? Wie weit darf man da gehen? Meine erste spontane Idee war, wenn es um ein Menschenleben geht, dann darf man das. Was ist an so einem Spiel so wichtig. Aber wie muss man dann weitermachen? Verkehr: 4467 tote letzes Jahr? Müsste man dann mit der gleichen Begründung nicht Autos verbieten? Zigaretten, Alkohol, … fettiges Essen? So viele Bereiche, wodurch mehr Menschen umkommen (selber oder sogar andere unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden) … viel mehr. Also wo zieht man die Grenze, bei der man sagt, die Menschen haben Freiheiten, diese bieten zwar Risiken, aber die nehmen wir in Kauf? Natürlich kann man sich nun auch noch über den Nutzen von Autos vs. dem Nutzen von Egoshootern streiten, aber spätestens wenn man Zigaretten und Egoshooter gegenüberstellt, dann wundert es, dass das Rauchverbot in Bayern gelockert wird, aber Spiele verboten werden sollen. Der Nutzen ist in beiden Fällen im “sozialen” Bereich zu suchen, durch Amokläufe kommen in Deutschland im Jahr eher wenige Menschen um, durch Passivrauchen etwa 3300.

Von daher mein Fazit: Die Computerspiele sind wahrscheinlich nicht ungefährlich und nicht zu verharmlosen, dennoch glaube ich, dass der Nutzen eines Verbotes den Schaden durch Einschränkung von 99,9% unschuldiger Computerspieler nicht ausgleichen kann. Daher bin ich GEGEN das Verbot von Spielen, aber für einen kritischen Umgang damit.
Jeder Spieler sollte sich selber überlegen, ob er gewalttätige Verhaltensänderungen feststellt. Dafür sollte es vielleicht auch bei entsprechenden Spielen gleich Tests/Fragebögen geben, die immer auf der CD dabei sind, oder im Internet, die verlinkt sind und Indizien für Gewalt aufzeigen.
Spiele sollten die Möglichkeit bieten, die Gewalt freiwillig runterzustellen, bzw als Standardwert schon eine niedrige Gewaltstufe eingestellt haben.

Gewalt und Morde kann man nie verhindern, die Gefahr, dass einige Menschen durch Computerspiele umkommen ist leider da, aber Computerspiele sind bestimmt nicht die einzige Stellschraube, an der man drehen kann. Sicherlich, Computerspiele sind eine Stellschraube, die man durch ein Gesetz regeln kann, ohne dass große Kosten entstehen. Ähnlich ist es bei den Waffen, nur dass dies effektiver sein dürfte, da ein Ammoklauf ohne Waffe wohl schwerer vorstellbar ist, als ein Amoklauf von einem, dem das Spielen verboten wurde. Andere Stellschrauben sind schwerer zu drehen:
Soziales Umfeld, …. das kann man nicht mal so von alles Schülern überwachen und ändern. Ebensowenig die Familie und Umgebung eines Schülers. Wahrscheinlich würde Aktivität in diesen Bereichen mehr bringen, aber es ist auch schwerer, insbesondere teurer.

Fazit: Ich will nicht, das Spiele verboten werden. Diese kritisch zu betrachten und mit Möglichkeiten zu versehen, die Gewalt “abzuschwächen” fände ich einen sinnvollen Anfang. Aber dann wäre es sinnvol, wenn man sich ganz schnell den anderen Bereichen zuwendet. Da kann man bestimmt mehr machen.

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