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Sport
14Jun

EM und Patriotismus

Die Debatte kommt wieder auf. Brauchen wir einen Patriotismus? Oder ist ein Patriotismus vielleicht sogar schädlich?

Ich sehe es nicht ganz so krass wie einige Gliederungen der GJ, z.B. Berlin oder RLP, bei denen ja eine Gleichsetzung von Patriotismus und Nationalismus direkt oder indirekt vorgenommen wird. Trotzdem kann ich diesen zustimmen, dass wir mit dem Party-Patriotismus sehr vorsichtig umgehen müssen. Denn ich sehe zwei Gruppen (ganz grob) unter den Fußballfans.

  1. Auf der einen Seite die Leute, die garantiert nicht nationalistisch oder rassistisch sind, aber “die Mannschaft” unterstützen/bejubeln wollen.
  2. Auf der anderen Seite rechte Idioten, die alles national wollen.

Und dazwischen ein breites Spektrum…

Ziel muss es sein, denen, die friedlich und weltoffen sind eine vernünftige Basis zu bieten Fußball zu schauen und gleichzeitig den Idioten jegliche Basis zu entziehen.

Was ist überhaupt Patriotismus?

Als Zitat habe ich jetzt auch schon gesehen: “Patriotismus ist Liebe zu den Seinen – Nationalismus ist Haß auf die anderen” (Richard von Weizsäcker); andere sehen dieses Zitat bei Johannes Rau.

Da stellt sich mir dann aber immer die Frage:

Was macht einen Deutschen zu den “Meinen”? Was liebt man an Deutschland?  Selbst wenige Häuser weiter kann jemand wohnen, den ich garantiert nicht liebe, weil er mir total unsympathisch ist. Keinem aus der Nationalmannschaft habe ich jemals die Hand geschüttelt. Also von LIEBE kann da bei mir nicht die Rede sein. Und trotzdem schaue ich gerne Fußball. Es ist spannend, gerade wenn man für eine der Mannschaften ist. Und ich bin meistens für die Mannschaft, über die ich am meisten erfahre und Hintergrundinfos habe. Also bei mir tatsächlich das DFB-Team. Aber andere Mannschaften mag ich auch.

Aber wenn sich jetzt viele als Patrioten bezeichnen, was lieben sie dann an Deutschland? Wie weit geht die Liebe? Geht die Liebe überhaupt über den Fußball hinaus? Und was genau liebt man? Die Menschen? Die Kultur? Die Landschaft?
Wie viele wären bereit, sich ehrenamtlich für ihr Dorf zu engagieren? Wer zahlt gerne Steuern für unser tolles Deutschland? …

Auf was ist man stolz, wenn man auf Deutschland stolz ist? Persönlichkeiten? Demokratie? Oder doch nur Fußball? Oder auf die eigene Leistung? Aber was hat die mit Deutschland zu tun?

Und gibt es diese Sachen, die man liebt und auf die man stolz ist, nur in Deutschland? Sind das tatsächlich deutsche Attribute? Oder gibt es die Sachen 50 km weiter im Ausland (je nachdem wo man wohnt in Frankreich, Dänemark, Polen, Tschechien, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Schweiz) auch? Dort vielleicht sogar noch mehr als im 500 km entfernten deutschen Ort. Oder mal plakativ formuliert: Hat ein Alpenort nicht mehr mit Österreich gemeinsam als mit Hamburg? Und hat ein Ostseeort nicht mehr mit Dänemark gemeinsam als mit München? Oder der Ort in Chemnitz mit Polen mehr gemeinsam als mit dem Ruhrgebiet?

Und wenn ich so nachdenke, komme ich meistens zu dem Ergebnis, dass ich als politisch engagierter Mensch, der auch das eine oder andere in diversen Vereinen mal ehrenamtlich macht, mich wahrscheinlich viel patriotistischer verhalte als der durchschnittliche Fahnenschwenker, der dann, nach dem 3 Bier die Flasche irgendwo zertrümmert, sie nicht selber wegräumt und damit seine schöne Heimat verdreckt.
Und dann am Monatsende schimpfen wieder viele, dass wieder so viel Steuern vom Gehalt abgezogen werden, und dieser sch… Staat einen in Ruhe lassen soll.
Ist das nicht widersprüchlich, wenn man das Land liebt?

