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Studenten
24Jan

Volksentscheid: “Studiengebühren abschaffen”

Zur Zeit läuft ein Volksentscheid zur Abschaffung der Studiengebühren in Bayern. Den finde ich gut und finde, dass jeder sich eintragen sollte.

Warum?

  • Es gibt gewisse Infrastruktur, die der Staat bereit stellt. Dazu zähle ich die Versorgung mit Wasser/Strom, Sicherheit(Feuerwehr, Polizei) Gesundheit (Ärzte, Krankenhäuser, Rettungsdienste), Bildung, … und ich finde, der Zugang dazu muss nicht unbedingt kostenfrei sein, aber gut bezahlbar ohne (immense) Verschuldung.
    In allen Bereichen bekommen die Leute, die es sich nicht leisten können, eine (mehr oder weniger) ausreichende Unterstützung:
    Wer kaum Geld hat bekommt HartzIV, da ist ein gewisser Anteil für Strom, Wasser, … dabei und die Krankenversicherung ist auch kostenlos.
    Nur bei Bildung, da hapert es. Im Kindergarten zahlt man ca. 100 Euro pro Monat. In der Schule ist es schon eine ganze Stufe günstiger, aber auch da fallen einige Kosten an. Aber dann das Studium. Ein Studium ist eine enorme Investition, von der man selber profitiert, aber auch die Gesellschaft daran enormen Nutzen hat. Ein Studium kostet so schon etwa 500 Euro pro Monat. (Miete + Lebenshaltungskosten). Zahlen muss das ein Student, der im Normalfall noch kein Geld hat. Mit etwas Glück zahlen es die Eltern. Ansonsten kann man über Bafög etwa die Hälfte davon als Kredit und die andere Hälfte geschenkt bekommen.
    Keine Frage, später, wenn man von dem Studium profitiert, dann soll man auch zahlen. Dafür gibt es die Lohnsteuer. Wer gut verdient, zahlt mehr Steuern.
  • Es gibt angeblich einen Fachkräftemangel. Ich habe da gewisse Zweifel, dass es wirklich sooo dramatisch ist, aber es ist wohl unstrittig, dass Leute mit Studium oder einer vernünftigen Ausbildung erheblich seltener Arbeitslos sind als Leute ohne vernünftige Ausbildung. Daher müsste es Ziel der Politik sein, dass Bildung allgemein zugänglich ist und Leute nicht schon ganz früh “aussortiert” werden. Dazu gehört eine vernünftige gemeinsame Schule, in der trotzdem noch möglichst individuell gefördert und gefordert wird (aber das ist ein anderes Thema), aber eben auch, dass der Zugagn zur Bildung nicht von finanziellen Mitteln der Eltern abhängt.
  • Das Argument “die Krankenpfleger zahlt für das Studium von der Tochter der Ärztin” ist quatsch. Ein Akademiker der 50.000 verdient zahlt im Jahr etwa 6000 Euro steuern. Jemand der 30.000 verdient, zahlt nur etwa 1500 Euro steuern pro Jahr (online-Steuerrechner, Steuerklasse 3, keine Kirchensteuer, alles “gesetzlich” versichert). D.h. jeder Student, der dann später auch mehr verdient, zahlt erheblich mehr an Steuern. Das ist gut so, das ist fair, aber damit bekommt der Staat eh schon für das Studium sehr viel zurück. Ein durchschnittlicher Student kostet etwa 60.000 Euro. Also wenn jemand mit 20 anfängt zu arbeiten, im Schnitt 30.000 verdient und 1500 Steuern zahlt, dann hat er/sie mit 60 etwa 60.000 Euro (40 Jahre * 1500) an den Staat gezahlt. Ein Student fängt paar Jahre später an zu arbeiten, aber im Schnitt spätestens mit 30, zahlt aber 180.000 Euro (30 Jahre*6000€) Steuern, bringt dem Staat also “Netto” 120.000 ein. Also damit dürfte wohl klar sein, dass sein Student sein Studium selber (im nachhinein, über höhere Steuern) zahlt UND dass es sich sogar für die Krankenschwester lohnt, wenn mehr Leute studieren, weil jeder “Gutverdiener” der sein Gehalt ordentlich versteuert für den Staat viel mehr wert ist.
    Noch schlimmer in der Bilanz sind übrigens Arbeitslose, die “bringen” dem Staat nichts, sondern sie kosten … und schlecht ausgebildete Menschen haben eben das höhere Risiko.
    Also muss sich der Krankenpfleger überlegen, will er lieber ein Kind mehr, das studiert, dass dann später gute Steuern zahlt, oder will er lieber jemand schlecht ausgebildeten, der keinen Job bekommt (noch ein Krankenpfleger?) …
  • Die Regierung hat versprochen, dass die Gebühren nur für die Verbesserung eingesetzt werden. Dieses Versprechen haben sie NICHT gehalten, wie in diversen (1 2 3) Berichten zu erfahren ist. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, aus den Studiengebühren einen eigenen “Sonderhaushalt” zu machen oder ob sich Studenten einfach generell an den Kosten beteiligen sollen. Aber wenn so etwas versprochen wird, dann muss es auch eingehalten werden.
  • Bayern ist ein High-Tech-Bundesland. Gerade Bayern braucht daher viele ausgebildeten Fachkräfte.
  • Bayern hat genug Geld für unsinnige Projekte, warum also nicht für eine gute Ausbildung. Selbst Seehofer will sie inzwischen wieder abschaffen.
  • 1000 Euro pro Jahr sind verdammt viel. Bei jeder Steuersatzanpassung rühmen sie sich mit “300 Euro mehr in der Tasche”. Aber jemandem der nichts verdient und eh bei den Eltern betteln muss (nämlich den jungen Menschen, die ein Studium starten wollen), 1000 Euro abzuverlangen, das scheint OK. Studiengebühren abschaffen, Spitzensteuersatz erhöhen, dann ist es fair. Dann zahlen die REICHEN Eltern und alle, die schon von der guten staatlichen Infrastruktur profitiert haben, eben alle Gutverdiener, noch mehr zurück. Damit könnte ich leben. Aber nicht jemandem, der eh nichts hat, noch 1000 Euro abzuknüpfen.

