Grün und vegan

Persönlicher Einstieg: Vom Wissen zum Handeln

Ich selbst lebe nun seit etwas über drei Jahren vegan. Erst seit drei Jahren. Und trotzdem habe ich in dieser Zeit mehr über Ernährung, deren Erzeugung und alternative Ernährungsformen gelernt als in den zwanzig Jahren davor. Rückblickend frage ich mich, wie ignorant ich eigentlich sein konnte – zumindest in den letzten zwei Jahrzehnten meines Lebens und wie ich anderen Leuten helfen kann, auch aus der „Gewohnheit“ herauszukommen.

Ich wusste damals schon, dass eine vegane Ernährung „eigentlich“ besser ist. Sie hat viele Vorteile [ASS][PETA] und kaum bis keine Nachteile. Dieses Wissen war da. Ich habe es nur konsequent ignoriert.

Veganismus als logische Konsequenz grüner Werte

Egal, von welcher Seite man es betrachtet – Kampf gegen Diskriminierung und verschiedene „-ismen“ (inklusive Speziesismus), Einsatz für Umwelt- und Klimaschutz, Welternährung, Lebensmittelpreise, Engagement gegen Tierquälerei oder Schutz der Biodiversität – fast immer landet man beim gleichen Ergebnis:

Veganismus ist eine sehr naheliegende, logische Konsequenz grüner Werte.

Wissen, Verdrängung und Widerspruch

Diese persönliche Erfahrung und Erkenntnis führt zu einer grundsätzlichen Frage: Warum können wir Menschen Dinge ignorieren, obwohl wir es besser wissen – gerade dann, wenn wir informiert sind und uns aktiv mit gesellschaftlichen Problemen beschäftigen?

Im grünen Umfeld zeigt sich dieser Widerspruch besonders deutlich. Innerhalb der Partei hat sich immerhin durchgesetzt, dass es auf vielen Veranstaltungen ein großes veganes Angebot gibt – teilweise, wenn auch noch selten, sogar ausschließlich veganes Catering. In der Organisation sickert die Erkenntnis also langsam durch.

Gleichzeitig klafft eine Lücke zwischen politischen Überzeugungen und persönlichem Verhalten der Mitglieder. Auf Parteitagen wird für strengere Tierschutzgesetze gestimmt, danach kaufen dieselben Menschen eine Salami-Pizza oder einen Puten-Döner (außerhalb vom Parteitag).

Dieses Verhalten wird auch von Tierschützern sehr kritisch wahrgenommen, die daher immer mehr zu anderen Parteien (Tierschutzpartei) tendieren.

Strukturpolitik und persönliche Verantwortung

Oft wird an dieser Stelle argumentiert, Politik solle Strukturen verändern und nicht individuelles Verhalten moralisieren. Persönliche Verantwortung müsse daher in den Hintergrund treten. Grundsätzlich richtig.

Aber jede ernsthafte Strukturveränderung würde zwangsläufig dazu führen, dass der Konsum von Fleisch und tierischen Produkten massiv zurückgeht. Das Angebot würde sich verschieben: hin zu überwiegend veganen Produkten, während Tierprodukte klar gekennzeichnet und zur Ausnahme würden. Das heißt wir würden auch dann unsere Ernährung umstellen.

Klar, geänderte Strukturen würde vieles erleichtern – im Supermarkt wie in der Gastronomie. Doch auch heute ist es bereits gut möglich, sich vegan zu ernähren. Ganz ohne staatlichen Zwang. Also warum sollte man auf den Staat warten, dass er es einem vorschreibt, wenn wir heute schon den richtigen Schritt machen können?

Und man kann Strukturen auch ändern, indem man eben die Strukturen durch den täglichen Konsum einfordert und stärkt. Hafermilich ist inzwischen überall verfügbar und massiv im Preis gefallen. Vegane Produkte sind aufgrund der immer größer werdenden Zielgruppe oft gut gekennzeichnet. Je mehr Leute vegan werden, desto mehr wird die Wirtschaft die Strukturen (auch) für diese Zielgruppe optimieren. Daher auch aus der „Strukturänderungs-Perspektive“ macht es natürlich Sinn, selber schon den ersten Schritt zu gehen.

Schlussgedanke

Ich wünsche mir daher, dass wir Grünen deutlich mehr darüber sprechen, dass wir selbst zu einem großen Teil – und möglichst schnell – vegan leben wollen. Nicht aus moralischer Überheblichkeit, sondern aus Konsequenz, Glaubwürdigkeit und echter Verantwortung.

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