Aber ich sehe mich nicht als “deutscher Patriot”, ich bin einfach jemand, dem sein Umfeld wichtig ist, und das ich mit gestalten möchte. Wenn ich jetzt aus irgendeinem Grund ins Ausland gehen würde, würde ich mich dort genau so verhalten. Ich würde wieder meine direkte Umgebung (im großen wie im kleinen) an vielen Ecken und Enden verbessern und mitgestalten wollen.

Verhalten von (zu) Vielen beim Fußball

Aber zurück zu den Fahnenschwenkern und dem Weizäcker-Zitat.

Wenn alle nur die Nationalmannschaft unterstützen wollen würden und den “Spiel-Gegner” mit absolutem Respekt behandeln würden, hätte ich damit auch kein Problem. Dann wäre die Fahne tatsächlich primär ein Symbol des Fußballfans. Es wird in der Realität leider sehr schnell politisch und der Respekt lässt sehr häufig zu wünschen übrig. Beispiele die ich persönlich miterlebt habe:

  • 2006 haben wir vom AsTA der Uni Ulm zum Spiel Deutschland gegen Argentinien das Spiel im Hörsaal gezeigt und beide Flaggen auf Papier (ca. DIN A0) gezeichnet und vorne hingehängt. Während dem Spiel wurde die Argentinien-Flagge von einem zerrissen unter dem zustimmenden Gejohle von vielen. “Gegenstimmen” waren keine zu vernehmen und mein Versuch das zu stoppen wurde von niemandem unterstützt.
  • Pfiffe bei der anderen Nationalhymne
  • Sprüche der Art: “Ihr seid nur ein Pizza-Lieferant”
  • “Deutschland-Deutschland über alles” –  Rufe – vor 2 Jahren passiert, da gab es aber zum Glück ein breites Gegenecho, dass sowas nicht gewünscht sei.
  • Blöde Sprüche gegen unseren Lieblings-Ciabatta-Italiener nach dem Sieg der Italiener im 2012er-Halbfinale

Diese ganze Stimmung, die diverse “Gefühle beinhaltet”, wie z.B.: Deutschland, anderes Land, besiegen, Glücksgefühle, Wir-Gefühle, …. Diese Stimmung führt dann eben leider nicht selten dazu, dass es ein “wir lieben die Unseren” in ein “wir machen die anderen schlecht” umschlägt. Und das passiert leider bei breiten Massen. Oft gar nicht gewollt oder bewusst, aber obige Beispiele zeigen, dass Viele in sochen Stimmungen auch mal bereit ist, bei Sachen mitzumachen, die mit Respekt garantiert nichts mehr zu tun haben.

Ich bin mir sicher, dass es nicht alle sind, aber leider hat meine Erfahrung gezeigt, dass es zu viele sind und man diesen daher auch öfter mal ein Kontra geben muss. Von der Schätzung würde ich sagen, machen ca. 50% mit und halten das für harmlose Sprüche. Aber leider fallen diese auch auf und prägen das Bild. Und ich halte das für sehr respektlos und will sowas nicht erleben müssen.

Selbst große Medien sehen gewisse “Risiken” beim Partyotismus. z.B. ARD/Sportschau -Partyotismus – Zwischen Willkommenskultur und Gewalt oder die Süddeutsche Nachtrag: BZ
Nachtrag: Noch klarer der Beitrag vom Volksverpetzer

Verhalten von Wenigen nach dem Fußball

Dann gibt es eine kleine Minderheit von Idioten, bei der das in noch krassere Taten umschlägt. Wie weit diese von solchen Stimmungen beeinflusst werden, vermag ich nicht zu sagen, aber ich fürchte, dass dies als ein Aspekt der Ermunterung von diesen Idioten aufgenommen wird. Aber was passiert ist schon krass. Hier mal 2 Beispiele:

Lösungsansatz für das Problem

Ein Ansatz könnte es sein, dass wir viel stärker zwischen “unserer Mannschaft” und Deutschland differenzieren. Wenn Özil ein Tor schießt oder Neuer ein Gegentor verhindert, hat dies wenig mit Deutschland an sich zu tun, außer dass diese eben einen deutschen Pass haben. Genau so wenig übrigens, wie wenn einzelne Idioten mit deutschem Pass bei Schlägereien dabei sind. Das eine sind erst mal gute Fußballer, das andere sind erst mal Idioten, und beide sind nur zufällig deutsch (oder aus einem anderen Land).

Solch eine Differenzierung passiert in anderen Ländern auch. Dort werden die “three lions”(England), “Équipe Tricolore“(Frankreich) … angefeuert. Natürlich wird das jeweils als die Mannschaft des jeweiligen Landes wahrgenommen.

Mit der Namensgebung hat der DFB etwas in die Richtung probiert, allerdings eigent sich der Name nicht so richtig zum anfeuern. “Mannschaft, Mannschaft …. tralalalalaaaa” passt irgendwie nicht. Da müssen wir uns noch was Gutes überlegen.

Aber wenn man nicht nur von den Begriffen, auch von den Symbolen eine Stufe mehr Richtung Fußball geht, wäre das sicherlich ein Ansatz. Trikot ist schon mal ein Symbol, dass wenig mit Deutschland zu tun hat und viel mit der Mannschaft. Die Grüne Jugend hat ja bereits die DFB-Flagge vorgeschlagen.

Auf der anderen Seite muss man aber ganz klare Kante zeigen gegen die, die über Anfeuerungsrufe hinaus sich daneben benehmen. Insbesonders wenn es strafrechtlich relevant wird (z.B. Hitlergruß, Nazisymbole …). Bei Public Viewings würde ich mir wünschen, dass die rausgeschmissen und auch gleich angezeigt werden. Auch wenn ich selber kein Fan des “unverkrampften Patriotismus” bin, wenn man den will, dann geht es nur, wenn man sich gleichzeitig ganz massiv von den Leuten mit rechtem Gedankengut distanziert.

Fazit

Von daher komme ich zu dem Schluss: Ein rein fußballerisches anfeuern ist erst mal kein Fehler. Allerdings sollte man sich, bevor man sich als Patriot bezeichnet, ganz genau überlegen, was Patriotismus für einen bedeutet. In wiefern mag man Deutschland? Was ist an Deutschland so besonderes? Was bedeuten meine Symbole für mich? Wie viel Respekt zeige ich dem Gegner tatsächlich? Was bedeuten meine Symbole für andere? Zu was ermutige ich andere?

Und wenn ich die Fragen so durchgehe, dann komme ich für mich zu dem Schluss, dass ich mir zwar die Spiele gerne mit Freunden anschaue, aber ich weder stolz auf das Ergebnis sein muss, weil ICH nichts dazu beigetragen habe, noch dass dies jetzt eine gesamtdeutsche Leistung ist. Weil es eben aber einige gibt, die aus diesen Siegen ableiten, dass Deutschland insgesamt irgendwie besser sei oder die anderen Länder insgesamt schlechter, bin ich mit dem ganzen Patriotismus-Modell sehr vorsichtig.

Ich mag meine Umgebung und mein Umfeld. Ich lebe auch gerne in einem Staat mit m.E. guter Demokratie, Bildung, Rechtsstaatlichkeit, … deswegen lebe ich gerne hier, aber würde das auch in  vielen anderen Ländern so sehen.