Fazit: Wir brauchen viele gut ausgebildete Personen (Studenten, Fachausbildungen, …) und sollten niemandem Steine in den Weg legen. Für den Staat ammortisiert sich diese Investition in Bildung, selbst bei dem Gehaltssprung von 30.000 auf 50.000 hat der Staat von einer Person die 60 Jahre alt ist, etwa 60.000 Euro Netto mehr. Da sind schon 10 Jahre weniger Arbeitszeit und die Kosten des Studiums eingerechnet. Arbeitslosigkeit kann am Besten durch Bildung bekämpft werden…. es lohnt sich also für ALLE, sich beim Volksbegehren einzutragen und wenn es zur Abstimmung kommt, dann auch für die Abschaffung zu stimmen.

08Dec

Studentenproteste

In den letzten Tagen habe ich 2 ganz unterschiedliche Bilder der Studentenproteste gesehen. Einerseits direkt, live und vor Ort die “öffentlichen Vorlesungen” der Erlanger Uni, die wir als Grüner Kreisvorstand besucht haben und denen wir nur unser allergrößtes Lob aussprechen können. Diese Aktionen zeigen, nicht nur die Studenten finden die derzeitige Situation nicht mehr erträglich, sie haben auch eine Unterstützung aus dem Lehrkörper. Die Dozenten machen mit. Ich möchte jedem empfehlen, der diese Woche Zeit hat, sich einfach mal zu einer Vorlesung dazuzugesellen und zuzuhören.

Ein anderes Bild kommt aus Frankfurt. Da geht es nicht so schön zu:

Räumung Casino Goethe Universität Frankfurt am Main 03.Dezember 2009 from Janina Vogel on Vimeo.

Jetzt ist es natürlich schwer, aufgrund eines Videos zu beurteilen, was wirklich vorgefallen ist, aber in letzter Zeit sind ja immer wieder Videos aufgetaucht, die klar gezeigt haben, dass die Polizei durchgedreht evtl. unangemessen vorgegangen ist. Andererseits habe ich gerade aus Frankfurt studentische Texte gelesen, die bei mir auch das Bild aufkommen liesen, dass dort schon einige sind, die ich in die “Krawall-Chaoten-Ecke” einstufen würde und von sich nicht klar genug distanziert wurde. Schmierereien und Sachbeschädigungen wurden teilweise als gerechtfertigt oder zumindest nicht als verurteilenswert eingestuft. Daher ist natürlich irgendwann der Zeitpunkt gekommen, bei dem ein Hochsuchuldirektor eingreifen kann bzw. muss und die Polizei dazuholen muss.

Daher mein Aufruf, an Studenten, Dozenten, Politik und Polizei. Lasst die Gewalt draußen. Setzt Euch zusammen, macht schöne Aktionen, z.B. wie in Erlangen, aber bestimmt auch an ganz vielen anderen Hochschulen, arbeitet konstruktiv und bringt unsere Unis voran. Ich war auch Jahrelang an der Uni, war auch recht viel in den diversen Unigremien unterwegs. Ich kenne die Probleme der Studenten. Aber ich habe auch erfahren, dass viele Profs und Unimitarbeiter (zumindest in der Ulmer Informatik … eigentlich aber an der gesamten Ulmer Uni) für vernünftige Argumente stets ein offenes Ohr hatten und eigentlich nie ein unbegründetes “Nein” kam (klar, einige Entscheidungen gehen gegen die eigene Meinung, aber solange es auch für die andere Position gute Gründe gibt, dann passt das ja).

Daher an all die Politiker, die heute meinen, sie wüssten was gut für die Studenten ist. Habt ihr überhaupt aktiv mitbekommen, wie Bachelor/Master läuft? In Ulm lief das quasi mit meinem Studienbeginn parallel zum Diplom an, von daher habe ich es am Rande mitbekommen. Ich habe auch über die Gremien mitbekommen, wie die Bachelor- und Masterstudiengänge weiter geplant und umgesetzt wurden. Aber richtig mitbekommen wie es läuft habe ich nicht. Daher würde ich mir mal wünschen, dass die Berufs-Politiker sich da mal einfach in einen Kurs mit reinsetzen und dann offen für Feedback sind und nicht alles gleich wieder mir ihrer Rhetorik “runterreden”.