Insgesamt habe ich somit kein Problem mit dem Anfeuern von der deutschen Nationalmannschaft, von Flaggen bin ich zwar kein Fan, solange es jemand macht, der dies rein auf Fußball bezogen sieht, finde ich nicht, dass man dem dann irgendeinen Nationalismus vorwerfen kann. Und auch nicht, wenn er damit symbolisieren will, dass er gerne hier in diesem Land lebt.
Aber wenn jemand daraus abstruse Schlüsse zieht oder sich feindlich oder respektlos gegenüber anderen Ländern oder den Menschen von dort verhält, dann ist für mich eine Grenze überschritten, bei der man es nicht mehr einfach tolerieren kann. Und leider ist dies viel zu häufig der Fall. Deswegen ist es gut, dass eine Debatte über diese Fahnenmeere angestoßen wurde und wo wir die Grenze sehen und wie weit es gehen darf.

17May

Funkschein im Eigenstudium – SRC-Prüfung ohne Kurs

Mal was ganz unpolitisches…. aber vielleicht hilft es jemandem.

Obwohl ich beim ersten Mal durch die Prüfung durchgefallen bin, würde ich behaupten, dass der SRC-Schein (Funken für Segler) sehr gut im Eigenstudium machbar ist. Mein Durchfallgrund war einfach ein Blackout, ich habe zwei Sachen vermischt, die ich eigentlich konnte.

Nun zum Ablauf der Prüfung:

  1. Funksprüche: Es gibt 27 vordefinierte Funksprüche, die sich im Internet runterladen lassen. z.B.: PA Bremen
    Wer sich die Funksprüche gerne anhören möchte, der findet hier alle gesprochen: Rolf Dreyer
    Von diesen Funksprüchen wurde einer sehr langsam vorgelesen. Auf Englisch. Den musste man mitschreiben und danach ins deutsche übersetzen. Dann bekommt man einen schriftlichen Funkspruch auf deutsch und muss den ins englische übersetzen.
    Das ganze läuft schriftlich ab. Also ich musste hier weder selber buchstabieren (Nato-Alphabet, ALPHA BRAVO usw) noch ein Wort sprechen. Aber man muss natürlich Englisch und das Nato-Alphabet verstehen.
    So wie ich es verstanden habe, kommt es da aber nur auf den Inhalt an. Ob man Hilfe mit “assistance” oder mit “help” übersetzt ist glaube ich egal. Zumindest wurde mir der Unterschied in den Funksprüchen nicht klar.
    Das ganze war nach wenigen Minuten rum und meinem Empfinden nach gar kein Problem.
  2. Theorie Es gibt ca. 260 Fragen, die sich auf 10 Fragebögen a 30 Fragen aufteilen. Die Fragebögen gibt es im Internet. Die Fragen gibt es im Internet (z.B. PA Bremen)- Richtig toll zum lernen fand ich den “Online-Trainer” von Tim Köster und die Fragebögen als MP3 – aber Achtung, inzwischen sind es multiple-Choice-Fragebögen … ich war einer der letzten, die es mit Freitexten machen mussten/durften.
  3. Die Praxis. Da war mir nicht so ganz klar, wie die abläuft. (Aber daran ist es nicht gescheitert).
    Wir wurden zu zweit geprüft, beide von uns sollten eine Funkstelle auf einem Schiff spielen. Max und Moritz … einige die bei einer Segelschule waren, wussten das schon. Aber selbst bei einer google-Suche finde ich dazu nichts. Ist vielleicht eine besonderheit beim PA Nürnberg? Jedenfalls lief das so:

    • (beide) DSC-Gerät einstellen: Position und Uhrzeit
    • Ich hatte Wassereinbruch und musste das Schiff verlassen: DSC – Distress Settings – Abandon the vessel – Distress-Taste (er wollte sie nicht wirklich gedrückt haben, weil sonst auch die Geräte im Nachbarraum zu piepsen anfangen)
    • Anderer musste die DSC-Meldung im Speicher abrufen (allerdings eine alte, weil der Alarm wurde ja nicht ausgelöst)
    • Ich: Mayday-Meldung abgeben. Kanal 16 war schon eingestellt, Squelch-Rad bis zum rauschen drehen, etwas zurückdrehen.
    • Anderer: Meldung bestätigen und weiterleiten
    • Prüfer: Er hat mich aufgenommen, Schiff ist untergegangen, Notverkehr beenden
    • Ich: Vorletzte Zeile durcheinandergebracht…. Blackout … durchgefallen,
    • Rest: ??? Ich musste raus 🙁

    Naja, jedenfalls, wie die einzelnen Funksprüche ablaufen steht auch beim PA Bremen in der ZIP-Datei. Die Nummer 4 empfehle ich zu lernen.
    Zum üben mit dem Umgang mit dem Controller habe ich mir eine Simulation gekauft, die auch LRC-fähig ist (LRC ist das nächsthöhere Funkzeugnis, das hab ich mir zwischendrin mal überlegt.) Jedenfalls gibt es auch gratis-Simulationen. Beim Prüfungsausschuss nachschauen, welche Geräte die nehmen und dann suchen.

    Die Nachprüfung lief dann ähnlich wie die erste, nachdem ich dann den “Pflichtteil” durch hatte, kamen noch paar Fragen zum Verständnis. Was mir in Erinnerung ist: “Wenn jemand während MAYDAY redet, was macht man dann” – “SCHIFFSNAME – SILENCE MAYDAY” – “Während er spricht oder warten” – “Warten, weil simplex-Kanal” …
    Insgesamt also gut schaffbar, NUR, ein Blackout und zwei Funksprüche total vermischen, ist nicht sinnvoll.

Kosten:

  • 78 Euro Prüfungsgebühr
  • 12 Euro anteilige Fahrtkosten der Prüfer und Raummiete
  • 15 Euro Übungsbögen – Hab ich mir von der Erlanger Segelschule aufquatschen lassen aber nie benutzt. Ich würde sie weiterverkaufen.
  • 20 Euro SRC-Buch – Hab ich durchgelesen, war zum Verständnis ganz hilfreich, aber nicht unbedingt zum bestehen der Prüfung sinnvoll. Und so toll geschrieben war es auch nicht.
  • 32 Euro für die Simulations-CD- es gibt auch Downloads für gratis, aber ich hab die nicht so genau angeschaut….
  • 32 Euro (20 Euro Prüfungsgebühr + 12 Euro Fahrtkosten) Nachprüfung

Also etwa 90 Euro für die erste Prüfung (muss man auch beim Kurs zusätzlich zahlen)
Etwa 67 Euro für Material … davon kann man sich 45 Euro sparen (Bögen und Simulation); Buch würde ich schon empfehlen.

30 Euro für die Nachprüfung. (Gebühr + Fahrtkosten der Prüfer)

Aber selbst mit den gesamten Kosten und Nebenkosten und Nachprüfungkosten war das gesamte erheblich günstiger als ein Kurs, der normalerweise über 100 Euro kostet…. (und Material muss man auch in vielen Kursen noch zusätzlich kaufen) … Und ich hab jetzt eine CD mit der Simulationssoftware, die ich an Freunde gerne ausleihe. Ich brauche sie nicht mehr und hab sie deinstalliert, von daher wäre das komplett  legal. Wenn jemand noch Fragen hat, dann einfach melden.

11Jul

Vuvuzelas

Die Kritik an allen Seiten an den Vuvuzelas finde ich sehr merkwürdig. Denn darin steckt dieser Wiederspruch, den die ARD unbewusst wunderbar auf den Punkt bringt:

Alle Vielfalt bei Fangesängen wurde im akustischen Einheitsbrei vernichtet.

Angeblich wird Vielfalt gewünscht. Daher gibt es ja alle 4 Jahre ein anderes Ausrichterland. Aber wenn die dortige Kultur dominiert, dann stört es plötzlich. Vielfalt geht also nur so weit, wie der Horizont der Berichterstatter?

Diese Kritik an den Vuvuzelas ist ungefähr so, wie der Spruch: “Alle Afrikaner/Asiaten sehen gleich aus.” – Der natürlich völliger Quatsch ist, weil Afrikaner sich gegenseitig besser unterscheiden können als uns Europäer. Aber für einen Europäer, sticht eben erst mal das “schwarz” ins Auge.

Nicht ganz so schlimm, aber in die gleiche Richtung gehend, sind die Behauptungen über Vuvuzelas. Natürlich ist das erstmal eine “monotone” Tröte. Aber gegen Ende der WM konnte man aus dem Vuvuzela-Sound schon ziemlich gut die Stimmung in den Spielen heraushören. Manchmal wurde im “Takt” geblasen, schneller, langsamer, lauter, leiser, rythmischer … und wenn man das dann mal rausgehört hat, dann hat das ziemlich Spaß gemacht. Aber dazu hat es halt erst den Gewöhnungsprozess gebraucht.

Und in dem gequatsche von Bela Rethy und Co geht die Stimmung nicht unter? Was der und seine Kollegen 90 Minuten lang für ein Schwachsinn erzählen, wird manchmal nur noch vom Netzer übertroffen.

Daher kann ich den letzten Satz des oben verlinkten ARD-Kommentars “Gut, dass die ersten Bundesligaklubs schon reagiert und ein Vuvuzela-Verbot für ihre Stadien verhängt haben!” nur so kommentieren: Da bleiben wir deutschen lieber bei den Gasdruckfanfaren.

Gasdruckfanfare

Gasdruckfanfare

Solch eine gewohnte deutsche Fankultur ist halt einfach die beste … soviel besser als die primitiven Tröten, die laut & monoton sind.
P.S.: Und für konstruktive Hinweise zur Erfassung des Diebes meiner Vuvuzela setze ich hiermit 5€ Belohnung aus. Vor dem Argentinien-Spiel habe ich die Vuvuzela erstmal auf dem Gepäckträger des Fahrrades (vor den Arcaden geparkt)  gelassen und von dort wurde sie geklaut.

04Jul

Merkel und Teamplay

Merkel und Yogi haben so einiges gemeinsam. Beide wollen Erfolg, beide wollen DIE Respektsperson sein. Doch einen kleinen, entscheidenden Unterschied gibt es:
Während Yogi als Respektsperson akzeptiert wird und auf Spielerebene eine super Harmonie herrscht, ist Merkel irgendwie zur Witzfigur verkommen und probiert ihren Kindergarten zu managen.
Daher hoffe ich, dass sie beim Ausflug gestern zum Fußball etwas gelernt hat.

Die Kommentare zum Merkelausflug hier gehen ja in die gleiche Richtung

Edit: Noch ein schöner Artikel in der SZ.

03Jul

Lospech

Bevor nachher die deutsche Mannschaft spielt, habe ich doch noch mal etwas rumgerechnet. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die deutschen diese WM den allerschwersten Weg durch die KO-Runde bekommen.

Der Beweis, wenn alles in den anderen Spielen läuft wie erwartet ergibt sich die Folge

England – Argentinien – Spanien – Brasilien

Und ein Blick auf die FIFA-Weltrangliste zeigt, dies sind eindeutig (und nicht nur subjektiv) mit die TOP-Teams, die es gibt.

Klar, bei den anderen schlagen zwischendurch Portugal oder Niederlande auf, die sicherlich auch noch höher zu werten sind als England und Argentinien, aber wenn die beiden Teams Spanien und Brasilien einen leichteren Weg hätten, wäre das ja akzeptabel, aber dass ALLE anderen einen leichteren Weg haben…

Und nun der Beweis, die Zahlen sind die Punkte, die der jeweilig erwartete Gegner in der Fifa-Weltrangliste hat:

Land AF VF HF F Summe
Arg 895 1082 1565 1611
1231
5153
4773
Bra 888 1231 899 1565 4583
Ger 1068 1076 1565 1611
1231
5320
4900
Gha 957 899 1611
1231
1565 5032
4652
Net 777 1611 899 1565 4852
Par 682 1565 1076 1611
1231
4934
4554
Spa 1249 820 1076 1611
1231
4756
4376
Uru 632 800 1611
1231
1565 4608
4228

witzigerweise wären wir vom zweiten Gruppenplatz mit

USA URU BRA SPA als “erwartete” Gegner (die jetzt Ghana hat) sogar fast genauso schlimm drangewesen.

Naja, ich bleib bei meiner Meinung, die Gegner sind genau richtig, um sich in einen Rausch zu spielen.

P.S. Die erwarteten Gegner kommen von hier, die Punkte von hier
P.P.S.: Das Ausscheiden Brasiliens wurde jetzt reineditiert. Aber weitere “Änderungen” (von denen ich ganz fest ausgehe) werden nicht reineditiert…

01Jul

Ist Kritik an Schiris jetzt verboten?

Foul oder kein Foul

Über viele Schiri-Entscheidungen wurde ja diskutiert, aber ich habe das Gefühl, dass da jetzt eine Funkstille verdonnert wurde.

Das Abseits der Spanier wurde teilweise gar nicht erwähnt. Ohne das Tor wäre es 0:0 ausgegangen.

Bei der Führung der Brasilianer habe ich ein Foul gesehen.ScreenShot005 Das wurde nirgends erwähnt.

Bin ich paranoid? Ist das normal, das vor einem Tor ein anderer Spieler umgelaufen wird. Oder warum hat da kein Reporter mal was dazu gesagt?

Ach ja, falls es normal ist, dann wäre ich für folgende Taktik für das nächste Turnier:

Im Sturm und offensiven Mittelfeld werden 2-3 Leute ersetzt, z.B. durch Matthias Steiner, Torsten Scheibler (Bild), o.ä.

24May

Neid + Schumi + F1

“Schumi kommt zurück.” So oder so ähnlich lauteten im letzten Jahr einige Schlagzeilen. Krass wurde es aber, wenn man in die Kommentare der Onlineausgaben einiger Zeitungen schaut. Jeder der das kritisiert, dass Mercedes 7 Mio Euro fürs “im Kreis fahren” ausgibt (allein für Schumi + Mechaniker + Materialkosten + …) wird als “Neider” bezeichnet. Das finde ich krass.

Natürlich würde ich auch gerne 7 Mio Euro jährlich verdienen (ich wäre ja schon über 70.000 froh) und bin etwas neidisch, dass der Schumi so viel bekommt. Die spannende Frage ist jetzt, ob der so viel leistet, dass er 7 Mio wert ist. Werden dadurch so viel mehr Mercedes verkauft? Steigt dadurch der Wert eines Mercedes um so viel?

Jetzt einfach mal eine kleine Rechnung: Laut Planet Wissen kostet eine Formel1-Saison etwa 300-400 Mio Euro. Bei der Verlagerung von Sindelfingen in die USA ging es um ein Werk mit 37.000 Mitarbeiter. (Focus) Warum hat man da groß diskutiert? Wenn man pro Mitarbeiter einfach so 10.000 Euro aus der F1-Abteilung bekommen hätte, dann wären die “Restkosten” doch fast konkurrenzlos billig, oder nicht?

Also ja, ich bin schon etwas neidisch… aber ich finde es auch einfach gesponnen, wofür Geld da ist und wofür nicht.

P.S.: Dieser Eintrag geistert als Draft schon lange rum und ist etwas älter, aber immer noch aktuell, insbesondere da jetzt herauskam, dass er nicht mal so viel leistet, wie einige Fans erwartet haben ….

22May

Gut für die Bundesliga

Mal was aus dem Sport… trotz der Hinweise da solle die Politik draußen bleiben, gehe ich jetzt mal auf Fußball ein… aber damit löse ich auch ein altes Versprechen ein…

Nach einem Pokalspiel durfte ich im Internet lesen

“Die Bundesliga kann froh sein, so einen Weltklassestürmer wie Robben halten zu können”

Ist das wirklich so? Ich habe da meine Zweifel. Daher überlege ich mal, was gut für die Bundesliga ist. Welchen Sinn hat überhaupt Fußball? Es ist eine Unterhaltung …

Nun behaupte ich 2 Sachen:

  • Für die Spannung ist eine ausgeglichene Liga optimal. Wenn nicht von Anfang an feststehen würde, dass Bayern oben mitspielt.
  • Für die Identifikation wären Vereine optimal, die wirklich lokale Spieler beschäftigen.

Wir haben aber die Situation, dass jeder Bundesligaverein sich seine Spieler eigentlich von kleineren Vereinen wegschnappt. Und ganz vorne dabei sind die Bayern. Trotz ihrer Jugendarbeit (wobei hier bedeutet Jugendarbeit auch, dass Spieler von anderen Vereinen abgeworben werden – nur jünger und billiger … und Ausnahmen bestätigen die Regel).

  • Klose von Bremen
  • Olic von Hamburg
  • Gomez von Stuttgart
  • Müller aus den eigenen Reihen

Nun Frage ich mich, warum gehen die Spieler Klose, Olic, Gomez zum FCB? Da sehe ich 2 Gründe:

  1. Geld
  2. Erfolg

Aber genau dann sind wir in einem Teufelskreis. Dadurch, dass die Spieler wie Söldner dem Geld und Erfolg hinterherrennen, bleibt der FCB erfolgreicher und verdient damit mehr Geld als alle anderen, bekommt wieder die besten Spieler und kann sich so gut oben halten. In dieser Saison waren noch andere Gerüchte im Umlauf, z.B. Neuer von Schalke.

Ich bin dem System FCB gegenüber sehr skeptisch, auch wenn ich neidvoll anerkennen muss, dass Uli Höneß es in einer Perfektion umgesetzt hat, die wirklich beeindruckend ist.
Aber gut für die Bundesliga wäre genau das Gegenteil: Gute Spieler, die direkt aus der Gegend des Vereins kommen und eine ausgeglichene Bundesliga bewirken.

Wir haben also im Fußball ein System, in dem die guten Spieler (aller Altersklassen) zu den TOP-Vereinen gehen, weil sie dort am meisten Geld und Erfolg erwarten. Und damit ist das eine “Self-fulfilling prophecy”.
Also nun zurück zu der Aussage “Die Bundesliga …” wer ist überhaupt die Bundeslige? Die DFL-Gesellschaft die Geldverdienen will? Die Fans? Ich behaupte, für beide wäre eine ausgeglichene Liga besser und spannender?
“… kann froh sein, so einen […] halten zu können.”
Welche Vorteile hat denn “die Bundesliga” davon. Das eine oder andere schöne Tor? Wäre es nicht besser, wenn die vielgelobte Jugendarbeit das insgesamt vermitteln würde, als einzelne Leute einzukaufen, die es können?

Natürlich ist das kein deutsches Problem, sondern ein internationales… und weil die Vereine in der Liga oder dem Europapokal gewinnen wollen (oder zumindest gut abschneiden), müssen sie beim Wettrüsten mitmachen. Die Folge sind viele überschuldete Vereine, immense Kosten … und wer zahlt das alles? Der Fan, bzw. der Konsument, der für die Sponsoren zahlt. Wer Bahn fährt zahlt für Berlin, wer noch über die Telekom telefoniert zahlt für die Münchner … im Endeffekt ist man erstaunt darüber, dass die Firmen so viel Geld für Fußball übrig haben und wundert sich, warum bei jeder Gehaltsverhandlung um Mini-Erhöhungen gestritten wird. Zum Beispiel die Telekom: 20 Millionen für den FCB.

Und nun muss man natürlich sagen, dass es für die Bundesligavereine (und deren Fans) tatsächlich gut ist, wenn die deutschen Vereine im Europapokal gut abschneiden. Dann gibt es nämlich einen Startplatz mehr. Heute Abend braucht der FCB mindestens das Elfmeterschießen, dann hat Deutschland Italien überholt. Also drück ich denen die Daumen.

Oder mal die Frage zurück: Was ist der Vorteil daran, wenn die Vereine sich Stars zusammenkaufen (können)?

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